Fake-Whiskey, Anfängerrezept

Getreide auswählen, maischen, vergären und brennen
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derwo
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Fake-Whiskey, Anfängerrezept

Beitrag von derwo »

Dies ist ein Rezept für Anfänger, welche möglichst schnell zu Getreidebränden kommen wollen. Das Rezept hat den Vorteil, daß eine große Fehlerquelle, nämlich die Umwandlung der Stärke in Zucker, komplett weggelassen wird, und stattdessen einfach Haushaltszucker zugegeben wird. Auch das Poblem mit Anbrennen wird umschifft, indem das Getreide nicht gemahlen wird und dadurch vor dem Brennen von der Maische abgetrennt werden kann. Man kommt so erstens recht schnell und sicher zu etwas, was Bourbon sehr ähnlich ist und zweitens zu ausgelaugtem Holz, welches dann für den ersten Malt Whisky wichtig ist, was der nächste Schritt sein kann.
Im Prinzip ist das nichts neues. Es gibt viele ähnliche Rezepte.
Man braucht keine Vorerfahrung im Vergären. Vorher mal Wein destilliert zu haben, kann aber nicht schaden.

Zutaten für 12l Maische:
- 2kg Bruchmais (Internet oder Zoohandel)
- 2kg Zucker
- 1 Block Backfrischhefe oder 2 Tütchen Trockenhefe
- Leitungswasser

Herstellung:
- Zuerst kommt der Mais und der Zucker in den Gäreimer.
- Nun wird 6l kochendes Wasser draufgeschüttet und etwas gerührt.
- Die Hefe wird in 100ml 35°C warmem Wasser aufgelöst.
- Nun wird der Gäreimer mit kaltem Wasser auf 11.5l aufgefüllt. Das Wasser reinsprudeln lassen, damit Sauerstoff in die Maische gelangt.
- Die Hefesuspension wird nun löffelweise immer mal wieder mit Maische angefüttert, bis es 500ml sind. Dieser Vorgang sollte insgesamt mindestens 30min dauern.
- Wenn die Temperatur der Maische auf 30°C abgesunken ist, wird die Hefe in die Maische gerührt.
- Die Gärung startet wahrscheinlich sehr schnell, es kann aber auch 24h dauern.
- Die Gärtemperatur sollte eher hoch sein. Mindestens 20°C, besser 25°C. Auch 30°C sind kein Problem.
- Je nach Temperatur hört die Maische nach 5 Tagen bis 2 Wochen auf zu gären und hat dann ca. 9% Alkohol.
- Nun muss der Mais entfernt werden: Am besten fischt man den größten Teil erstmal einfach mit den Händen oder einem Küchensieb heraus. Die nun vorgefilterte Maische wird nun durch ein feineres Sieb geschüttet. ZB normaler halbdurchsichtiger Gardinenstoff oder ein Wäschenetz, zB ein Nudelsieb damit ausgekleidet. Nun hat man von den 12l so 9l übrig. Je nach Mais und je nach Filtertechnik kann es unterschiedlich sein und einen zwingen, das weitere Vorgehen etwas anzupassen.
- Raubrand: Aus den 9l destilliert man nun pauschal 3l. Diese 3l haben dann ca 27% Alkohol.
- Feinbrand: Die ersten 10ml werden verworfen. Dann wird das Destillat nacheinander in kleine Gläschen aufgesammelt. Insgesamt 1l, mindestens 10 Gläser a 100ml, besser 20 Gläser a 50ml. Die Gläser beim Wegräumen nicht durcheinanderbringen. Danach wird noch 0.5l Nachlauf gesammelt, welchen man beim nächsten mal mitbrennen kann.
- erst am nächsten Tag oder die nächsten Tage sollte man entscheiden, was in den Mittellauf und was in den Nachlauf kommt. Dafür nimmt man eines der Gläser aus der Mitte, füllt davon etwas in ein Schnapsglas und etwa dieselbe Menge gekühltes Wasser (demineralisiert oder zumindest kalkarm) dazu. Nun riecht und verkostet man. Man achte auf muffigen Geruch und kratzigen Geschmack. Das leere Glas lässt man dann noch eine oder zwei Stunden trocknen und riecht nochmal dran. Die Muffigkeit des Nachlaufs zeigt sich auf diese Weise meist deutlicher. Wenn dieses Glas in Ordnung war, sind es alle vorigen auch, also Mittellauf. Wenn dieses Glas nicht ok war, sind es alle Gläser danach auch nicht, also Nachlauf. Nun arbeitet man sich durch die restlichen Gläschen auf ähnliche Weise durch. 700ml mit 70% Alkohol wäre am Ende ein plausibles Mittellaufergebnis. Es kann aber auch anders sein und es ist viel Geschmacksfrage dabei.
- Den Mittellauf verdünnt man mit demineralisiertem oder kalkarmem Wasser auf 60-65% und lagert ihn auf Sticks aus amerikanischer Weisseiche, hergestellt zB nach dieser Anleitung. 80g pro liter Holz sind sinnvoll für ein Bourbon-ähnlich dunkles und recht schnelles Ergebnis.

