Obstmaische und internes Heizelement

Obst ernten oder kaufen, verarbeiten, vergären und brennen
uncle_jack
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Obstmaische und internes Heizelement

Beitrag von uncle_jack »

Hallo zusammen,

ich hätte gerne eure Meinung zum besten Vorgehen für Obstmaischen mit meinem Setup. Ich brenne mit einem Bierfass mit 4" Tri-Clamp und internem Heizelement. Darauf kann ich entweder einen Potstill-Head, eine Kolonne mit 3 Böden oder aber eine mit Kupfer-Schrubbern gefüllte Kolonne mit variabler Länge (50cm, 100cm, 150cm) packen.

Für das Brennen von Obstmaischen sehen ich nun zwei Entscheidungen, welche zu treffen sind:
  • 1) Welcher Aufsatz soll auf die Brennblase?
  • 2) Wie gehe ich mit dem Anbrennen der Maische um?
Bei Frage 1) tendiere ich entweder zur
  • (i) Potstill
  • (ii) oder der Kolonne mit 3 Bubble Plates
Vorteil der Plates ist natürlich ganz klar, dass ich nur einmal brennen muss. Nachteil könnte eine geringere Ausbeute der Aromen sein.

Bei Frage 2) sehe ich aktuell vier mögliche Optionen:
  • Option a): Die Maische vor dem Brennen möglichst gut abpressen und nur den flüssigen Anteil destillieren
  • Option b): Analog Option a), dabei aber einen Teil bzw. die gesamten Fruchtreste in einem Baumwollsack oder Edelstahlkorb mit in die Brennblase geben
  • Option c): Analog Option a), aber vor dem Brennen die Fruchtreste in etwas Wasser aufkochen, erneut abpressen und den so gewonnen "Saft/Auszug" mit in die Brennblase geben. Idee hier: Möglichst viel Aroma aus den Früchten extrahieren, bevor sie verworfen werden
  • Option d): Etwas Edelstahl-Geflecht oder Edelstahl-Schrubber über mein Heizelement schieben, um direkten Kontakt zu Feststoffen zu reduzieren und ein Anbrennen somit zu reduzieren/vermeiden
Wie würdet ihr an meiner Stelle vorgehen? Oder seht ihr noch weitere Optionen, welche ich habe.

Aus dem Bauch heraus würde ich aktuell zur Kombination (ii) + (a) oder (ii) + (c) tendieren.

Viele Grüße
Jack
Zuletzt geändert von uncle_jack am 24. Feb 2021, 12:52, insgesamt 1-mal geändert.
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azeotrop
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Re: Obstmaische und internes Heizelement

Beitrag von azeotrop »

uncle_jack hat geschrieben: 23. Feb 2021, 22:01 Kombination (ii) + (a) oder (ii) + (c)
Ich habe eigentlich keine Zeit dieses Rätsel zu lösen.
Was hast du nun genau vor?
Es grüßt Azeotrop
"Doubt not, therefore, sir, but that distilling is an art, and an art worth your learning."
(Nixon & McCaw)
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Alk52
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Re: Obstmaische und internes Heizelement

Beitrag von Alk52 »

In Experimente Apfelbrand habe ich unterschiedliches Vorgehen beim Brennen von Obst verglichen.
Alk52 hat geschrieben: 30. Nov 2020, 21:12 Angeregt durch die Studie über den Einfluß der Destillation auf die Qualität eines Apfelbrandes {Post v. 28.11.2020} habe ich beschlossen ein paar Experimente zu wagen, um dann abzuwägen, wie ich zukünftig meine Äpfel brenne.
Die Quelle hat festgestellt, dass (bei Äpfeln) ein Kolonnenbrand zu besseren Ergebnissen führt als ein 1- oder 2-fach Brand.
Damit beantworte ich Deine erste Frage (Aufsatz) mit Kolonne, aber nur in Verbindung mit einem Reflux-Kühler, damit Du ein RefluxVerhältnis von ca. 2,6 einstellen kannst.

