Mein Rührwerk im 12 l Topf

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azeotrop
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Mein Rührwerk im 12 l Topf

Beitrag von azeotrop » 9. Jul 2019, 21:39

Hallo

Ich hatte mir zum Maische rühren und Obst zerkleinern einen billigen Mörtelrührer und einen Edelstahlquirl besorgt.
Der Quirl hat eine 14 mm Edelstahlachse und ist mehr als ausreichend stabil.

Da kam die Idee das Ungetüm als Rührwerk für meine Destille einzusetzen.
Mein Steigrohr hat 2 Zoll und ist 60 cm hoch. Oben habe ich einen steckbaren Kopf aufgesetzt der einen Abgang für das Geistrohr der Potstill hat. In der Mitte, zentral von ganz oben nach ganz unten, ist die 14mm Achse des Antriebs durch das Steigrohr bis fast auf den Boden des Kessels geführt.
Die Antriebsachse steckt in einem 28mm Kupferrohr das bis auf 2 cm über Kesselboden in die Maische eintaucht und so gegen die Dämpfe abdichtet.

Das Kupferrohr hängt frei und wird vom Dach des Potstill Aufsatzes getragen. Oben ist es starr befestigt, unten wird es von drei Schreiben mit Hutmuttern im Inneren des Steigrohres seitlich geführt. Es kann aber nach oben rausgezogen werden, das es unten nicht eingeklemmt, sondern nur geführt ist.

Der Quirl mit kompletter Achse müsste aber zuerst nach unten rausgezogen werden. Dazu wird ganz unten die 28mm auf 15 mm Reduziermuffe gelöst die man auf dem Bild gut sehen kann.

Die Antriebsachse mit dem unten dran hängenden Rührbalken, Quirl und Ketten hängt frei und wird oben von einem Axiallager (Stützlager) getragen. Dieses Lager liegt von oben auf dem Kupferrohr auf das die Welle umhüllt.
Radial wird die Achse oben und unten jeweils von einer 15 mm Reduziermuffe geführt.

Die Ganze Konstruktion wird wiederum vom Dach des Potstillaufsatzes getragen der sich über das Steigrohr direkt auf den Deckel des Kessels stützt. Letztendlich trägt der Kessel alles.

Der Antriebsmotor des Rührwerk schwebt separat gestützt völlig frei über dem End der Antriebsachse.
Der Motor hat eine interne elektronische Drehzahlsteuerung. Die hatte ich schon Anfangs mal umgebaut dass ich ohne einem Knopf zu drücken den Motor langsam laufen lassen kann.

Die Achse des Motors wird über eine primitive selbstgeschnitzte flexible Wellenkupplung verbunden. Die Drehbewegung wird übertragen, aber die Rührkonstruktion muss dem Motor nicht tragen.

Der Motor lässt sich leicht nach oben klappen, um den Deckel mit dem Steigrohr und dem gesamten Rührwerk vom Kessel abnehmen zu können.

Der Probelauf war mit 20 l klebriger Melasse-Maische für meinen ersten Rum.
Alles hat super funktioniert. Obwohl ich mit voller Leistung gebrannt habe (3l/Stunde Destillat) ist nichts angebrannt, weder am Boden, noch am Rand.
Als nächstes kommt nun die viel dickere Schlehenmaische dran, die seit letztem Spätherbst auf den Brand wartet.

Fragen beantworte ich gerne.
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Viel Spass bei unserem Hobby Schnapsbrennen
Es grüßt Azeotrop

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derwo
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Re: Mein Rührwerk im 12 l Topf

Beitrag von derwo » 10. Jul 2019, 10:44

Sehr schöne Konstruktion. Wahrscheinlich auch für wesentlich größere Destillen geeignet.
Wenn das Rührwerk und damit die Kette an den Topfboden gedrückt werden soll, muss es im Uhrzeigersinn laufen.
Wie schnell dreht sich es? Ich denke, eine Umdrehung pro Sekunde ist gut.
Warum hast du ein 28mm-Rohr genommen? Warum nicht mit weniger Abstand zur Welle? Du hast es gut auf Dichtigkeit geprüft, gell? Also einen Metalllöffel oben drangehalten oder so, ob er beschlägt.

