Steighöhe schäumender Maische

Praxis und Theorie der Destillation. Sowohl Fragen zu und Berichte von Destillationen als auch theoretische Erklärungen und Überlegungen
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Alk52
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Steighöhe schäumender Maische

Beitrag von Alk52 »

In diesem Fall waren es 3 Raubrände, die ich betrachtet habe. Im 17 Liter-Kessel waren jeweils ca. 11 Liter kaltvergorene Apfel-Maische und knapp 10cm freie Höhe bis zum Steigrohr.
Gebrannt wurde mit leerem, isolierten 2" Rohr und einer Heizleistung von ca. 2,3 kW.

Im 1. Raubrand war der Schaum ständig im unteren Sichtglas (10-20 cm über dem Kessel) und deutlich oberhalb, keine Ahnung wie hoch.
Im 2. Raubrand habe ich von 50-60cm mein 2. Sichtglas eingebaut und habe lange Zeit pulsiernden Schaum bis knapp darüber gesehen.
Im 3. Raubrand habe ich die Heizleistung auf ca. 1,6 kW reduziert und nur noch ganz selten Schaum bis 65cm gesehen.

Insgesamt war ich über diese Steighöhe überrascht.
Mit ausreichend Luftvolumen im Kessel oder einer klassischen (nicht isolierten) Pot-StillHaube wird der Effekt geringer ausfallen. Sicherlich haben unsere Altvorderen nicht umsonst aufwändige, großvolumige Übergänge vom Kessel zum Steig- bzw. Geistrohr gebaut oder alternativ längere Steigrohre genutzt.

Für den nächsten Raubrand werde ich die unteren 30cm über dem Kessel mit 3" nutzen und erst dann auf 2" redzuieren...
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azeotrop
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Re: Steighöhe schäumender Maische

Beitrag von azeotrop »

Ein paar Flocken Butter wirken da Wunder.
Danke für die interessanten Beobachtungen.
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derwo
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Re: Steighöhe schäumender Maische

Beitrag von derwo »

2.3kW für einen 17l-Topf sind aber schon eine stolze Heizleistung. Da wundert mich das starke Schäumen nicht. So eine Heizleistung nehme ich bei ähnlicher Menge höchstens am Schluss eines Raubrands.

Butter bringt bei Rum und abgeläutertem Getreide viel, bei Obst eher nicht. Bin mir aber nicht sicher. Mit einem Schauglas könnte man das mal überprüfen. Also wenn du mal wieder mehrere Raubrände hintereinander machst, wäre das ein einfaches und sehr sinnvolles Zusatzexperiment.

Zwei Tipps noch für alle mitlesenden:
- Bei einer Potstill hört man durch den Kühler ein Gurgeln, bevor eine Maische überschäumt. Meist kann man dann noch rechtzeitig ausschalten. Also wenn man nur ein Rauschen hört, ist alles ok. Aber wenn es gurgelt, dann ausschalten. Und wenn das Gurgeln dann aufhört, mit weniger Heizleistung weiterbrennen.
- Kupferschrubber bei einem Raubrand in den Potstillkopf oder das Steigrohr zu stecken, damit er verhindert, daß es überschäumende kleine Partikel in den absteigenden Ast schaffen, ist eine schlechte Idee. Die Partikel setzen den Schrubber langsam zu, es wird enger, dadurch gibt es einen leichten Überdruck im Kessel, dadurch schäumt es noch mehr, daurch setz es den Schrubber noch mehr zu, es wird noch enger usw. Am Ende kann man den Raubrand nur noch tröpfelnd abbrennen. Zumindest bei breiartigen Maischen oder Maischen mit großen Fruchtstücken ist das so.
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Alk52
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Re: Steighöhe schäumender Maische

Beitrag von Alk52 »

Mit meinem aktuellen Apfel-Raubrand habe ich, mit 10/17 Liter im Kessel, im 2" Rohr reproduzierbar 130cm Schaumhöhe produziert. Ist halt etwas im Produkt gelandet. Sollte aber bei einem Raubrand kein Problem sein.
Morgen mal mit Butter.
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azeotrop
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Re: Steighöhe schäumender Maische

Beitrag von azeotrop »

Ich hatte kürzlich über 30 L Apfelmaische gebrannt mit einem 30 cm Steigrohr und Rührwerk. Ich hatte keinerlei Schaumproblematik, ganz ohne Butter.
Allerdings habe ich meinen Kessel nur zu 2 Drittel gefüllt.
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Alk52
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Re: Steighöhe schäumender Maische

Beitrag von Alk52 »

Mit welcher Kesselgröße und Heizleistung hast Du gebrannt?
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derwo
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Re: Steighöhe schäumender Maische

Beitrag von derwo »

Nach meinen Raubränden hängt am Deckel eine mindestens 1cm dicke Breischicht. Durch die 2"-Öffnung gerät auch ein bisschen was nach oben. Also nach weniger als 10cm Steigrohr am Potstillkopfdeckel hängt auch was. In die seitliche Azweigung gerät aber nichts oder zumindest nichts auffälliges. Die Raubrände sind etwas trüb, aber weißlich, nicht wie von Maische hellbräunlich.
Maximal 13l im 17l-Topf. Nach den ersten Tropfen runterschalten auf 800W. Dann je nach Füllmenge langsam bis auf 2kW hoch. 1.2kW schon nach vielleicht 500ml Destillat, 1.6kW so nach insgesamt 1l und 2kW dann nach insgesamt 2l.