Deine Variante d) (Einhüllen in ein Edelstahlnetz) zur Heizung bzw. gegen Anbrennen der Maische würde ich vorziehen, wenn auf die Schnelle kein Rührwerk realisieren werden kann.
Ein Bild zeigt mehr, als man auf den ersten Blick sieht - nichts ist ohne Grund.
uncle_jack
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Re: Obstmaische und internes Heizelement

Beitrag von uncle_jack »

azeotrop hat geschrieben: 23. Feb 2021, 22:09
uncle_jack hat geschrieben: 23. Feb 2021, 22:01 Kombination (ii) + (a) oder (ii) + (c)
Ich habe eigentlich keine Zeit dieses Rätsel zu lösen.
Was hast du nun genau vor?
Hilfreicher Beitrag, danke dafür.
Ich habe in meinem Beitrag eine Nummerierung der Möglichkeiten vorgenommen, sodass einfach über die Optionen diskutiert werden kann.
Alk52 hat geschrieben: 23. Feb 2021, 22:39
Alk52 hat geschrieben: 30. Nov 2020, 21:12 Angeregt durch die Studie über den Einfluß der Destillation auf die Qualität eines Apfelbrandes {Post v. 28.11.2020} habe ich beschlossen ein paar Experimente zu wagen, um dann abzuwägen, wie ich zukünftig meine Äpfel brenne.
Die Quelle hat festgestellt, dass (bei Äpfeln) ein Kolonnenbrand zu besseren Ergebnissen führt als ein 1- oder 2-fach Brand.
Damit beantworte ich Deine erste Frage (Aufsatz) mit Kolonne, aber nur in Verbindung mit einem Reflux-Kühler, damit Du ein RefluxVerhältnis von ca. 2,6 einstellen kannst.
Das klingt spannend. Werde ich mir durchlesen. Hast du noch im Kopf wie hoch die Kolonne in der Studie war?
Alk52 hat geschrieben: 23. Feb 2021, 22:39 Deine Variante d) (Einhüllen in ein Edelstahlnetz) zur Heizung bzw. gegen Anbrennen der Maische würde ich vorziehen, wenn auf die Schnelle kein Rührwerk realisieren werden kann.
Rührwerk ist keines geplant, wäre mit einem internen Element wohl auch nur sehr schwer umsetzbar.
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derwo
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Re: Obstmaische und internes Heizelement

Beitrag von derwo »

Ich habe auch etwas gebraucht, das i und ii im Beitrag zu finden. Egal.

Ich würde nicht die Kolonne für Aromabbrände nehmen sondern die Potstill im Mehrfachbrennverfahren. So habe ich angefangen, dann habe ich lange Kolonnen-Einfachbrände gemacht, und dann bin ich wieder zu der Potstill zurück. Ich finde, sie bringt mehr gute Aromen und weniger schlechte Aromen ins Destillat. Ein Doppelbrand in der Potstill ist weicher als ein Einfachbrand in der Kolonne. Das ist der Grund und der lässt sich auch theoretisch begründen: Bei einem Doppelbrand entleerst du mittendrin den Kessel und nimmst dadurch viele schlechte Stoffe (Säuren) aus dem Spiel, bei der Kolonne nicht.
Die pdf von Alk52 halte ich für einseitig. Der Potstillbrand wurde viel zu unsauber gebrannt und wenn ich mir die "sensory analyses" anschaue, wo der Potstill-Einfachbrand bei "Odour" und "Taste" genauso gut abschneidet wie der Doppelbrand, dann wundere ich mich ziemlich. Ich meine, jeder hier von uns weiß, daß ein Raubrand deutlich schlechter schmeckt als ein Doppelbrand. Jeder, der schon mal einen Doppelbrand gemacht hat, hat auch mal einen Raubrand gemacht und weiß, daß der noch nicht fertig ist. Laut deren Analyse wäre es also egal, ob man doppelt oder einfach brennt.

Mit dem Heizelement musst du abpressen und filtern, sorry, eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Ein Sieb oder sowas um das Heizelement herum hat das Problem, daß die feinen Stoffe durchgelassen werden. Diese brennen leichter an als die groben Stoffe. Auch vermindert der Sieb den Abtransport der Hitze und das Verwirbeln der hineingelassenen Feststoffe. Es gab mal Prototypen von stilldragon, die aber im Prinzip gescheitert sind:
https://homedistiller.org/forum/viewtop ... =1&t=59737
Einige Maischen sind angebrannt. Ist dann im Sand verlaufen.
LWTCS arbeitet für stilldragon. Leider hat er sich nicht abschliessend geäußert. Nur ein paar Prototypen an Freunde verschickt.Schaut aus, als hatte er keine Lust, das Scheitern dieser Idee, von der er so überzeugt war, groß öffentlich zu machen.
uncle_jack
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Re: Obstmaische und internes Heizelement

Beitrag von uncle_jack »

derwo hat geschrieben: 24. Feb 2021, 10:26 Ich habe auch etwas gebraucht, das i und ii im Beitrag zu finden. Egal.
Ich habe den ursprünglichen Post nochmal editiert und etwas klarer gegliedert, hoffe so gibt es weniger Verwirrung. Vielleicht sollte ich künftig nicht mehr mit dem Smartphone tippen? :thinking: Mit Tastatur tut man sich doch etwas leichter...

