Kirschen mit Würmern einmaischen?

Obst ernten oder kaufen, verarbeiten, vergären und brennen
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derwo
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Re: Kirschen mit Würmern einmaischen?

Beitrag von derwo » 7. Okt 2019, 22:20

Die Raubrände werden vielleicht sogar bis etwas über 100°C gehen. Ich habe auch schon of Wasser destilliert. Da zeigt mein Thermometer meist 100.3°C an. Bei langen Raubränden können es schonmal 100.7°C sein.

Etwas Vorlauf schon beim Raubrand abzunehmen, empfehle ich für Neutralalkohol und Obstbrände. Bei Whisky und vor allem Rum nicht.

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azeotrop
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Re: Kirschen mit Würmern einmaischen?

Beitrag von azeotrop » 11. Okt 2019, 19:22

Der zweite Brand ist nun durch.
Vor dem Brennen habe ich nochmal gemessen: 8,3 L bei 27,2% sind im Kessel. Da hatte ich mich beim ersten mal mit den 28,5% etwas vermessen.

Folgende Mengen wurden aufgefangen:
4 Vorlauffraktionen á 27ml (jede ca. 80%)
Mittellauf 2 L mit 70%
Danach 16 Gläschen á 88ml mit folgenden vol%
59,0 57,0 55,5 53,5 51,5 49,0 46,0 43,0 40,0 36,8 33,5 30,5 27,0 23,5 20,0 17,5
Danach 970 ml mit 5,5%
Dann noch 800 ml mit 0%

Die ersten beiden Vorlaufgläschen kamen weg
Die beiden anderen kamen zum Mittellauf dazu.
Von den Nachlaufgläschen habe ich die ersten 6 (520ml) behalten und zum Mittellauf gegeben.
Der Mittellauf hat nun 2,58 L
Die restlichen Gläschen mit insgesamt 869 ml habe ich noch separat aufbewahrt.
Ebenso die beiden letzten Behälter.

Wenn ich mich nicht verrechnet habe, sind nun knapp 90% des Alkohols der im Kessel war im Mittellauf gelandet.
2,64 L nicht verwendetes Destillat habe ich noch aufgehoben.

Ich bin nun unsicher ob ich alles zusammenschütten soll und ein drittes Mal brenne oder ob ich mit dem zweiten Brand aufhören soll.

EDIT: Beim dritten Brand wären ca. 5,3 L mit 39% im Kessel (Rechenfehler vorbehalten :D )
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Re: Kirschen mit Würmern einmaischen?

Beitrag von derwo » 12. Okt 2019, 17:19

Bei unter 50vol% abgetrennt und 90% des Alks in den Mittellauf bekommen, das riecht für mich stark nach zu spät abgetrennt.
Ich war nicht dabei und die Geschmäcker dürfen auch verschieden sein, aber ich denke, der Abgang ist recht schwer. Riech mal am leeren Glas morgens, könnte nach Schlempe riechen.
Falls du nochmal brennst, bewahr dir ein kleines Sample vom Mittellauf zum Vergleich auf. Du kannst ihn aber auch so lassen, dann kannst du ihn teilweise länger lagern und schaun, wie er sich entwickelt. Selbst fehlerbehaftete "Frühwerke" wirst du immer wieder gerne trinken, da sie wegen ihres Alters einen Vorteil haben.

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Re: Kirschen mit Würmern einmaischen?

Beitrag von azeotrop » 12. Okt 2019, 20:33

Ich bin halt sensorisch ein Totalausfall und tue mein Bestes.
Welchen Nachteil hätte ein dritter Brand ausser dem Aufwand.
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Re: Kirschen mit Würmern einmaischen?

Beitrag von Hädrisnä » 12. Okt 2019, 22:41

derwo magst du bitte erläutern wie du rechnerisch auf die abtrennung von unter 50% gelangst?

danke

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Re: Kirschen mit Würmern einmaischen?

Beitrag von azeotrop » 13. Okt 2019, 08:44

Ich antworte mal weil die Zahlen ja von mir stammen.
Ich habe die ersten 6 Gläschen nach sensorischer Prüfung zum Mittellauf gegeben. Diese hatten folgende vol% 59,0 57,0 55,5 53,5 51,5 49,0.
Der Cut zum Nachlauf erfolgte also bei 49% aktuelles Destillat am Auslauf.
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Re: Kirschen mit Würmern einmaischen?

