Steighöhe schäumender Maische

Praxis und Theorie der Destillation. Sowohl Fragen zu und Berichte von Destillationen als auch theoretische Erklärungen und Überlegungen
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Alk52
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Steighöhe schäumender Maische

Beitrag von Alk52 »

In diesem Fall waren es 3 Raubrände, die ich betrachtet habe. Im 17 Liter-Kessel waren jeweils ca. 11 Liter kaltvergorene Apfel-Maische und knapp 10cm freie Höhe bis zum Steigrohr.
Gebrannt wurde mit leerem, isolierten 2" Rohr und einer Heizleistung von ca. 2,3 kW.

Im 1. Raubrand war der Schaum ständig im unteren Sichtglas (10-20 cm über dem Kessel) und deutlich oberhalb, keine Ahnung wie hoch.
Im 2. Raubrand habe ich von 50-60cm mein 2. Sichtglas eingebaut und habe lange Zeit pulsiernden Schaum bis knapp darüber gesehen.
Im 3. Raubrand habe ich die Heizleistung auf ca. 1,6 kW reduziert und nur noch ganz selten Schaum bis 65cm gesehen.

Insgesamt war ich über diese Steighöhe überrascht.
Mit ausreichend Luftvolumen im Kessel oder einer klassischen (nicht isolierten) Pot-StillHaube wird der Effekt geringer ausfallen. Sicherlich haben unsere Altvorderen nicht umsonst aufwändige, großvolumige Übergänge vom Kessel zum Steig- bzw. Geistrohr gebaut oder alternativ längere Steigrohre genutzt.

Für den nächsten Raubrand werde ich die unteren 30cm über dem Kessel mit 3" nutzen und erst dann auf 2" redzuieren...
Ein Bild zeigt mehr, als man auf den ersten Blick sieht - nichts ist ohne Grund.
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azeotrop
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Registriert: 26. Okt 2018, 21:17

Re: Steighöhe schäumender Maische

Beitrag von azeotrop »

Ein paar Flocken Butter wirken da Wunder.
Danke für die interessanten Beobachtungen.
Es grüßt Azeotrop
"Doubt not, therefore, sir, but that distilling is an art, and an art worth your learning."
(Nixon & McCaw)
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derwo
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Re: Steighöhe schäumender Maische

Beitrag von derwo »

2.3kW für einen 17l-Topf sind aber schon eine stolze Heizleistung. Da wundert mich das starke Schäumen nicht. So eine Heizleistung nehme ich bei ähnlicher Menge höchstens am Schluss eines Raubrands.

Butter bringt bei Rum und abgeläutertem Getreide viel, bei Obst eher nicht. Bin mir aber nicht sicher. Mit einem Schauglas könnte man das mal überprüfen. Also wenn du mal wieder mehrere Raubrände hintereinander machst, wäre das ein einfaches und sehr sinnvolles Zusatzexperiment.

Zwei Tipps noch für alle mitlesenden:
- Bei einer Potstill hört man durch den Kühler ein Gurgeln, bevor eine Maische überschäumt. Meist kann man dann noch rechtzeitig ausschalten. Also wenn man nur ein Rauschen hört, ist alles ok. Aber wenn es gurgelt, dann ausschalten. Und wenn das Gurgeln dann aufhört, mit weniger Heizleistung weiterbrennen.
- Kupferschrubber bei einem Raubrand in den Potstillkopf oder das Steigrohr zu stecken, damit er verhindert, daß es überschäumende kleine Partikel in den absteigenden Ast schaffen, ist eine schlechte Idee. Die Partikel setzen den Schrubber langsam zu, es wird enger, dadurch gibt es einen leichten Überdruck im Kessel, dadurch schäumt es noch mehr, daurch setz es den Schrubber noch mehr zu, es wird noch enger usw. Am Ende kann man den Raubrand nur noch tröpfelnd abbrennen. Zumindest bei breiartigen Maischen oder Maischen mit großen Fruchtstücken ist das so.