Wie viel Geistgut und wie viel Alkohol?

Spirituosen hergestellt durch Destillation von Alkohol und unvergorenen Früchten oder Gewürzen
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derwo
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Re: Wie viel Geistgut und wie viel Alkohol?

Beitrag von derwo »

Ich würde eher die komplette Packung drinnenlasen und dann, wenn ich weniger Reflux haben möchte, das Wasser durch den Refluxkühler reduzieren. Also in diesem Fall erst einmal ein paar Minuten alles zurückschicken, dann das Wasser etwas reduzieren und ganz langsam in kleine Gläschen die Trübstoffe hoffentlich schön konzentriert abdestillieren, dann noch weiter reduzieren und also mit relativ wenig Rektifikation den Mittellauf machen. Die trüben Gläschen dann verdünnen und beurteilen, ob es schade wäre, sie zu verwerfen. Wenn ja, sie alleine kühlfiltern. Ruhig stark verdünnt auf so 20 oder 30%, dann bekommt man die Trübstoffe kompletter rausgefiltert. Der Mittellauf hebt die vol% dann ja wieder hoch.

Wenn er nun gut schmeckt aber trüb ist, würde ich ihn kühlfiltern. Kannst das ja mal testweise an einem kleinen Teil ausprobieren.
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BenDunker
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Re: Wie viel Geistgut und wie viel Alkohol?

Beitrag von BenDunker »

Ich habe mich endlich mal wieder an die Brombeere gesetzt.

Ich wollte es diesmal wissen und habe gesagt ich gebe 3kg Brombeeren auf 7l 11% Neutralalkohol und ich werde den Beeren trotz Derwo's Meinung einen kleinen Vorsprung an Mazeration geben.
Ich habe errechnet um 7l 11% herzustellen, brauche ich 6,15l Wasser und 0,85l meines gut neutralen 91%igen. Ich habe 3kg gefrorene Brombeeren in ein sechs Liter Glass gegeben, meine 0,85l 91%igen Alkohol zugegeben und mit 2.15l aufgefüllt. Die Mazeration hatte also irgendwas zwischen 26% und 27% und stand für zwei Tage. Dann habe ich die matschigen Brombeeren durch ein Sieb gegeben und all die dunkelrote Alkohol/Wasser-Mischung in den Kessel geschüttet. Die Früchte kamen drüber in den Aromakorb.
Langsam auf Temperatur gebracht und dann irgendwann hochgedreht und laufen lassen. Ich hatte kurz überlegt sowas wie 20ml vorher abzunehmen, hab mich aber dagegen entschieden, da mein Alkohol eigentlich sauber ist und ich mal sehen wollte was das ganze Destillat am Ende geschmacklich so kann. Bei ca. 3l gesammelten Destillat war der Alkoholgehalt bei 30% und mein Thermometer ist bei ca. 99.3-99.4°C nicht mehr weiter angestiegen. Ich habe weiter bis ca. 4,5-5l Destillat mit einem Alkoholgehalt von ca. 20% gebrannt, wobei ich heute Morgen erschreckend festgestellt habe, dass der Alkoholgehalt inzwischen auf 15% "gesunken" ist, scheinbar war das Destillat gestern noch wärmer. Ich dachte ich würde die 100°C oder sogar einen Hauch drüber erreichen und wollte nicht zu früh beenden, ich habe wohl dafür zu spät abgetrennt. Ich habe dann in einem neuen Glass noch weitere ca.2l Destillat gesammelt nur um zu sehen ob ich nicht doch noch zu den 100°C komme, aber es blieb bei 99.5°C
Die 4.5l 15% hatten schon einen Teil Brombeere im Geschmack wenn auch sehr muffig überlagert.

Nun meine weiteres Kompliment an euch, dieses Forum und vor allem den Menschen der die Destillations-Simulator-Tabelle ausgetüftelt hat!
Ich habe gerade gemerkt, dass ich durch mein zu weites runterbrennen inzwischen ziemlich an der Grenze bin überhaupt einen vernünftigen Mittellauf zu bekommen. Wenn ich jetzt feinbrennen würde, bekäme ich nur eine Menge von 1,28l Mittelbrand raus. Bei einem halben Liter mehr Nachlauf im Destillat würde ich überhaupt keinen Mittellauf mehr bekommen.

Ich werde jetzt damit einen weiteren Raubrand brennen um es etwas sauberer zu putzen und vor allem die Prozente höhere zu bekommen.
Dann werde ich einen zweiten Batch brennen, diesmal etwas weniger Destillat sammeln und bei ca.25% beenden.
Beide Batches werde ich dann zusammen nehmen und feinbrennen.

Ich werde berichten. Dieses Forum ist Gold wert! Danke...
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azeotrop
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Re: Wie viel Geistgut und wie viel Alkohol?

