Mohngeist

Spirituosen hergestellt durch Destillation von Alkohol und unvergorenen Früchten oder Gewürzen
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BenDunker
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Mohngeist

Beitrag von BenDunker »

Edit Hügelwilli: In der Hoffnung, daß daraus was wird, hab ich mit drei Beiträge über Mohngeist aus dem Thema "Neue Ideen" eine neues Thema gestartet.

Mohngeist klingt sehr sehr gut!

Was dagegen wenn ich mich dadran irgendwann mal ausprobiere?

Ich überlege den Mohn vorher anzusetzen ähnlich wie ein Haselnussgeist. Nur als Geistgut im Aromakorb könnte zu wenig sein. Allerdings ist dann auch die %Vol. gleich wieder so hoch.
Die Bitterkeit der schlechten Qualität bleibt lange nach dem Vergessen der Süße des niedrigen Preises bestehen.
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azeotrop
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Re: Mohngeist

Beitrag von azeotrop »

Hallo Ben

In Österreich wird Mohngeist gemacht. Ich habe leider kein Rezept.
https://www.urlaubimwaldviertel.at/deta ... m-den-mohn
Es grüßt Azeotrop
"Doubt not, therefore, sir, but that distilling is an art, and an art worth your learning."
(Nixon & McCaw)
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derwo
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Re: Mohngeist

Beitrag von derwo »

Nichts dagegen. Wenn ich was dagegen hätte, hätte ich es hier nicht vorgeschlagen.
Durch den Aromakorbsieb würde der Mohn durchbröseln.
Da bei Nüssen hohe Prozente meiner Erfahrung nach kein Problem sind, vermute ich, daß es bei Mohn auch geht.
Eine Zeit lang vorher mazerieren, schadet nicht. Ich denke halt, es macht keinen Unterschied.
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Rubelstrudel
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Re: Mohngeist

Beitrag von Rubelstrudel »

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BenDunker
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Re: Mohngeist

Beitrag von BenDunker »

So! Mohngeist ist angesetzt.
Ich habe ca. 1.5kg Mohn auf 5l 65-70% neutralen Alkohol angesetzt und würde das jetzt für mindestens 4 Wochen wenn nicht mehr stehen lassen und ab und zu gut schütteln. Dann irgendwann brennen.
Was meint ihr?
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derwo
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Re: Mohngeist

Beitrag von derwo »

Da kann man nur gespannt sein. :+1:
Schaut aus, wie eine Überdosis Aktivkohle. :lol:

Ich hätte keine so hohen Prozente genommen. Ist aber vielleicht egal. Nüsse vertragen das. Mohn dann vielleicht auch?
Willst du das unverdünnt brennen? Wenn ja, dann ohne Reflux. Bei Nüssen gibt es beim Geisten viel weniger "Nachlauf" als bei Früchten. Kann also gut sein, daß du weit runterbrennen kannst. Allerdings bei 65% im Kessel dauert es sowieso ewig auch ohne Reflux, bis die % runtergehen. Dann ist der meiste Alk schon durch.
Ist Mohn ölig? Wenn ja, kann aber sein, daß es "Vorlauf" gibt. Ranzig könnte der riechen. Schwer abzutrennen, da er sich nicht so leicht in den Vorlauf konzentriert. Deswegen vielleicht doch den Lauf mit Reflux starten und erst den Vorlauf checken, dann Reflux ausmachen. Der Geruch verschwindet aber wahrscheinlich schon nach kurzer Lagerung. Ich hab mal sehr viel Vorlauf bei Hasel- und Erdnüssen abgetrennt. Den Vorlauf hab ich aufbewahrt. Schon ein paar Wochen später, hab ich geruchlich nichts ranziges mehr gefunden. Ist mir bis heute etwas misteriös die Sache.
Und die Lagerzeit ist egal, denke ich. Ich würde gar nicht warten. Lieber lösen sich die Aromen erst während des Brennens, die "Fraktionen" verschmieren also etwas, als daß der Alkohol irgendetwas anstellt. ZB Holunderblüten werden etwas muffig beim Mazerieren. Zumindest wenn die Stengel dabei sind. Immer mal dran riechen. Vielleicht fällt dir was auf.
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BenDunker
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Re: Mohngeist

