Doppelt Brennen

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PuhBär
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Doppelt Brennen

Beitrag von PuhBär » 28. Okt 2018, 14:10

Moin
oft lese ich doppelt Brennen!,das gilt nur für Geschmacklosen Alkohol? beim Schnapsbrennen
wird das doch nicht gemacht oder?
und was bringt das doppelt Brennen bei neutralem Alkohol, was ist noch drin
was raus muss, oder geht es nur darum noch neutraler zu werden?

Lg.
Ich weiß, PuhBär klingt Gefährlich, mir fiel aber nichts anderes ein

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derwo
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Re: Doppelt Brennen

Beitrag von derwo » 28. Okt 2018, 19:25

Es gibt so gut wie keinen Schnaps, der ohne Rektifikation nur einmal gebrannt. Die Ausnahme ist Pisco.
Warum sollte es bei uns klappen, wenn es bei den Profis auch nicht geht?

Bei einem Brand mit nur 5-15% im Kessel hat man von Anfang an ein relativ schwaches Destillat. Und niedrige Alkoholstärke bedeutet, daß Nachlaufstoffe fast von Anfang an ins Destillat übergehen. Entweder man sammelt nur das erste Viertel oder Drittel des Alkohols als Mittellauf (nach Vorlaufabtrennung natürlich) oder man hat halt ein unsauberes Destillat.

Je öfter man brennt, desto weniger Nachlauf wird man im Brand haben. Aber auch weniger Aromen, die sich im Bereich des Nachlaufs befinden. Aber die Aromen, die sich im Vorlaufbereich befinden, hat man trotzdem alle (außer man trennt sie ab natürlich). Und gerade bei Obstbänden sind das die Aromen, auf die es ankommt.

Ein so gut wie geschmackloses Destillat ist nur bei 95% und guter Abtrennung des Vorlaufs möglich. Bei 90% ist noch jede Menge Geschmack vorhanden. Hängt natürlich auch von der Art der Maische ab.

Bei Neutralalkohol hat man zwei Ziele: Hohe Prozente, um die Fuselalkohole im Kessel zu halten. Siehe dieser Thread. Und um den Vorlauf scharf abzutrennen. Das zweite ist die Möglichkeit, zwischen den Bränden zu verdünnen. Das bringt eine sehr starke Aromaverdünnung und ist daher nur für Neutralalkoholherstellung empfehlenswert. Nicht für aromatische Brände.

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Re: Doppelt Brennen

Beitrag von PuhBär » 29. Okt 2018, 07:28

ja ok, aber wie sieht es mit Rektifikation aus, wenn ich vom ersten bis zum letzten Tropfen ca. 92-93
Prozent habe, dabei sehr langsam heize und es irgendwann einfach aufhört zu Tropfen, bzw. nur hin
und wieder ein kleiner schub Tropfen kommt die ich abtrenne.

Ich will hier nicht behaupten, das mein ergebniss Perfekt ist, ich frage mich nur was ich dann habe,
das Problem ist ja auch bei uns, wir haben selten jemanden der Probieren kann, wir müssen also
immer von der eigenen Meinung ausgehen.

Lg.
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Re: Doppelt Brennen

Beitrag von derwo » 29. Okt 2018, 13:58

Dann hältst du zwar bis fast zum Schluss den Nachlauf unten in der Kolonne, hast also eine große Ausbeute. Aber die guten Geschmäcker sind längst vorbei. Du verdünnst also den Brand mit im besten Fall neutralem Alkohol. Bzw ganz neutral Ist er leider nicht. Kratzig und vollmundig und geruchsarm.

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Re: Doppelt Brennen

Beitrag von PuhBär » 29. Okt 2018, 15:32

ich weiß jetzt nicht genau ob wir das selbe meinen, also ich spreche von Neutralem
Alkohol.

gruß
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Re: Doppelt Brennen

Beitrag von derwo » 30. Okt 2018, 13:59

Irgendwann kommt der Nachlauf. Je höher du destilliert, desto mehr bekommst du in den Mittellauf. Auch wenn du auf 97% höchstens, der letzte Rest Alkohol wird nachlaufhaltig sein. Bei Neutralalkohol ist man sehr empfindlich gehen Nachlauf.
Wenn man eine Aktivkohlesäule hat, kann man weiter in den Nachlauf destillieren.