Beitrag von azeotrop »

Ben

Kurze Zwischenfrage zur Temperatur? Die 100 Grad siehst du natürlich nur wenn du auf Sealevel lebst.
Bei 180 Höhenmetern siedet Wasser bereits bei 99,4Grad.
Auch dafür haben wir einen sehr schönen Rechner im Forum.
Es grüßt Azeotrop
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(Nixon & McCaw)
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BenDunker
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Re: Wie viel Geistgut und wie viel Alkohol?

Beitrag von BenDunker »

ich glaube wir sind hier auf 6m über Null, aber es kann natürlich auch Zugluft oder kalte Umgebungstemperatur ect. beeinflusst haben. Ich glaube die tatsächliche Grad-Zahl ist dabei nicht so wichtig wie das Erreichen einer Temperatur an der das Thermometer nicht mehr steigt, sprich im Winter wird es eine niedrigere Temperatur sein als im Hochsommer, dennoch kocht die Destille bei dieser Peak-Temperatur nur noch Wasser und "Aromen" ect. aus und senkt den Gesamtalkoholgehalt im Destillat.
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derwo
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Re: Wie viel Geistgut und wie viel Alkohol?

Beitrag von derwo »

3kg Brombeeren + 0.85l Alk + 2.15l Wasser sind aber nur 6 liter. Tippfehler?

7l 11% ergeben 5l mit 11 x 7 : 5 = 15.4%. Oder weniger, wenn noch Alkohol im Kessel verbleibt. Bei 5l Destillat aus 7l 11% ist aber schon lange der ganze Alkohol rüber. Hattest du keine Angst, daß es anbrennt, wenn du den Kessel so leerdestillierst?

Wenn du nicht auf 100°C kommst, zeigt das Thermometer wohl etwas zu wenig an. Was zeigt es denn bei Wasserdestillation an? Ein Luftdruck, der den Siedepunkt von 100°C (bei 6 Höhenmetern) mehr als 0.5°C drückt, wird es nicht gewesen sein.

Mit weiteren Raubränden die % hochschrauben ist eine gute Lösung. Eine Variante wäre, das bisherige Destillat bei den weiteren Raubränden wieder miteinzuschleusen.
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BenDunker
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Re: Wie viel Geistgut und wie viel Alkohol?

Beitrag von BenDunker »

Ja, ich hab in meinem Text oben etwas vergessen hinzuzufügen, deswegen die berechtigte Verwirrung.

Ich habe gefrorene Beeren verwendet und normalerweise habe ich die auch gefroren als Geistgut in den Aromakorb gegeben. Angequestschte Früchte funktionieren allerdings in der Tat wesentlich besser, nur wie quetscht man gefrorene Früchte an (ohne Auftauen und suppiges Chaos!)?
Deswegen habe ich mich doch wieder entschlossen die Früchte nochmal kurz (zwei Tage) in niedrigprozentigem Alkohol einzulegen und dabei aufzutauen.
Eigentlich nur aus praktischen Gründen habe ich dann meine 3kg Früchte in mein größtes Glas mit 6l Fassungsvermögen und großer Öffnung gegeben, habe dann die gesamten 0,85l 91% Alkohol eingefüllt und mit Wasser aufgefüllt. Die Wassermenge betrug genau 2,15l (das ergibt dann einen Angesetzten aus ca. 26%), mir fehlten also noch 4l Wasser zum brennen:

0,85l 91% Alkohol + 6.15l Wasser = 7l 11% Alkohol.

Ich habe vergessen zu schreiben, dass ich kurz vorm Brennen die fehlenden 4l Wasser zu meinem Angesetzten dazu gegeben habe.

Das Thermometer könnte falsch anzeigen, es könnte auch Zugluft oder Kälte sein. Also ich gebrannt habe wurde es spät und kalt unterm Haus (offene Fläche nur mit Sichtschutz-Halbschatten-Stoff verkleidet).

derwo: was meinst du mit "einschleusen"? zwei 50/50 Brände machen oder ein 1,5 Brand und einen weiteren aus dem Destillat und der übrigen Hälfte?
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derwo
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Re: Wie viel Geistgut und wie viel Alkohol?

Beitrag von derwo »

BenDunker hat geschrieben: 21. Okt 2019, 00:05derwo: was meinst du mit "einschleusen"?
Das Destillat zum Ansetzen weiterer Brombeeren nehmen. Muss aber nicht sein. Mach ruhig, wie du meinst, also die nächsten Raubrände deutlich früher beenden, damit du dann beim Feinbrand insgesamt eine gute Alkoholstärke hast.
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BenDunker
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Re: Wie viel Geistgut und wie viel Alkohol?

Beitrag von BenDunker »

Nur um das Thema "Brombeere" auch nun endlich den würdigen Abschluss zu geben:

Ich habe einen zweiten Raubrand mit einem neuen Batch gemacht, beide Raubrände zusammen gefügt und fein gebrannt. 7.45l 19% waren im Kessel, ich kannte den Rektifikationswert meiner Potstill noch nicht und bin rechnerisch von 0.2 ausgegangen, bei meiner Heizleistung von nur 77V auf dem 2.5KW Element waren es rechnerisch aber eher 0.05-0.1 (zumindest haben die Mengen an der Stelle zu den Prozenten gepasst).
Wie dem auch sei, habe ich ab 60% in 50ml Gläschen gesammelt und eben verköstigt. So einen sauberen Geist habe ich noch nie hinbekommen.

