Mispel 2

Obst ernten oder kaufen, verarbeiten, vergären und brennen
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Seleni
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Mispel 2

Beitrag von Seleni »

Es gibt ja schon einen Faden von Kareltje zu Mispel, wo die Früchte eingefroren und weich, aufgetaut verarbeitet wurden.

Bei Schmickl habe ich auch dazu was gelesen, und zwar nicht einzufrieren und roh zu zerkleinern und anzusetzen.

Gibt es von euch Erfahrungen dazu? Welche Methode soll ich wählen?
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derwo
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Re: Mispel 2

Beitrag von derwo »

Mispelbrand schmeckt hervorragend. Ich habe bisher nur einmal Mispeln vergärt. Das Problem, wenn man harte Früchte maischt, sind die Kerne: Man hat die Wahl, entweder die Mispeln gar nicht zu zerkleinern oder die Kerne mitzuzerschneiden.
Sind die Mispeln dagegen weich, kann man sie ganz normal zum Beispiel mit einem Mörtelrührer zermatschen.
Wenn man sie einfriert, werden alle gleichzeitig beim Auftauen weich. Wenn man dagegen wartet bis sie von alleine weich werden, muss man jeden Tag neu einmaischen. Am besten, man wartet, bis sie von alleine weich werden, friert sie dann ein, und wenn man alle eingefroren hat wird aufgetaut und vergärt.
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Seleni
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Re: Mispel 2

Beitrag von Seleni »

Mit Apfelsaft und Mixstab verflüssigen, oder?

Gibt es einen Unterschied wenn ich sie gleich in die Gefriertruhe gebe oder erst wenn schon weich?
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Hügelwilli
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Re: Mispel 2

Beitrag von Hügelwilli »

Seleni,
falls du etwas Zeit hast, könntest du für unseren Obstmaischerechner versuchen, das Volumen der Kerne der Mispeln zu bestimmen?
Die Anleitung dazu ist hier: viewtopic.php?f=18&t=307
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derwo
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Re: Mispel 2

Beitrag von derwo »

Mit Apfelsaft ist es dann halt kein reiner Mispelbrand mehr. Ich würde deswegen Wasser nehmen.
"Mixstab" meint so ein Suppenpürierer? Der zerschneidet dir dann die Kerne oder versucht es zumindest. Eher Mörtelrührer oder so an den Akkuschrauber dran oder einfach mit Gummistiefeln zerdrücken. Mit Kernen vergären und diese eventuell auch mitbrennen. Ich glaube nicht, daß Mispelkerne den Geschmack so stark beeinträchtigen wie die Kerne bei Steinobst.
Je reifer desto besser und je weicher desto besser. Also am besten reifen lassen und dann erst einfrieren.
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Kareltje
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Re: Mispel 2

Beitrag von Kareltje »

In 2019 habe Ich wieder Mispel gebrannt, aber dann ohne Gefrierer. In das Jahr habe Ich die Mispel lassen reifen und dann, wenn sie weich waren, zerkleinert und geschönt. Da Ich sie nicht einfrieren und so aufbewahren konnte, musste Ich sie portionsweise verarbeiten.
Über das zerkleinen und das sauber machen war Ich zufrieden, aber das Ich nicht einfrieren könnte, fand Ich unangenehm.

Warten bis sie reif sind, ist vielleicht ein Problem, denn man muss sie neben einander niederlegen und jede Tag kontrolieren und sortieren. Ich habe dafür Kartons aus Supermarkt benutzt. Nicht für Bananen, sie sind zu hoch, aber solche für zum Beispiel Aprikosen. Die kann mann leicht auf einander setzen, und so auf eine kleine Oberflache ein Turm bauen. Dann kann man jede Tag die reife weiter verarbeiten und einfrieren, die halbreife und die noch harte sortieren.

Für einmaischen ist 25 % Wasserzutat (oder ein bischen mehr) notwendig um die Maische ausreichend flüssig zu machen.
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Seleni
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Re: Mispel 2

Beitrag von Seleni »

Wieviel Zucker hast du dazu gegeben Kareltje?
Wie schmeckt da Ergebnis?

Meine stehen auf der Terrasse und sind schon essbar - so wie ein harter Apfel. Ich muss schauen ob genug Platz in der Gefriertruhe ist.
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derwo
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Re: Mispel 2

Beitrag von derwo »

In diesem Video eines professionellen Kleinbrenners sieht man gut, wie weich die Früchte beim Einmaischen sind:

Bei der Ernte misst er mit einem Handrefraktometer (0:10). Dafür braucht er nicht einmal ein Messer, so weich ist die Mispel. Allerdings sind nicht alle so weich. Die harten Mispeln lagert er nach der Ernte noch drei Wochen im Freien. Dann sind sie so weich, daß er sie ganz schnell kleinbekommt (2:15). Was er da an der Bohrmaschine hat, ist wohl so ähnlich wie ein Rührstab für Suppe, allerdings mit zwei anstelle einem Messer, und diese sind wahrscheinlich nicht scharf, denn die Kerne sollen ja nicht beschädigt werden. Rundherum ist ein Käfig, damit die Gärtonne nicht zerkratzt wird. Leider sieht man nicht, wie viel Wasser er zugibt, um diese gute Konsistenz zu erreichen.
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Kareltje
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Re: Mispel 2

Beitrag von Kareltje »

Seleni hat geschrieben: 9. Nov 2020, 11:43 Wieviel Zucker hast du dazu gegeben Kareltje?
Wie schmeckt da Ergebnis?