Ich würde nicht die Kolonne für Aromabbrände nehmen sondern die Potstill im Mehrfachbrennverfahren. So habe ich angefangen, dann habe ich lange Kolonnen-Einfachbrände gemacht, und dann bin ich wieder zu der Potstill zurück. Ich finde, sie bringt mehr gute Aromen und weniger schlechte Aromen ins Destillat. Ein Doppelbrand in der Potstill ist weicher als ein Einfachbrand in der Kolonne. Das ist der Grund und der lässt sich auch theoretisch begründen: Bei einem Doppelbrand entleerst du mittendrin den Kessel und nimmst dadurch viele schlechte Stoffe (Säuren) aus dem Spiel, bei der Kolonne nicht.
Du hattest deine Einfachbrände vermutlich mit einer SPP-Kolonne gebrannt? Hier wäre es spannend zu wissen, ob Kolonnen mit Böden dieses Problem zumindest teilweise lösen können. Generell sagt man ihnen ja nach, dass sie mehr Aroma bringen.
Die pdf von Alk52 halte ich für einseitig. Der Potstillbrand wurde viel zu unsauber gebrannt und wenn ich mir die "sensory analyses" anschaue, wo der Potstill-Einfachbrand bei "Odour" und "Taste" genauso gut abschneidet wie der Doppelbrand, dann wundere ich mich ziemlich. Ich meine, jeder hier von uns weiß, daß ein Raubrand deutlich schlechter schmeckt als ein Doppelbrand. Jeder, der schon mal einen Doppelbrand gemacht hat, hat auch mal einen Raubrand gemacht und weiß, daß der noch nicht fertig ist. Laut deren Analyse wäre es also egal, ob man doppelt oder einfach brennt.

Mit dem Heizelement musst du abpressen und filtern, sorry, eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Ein Sieb oder sowas um das Heizelement herum hat das Problem, daß die feinen Stoffe durchgelassen werden. Diese brennen leichter an als die groben Stoffe. Auch vermindert der Sieb den Abtransport der Hitze und das Verwirbeln der hineingelassenen Feststoffe. Es gab mal Prototypen von stilldragon, die aber im Prinzip gescheitert sind:
https://homedistiller.org/forum/viewtop ... =1&t=59737
Einige Maischen sind angebrannt. Ist dann im Sand verlaufen.
LWTCS arbeitet für stilldragon. Leider hat er sich nicht abschliessend geäußert. Nur ein paar Prototypen an Freunde verschickt.Schaut aus, als hatte er keine Lust, das Scheitern dieser Idee, von der er so überzeugt war, groß öffentlich zu machen.
Das war schon fast meine Vermutung, danke für die Bestätigung. Interessant zu wissen, das so etwas sogar schon mal im mehr oder weniger kommerziellen Bereich versucht wurde.
Denkst du, dass meine Variante c) mit einem "Auszug" der Fruchtreste eine spürbare Verbesserung gegenüber dem einfachen Abpressen sein könnte?
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derwo
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Re: Obstmaische und internes Heizelement

Beitrag von derwo »

Ja, ich habe mit SPP gebrannt. Daß Plattenkolonnen mehr Aroma bringen, ist bisher weder bewiesesn noch überhaupt schlüssig begründet worden. Die ersten Packungskolonnen waren halt klar darauf konzipiert, Neutralalkohol zu erzeugen. Und sie mussten erst angepasst werden, um damit auch Aromabrände machen zu können.

Es hängt sehr von den Früchten und wie du sie zerkleinert hast ab, ob du die überhaupt abtrennen kannst, ohne daß du mehr als die Hälfte der Maische verlierst. Es ist eine Wahnsinnsarbeit jedesmal. Vielleicht machst du es einmal und dann überlegst du dir nochmal, eine Beheizung von unten und ein Rührwerk nachzurüsten.
Mit kochendem Wasser würde ich jedenfalls nichts machen. Da verdampfen dir der Alkohol und die Aromen, bevor sie in der Destille sind. Wenn dann mit kaltem Wasser den "Trester" nochmal aufgießen, durchrühren und dann abfiltern. Das verdünnt den Kesselinhalt natürlich wesentlich und verlangt dann also entweder mehr Rektifikation oder mehr Destillationen.