Trotzdem ist es sogar zeitsparender doppelt zu brennen, da für dieselbe Reinheit dann beim zweiten Brand viel schneller destilliert werden kann.
Drei Raubrände plus einen Feinbrand ist schneller als drei Feinbrände.

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Re: Doppelt Brennen

Beitrag von PuhBär » 30. Okt 2018, 14:05

dann werde ich das bei nächster gelegenheit mal Probieren :D
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Re: Doppelt Brennen

Beitrag von aragones » 30. Okt 2018, 14:54

.. jetzt hab ich mühsam auf Reflux hochgerüstet um zu lernen dass dopplet brennen effektiver ist :-(
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Re: Doppelt Brennen

Beitrag von azeotrop » 30. Okt 2018, 16:28

Hallo derwo

Meinst du mit der Reflux doppelt brennen? Ich bin leicht verwirrt und kann nicht folgen.
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Re: Doppelt Brennen

Beitrag von derwo » 30. Okt 2018, 17:03

Den zweiten Brand mit der Reflux. Den ersten würde ich mit der Potstill machen. Aber wenn man "nur" eine Reflux hat, dann halt beide Brände mit der Reflux.

aragones,
wie gesagt, drei Rau- und ein Fein- ist schneller als drei Feinbrände. Und mit nur einer Potstill bekommt man nie so eine Reinheit hin, wie mit der Reflux.

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Re: Doppelt Brennen

Beitrag von azeotrop » 30. Okt 2018, 17:23

Jetzt ist der Groschen gefallen bei mir.
Ja, das ist sinnvoll.
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Re: Doppelt Brennen

Beitrag von aragones » 30. Okt 2018, 18:28

.... ok bei mir auch erst Strippen mittels Raubrand mit Pottstill und dann Feinbrand mit Reflux... Sorum wird ein Schuh draus :roll:
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Re: Doppelt Brennen

Beitrag von MonthyBurnz » 7. Nov 2018, 22:20

hmmm,

da muss ich jetzt als Schmick-Buch Leser doch nochmal fragen.

Wenn ich eine hochprozentige Maische habe, keine Turbo...sagen wir so um die 16%. Dann wird im Buch zu einfach brennen geraten, da die % auf jeden Fall > 40 sein (sollten) und somit Trinkstärke haben.

Wenn ich also soviel habe, dass ich rechnerisch keinen 2. Lauf machen müsste, ist mein Ergebnis 1fach gebrannt nicht qualitativ so gut, als wenn ich den Rauhbrand nochmal destilliere? Dachte, der 2. Brand führt auch zu Aromaverlust.

Und weiter: Ich als "armer" Potstill Besitzer brauche extra für den 2. Lauf ne Reflux Destille oder bzw die Option, von Pot auf Reflux umzurüsten?
hmm... das stimmt mich trübe... nee, so schlimm ist es nicht. Aber ich war guten Mutes, mit guter Maische einen einfach Gebrannten in ein gutes Ergebnis verwandeln zu können.

Angemerkt: ich will keinen Neutralalk erstellen, "nur" einen guten trinkbaren Obstler oder später mal was anderes.

Gruß,
Monthy
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Re: Doppelt Brennen

Beitrag von aragones » 8. Nov 2018, 07:52

Hallo Monthy,

die Aussage in Schmickls Buch ist meiner Meinung nach so zu versehen:

Bei hochgradiger Maische reicht Einfachbrennen um eine halbwegs sinnvolle Ausbeute im Mittellauf zu haben.
Mit abnehmendem Alkoholgehalt der Maische schaffst du es irgendwann nicht mehr „ Mittellauf“ ( DT zwischen 80 und 91 Grad bzw grösser 60% zu kommen. Drum kommt Mann/Frau dann irgendwann mal ums 2-fachbrennen nicht mehr Cognac/ äh Rum.