Beitrag von derwo » 13. Okt 2019, 12:07

Ja, genauso hab ich das "errechnet" :lol:

Ich denke, der Dreifachbrand hat ähnlich viel Aroma aber weniger "Ballast" auf der Zunge.
Ist aber Geschmacksfrage. ZB auf homedistiller wird allgemein viel mehr Vorlauf aber viel später der Nachlauf abgetrennt. Auch 1.5-fache Destillation machen dort viele. Also zwei Maischen, eine wird raugebrannt, damit dann die zweite Maische aufgesprittet und direkt feingebrannt. Moonshiner-Kultur. Hat nichts mit der Art und Weise zu tun, wie in den USA von den kommerziellen Firmen Whiskey gemacht wird. Nicht ganz unähnlich übrigens, wie auch in Osteuropa oder auch im Schwarzwald von kleinen Bauern der Obstschnaps gebrannt wird. Auch dort wird reichlich Nachlauf mitgenommen. Riecht man sehr stark am leeren Glas. Ganz anders die teuren Edelbrände.
Mag man oder eben nicht. Wahrscheinlich bin ich eher empfindlich gegen Nachlauf und unempfindlich gegen Vorlauf.

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Re: Kirschen mit Würmern einmaischen?

Beitrag von BenDunker » 13. Okt 2019, 12:25

Ich muss Derwo zustimmen, ich bin auch sehr sensibel auf zu viel Nachlauf und Fehl-Geschmäcker und Gerüche, aber (!) ich würde dir trotz dessen raten diesen Brand jetzt so zu lassen wie er ist und einzulagern. Du hast ihn nach deinem Geschmack so getrennt und es ist wichtig auch deinen Geschmack zu schätzen und Vertrauen zu schenken. Lagere ihn ein wie er ist, er wird mit der Zeit besser und wird dir das Gefühl geben, dass du schon etwas Gutes geleistet hast. Stehe zu deinen Entscheidungen und lerne, bzw. entwickele deinen Geschmack. Ich habe neulich einen guten Brand ein drittes Mal gebrannt und war sehr enttäuscht wieviel von dem mir so lieben Aroma verloren gegangen ist. Ich würde empfehlen, demnächst einen neuen Brand zu machen, ihn dann früher abzutrennen und dir merken, bzw. davon lernen. Meinen dreimal gebrannten habe ich nicht mal Wert gefunden aufzuheben, ich habe ihn inzwischen durch einen neuen sehr schön zweimal Gebrannten ersetzt. Das habe ich daraus gelernt.
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Re: Kirschen mit Würmern einmaischen?

Beitrag von azeotrop » 13. Okt 2019, 13:59

Hallo zusammen

Ich habe gestern den Test mit dem leeren Schnapsglas gemacht. Also das Glas gut mit dem Mittellauf ausgeschwenkt, ausgeleert und am nächsten Tag gerochen. Das Ergebnis ist eindeutig. Einen solchen Geruch will ich nicht im Produkt haben.
Leider hatte mich beim zweiten Brand mein Thermometer verarscht und ich habe statt bei 65% erst bei 59% mit den Gläschen begonnen.
Ich fürchte dass selbst das erste Gläschen schon im Nachlauf war und ein Teil schon zum Ende des Mittellaufs hin.

Der dritte Brand läuft gerade. 50ml Vorlauf habe ich weggenommen. Ab 2 L Destillat werde ich den Mittellauf beenden.
Dann sollte ich etwa 75% des Alkohols geerntet haben und bei 65% aktuelles Destillat noch ein paar Gläschen abfüllen.

Ich werde berichten.

EDIT: Der dritte Brand ist gelaufen wie geplant.
Im Abschnitt 3 sind drei Gläschen bei denen ich noch entscheiden werde ob ich sie verwende.
GG2019-10-13_05-47-47_PM.jpg
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Re: Kirschen mit Würmern einmaischen?

Beitrag von BenDunker » 13. Okt 2019, 21:51

sehr gut.

sagt mal, was für ein Alkometer benutzt ihr um auf Kommastellen zu kommen?
Ich komm mir ganz Amateurhaft vor mit meinem Refraktometer und dem üblichen Glas-Schwebe-Alkometer.
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Re: Kirschen mit Würmern einmaischen?