Vorher muss dieses Rezept aber an die eigenen Gegebenheiten angepasst werden, also an die Destillengröße:
Die Destille sollte zu 70% befüllt werden. Wenn man zB eine Destille mit bis zur Kante 10l Volumen hat, also mit 7l. Für einen Feinbrand mit 7l im Kessel braucht man vorher drei Raubrände mit je ebenfalls 7l Maische, also braucht man insgesamt 21l vom Mais abgetrennte Maische. Wegen dem Verlust beim Filtern braucht man 1/3 mehr, also 21 x 4/3 = 28l Maische. Je 1/6 davon Zucker und Bruchmais, also 28 / 6 = 4.7kg Zucker und 4.7kg Bruchmais. Die Hefemenge kann man runden, also braucht man hier 2 Block Frischhefe oder 4 Tütchen Trockenhefe. Da man den Gäreimer maximal zu 2/3 befüllen sollte, muss er bis zur Kante mindestens 28 x 3/ 2 = 42l fassen. Ein Aufteilen in mehrere Eimer ist natürlich aber möglich.

Wenn man will, kann man den Mais teilweise durch anderes Getreide ersetzen. Dieses sollte aber ungemahlen oder höchstens aufgebrochen verwendet werden. Zu feines Getreide erhöht den Verlust beim Filtern und die Anbrenngefahr.
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Seleni
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Re: Fake-Whiskey, Anfängerrezept

Beitrag von Seleni »

Ok, das klingt echt einfach, das probier ich mal :lol:
Es gibt ja auch so ein Rezept mit Cornflakes, hast du das auch ausprobiert?
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derwo
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Re: Fake-Whiskey, Anfängerrezept

Beitrag von derwo »

Geht auch. Cornflakes lösen sich aber sehr stark auf. Das ist dann schwer abzufiltern. Man muss deswegen dann entweder weniger davon nehmen oder mehr Verlust einplanen.
Das ist ein bisschen blöd bei diesen Rezepten, daß man nicht genau weiß, was nach dem Filtern übrig ist. Da die Zutaten aber billig sind, empfehle ich, beim ersten mal einfach etwas mehr zu machen. Und sich alles aufzuschreiben. Beim zweiten mal weiß man es dann genauer.
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azeotrop
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Re: Fake-Whiskey, Anfängerrezept

Beitrag von azeotrop »

Ich bin dabei. Habe heute 25 kg geschroteten Mais bestellt und freue mich schon.
Vielen Dank für dieses Rezept.
Es grüßt Azeotrop
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derwo
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Re: Fake-Whiskey, Anfängerrezept

Beitrag von derwo »

25kg? Da würde ich an deiner Stelle aber irgendwann auf einen richtigen Bourbon umsatteln. Also ein oder zweimal dieses Rezept und dann eines, bei dem du den Mais mahlst und die Stärke in Zucker umwandelst. Und nicht filterst. Du hast ja ein Rührwerk.
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geschmacksverderber
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Re: Fake-Whiskey, Anfängerrezept

Beitrag von geschmacksverderber »

azeotrop hat geschrieben: 8. Apr 2020, 21:18 Ich bin dabei. Habe heute 25 kg geschroteten Mais bestellt und freue mich schon.
Vielen Dank für dieses Rezept.
Wieso bestellt?, hättest du noch zwei Wochen gewartet hättest du bestimmt wieder zum raiffeisenmarkt fahren können. Dort gibt es sowas als geschrotetes hühnerfutter. Ist genau das gleiche,
mit Bacon schmeckt alles besser, nur der Whisky nicht
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azeotrop
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Re: Fake-Whiskey, Anfängerrezept