Du kannst immer 2 -fach oder mehrfach brennen. Du erhöht damit auf alle Fälle die Ausbeute im Mittelauf und reduziert Nachlaufanteile.
In wie weit eine Qualitätsverbesserung ( höhere Reinheit/ wenige Fuselalkohole) im Verhältnis zum Aromaverlust steht kann ich nicht beantworten.
vermutlich hält sich das die Waage.
Im Profibereich wird ja immer mehr fachgebrannt entweder per Reflux oder Rauh und Freinbrand. Also wird auf alle fälle genug Aroma übrig bleiben!
Und weiter: Ich als "armer" Potstill Besitzer brauche extra für den 2. Lauf ne Reflux Destille oder bzw die Option, von Pot auf Reflux umzurüsten?
hmm... das stimmt mich trübe... nee, so schlimm ist es nicht. Aber ich war guten Mutes, mit guter Maische einen einfach Gebrannten in ein gutes Ergebnis verwandeln zu können.
Ich kann dich beruhigen .. auch als armer Potstiller kannst du in deiner Potstill den Feinbrand ohne Reflux machen.
Das Ganze bezog sich auf Zuckermaische und möglichst effizient in Richtung Neutralen mit 95% zu kommen
Da ist Strippen der 1 Maische auf ca 45 % und dann im 2. Durchgang Feinbrand mit Reflux halt die effizentere Methode als mehrere einfach-Refluxbrände.
Immer ausgehend davon das die Summe der Raubrände dann einen Kessel für den Feinbrand füllen !
Aber bedarf es ja keiner Rücksicht auf gewolltes Aroma!
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Re: Doppelt Brennen

Beitrag von derwo » 8. Nov 2018, 12:32

MonthyBurnz hat geschrieben:
7. Nov 2018, 22:20
Wenn ich eine hochprozentige Maische habe, keine Turbo...sagen wir so um die 16%. Dann wird im Buch zu einfach brennen geraten, da die % auf jeden Fall > 40 sein (sollten) und somit Trinkstärke haben.Da du (laut Buch) bei 91°C abtrennst, also bei 50-60% Alk, bist du natürlich auch insgesamt bei über 40%. Aber es geht ja nicht nur darum, Trinkstärke zu erreichen.
Dachte, der 2. Brand führt auch zu Aromaverlust. Kommt auf das Gesamtpaket an, was genau du verlierst. Ob eher nur die schlechten Sachen oder auch viel von den guten.
Und weiter: Ich als "armer" Potstill Besitzer brauche extra für den 2. Lauf ne Reflux Destille oder bzw die Option, von Pot auf Reflux umzurüsten?
Angemerkt: ich will keinen Neutralalk erstellen, "nur" einen guten trinkbaren Obstler oder später mal was anderes.
Manche hier schreiben von Neutralalk, andere von Obstler. Eine Reflux brauchst du für Obstbrände nicht.
aragones hat geschrieben:
8. Nov 2018, 07:52
Du kannst immer 2 -fach oder mehrfach brennen. Du erhöht damit auf alle Fälle die Ausbeute im Mittelauf und reduziert Nachlaufanteile.
In wie weit eine Qualitätsverbesserung ( höhere Reinheit/ wenige Fuselalkohole)...Fuselalkohole sind im Vorlauf. Sonst hast du aber recht. viewtopic.php?f=3&t=16

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Re: Doppelt Brennen

Beitrag von azeotrop » 8. Nov 2018, 18:13

Hallo derwo

Ich hatte woanders (du weisst schon wo) gelesen dass bei einer hochgradigen Maische und Einfachbrennen das Aroma stärker sei.
Irgendwo geistert mir auch noch ein Spruch durchs Hirn dass beim doppelten Brennen oder gar Reflux das Aroma "stark verdünnt" werden würde.
Kannst du mir helfen diese Dinge richtig einzuordnen.
Ich frage hier speziell zu Obstbränden usw.
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Re: Doppelt Brennen

Beitrag von derwo » 8. Nov 2018, 20:38

Wer das "volle Aroma" haben will, kann ja die Maische trinken. Und bitte den ganzen Baum vergären, nicht nur die Früchte. :lol:
Was ich damit sagen will, ist, daß "volles Aroma" zwar spontan gut klingt, aber ja nicht die ganze Wahrheit sein kann. Bei Destillation geht es ja hauptsächlich darum, Sachen loszuwerden.