Beitrag von BenDunker »

Du hast da ein paar gute Punkte angesprochen. Ich werde tatsächlich die Mazerationszeit sehr verkürzen, schließlich handelt es sich hier um Samen und neben dem Risiko, dass sie muffig werden könnten, denke ich dass der Ansatz auch schnell bitter werden kann, wie als würde man Himbeeren zu lange mazerieren. Ich bin morgen unterwegs, kann aber übermorgen brennen.

Mein Plan war ursprünglich wie üblich zweimal im Potstill mode zu brennen, einmal schnell und heiß um allen Geschmack herüber zu holen und einmal ruhiger um zu verfeinern. Die hohen Prozente habe ich gewählt um möglichst gut die Aromen lösen zu können, ich war noch unentschlossen ob ich auf 40%% reduzieren soll (wegen der Sicherheit) und dadurch Aromen verdünne, oder ob ich so brenne. Es wäre wohl cleverer gewesen den Mohn gleich in 40% anzusetzen. Beim nächsten mal. Dein Punkt, dass ich mit dem Reflux anfangen sollte um möglichst den Vorlauf zu konzentrieren gefällt mir. Den Vorlauf getrennt aufbewahren und schauen wie er sich macht. Guter Plan. Ich würde dann auch nur einmal brennen. Wie ist es mit dem Aroma-Verlust durch die Packung in der Kolonne? auch trotz abgeschaltetem Reflux werd ich wohl Einschränkungen hinnehmen müssen im Vergleich zum sehr direkten Potstill-Aufbau!?

Meinst du ich bekomme mit meinen 65% eventuell Probleme? Ich hab bisher noch nie so hohen Alkohol im Brenner gehabt.

Ich habe vor ziemlich genau fünf Wochen ein 750g Glas Erdnussbutter in ca. 5-6l 50% angesetzt. Den werd ich wohl auch dann gleich im Anschluss zum Mohn brennen um ihn nicht noch länger stehen zu haben und eventuell muffig werden zu lassen. Ich dachte immer Nüsse muss man mindestens für 3 Monate ansetzen um das Aroma voll zu extrahieren!?
Beim Erdnuss-Angesetzten setzen sich nach jedem Schütteln drei Schichten ab, eine ca 1-2cm dicke Fettschicht, dann die Flüssigkeit in der Mitte und dann eine ca.15-20cm feine Nuss-Partikel-Schicht am Boden. Ich hätte den Angesetzten so wie er ist jetzt auch wieder zweimal im Potstill-mode wie oben beschrieben gebrannt, aber nachdem was du schreibst, werde ich gerade hier wo so eine deutliche Fettschicht sichtbar ist, den Reflux für den Vorlauf nehmen und dann abstellen. Ich hoffe damit den Geschmack so typisch wie möglich und sowenig wie möglich ranzig zu bekommen.

Vor einiger Zeit habe ich Haselnussmehl im Ofen geröstet, drei Monate in 50% neutralem Angesetzt und ich glaube nur einmal gebrannt. Er ist lecker geworden aber hat auch eine leicht ranzige Nase und Geschmack. Ich habe das bisher auf die nicht getrennten braunen Schalenhaut in dem Mehl zurückgeführt und hab jetzt ganze Haselnüsse gekauft die ich wieder rösten möchte, dann die braune Haut abrubbeln will und dann zerkleinern (zu Mehl oder stückig) und wieder ansetzten. Aber vielleicht ist die zu lange Mazeration und die fehlende Konzentration des Vorlaufes Schuld an der leichten ranzigen Note. Ich hatte eigentlich vor das zu gegebener Zeit in dem Haselnuss-Thema hier nachzufragen, aber jetzt ergibt es sich gerade hier.
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derwo
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Re: Mohngeist

Beitrag von derwo »

Eine Packungskolonne ohne Reflux macht meiner Meinung nach nicht viel aus vom Aroma oder den Prozenten. Noch weniger, wenn sie isoliert ist. Das spart dann übrigens auch im Refuxbetrieb Energie. Nur ganz am Anfang, bis sie aufgeheizt ist, rektifiziert sie merkbar.