Beitrag von derwo » 13. Okt 2019, 21:56

Ben, dein Haselnussgeist ist halt aber auch nicht wirklich vergleichbar mit einem Kirschbrand. Die vergärten Kirschen haben ja richtigen Nachlauf, dein Neutralalk zum Geisten eher nicht.

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Re: Kirschen mit Würmern einmaischen?

Beitrag von azeotrop » 14. Okt 2019, 09:26

Ben

Mit den Kommastellen meinst du die Tabelle, oder?
Das ist der Destillationssimulator 1 aus dem Forum.
Mit dem habe ich den Brand geplant und der rechnet mit Kommastellen.
Der wirkliche Brand lag nah an diesen Werten, aber ich kann natürlich nicht so genau messen.
Ich habe da auch nichts besseres als du.
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Re: Kirschen mit Würmern einmaischen?

Beitrag von azeotrop » 14. Okt 2019, 09:37

derwo

Ich habe heute die 3 Gläschen, die ich ab 65% akt. Dest. gesammelt hatte, weggekippt.
Der Geruchstest am leeren Glas war eindeutig.
Mit den geernteten 2 Litern @ 74% (eigene Messung) bin ich zufrieden.
Die haben den Geruchstest bestanden.
Ich werde nun auf 60% verdünnen und den Kirschbrand in Ruhe reifen lassen.
Später verdünne ich dann auf Trinkstärke knapp unter 40%

Das Kirscharoma ist nicht sehr stark. Das liegt vermutlich an der Kirschsorte und an der Art wie vergoren wurde. Aber das hatte ich nicht in der Hand.
Aber für das erste mal Kirsch bin ich ganz zufrieden.

Fazit: Die Würmer haben nicht gestört.
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Re: Kirschen mit Würmern einmaischen?

Beitrag von derwo » 14. Okt 2019, 13:45

Mich wundert nur ein bisschen, daß du dich entschieden hast, daß nochmal 50ml Vorlauf wegmüssen. Kann sein, daß es nötig war wegen der langen Gärung, kann aber auch sein, daß du da merkbar Aroma verschenkt hast. Das Aroma, was einem nach dem Einschenken zuerst in die Nase steigt. Wird aber wohl nicht der einzige Grund der Aromaschwäche sein.

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Re: Kirschen mit Würmern einmaischen?

Beitrag von azeotrop » 14. Okt 2019, 14:56

Nachdem meine Nase nur zum Befestigen der Brille taugt, hab ich das zur Sicherheit gemacht.
Ich dachte: Was sollen lumpige 50ml schon ausmachen.
Wieder knapp daneben. 🤮😭
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Re: Kirschen mit Würmern einmaischen?

Beitrag von BenDunker » 14. Okt 2019, 17:03

derwo, ich meine immer mal wieder gelesen zu haben, dass du bei Obstbränden generell bei jedem Brand gerne etwas vorne abnimmst, da ganz am Anfang immer etwas Unsauberes kommt, ob nun echter Vorlauf oder nur komische Fremd-Geschmäcker aber vielleicht waren aber zweimal 50ml schon zu viel und tatsächlich verschenktes Aroma.
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Re: Kirschen mit Würmern einmaischen?

Beitrag von BenDunker » 22. Nov 2019, 23:54

Thema Kirschbrand generell!

So langsam nähert sich die Kirschen-Saison hier in Neuseeland und ich beginne mich gedanklich darauf vorzubereiten. Leider gibt es in Neuseeland nicht wirklich eine so große Sauer- und Süss-Kirsch-Sortenvielfalt und ich komme wahrscheinlich nur an die üblichen süßen dunklen Knupper-Kirschen ran. Jetzt frage ich euch nach Besonderheiten bei Kirschen neben der üblichen vorsichtigen Vergärung unter 20°C, ohne Zusatz von Zucker, Wasser oder zusätzlicher Nahrung um nicht alle Aromen zu verdünnen / auszublasen ect. Ich habe irgendwo gelesen, die Kirschen mit den Kernen zu vermaischen und dann beim Brennen nur 10% der Kerne mit in den Kessel geben für das typische Kirschwasser-Aroma. Wie handhabt ihr das? irgendwelche anderen Tipps?

auch und ich habe gelesen, dass wohl Sauerkirschen besseres bzw. mehr Aroma ins Destillat bringen als Süßkirschen. Leider gibt es die hier nicht. Euere Erfahrungen oder Wissen würde mich und sicher andere hier aber trotzdem interessieren.
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Re: Kirschen mit Würmern einmaischen?