Beitrag von azeotrop »

Genau das habe ich bestellt. Hühnerfutter. War mit Versand noch billiger als im lokalen Handel.
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Alk52
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Re: Fake-Whiskey, Anfängerrezept

Beitrag von Alk52 »

Ich habe mich angeschlossen mit 30 kg Bruchmais...
Angesetzt habe geschätzt ca. 48l, 4x das og. Rezept. Im überheizten Badezimmer @25°C war die Gärung nach 1 Woche beendet, einmal durchgerührt und 2 Tage setzen lassen.
Die ersten 2x12l habe ich von oben entnommen und den Rest dann durch 2 Geschirrhandtücher gefiltert. Das gab noch mal 10l, also in der Summe 34l Maische und 12kg alkoholisierter Rest-Mais.
Also 46-48 l Ansatz, 34l Maische, dh. 72-74% MaischeAusbeute.

Ja, den Rohbrand der klaren 2x12l habe ich auch schon durch. Ich habe 2x5 l mit jeweils ca. 28..29% @ 20°C und noch einen Liter weiterdestilliert, also Maische 11-12 %.
Vielleicht wird die restliche Hefebrühe etwas weniger ergeben.

Danke für das Rezept. Fortsetzung folgt.
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Alk52
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Re: Fake-Whiskey, Anfängerrezept

Beitrag von Alk52 »

Eine Frage habe ich noch.
Aus den letzten 10 Liter sehr hefelastiger Maische habe ich inzwischen 3l roh gebrannt. Das Ergebnis ist trübe geworden, ich tendiere dazu es zu verwerfen (ggf. in die Nachlauftonne), oder ?
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derwo
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Re: Fake-Whiskey, Anfängerrezept

Beitrag von derwo »

Na dann bin ich ja mit meinen 9 aus 12l, also 75%, recht nah an deinen "72-74%".
Geschirrhandtücher sind eine relativ feine Filterung. Hätte ich nicht gedacht, daß du trotzdem so viel rausbekommst.

Der hohe Alkoholgehalt der Maische (11-12%) ist allerdings etwas rätselhaft.

Hefe schäumt. Wahrscheinlich haben sich im Kessel große Blasen gebildet und beim Platzen ist ein bisschen was hochgeschleudert worden und ins Geistrohr gelangt. Ich habe mit solchen "letzten Raubränden" sowohl positive als auch negative Erfahungen gemacht. Lass dich nicht von der Trübheit beeinflussen, sondern beurteile nur das Aroma. Wie unterscheidet sich denn dieses vom Rest?
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Alk52
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Re: Fake-Whiskey, Anfängerrezept

Beitrag von Alk52 »

Stimmt, die Hefe hat sich ordentlich ausgetobt.
Ich habe beschlossen, diese Menge in den Nachlauf zu geben, damit sinkt meine Ausbeute an Maische auf 50% (vielleicht kann man etwas mehr rausholen, ohne Probleme mit der Resthefe zu bekommen).
12l Rauhbrand für ca. 10,- € sind OK, der Rest macht nur unnötig Arbeit...
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Alk52
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Re: Fake-Whiskey, Anfängerrezept

Beitrag von Alk52 »

Mein aktueller Zwischenstand.
12 Liter Rauhbrand (genau die 4-fache Menge über die derwo ganz oben berichtet) hatten 30%, also etwas mehr % als vorher erwartet. Im Feinbrand habe ich dann ca. 150 ml Vorlauf verworfen und im Mittelbrand 2,1l mit 78% gewonnen (also nur 3/4 verglichen mit dem o.g. Rezept) , aber den Rest habe ich mir wohl früh verdorben, weil mir beim Reflux zwischendurch die Temperatur zu hoch gelaufen ist.

Danke an derwo, für seinen Tip eine Nachlaufreferenz (viewtopic.php?f=3&t=492&p=7531&hilit=Nachlauf#p7531) aufzuheben und daran zu üben und zu vergleichen.

Da ich noch hinreichend Mais habe und es sehr schnell geht,werde ich das Badezimmer noch einmal auf 25°C heizen...
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derwo
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Re: Fake-Whiskey, Anfängerrezept

Beitrag von derwo »

150ml Vorlauf wären nicht nötig gewesen. Ist aber Gechmackssache.