Beim Geisten, geht es noch viel mehr als bei Maichebränden darum, nicht möglichst viel sondern die richtigen Aromen rüberzuholen. Denn eine Aromaschwäche kann man ja beim Geisten ganz einfach durch mehr Geistgut ausgleichen.

Wenn du 65% im Kessel hast, werden die % sehr lange oben bleiben. Das bedeutet, manche Stoffe gehen kaum über. Ob das gut oder schlecht ist, ist die Frage. Ich könnte mir vorstellen, daß auch die niedrigen % gut wären, also ich würde verdünnen vor dem Brennen.

Das Vorlaufkonzentrieren bei Ölen ist allgemein nicht leicht, auch nicht mit einer langen Reflux. Ich denke nicht, daß du mit deiner kleinen Kolonne da erfolgreich sein wirst. Aber ausprobieren schadet nicht. Nicht alles muss bei Mohn so sein wie bei Nüssen.

65% im Kessel bedeutet, daß du sehr viel weniger heizen musst, wenn du langsam destillieren willst.
Bei sowas wie Nüssen und wenn ich mich für so hohe % entschieden habe, würde ich versuchen, mit der Potstill nur einmal zu brennen. Könnte am Überschäumen scheitern. Pass darauf auf. Der Mohn ist vielleicht ok, aber die Erdnussbutter könnte Überschäumen. Ich hab das mal geschafft. Haselnussbrösel sind durch 1m Packung hochgekommen und haben den LM-Nadelventilausgang verstopft. Hab dann kurz die Welt nicht mehr verstanden. Unten kocht es, am Nadelventil kommt aber immer weniger, ich drehe es auf, es kommt trotzdem immer weniger und dann gar nichts mehr. Anlage ausgeschaltet, abgekühlt, Nadelventil abgemacht und gereinigt, wieder aufgeheizt und dann anstelle eines Refluxfeinrands einen Raubrand mit offenem Ventil gemacht.

Mit Rösten muss man vorsichtig sein. Sobald man was sieht, ist es schon zu viel. Zumindest wenn man das Originalaroma behalten möchte. Wird schnell kaffee-und kräuterig.

Ich hab geschälte Nüsse verwendet. Kleingemahlen, in Alkohol gegeben und direkt gebrannt. In türkischen Supermärkten gibt es die als eingeschweißte 500g-Packungen. Sind schon "leicht geröstet". Sieht man nichts davon, steht aber drauf.

Die Fettschicht würde ich nicht mitbrennen.
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BenDunker
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Re: Mohngeist

Beitrag von BenDunker »

sehr gut.
Ich fasse noch einmal zusammen:
Der Mohngeist wird auf ca. 30% (oder wie weit würdest du runter verdünnen?) verdünnt und mit dem Mohn in den Kessel gegeben. Dann wird mit Heiz-Controller voll erhitzt und der Reflux zu gemacht, damit ich den Vorlauf möglichst konzentriere, wenn der Vorlauf durch ist, den Reflux abstellen und als Potstill weiterlaufen lassen. Das Destillat in Fraktionen teilen und bei zu hohen Temperaturen regele ich gegebenenfalls die Heiztemperatur etwas runter, da es sich hier schon um den Feinbrand handelt, es sei denn irgendetwas schäumt über.
Der Erdnussgeist wird im Grunde genauso gebrannt (auch verdünnen oder beiden bestehenden 50% belassen?), mit dem halben Kessel Luftraum und dem zusätzlichen Dome-Aufsatz habe ich ordentlich Raum für eventuelle Schaumbildung.
Zuletzt geändert von BenDunker am 1. Okt 2019, 22:34, insgesamt 1-mal geändert.
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Catweazle
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Re: Mohngeist