Beitrag von derwo » 23. Nov 2019, 10:54

Größere Mengen Sauerkirschen sind auch hier nicht so leicht günstig zu bekommen. Das Problem ist glaube ich neben der geringen Nachfrage die geringe Haltbarkeit. Aus Süsskirschen bekommt man aber auf jeden Fall schon auch ein gutes Kirscharoma.

Nährstoffe wüde ich schon dazugeben. Also Stickstoff (zB Dünger oder Hefenährsalz) und Thiamin (Vitamin B1) und etwas Kupfer.

Das Kernaroma ist halt dasselbe, welches du auch im Schlehenbrand, im Zwetschgenbrand, im Pfirsichbrand usw haben wirst. Ich versuche daher inzwischen immer alle Kerne loszuwerden. Denn ich möchte nicht, daß alle Steinobstbrände ähnlich schmecken. Geschmackssache.
Wenn man die Kerne schon beim Einmaischen abtrennt, kann man sie übrigens ja in Alkohol ansetzen. Mit Zucker schmeckt das dann wie Amaretto.

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Re: Kirschen mit Würmern einmaischen?

Beitrag von BenDunker » 24. Nov 2019, 08:31

Ich habe hier ein Produkt dass sich Springferm nennt, das nehme ich für meine Zuckermaischen, hier ist ein Link:

https://fermentis.com/en/fermentation-s ... pringferm/

Da ist organischer Stickstoff aus Hefe-Zellen, Vitamine (viel Thiamin) und Mineralien drin und kein DAP, ich glaube das würde ganz gut sein um einerseits der Hefe die Nährstoffe zu geben die sie braucht und andererseits keine zu schnelle Fermentierung zu riskieren.

Kupfer um eventuell entstehenden Sulfide Verbindungen (oder Sulfate, ich kann mir nie den Unterschied bzw. die genaue richtige Bezeichnung merken!) gleich in der Maische zu binden, oder?

Ist interessant, dass du Hefenahrung und Vitamine empfiehlst. Ich dachte immer eine Obstmaische kommt schon mit ausreichend Vitaminen und Mineralien daher, also zumindest im Vergleich zu einer Zuckermaische, aber wenn man darüber nachdenkt brauchen Pflanzen ja den Stickstoff primär um Blüten und Früchte zu machen (deswegen gibt man das ja als Dünger ins Gießwasser), wenn man nun die Früchte verwendet sollten eigentlich in der Frucht selber kaum noch Stickstoff vorhanden bzw. aufgebraucht sein. Hab nie so sehr darüber nachgedacht, sondern eher nachgeforscht was einer Zuckermaische so fehlt und wie ich der Hefe ein möglichst Stressfreies Umfeld schaffe.

Verwendest du Hefenahrung, Kupfer und Vitamine bei jeder Obstmaische?

Wenn ich genug bekomme mach ich einen Topf mit Steinen und einen ohne. Ich bin gespannt auf den Unterschied. Ein Amaretto aus Kirschsteinen klingt super... Wo habe ich neulich gelesen wo man die noch brauchen kann und wofür ich Steine aufheben wollte???

Ach ja, für Gin! Ich komme hier in Neuseeland nicht an Bittermandeln, manche Gin-Rezepte benutzen aber Bittermandeln. Hier gibt es nur die normalen essbaren und nicht giftigen Süßmandeln, welche aber überhaupt garnicht das gleiche ist (im Bezug auf den Einfluss auf den Gin). Ich habe aber gelesen, dass man anstelle Bittermandeln auch Steine aus Steinobst nehmen kann.. Mal sehen.

Macht auch wieder Sinn mit den Steinen für einen Amaretto, denn auch da wird in vielen originalen Rezepten eigentlich Bittermandeln bzw. das Bittermandel-Aroma benutzt.
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Re: Kirschen mit Würmern einmaischen?