12l 30% sind 3.6l Alkohol. 2.1l 78% sind 1.64l Alkohol. Du hast nur 46% des Alkohols als Mittellauf rausbekommen. Entweder du bist sehr kritisch gewesen oder es stimmt was nicht.
Um von anfangs 30vol% auf am Ende 78vol% zu kommen, braucht es kaum Reflux. Und groß die Temperatur kann dir da auch nicht hochschießen. Wenn du also wirklich das Problem hattest, daß beim rumprobieren mit dem Reflux die % kurzzeitig richtig in den Keller gingen, also so auf 40-50% zum Beispiel, dann waren anfangs keine 30% im Kessel. Was wiederum dazu passen würde, daß die aus den 12l 30% berechneten 11-12vol% Maischestärke, welche ja nicht zu erwarten war, vielleicht nicht stimmt?
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Alk52
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Re: Fake-Whiskey, Anfängerrezept

Beitrag von Alk52 »

Danke für den Hinweis, ich bin sofort in den Keller und habe noch einmal die restlichen Mengen betrachtet, geschnüffelt und probiert.
Vielleicht war ich bei der gestriegen Auswahl wirklich zu kritisch, aber was im Glas ist hätte ich halt nicht mehr trennen können.
Also, ich habe jetzt noch 0,9l mit ca. 60% für würdig befunden mein erster Whiskey zu werden, damit habe ich 3 l mit 74%. Übrig sind dann noch 0,85 l Nachlauf mit 31%.
In der Summe habe ich jetzt ca. 61% Mittellauf und 8% Nachlauf destilliert.
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derwo
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Re: Fake-Whiskey, Anfängerrezept

Beitrag von derwo »

Ich habe jetzt etwas Angst, das war vorschnell. Meine Vermutung ging ja dahin, daß du eventuell richtig abgetrennt hast, aber halt weniger Alkohol im Kessel war. Schade, daß die 0.9l nicht mehr unterteilt waren. Aber ich kenne das...

Wenn ich jetzt alles zusammenzähle, auch den Vor- und Nachlauf, hast du insgesamt so 2.6l Alkohol rausgeholt. Es waren aber angeblich 3.6l Alk drinnen (12l 30%). Wo ist der fehlende liter Alk? So 8l Schlempe waren am Ende noch im Kessel, davon 1l Alk, also hatte der Kessel noch 12.5vol%. Aber das laufende Destillat war unter 30vol%? Das passt nicht. Wenn das Destillat 30vol% hat, sind im Kessel höchstens noch 3.5vol%. Also 8 x 0.035 = 280ml Alk, nicht 1l.
Ich schreib das jetzt nicht, um deinen Whiskey schlechtzureden. Man kann auch ohne jegliche Messungen gute Brände machen. Es geht nur darum, dir zu zeigen, daß nicht alles an den Messungen stimmt, und du also, wenn dir Messungen wichtig sind oder du sie einfach interessant findest, du den Sachen auf den Grund gehen musst. Sonst steht hinter jeder Zahl ein Fragezeichen.
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Alk52
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Re: Fake-Whiskey, Anfängerrezept

Beitrag von Alk52 »

Die restlichen 0,9 l waren aus 4 einzelnen Flaschen, der Nachlauf aus 5 weiteren, mein Ziel war jeweils ca. 0,2 l zu sammeln.
Was die Rechnung angeht bin ich voll bei Dir, mir fehlt da auch was.
Den Fehler finde ich beim nächsten Mal.
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Glen
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Re: Fake-Whiskey, Anfängerrezept

Beitrag von Glen »

So ich melde mich auch wiedermal zurück. Ich habe viel und aufmerksam mitgelesen und bin endlich dazugekommen, meine Fake-Whiskey Notizen zusammenzutragen. Im folgenden eine kurze Zusammenfassung, obwohl verglichen mit den anderen Maische Mengen hier, ich eher eine homöopathische Dosis hergestellt habe :shifty: :D

Maische, Sonntag 12.04.2020
333g Bramata Polenta Maisgries (habe keinen Bruchmais gefunden und deshalb Maisgries verwendet)
333g Zucker
3g Trockenbackhefe