Beitrag von Catweazle »

Hallo Kollegen,

Zum Thema mit den Ölen.... wird als antischaummittel nicht auch Butter empfohlen?
Wenn ja würde ich mir weder bei dem Mohn noch bei der erdnussbutter Gedanken machen.
Oder liege ich da falsch?
Es ist ein Brauch von alters her:
Wer Sorgen hat, hat auch Likör.

Quelle: Wilhelm Busch, Bildergeschichten. Die fromme Helene,1872
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aragones
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Re: Mohngeist

Beitrag von aragones »

.. ist wohl ein Unterschied ob es sich um ätherische Öle handelt die aus dem Geistgut durch (Wasser-) Dampfdestillation) oder Märzetation lösen und die Butter oder anderen Ölen die als Antischaum oder Anbrennschutz in den Kessel Kommen.

Ich hatte dieses Jahr Orangenschalen angesetzt für Orangenlikör. Einen Teil davon habe ich zusammen mit allen Schalen in den Kessel und gebrannt zu Orangengeist.
Nach dem Verdünnen war Geist auch sehr trübe. Nach einiger Standzeit in eine Flasche mit sehr langen dünnem Hals hat sich das Orangenöl aber gelöst und ist oben Im Flaschenhals geschwommen, Der Rest wurde auch immer klarer und war schließlich total Klar.
Ich habe dann , wie bei den ätherischen Ölen Üblich das Öl mit der Einwegspritze oben abgezogen und danach noch mal das Destillat gefiltert.
Ergebnis: Klares Destillat und ca 10 ml Orangenöl für Duftlampe etc..
Seither habe ich auch angefangen ätherische öle selber herzustellen...

Also wenn es trübe ist von atherischen Ölen ggf einfach mal probieren eine Weile ( tage bis wochen) stehen lassen ob sich das Öl nicht löst und oben absetzt und ggf einfach abgezogen werden kann.
Habe die Ehre Herr Geheimbrannt!
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derwo
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Re: Mohngeist

Beitrag von derwo »

30% klingt gut.
Verdünnen hilft auch, daß der Mohn nicht anbrennt.
Den Erdnuss auch verdünnen. Wenn du dann keine Probleme mit Überschäumen hast, könnte es an den höheren Prozenten liegen. Ich hatte immer nur so 10 oder 15% im Kessel. Hab dann natürlich rektifiziert bzw nach dem Überschäumen dann doppelt gebrannt.


Catweazle,
das hatte ich auch gedacht. Ist aber warum auch immer nicht so. Bei zB Rum- oder abgeläuterten Getreidemaischen funktioniert Butter als Antischaum wunderbar. Hier schäumt es trotz der ganzen Öle.
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BenDunker
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Re: Mohngeist

Beitrag von BenDunker »

So kurzer Lagebericht zu heute:

Der Erdnussbutter-Geist ist aromastark aber auch muffig geworden. Ich denke es liegt an der zu langen Mazeration. Schon nach den ersten Fraktionen habe ich beschlossen das muffige/ ranzige vielleicht durch einen zweiten Feinbrand besser rauszubekommen und habe nur den konzentrierten Vorlauf abgetrennt, leider habe ich aus Unüberlegtheit nicht einberechnet, dass ich jetzt ca. 5l 70% muffigen Erdnussgeist habe der bis 100°C gesammelt wurde.
Ich werde auf jeden Fall den Erdnussbutter-Geist noch einmal komplett neu wiederholen, diesmal mit 10-12% im Kessel und ohne Mazeration.