Beitrag von derwo » 24. Nov 2019, 13:22

Stickstoff braucht die Pflanze auch für die Blätter.
Organischen Stickstoff würde ich nicht für Obst und erst recht nicht für Neutralalkohol nehmen, da die Hefe bei der Verarbeitung von organischen Stickstoffverbindungen Fuselalkohole produziert. Ich bin der Meinung, ganz normaler mineralischer Dünger ist das beste. Vor allem, wenn er Spurenelemente mitbringt. Also nicht DAP kaufen sondern Blaukorn mit Spurenelementen.
Aber da ist kein Thiamin drinnen, das stimmt. Das ist ein Vorteil der Heferindenpräparate. Man muss also bei der Verwenung von DAP der Dünger Vitaminpräparate hinzufügen, vor allem B1 (Thiamin), vielleicht auch die anderen B-Vitamine, also eine B-Vitamin-Komplex-Tablette. Schwangerschaftsvitamine zB. Die anderen Vitamine sind nicht so wichtig und die Früchte bringen ja auch selber was mit.
Und Kupfer wie du sagts wegen der Schwefelverbindungen, welche aber vor allem bei Stickstoffmangel entstehen. Also sowohl der Dünger als auch das Kupfer helfen gegen die Schwefelverbindungen.

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Re: Kirschen mit Würmern einmaischen?

Beitrag von BenDunker » 25. Nov 2019, 06:24

Das ist ja interessant, ich meinte immer gelesen zu haben, dass es genau andersherum ist. Das eben künstlicher bzw. mineralischer Stickstoff die Produktion an Fuselalkoholen unterstützt und dass organischer Stickstoff genau aus diesem Grund die bessere und teuerer Alternative ist.
In dem Vertrieb in dem ich meine Hefen und auch die Hefenahrung kaufe, könnte sehr einfach auch mineralischer Stickstoff verkauft werden, aber es wird bei denen gerade der organische Ursprung sehr hoch angepriesen und die Produkte werden als absolut spezialisiert auf eine unterstützende und reine Hefe-Fermentierung dargestellt. Kaum zu glauben, dass ein Garten-Dünger da besser sein soll, aber ich bin selbst kein Experte und lasse mich gerne Überzeugen. Gerade wenn Blaukorn Dünger dazu auch noch günstiger ist und auch für meinen Garten hilft.
Ich habe sogar Blaukorn-Dünger hier in meinem Gartenschuppen. Meiner ist 12% Stickstoff, 5%Phosphor, 15% Kalium und 8% Schwefel und anderes. Ich sehe also bei deiner Version sofort den Bedarf für den Kupfer um nicht nur den eventuell entstehenden Schwefel zu binden sondern auch schon alleine den Schwefel der in dem Dünger ist.

Ich mache gerne mal den Vergleich mit einem Eimer meiner Nahrung und einem Eimer mit dem Dünger + Vitamine + Kupfer.

Und es stimmt Stickstoff ist für die ganze Pflanze zum Wachstum und Kalium ist für die Blüten- und Fruchtbildung. Im besten Fall sollte allerdings von beidem in der ausgereiften Frucht nicht mehr viel vorhanden sein und somit verstehe ich den Bedarf an Zusatz bei der Hefe-Fermentierung.

wieviel von dem Blaukorn Dünger nimmst du?
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Re: Kirschen mit Würmern einmaischen?

Beitrag von BenDunker » 25. Nov 2019, 06:41

ich könnte mir vorstellen, dass da was in all den Foren und Gruppen durcheinander gekommen ist. Viele schwören ja sogar auf DAP und einige benutzen auch eine Kombination aus DAP und Stickstoff (Fermaid K zum Beispiel). Aufgrund der Tatsache, dass es einfacher ist an den Dünger ranzukommen als an spezialisierte Hefenahrung, entsteht somit ein weiter verbreiteter Benutzung der mineralischen Dünger und eben eine breite Lobby die sich dafür ausspricht, dass mineralischer Stickstoff in Dünger nun besser ist als nur DAP zu benutzen. Dem ich übrigens absolut zustimme. Vielleicht ist aus dieser Handhabung irgendwann auch eine so starke Überzeugung geworden, dass es das Beste ist was man nehmen kann und es sogar besser sei als organischen Stickstoff.

Das habe ich in einem Honigwein-Forum gefunden und musste schmunzeln über die Beschreibung:
Dateianhänge
Screen Shot 2019-11-25 at 15.59.24.png
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Re: Kirschen mit Würmern einmaischen?