VIELEN DANK an dieser Stelle an Hügelwilli für seinen unglaublich guten Destillationssimulator und Euch für all Euere Hilfestellung. Ich habe viel gelernt bisher.

Ich habe bei 58% abgetrennt und bin nun stolzer Besitzer eines 1.1l 60%igen Brombeergeistes, der sehr sauber und fruchtig riecht, leichte Brombeer-Noten sind wahrzunehmen, nichts bitteres nicht wie oft auch minzig (was mich immer an das Brombeerlaub erinnern lässt und mich stört).
Insgesamt sind nun 6kg Brombeeren verwendet worden.

Bezüglich des Geschmackes habe ich interessanter-weise noch das hier gefunden:
Screen Shot 2019-10-23 at 21.20.11.png
gelesen hier:
https://www.distilling-fermenting-semin ... 7142045-01

In diesem Sinne wird er jetzt ruhig gestellt.
Vielen Dank nochmal!
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Troy
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Re: Wie viel Geistgut und wie viel Alkohol?

Beitrag von Troy »

Hallo an alle,

Ich hätte ein paar Fragen:

ich möchte Fichtentriebe vergeisten und würde nach dem Rezept von der wo vorgehen, ca. 10l mit 10% und dazu ca. 975g Fichtentriebe. Was denkt ihr bietet sich an, einmal brennen bis 40% 2,5l im Kessel und dann nochmal oder lieber nur einmal brennen? Und was wäre da ein guter Ablauf? Also auf welche Produktmenge sollte ich ungefähr abzielen beim Einmalbrennen?

Ich habe einen Topf mit 30cm Innendurchmesser und einen Dünsteinsatz der nur ca. 28cm groß ist, darunter hab ich als Füße drei 6mm Kupferrohre. Am Rand ist jetzt noch recht viel Luft, ist das schlimm?

Dünsteinsatz 02.jpeg
Dünsteinsatz 01.jpeg

Zum Thema Dünsteinsatz: Ein Freund von mir arbeitet in einer Metallverarbeitungsfirma... er würde mir wohl einen super passenden Einsatz für meinen 20l Topf bauen. Ich hätte eine Frage zur Lochgröße: Wenn ich jetzt einen recht passig sitzenden Einsatz habe und dieser voll mit Früchten und ähnlichem liegt, wie sieht es da mit möglichem Druck in der Destille aus? Normal liegt das ja Locker auf dem Einsatz und dadurch sollte der Dampf sich seinen Weg eigentlich bahnen oder? Und meint ihr, 3mm Lochgröße auf einem 30cm Lochblech ist zu groß oder zu klein? Mein Dünsteinsatz hat diese Lochgröße, wäre kleiner besser? Der neue Einsatz hätte dann passend zu meinem Topf einen Überhang, sodass der Dünsteinsatz dann quasi am Rand eingehängt wird und der Deckel dann super aufliegt :mrgreen: Sobald es eine technische Zeichnung gibt, zeig ich gern hier mal :)

Danke und schönen Abend!
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derwo
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Re: Wie viel Geistgut und wie viel Alkohol?

Beitrag von derwo »

Das wird in jedem Fall recht stark aromatisch.
Ich finde deinen Ablauf für den Doppelbrand sehr gut. Es ist ein recht kurzer Raubrand, der dann zu einem recht feinen Ergebnis führt, gut passend für einen Fichtennadelgeist. Du bringst sehr viel Aromen rein, indem du viele Triebe verwendest, und wirfst dann relativ viel wieder raus, behältst nur das beste. So zumndest die Theorie.
Für einen Einfachbrand müsstest du stärker ansetzen. Aber ich denke, egal wie du es machst, der Doppelbrand wird besser. Mit 10% im Kessel kann es sein, daß du nur 1/3 des Alkohols als geschmacklich gut genug beurteilst. Der Rest ist dann Nachlauf.

Die Luft neben dem Dünsteinatz ist nicht schlimm. Aber wenn du einen gebaut bekommst, wäre es natürlich schön, wenn er genau passt.
Schade finde ich, daß die Füße nicht höhenverstellbar sind. Da wären drei Edestahl-Gewindestangen mit je zwei Flügelmuttern besser. Für manche Sachen brauchst du weit mehr Raum als für Fichtentriebe.

Mit der Standardlochgröße der Dünsteinsätze hatte ich nie Probleme. Also entweder so oder etwas größer. Aber es müssen dann schon auch so viele Löcher sein, gell?

Es ist recht unwahrscheinlich, daß sich Druck aufbaut, da die Früchte im Dampf normalerweise nicht zermatschen, wie man vielleicht erwartet, sondern sie sehen nach dem Geisten eher wie getrocknete und dann wieder kurz eingeweichte Früchte aus. Also sie schrumpeln zusammen.