Der Mohngeit ist toll geworden, starkes typisches Mohnaroma, klar und ohne jegliche Beanstandungen. Da meine Destille sich als etwas umständlich herausgestellt hat um den öligen Vorlauf durch Reflux abzutrennen, habe ich beim Mohn beschlossen auch gleich von Anfang an zwei klassische Potstill-Brände einzuplanen ohne den Vorlauf zu konzentrieren. Das ist eigentlich auch super geworden, aber ich ärgere mich jetzt dass ich nicht gleich die Fraktionen eingeteilt habe. Jetzt habe ich hier einen wirklich schönen Brand der auch wieder in einem Glasgesammelt wurde und inzwischen 60% hat.

Ich frage mich jetzt was ich mit den beiden hochprozentigen Bränden mache, ich muss sie ja nochmal fein brennen nur bin ich hin und her gerissen ob ich nochmal verdünnen kann/soll. Verdünnen heißt auch Aroma verdünnen, Hochprozentig heißt Risiko dass manche schöne Sachen im Kessel bleiben.
Zuletzt geändert von BenDunker am 3. Okt 2019, 08:10, insgesamt 3-mal geändert.
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BenDunker
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Re: Mohngeist

Beitrag von BenDunker »

Mein Fazit zum Mohngeist:

Ich denke das Mazerieren lohnt sich hier, der Mohn hat sich nach dem ersten Tag sehr bemerkbar deutlich entfaltet.
Ich habe 1.5 kg auf 5l 65% neutralen Alkohol für drei Tage angesetzt. Das hat für mich gut funktioniert und ergibt am Ende ein schönes rundes Mohnaroma. Derwo soll mal sagen, ob er mehr Mohn auf schwächeren Mohn für längere Zeit nehmen würde um nicht vorm Brennen verdünnen zu müssen.
Dann rate ich von Anfang an mit der Potstill zu arbeiten. Mohn gibt wenig Öl ab und schäumt auch kaum und die Menge des Vorlaufes hielt sich auch sehr in einem guten Rahmen, so dass ich denke ein Konzentrieren ist hier nicht so nötig.
Anfangs langsam erhitzen damit nichts anbrennen kann und dann mit mehr Hitze die Fraktionen brennen, einen Tag stehen lassen und wie sonst auch einen schönen Geist aus den einzelnen Fraktionen zusammenstellen.
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derwo
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Re: Mohngeist

Beitrag von derwo »

Warte mal ab, wie sich der Erdnussbuttergeist entwickelt. Wie gesagt, ich habe es erlebt, daß das Ranzige verschwindet. Auf jeden Fall nichts vorschnell entscheiden oder sogar wegwerfen. Erdnussgeist und Erdnussbuttergeist muss aber natürlich nicht genau gleich funktionieren.

Beim Mohn hast du jetzt mehr Erfahrung als ich. Ich weiß nicht, ob schwächerer Alk besser wäre. Es würde wie immer den nötigen Einsatz an Geistgut und damit die Kosten erhöhen. Da ich ja lesen kann, daß du nicht immer mit allem grundsätzlich zufrieden bist, denke ich, man kann dir schon glauben, daß die hohen Prozente in Ordnung sind bei Mohn.
Wie war denn das Aroma am Ende der Raubrände, also bei den niedrigen Prozent? Daran kannst du abschätzen, was du verlieren wirst bei hochprozentiger Destillation.
Wenn die Qualität jetzt schon so ziemlich stimmt, wird das Ergebnis jedenfalls gut werden, egal ob du verdünnst. Unverdünnt wird halt leichter auf der Zunge, weil du bei höheren % den Nachlauf abtrennen wirst. Ich denke, du wirst sowohl verdünnt als auch unverdünnt den Großteil des Aromas in den Mittellauf bekommen, eben da die Qualität jetzt schon hoch ist, und du daher recht spät abtrennen kannst.
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BenDunker
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Re: Mohngeist

Beitrag von BenDunker »

Ein Tag später und weitere Erkenntnisse:

Ich habe beides nochmal unverdünnt durch die Potstill gebrannt.
Was für die Erdnussbutter eine sehr gute Entscheidung war, war für den Mohn der Todesstoß.