Beitrag von derwo » 25. Nov 2019, 10:23

Ben, Schwefel ist nur dann ein Problem, wenn die Hefe ihn in ein Sulfid umwandelt. Schwefel ist überall drinnen. ZB auch Trockenhefe hat 3% Schwefel. Für Hefezellenrinden hab ich leider keine genaue Zahl.

Edit: Und mein Trinkwasser hat 80mg/l Sulfat. Sulfat, nicht Schwefel, das bedeutet ca 27mg Schwefel. 10l Zuckermaische haben also so 250mg Schwefel. Wenn ich da 4g Dünger mit 8% Schwefel dazugebe, sind das 320mg Schwefel zusätzlich. Es findet also gerade mal eine Verdoppelung der Schwefelmenge statt. Und zB Äpfel haben 6mg/kg Schwefel. Also eine 10l-Apfelmaische hätte so 60mg Schwefel. Mit 1g Dünger kommen also nochmal 80mg dazu.

In unserer Bibliothek unter "Vergärung" sind ein paar pdfs über Hefenährstoffe. Solltest du mal durchlesen. Es gibt einen direkten Weg über Eiweiß bzw die Aminosäuren (organischem Stickstoff) zu den Fuselalkoholen.

Dein Blaukorn scheint mir von den Werten her zu passen. Klar, es ist eine sehr schnelle Versorgung der Hefe mit Stickstoff, aber wir pflegen unsere Maischen ja auch nicht über mehrere Vegetationsperioden.
Die Menge ist gar nicht kitisch. Schon sehr wenig gibt der Hefe einen guten Start. Ein gehäufen Teelöffel für 10l Maische ist passend für eine Maische mit Fruchtschalen.
Dünger ist natürlich nicht lebensmittelecht. Und das müsste er aber sein, um als Hefehilfsstoff zugelassen zu werden. Und zumindest bei Wein würde auch ich lieber keinen Dünger nehmen. Alle Hefenährstoffe, die es zu kaufen gibt, sind primär für Wein gedacht.

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Re: Kirschen mit Würmern einmaischen?

Beitrag von BenDunker » 26. Nov 2019, 01:40

Also wirklich....

Das ist schon so ein Ding mit diesem Destillier-Hobby. Am Anfang weiss man noch gar nichts, da liest man alles was man in die Hände bekommt und bekommt langsam mehr und mehr einen Überblick. Dann liest man weiter und probiert aus, nach und nach bekommt man ein Aha-Erlebnis nach dem anderen und denkt jedes Mal: "Jetzt weiss ich wie es geht!"
Dann vergeht ein Monat und man schaut lächelnd zurück und denkt: "Mamma mia, was war ich doch damals noch für ein Grünschnabel!"

Besonders in diesem Forum und besonders von Derwo habe ich inzwischen so viel von meinem fest-überzeugtem Wissen überworfen, erklärt bekommen und neu gelernt.

Danke Derwo, für all deine Zeit und deine Muße. Hat jemand Interesse and organischer Hefenahrung?

Und jedes Mal, JEDES MAL!!!, denkt man am Ende: "hmm, klingt alles sehr schlüssig und macht absolut Sinn und dabei ist es total egal wie schlüssig und Sinn-machend alles war was man vorher gedacht und gewusst hat!"


Du benutzt also ungefähr einen gehäuften Esslöffel Blau Dünger auf 10l Obstmaische und ca. 4g für 10l Zuckermaische, wenn ich das so bei deinem Text herauslese!?
Was hälst du von einer gestaffelten Zugabe der Nährstoffe um eine gleichmäßigere Versorgung und somit eine ruhigere Gährung ohne sprunghaftes Ansteigen und Absinken der Aktivität zu erziehlen? So habe ich das bislang immer gemacht.
Und gibts du die Hefenahrung / Dünger schon beim Hefestarter dazu oder erst in der Maische?
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Re: Kirschen mit Würmern einmaischen?

Beitrag von azeotrop » 26. Nov 2019, 07:12

Ich musste meine Würmerkirschen ja drei mal brennen um einen Nachlaufgeruch loszuwerden.
Es kann sein dass ich einfach immer etwas zu spät abgetrennt hatte. Vielleicht hat aber auch die Zugabe von Eiweiß über die Würmer die Entstehung von Fuselölen erhöht.
Keine Ahnung.
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