Bei dir, Alk52, war es die ganze Zeit volle Leistung? Das Steigrohr war aber leer, oder? Auch keine Filterscheibe oder so zwischen Topf und Steigrohr? Wann hast du bemerkt, daß was im Produkt gelandet war? Also kam plötzlich was Gelbes oder hast du es erst nach dem Brennen bemerkt? War im Steigrohr was zu sehen von der Maische danach?
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azeotrop
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Re: Steighöhe schäumender Maische

Beitrag von azeotrop »

Alk52 hat geschrieben: 8. Dez 2020, 18:45 Mit welcher Kesselgröße und Heizleistung hast Du gebrannt?
20 L Kessel, 2/3 gefüllt. Heizleistung wie bei derwo.
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Alk52
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Re: Steighöhe schäumender Maische

Beitrag von Alk52 »

Ja, ich habe voll mit 2,3 kW geheizt und weil die Maische sehr dünn war habe ich auch kein Rührwerk benutzt. Auf 1m Höhe habe ich meinen gelöcherten Aromakorb in ein Sichtglas eingehängt, damit mir die mit dem Schaum transportierten Flocken nicht bis in den Produktkühler kommen. Hier kann ich den Schaum über die gesamte Brenndauer im wieder mal sehen. Übergelaufen ist es am Anfang.
Die reduzierte Heizleistung ist natürlich die klassische Lösung. aber da ich unter dem Thema "Experimente" brenne, werde ich es heute mal mit Butter versuchen und anschließend mit Rührwerk.
Einen Nebeneffekt hat die Maischeschicht noch, sie verfälscht Temperaturmessungen im Kessel. Statt 99,6 nur 99,1°C gemessen (reprouzierbar).
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azeotrop
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Re: Steighöhe schäumender Maische

Beitrag von azeotrop »

Falls du die Möglichkeit schaffen kannst neben der Kessel-Dampf Temperatur auch die Kessel-Flüssigkeitstemperatur zu beobachten, wäre das sicher lehrreich.
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Re: Steighöhe schäumender Maische

Beitrag von derwo »

Ich weiß jetzt nicht, wie dicht dein Aromakorb an den Rändern abschließt, aber gegen Überschäumen ist sowas normalerweise kontraproduktiv. Das, was aufgehalten wird, bleibt hängen und verstopft den Sieb. Dadurch steigt der Druck und die Maische schäumt noch mehr.
Am Anfang war wahrscheinlich noch CO² in der Maische, wodurch es stark geschäumt hat.
Die Temperaturmessung wird beeinträchtigt, weil der Sensor von Brei zugedeckt ist?
Ich denke, anfangs ein bisschen weniger Leistung und es passt. Aber als Experiment ist es natürlich schon interessant, das mit Butter unverändert durchzuziehen. Meine Prognose ist, daß Butter nur bei sehr dünnen Maischen hilft, also abgeläutertes Getreide, Rum, Weinbrand usw. Und falls es diesmal mit Butter trotzdem besser geht, könnte es auch daran liegen, daß die Maische inzwischen einiges an CO² verloren hat.
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Alk52
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Re: Steighöhe schäumender Maische

Beitrag von Alk52 »

OK, Asche auf mein Haupt...
Nachdem ich inzwischen etwas verwirrtes Zeug geschrieben habe, zurück in die Realität.
Fangen wir mit meinem letzten Satz an. Ist vollkommen falsch, dass die wenigen Maischereste am Deckel und Sensor die Messung wesentlich beeinflussen. Es war halt nur die schnelle, falsche Erklärung für ein nicht verstandenes Symptom.
Die Ursache habe ich nach inzwischen 3-mal "reduzierte Siedetemperatur" (zumindest in meinen Messungen) gefunden, die vermeintlich besseren Sensoren hatte ich falsch kalibriert und vorher nicht gemessen. Scheiße, aber soll nicht wieder vorkommen.

Ob die Butter bzw. das Butterfett hilft, kann ich auch noch nicht definitiv sagen. Heute hat es noch nicht geschäumt, aber meine Herdplatte liefert, nach Prüfung, derzeit nur 1,6kW Heizleistung und ob das gestern anders war -keine Ahnung.
Aber eine Idee: da ich eh raubrenne, kann ja ruhig etwas überlaufen. Also, der letzte Raubrand erfolgt mit 1,6 W - ohne Butterfett.

Der Aromakorb ist unten mehrfach auf von 1 auf 3mm aufgebohrt und die 10cm hohe zylindrische, perforierte Seitenwand hat ausreichend Abstand zum Glasrohr.
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derwo
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Re: Steighöhe schäumender Maische

Beitrag von derwo »

Alk52 hat geschrieben: 9. Dez 2020, 14:35 ...aber meine Herdplatte liefert, nach Prüfung, derzeit nur 1,6kW Heizleistung und ob das gestern anders war -keine Ahnung.
Das klingt, als ob der Überlastungsschutzschalter einen der Heizkreise ausschaltet. Zumindest bei meiner Platte ist das so, daß der Überlastungsschutz nicht ganz ausschaltet sondern nur auf 1.6kW reduziert. Aber du hast doch genau wie ich den Schalter überbrückt, oder?
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Alk52
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Re: Steighöhe schäumender Maische

Beitrag von Alk52 »

Die Butter bringts - auch bei Obst.
Mit Butterfett blitzsauberes Steigrohr bei 1,6 kW- ohne Butterfett ca. 50cm Steighöhe bei gleicher Heizleistung, also Maischereste an der Rohrwand.

Ja, die Heizplattensicherung ist kurzgeschlossen, aber ich vermute, dass die Lötstelle sich gelöst hat.
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derwo
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Re: Steighöhe schäumender Maische

Beitrag von derwo »

Vielleicht sind bei der gebutterten Maische die Maischestücke wieder runtergeflutscht? :D
Nein, kann schon sein, daß es was gebracht hat.
Ganz durchblicken tu ich es aber nicht. Denn fettige Sachen wie gemahlene Nüsse schäumen extrem.