Die Erdnussbutter hat viel Heads ohne Geschmack produziert, bzw. anders gesagt habe ich bis ca. 86°C nur Gläser gesammelt die einen mir sehr bekannten Fett-Geschmack und immer noch den oben beschriebenem muffigen Geruch hatten, den ich gar nicht leiden kann. Er erinnert mich stark an meine Anfänge in denen ich versucht habe Nutella-Schnaps zu brennen und nicht heiß genug (zu vorsichtig) die Potstill hab laufen lassen. Alles was ins Destillat kam war damals ein merkwürdiger "Fett-Geschmack".
Ab ca. 86.5°C kam dann ganz deutlich ein herrliches, fast süßlich schmeckendes Erdnuss-Aroma durch, Auch der Geruch war deutlich Erdnuss, der leider später wieder ein wenig zurückgegangen ist. Bis spät in den Nachlauf war der Geschmack sehr gut und wurde immer weniger süßlich und immer mehr Röstaromen kamen durch, aber nie pappig oder typisch Nachlauf auch nicht bitter oder irgendwas. Ich habe den Mittellauf mit all dem gesammelten Nachlauf zusammengegeben und bin sehr zufrieden. Demnächst werde ich noch einmal eine Erdnussbutter starten ohne so lange zu mazerieren.

Der Mohn dagegen hat zu 80% sein Geschmack verloren. Auch eine Erkenntnis. Auch den Geist werde ich noch einmal wiederholen und anstelle von zwei Bränden werde ich gleich den ersten Brand in Fraktionen teilen und später blenden.


Falls ihr euch fragt warum ich mich auf ausgerechnet Erdnussbutter so sehr konzentriere, der Grund dafür ist, dass "Pic" der der Hersteller der hier in Neuseeland legendären Pic's Erdnussbutter ein Nachbar von uns ist und ich ihn mit einem schönen Geist seines Produktes irgendwann überraschen will.
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Re: Mohngeist

Beitrag von derwo »

Interessant, daß du mit der Potstill diesen Fettgeschmack abtrennen konntest. Hab ich nicht erwartet.
Daß es dann so süsslich wird, liegt wohl auch daran, daß du bei dem großzügigen Vorlaufabtrennen allgemein dann beim Mittellauf in dem Bereich warst, wo es milder wird, also wo auch keine letzten Reste (echten) Vorlaufs die Nase kitzeln.
Das mit den Röstaromen und daß du so weit runterdestillieren konntest, kommt mir bekannt vor.

Beim Mohngeist hättest du nicht vielleicht einfach noch weiterbrennen müssen? Er war ja schon fast perfekt vor dem Brennen. In so einem Fall könnte man aus zB 10l Kesselinhalt 8l Destillat holen. Bei sowas Speziellem wie einer Redestillation eines fast perfekten Mohngeists mit solch hohen % im Kessel, gibt es keine Regeln.
Wie roch denn der Kesselinhalt nach dem Brennen?
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Re: Mohngeist

Beitrag von BenDunker »

hmm, spontan wollte ich gerade sagen, dass es noch Mohn-Aroma im Kessel geblieben ist und ich hab mich gefragt ob ich einfach wie früher zu vorsichtig gebrannt habe, also zu wenig Hitze und die Aromen konnten nicht übergehen, aber wenn ich drüber nachdenke, denke ich war das zweite mal einfach zuviel für die Aromen. Es scheint mir einfach der Punkt gewesen zu sein, an dem es wieder sprunghaft neutraler wurde und die guten Stoffe abgeschieden wurden. Ich habe heute einen neuen Mohngeist angesetzt, diesmal auch wieder mit 70%. Ich werde dann in zwei Tagen auch wieder auf 30% reduzieren und nur einmal brennen. Mein Neutraler ist zweimal gebrannt, jedes Mal Vorlauf abgetrennt und sehr sauber geworden. Damit habe ich den Mohn angesetzt, ich rechne zwar das noch immer etwas am Anfang abgetrennt werden muss, weil ich da immer wieder leichte Unsauberkeiten feststelle, aber nichts was viel schmieren wird. Mal sehen wie weit ich in den Nachlauf komme und wie lange der Mohn interessant bleibt. Aber ich denke generell, habe ich für mich die Art herausgefunden, wie ich den Mohngeist machen kann. Vielen vielen Dank für all die gute Hilfe allerseits. Der Mohn war auf jeden Fall eine sehr interessante Erfahrung für mich und kann gut einer meiner Lieblingsbrände werden.
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Re: Mohngeist