Meine stehen auf der Terrasse und sind schon essbar - so wie ein harter Apfel. Ich muss schauen ob genug Platz in der Gefriertruhe ist.
Ungefähr 10 % des Fruchtgewichtes. Ich denke das das die Menge von Zucker etwas doppelt, denn Mispeln haben rund 10 % Zucker.

Die Schnapps schmeckt etwas wie Erde, aber nicht unangenehm. Reifen macht das etwas besser.
Aber leider kann ich nicht gut riechen und schmecken.
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Seleni
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Re: Mispel 2

Beitrag von Seleni »

Ca. 4 Wochen standen die Mispeln im Freien. Die meisten zu jetzt butterweich. Ca. 5 kg werde ich heute ansetzen. Wenn die in etwa 10 Zucker haben werden ich erstmal keinen Zucker zugeben und auf einen Gärstart warten.
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Seleni
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Re: Mispel 2

Beitrag von Seleni »

Was für eine Pampe. Nachdem ich den Rührer nicjt gefunden habe ließ ich alles durch die flotte Lotte . Und dann verdünnt. Keller hat jetzt so 18 Grad, denke dass ist eine ideale Voraussetzung für Gärung.
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azeotrop
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Re: Mispel 2

Beitrag von azeotrop »

Wie riecht die Pampe?
Es grüßt Azeotrop
"Doubt not, therefore, sir, but that distilling is an art, and an art worth your learning."
(Nixon & McCaw)
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derwo
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Re: Mispel 2

Beitrag von derwo »

Das ist aber ein Bild vor der Verdünnung oder? Wenn nein, dürfte es schon noch deutlich mehr Wasser sein. Zu dicke Maischen gären nicht so gut.
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Seleni
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Re: Mispel 2

Beitrag von Seleni »

Ja vorher. Hat gut gerochen, ich habe kurz überlegt auch ein Marmelade zu kochen.
Mittlerweile gärt es schon vor sich hin :)
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Seleni
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Re: Mispel 2

Beitrag von Seleni »

Gestern habe ich gebrannt. Es hat sich oben eine dünne Alk-Schicht gebildet, alles im Allen war es doch (zu) dick und war mir wegen dem Anbrennen zu gefährlich. Deshalb kurzer Hand etwa einen halben Liter Wasser in den Topf, danach den Dämpfeinsatz mit Küchenrolle und darauf die vergärte Pampe.
Klar, ich habe um 7% verdünnt, aber ich konnte gefahrlos brennen. Manchmal hatte ich den Eindruck, das Wasser "unten" kocht und Wärme muss sich erst nach oben fortpflanzen. Ich kann dieser Vorgehensweise noch mehr abgewinnen, zB kann ich mir vorstellen, dass das Ganze recht schonend gebrannt wird, weil das Vergorene nicht so zerkocht wird.
Ich habe bis 98°C/15% gebrannt, die Ausbeute war 0,7 l 82-91°C, 0,7 l 91-95°C und 0,9 l 95-98°C.
Etwas Vorlauf habe ich gleich weggeschmissen, da der Klebergeruch nicht zu verkennen war und ich kurz überlegte, ob ich nur einmal brenne.

Ich bin bei der Suche gestern auch auf ein Brenn-Anleitungs Dokument gestoßen, dass für Anfänger recht hilfreich ist. Ich glaub es sollte schützt sein, ist es aber nicht.
Ich verlinke es mal hier. Wenn es den Ansprüchen des Forums entspricht, kann man es ja an anderer Stelle auch verlinken...
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derwo
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Re: Mispel 2

Beitrag von derwo »

Wenn die Maische geschichtet ist, egal auf welche Weise, zB wenn man die festen Bestandteile in einen Baumwollsack gibt und auf einen Dünsteinsatz stellt, wie ich das früher gemacht habe, hat die Maische beim Brand nicht überall die gleiche Temperatur. Das bedeutet, daß im Flüssigen Teil längst schon Nachlauf ist, wenn im festen Teil noch Mittellauf ist. Bzw daß im flüssigen Teil schon Mittellauf aber im festen Teil noch Vorlauf ist. Und am Ende ist im festen Teil noch Alkohol und im flüssigen nicht.
Bei einem Raubrand ohne Abtrennung ist das nicht schlimm. Und wenn man weit runterbrennt, ist es sogar egal wahrscheinlich. Aber einen Feinbrand sollte man so nicht machen.