Ich habe die Hefe in lauwarmen Wasser ca. 35°C 100ml aufgelöst und ca. 15min gewartet und dann nochmals 100ml auf 30°C abgekühlte Maische dazugegeben. Nach ca. 30 min habe ich dann alles in die ca. 30°C warme Maische gegeben. Insgesamt ca 2l.
Messung mit Spindel: ca SG 1.062 / 62 OE bei 26°Grad → 64 OE bei 20°C

Gärung
Montag 13.04.2020 keine Gärung
Dienstag 14.04.2020 keine Gärung
Mittwoch 15.04.2020 Ich wurde langsam nervös und habe den Gärtopf geöffnet und etwas umgerührt. Danach starte die Gärung
Montag 20.04.2020 Gärungsende
Messung mit Spindel SG 0.990 / -10 OE bei 26°C → Delta 72 OE * 0.139 ~ 10% Alk
Ich habe die Maische mit einem gefiltert mit Küchensieb ~1.2-1.3l

Destillation
Mit 0.5l Mini-Destille
Montag 20.04.2020 Rauhbrand
3-mal à 0.4L. Jeweils 2-3ml Vorlauf abgetrennt und in nächsten Kessel gegeben, bis ca. 5% Alk → 0.4L mit ca 30%

Dienstag 21.04.2020 Feinbrand
Messung mit ATC Refraktometer
80° > 80%
81° > 80%
82° > 80%
83° > 80%
84° 78%
85° 75%
86° 70% ?
87° 72%
88° 68%
89° 60%
90° 58%
91° -
92° 45%
93° 40%
94° -
95° 35%

2-3 ml Vorlauf abgetrennt.
88°-90° in erstes Glas
90°-91° in zweites Glas
92°-95° in drittes Glas

Ich zweifle ein wenig am Thermometer, dass fix eingebaut ist, aber im grossen und ganzen sieht die Tendenz richtig aus (ca. 400 m.ü.M.). Bei so einer kleinen Menge habe ich bloss 3 Fraktionen gesammelt, von denen ich das zweite und dritte Glas verworfen habe.

Resultat 125ml bei 73%

Lagerung
Verdünnt auf 205ml bei 44%
7 kleine, mittel geröstete Eichenholzchips
28.4.20: Nach einer Woche habe ich die Eichenholzchips entfernt, da die Farbe und auch der Geruch schon ziemlich intensiv war. Ich habe die Chips vorher auch nicht in einen anderen Alkohol eingelegt (was ich einige Male gelesen habe). Ich habe dann alles in eine Flasche umgefüllt und mit Watte abgedichtet.

Nach 4 Wochen habe ich nun das erste Mal ein wenig mit der Pipette in einem Snifter Glass gefüllt und gekostet. Ich mag zwar eher Single Malts, aber ich war positiv überrascht von meinem ersten kleinen Whiskey Experiment. Es hat schon ziemlich Bourbon-nah, aber noch etwas stark geschmeckt. :D

Ich habe noch zwei andere Malt Whisky Projekte gestartet, aber da ich dafür immer zu einem guten Freund zum Brennen gehen muss, der eine grössere Destille hat, dauert das wohl noch eine Weile. Melde mich dann zurück :+1:
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derwo
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Re: Fake-Whiskey, Anfängerrezept

Beitrag von derwo »

Kling im großen ganzen gut, finde ich.
Relativ viel hast du beim Abpressen verloren. Liegt daran, daß es Maisgries und nicht Bruchmais war.
Ja, das Thermometer ist nicht ganz richtig. Sich damit zu beschäftigen ist aber erst sinnvoll, wenn es mal am richtigen Ort ist.
Die Mittellaufausbeute ist im normalen Rahmen.
Gelagert auf Holz wird normalerweise höher, so bei 55-65vol%. Aber viel macht das nicht aus.
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Glen
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Re: Fake-Whiskey, Anfängerrezept

Beitrag von Glen »

Gelagert auf Holz wird normalerweise höher, so bei 55-65vol%. Aber viel macht das nicht aus.
Ja klar, das stimmt. Die Ausbeute war nur so gering, deshalb habe ich ohne nachzudenken gleich verdünnt, um zu sehen wie gross die Menge in trinkstärke ist ;-).
Vielen Dank, ich werde dies bei den nächsten Experimenten berücksichtigen.