Beitrag von derwo »

Mohngeist steht nun auch auf meiner Liste. :+1:

Ich möchte irgendwann demnächst mal einen Geistraubrand ganz ohne Alk machen. Also mit Wasser. Und das Destillat dann mit 95%igem mischen und feinbrennen. Vielleicht nehme ich Mohn dafür. Oder eine Kesselfüllung angesetzt mit 40%igem Alk, eine mit Wasser, den Feinbrand dann gemeinsam. Mal schaun.
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Re: Mohngeist

Beitrag von BenDunker »

WooooW!
Das klingt ja interessant. Was versprichst du dir von dem Unterschied? besseres Aroma-Extraktion durch die höheren Temperaturen im Kessel? Andere, eventuell sogar echtere Aromen, die gelöst werden, da Alkohol ja schon auch ein sehr spezielles Lösungsmittel ist und zum Beispiel Fette ganz anders behandelt als Wasser es tut?
Wenn das die Gründe sind dann scheint mir der Mohn weniger interessant dafür zu sein, weil sich die Aromen im Alkohol sehr typisch und sehr stark lösen, aber vielleicht etwas feineres wie Flieder oder Veilchen ect. Wobei da die hohen Temperaturen wahrscheinlich alles eher kaputt machen, oder vielleicht doch nicht!? hmmm... Na, da hast du ja was losgetreten! Klingt nach einem ganz eigenen Thema!
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Re: Mohngeist

Beitrag von derwo »

Ich erwarte mir echtere Aromen. Je mehr Alkohol, desto mehr "Missbildungen" gibt es, trotz der etwas niedrigeren Temperatur. Aber du hast Recht, Mohn ist nicht unbedingt das beste zum Experimentieren in diese Richtung. Mal schauen, welchen Geist ich demnächst mal mache. Schlehen würde ich im Winter gerne mal wieder machen. Wandelröschenblüten nächsten Sommer. Wird dann sicher ein eigenes Thema. :D
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Re: Mohngeist

Beitrag von BenDunker »

Ich werde mich demnächst mal wieder an meinen inzwischen verfluchte schwarze Johannisbeere, die Brombeere und den Rhabarber machen.
Ich werde neu anfangen und es wie du vor einigen Wochen mal beschrieben hast probieren:
-Pro kg Beeren 5l 10 oder 12%igen Neutralalk in der Potstill, darüber die etwas zermatschten Beeren (also ohne vorher zu mazerieren). Daraus 1.5-2l Destillat holen.
- Das ganze drei mal. Dann hast du 4.5-6l Raubrand.
- Feinbrand unverdünnt mit Abtrennung nach Geschmack.
Nach oben
Vielleicht werde ich sogar 1.5kg Beeren nehmen um endlich mal einen richtig starken Aromabrand zu bekommen (meine 3kg Früchte jeweils reichen dann nur für zwei anstelle drei Raubrände, aber das wird wohl auch schon ok sein).

Wenn das nicht zu meiner Zufriedenheit wird werde ich hier mal die Wasser-Idee probieren und ein neues Thema aufmachen (wenn das ok ist!?).
Bin sehr gespannt drauf.
Bald blüht hier der Flieder, vielleicht ist es ja tatsächlich was dafür.
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