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azeotrop
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Re: Mein Rührwerk im 12 l Topf

Beitrag von azeotrop » 10. Jul 2019, 19:49

derwo hat geschrieben:
10. Jul 2019, 10:44
Sehr schöne Konstruktion. Wahrscheinlich auch für wesentlich größere Destillen geeignet.
Das ist der Plan
Wenn das Rührwerk und damit die Kette an den Topfboden gedrückt werden soll, muss es im Uhrzeigersinn laufen.
Ja, so habe ich es gemacht
Wie schnell dreht sich es? Ich denke, eine Umdrehung pro Sekunde ist gut.
Ich habe 1,6 Umdrehungen pro Sekunde
Warum hast du ein 28mm-Rohr genommen? Warum nicht mit weniger Abstand zur Welle?
Ich musste den Quirl ja verlängern. Der hat ein M14 Gewinde, und der Mörtelrührer auch. Deshalb habe ich eine M14 Gewindestange als Verlängerung genommen und mit einer M14 Langmutter verbunden. Die Langmutter ist so dick dass ich ein 28mm Rohr brauchte. Der verbleibende Ringspalt reicht aber locker für meinen 12l Kessel.
Du hast es gut auf Dichtigkeit geprüft, gell? Also einen Metalllöffel oben drangehalten oder so, ob er beschlägt.
Das hatte mir auch Sorgen gemacht. Aber kein Problem, alles perfekt dicht.
Hätte ich den M14 Gewindestab direkt an den Quirl geschweißt und glatt geschliffen, hätte mir ein 18mm Rohr gereicht mit Reduzierstücken auf 15mm an beiden Enden.
Das wird vielleicht beim nächsten Umbau gemacht.

Heute habe ich mal einen Belastungstest gemacht.
Raubrand Schlehenmaische vom November 2018. Pro Brand habe ich den Kessel mit 7 l gefüllt. Die Maische enthielt noch alle Kerne und war sehr dickflüssig.
Ich habe zügig gebrannt und in einer Stunde waren 3 liter mit 33% durchgelaufen.
Das Rührwerk hat ohne Mucken alles durchgezogen.
Als ich den Rest im Kessel sah, hab ich doch gestaunt.
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Der Rest hatte die Konsistenz von erdfeuchtem Beton.
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Der Kessel sah blitzblank aus, nachdem ich ihn mit dem Gartenschlauch ausgespritzt hatte. Keinerlei Belag.
Direkt danach lief der zweite Rauhbrand, auch den vertrug das Rührwerk klaglos und der Kessel war am Ende wieder blank.

Ich denke dass die Grundidee ausbaufähig ist.
Viel Spass bei unserem Hobby Schnapsbrennen
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derwo
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Re: Mein Rührwerk im 12 l Topf

Beitrag von derwo » 10. Jul 2019, 20:21

Super! So trockene Schlempe hab ich noch nie gesehen. Kannst dir ein lustiges Andenken modellieren.

Es stellt sich allerdings die Frage, ob mit mehr Wasserzusatz die Gärung nicht besser gelaufen wäre.

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azeotrop
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Re: Mein Rührwerk im 12 l Topf

Beitrag von azeotrop » 10. Jul 2019, 20:40

Ich bin ja Anfänger und vieles ist noch dem Zufall geschuldet.
Auf 13,5 l Fruchtmus mit Steinen hatte ich 4 l Wasser gegeben.
Danach gab ich weitere 2 l Wasser zu in denen ich 2kg Zucker aufgekocht hatte.
War schon sehr cremig.
Als mehr und mehr Alkohol entstand und die Pektinase richtig gewirkt hatte, stand schon 3 cm Flüssigkeit über den Feststoffen.
Später habe ich nochmal 300g Zucker zugegeben.

Ich denke dass die Maische am Ende so 13%vol hatte. Flüssig war sie schon, aber keineswegs dünnflüssig.
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Re: Mein Rührwerk im 12 l Topf

Beitrag von aragones » 11. Jul 2019, 15:27

Respekt .. solide Ausführung für 12 Liter .. da kannst ja fast schon Beton mischen damit ! :D
Habe die Ehre Herr Geheimbrannt!

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azeotrop
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Re: Mein Rührwerk im 12 l Topf

Beitrag von azeotrop » 11. Jul 2019, 20:53

Zum Betonmischen habe ich die flexible Wellenkupplung noch etwas gepimpt.
Die war vorher doch etwas schwächlich.
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