Das Aroma von Obstbränden liegt vor allem in der ersten Hälfte des Mittellaufs. Das merkt man aber erst nach Verdünnung auf Trinkstärke. Kannst du ausprobieren: Beim Destillieren ein bisschen frühen Mittellauf direkt vom Kühler auf einen Suppenlöffel laufen lassen, dann etwa die gleiche Menge Wasser dazu, dann dran riechen.
Und diese erste Hälfte bekommt man ja egal ob man einmal oder zweimal brennt. Vorbehaltlich der eventuell unterschiedlich großen Vorlaufabtrennung natürlich.
Sobald der Alkoholgehalt des Dampfes sinkt, verdampfen nun mal auch schlechte Aromen (Säuren, Fuselöl), welche zwangsläufig immer auch produziert werden.


Insgesamt ist es aber natürlich komplizierter:

Du hast Obst mit Zuckerzugabe eingemaischt. Das bedeutet:
1. du verdünnst das natürliche Fruchtaroma mit Alkohol.
2. du bläst insgesamt mehr Aroma durch den Gärspund.
3. du erzeugst mehr Gär- bzw Weinaromen.
4. der viele Alkohol holt mehr aus den Früchten raus (wenn denn da was drinnen ist, was der natürliche Alkohol nicht komplett rauszieht).

Dann brennst du einmal statt zweimal. Das bedeutet:
5. du holst wie beim Doppelbrand alle stark flüchtigen Aromen heraus (abzüglich Vorlauf). Diese sind aber (siehe Punkte 1-4) eher Weinaromen als Fruchtaromen.
6. Du gerätst früher in den Nachlauf, da du beim Einfachbrand weniger Alkohol im Kessel hast als beim Feinbrand des Doppelbrands, also schneller in niedrigprozentige Bereiche kommst, wo vermehrt Nachlaufstoffe mitübergehen. Den Verdünnungsnchteil (Punkt 1) holst du also zum Teil wieder auf. Und du hast ja prinzipiell auch viel mehr Alkohol insgesamt. Also irgendwo kannst du es verschmerzen, daß das Mengenverhältnis Mittellauf/Nachlauf nun ungünstiger ist.

Wenn du Turbomaische nun doppelt brennst, sind die Punkte 1-5 dieselben. Aber Punkt 6 ist anders:
- beim Raubrand holst du das "volle Aroma", lässt aber die ganz fiesen Sachen im Kessel, hast also eine viel sauberere,aber aromastarke Basis dann beim Feinbrand.
- Wenn du beim Feinbrand dann früh abtrennst, ist das volle Fruchtaroma in der Nase, aber relativ schlank auf der Zunge und extrem saubere Qualität.
- Je später du abtrennst, desto mehr verdünnst du die Nase, bekommst aber mehr auf die Zunge und irgendwo ist natürlich auch eine Grenze, wo Fehltöne kommen.

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Re: Doppelt Brennen

Beitrag von azeotrop » 8. Nov 2018, 21:07

Das konnte ich gut nachvollziehen. Danke.

Weinaroma = Aroma das die Hefe erzeugt. Hab ich das richtig verstanden?

Wie verhält sich das wenn ich den Feinbrand mit einer Reflux (wenn meine Boka fertig wird) mache?
Da hab ich noch keine Vorstellung wie das läuft.
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Re: Doppelt Brennen

Beitrag von derwo » 8. Nov 2018, 21:40

azeotrop hat geschrieben:
8. Nov 2018, 21:07
Weinaroma = Aroma das die Hefe erzeugt. Hab ich das richtig verstanden?
Traubensaft minus Zucker plus Alkohol ergibt keinen Wein. Den Unterschied nenne ich Weinaroma.
azeotrop hat geschrieben:
8. Nov 2018, 21:07
Wie verhält sich das wenn ich den Feinbrand mit einer Reflux (wenn meine Boka fertig wird) mache?
Es sollte eine Boka sein, mit der man möglichst den ganzen Dampf auch abziehen kann (Potstill-Modus). Also nicht wie diese: viewtopic.php?f=24&t=87 Die hat zu dünne Rohre und ein zu kleines Ventil im Produktweg und ist damit eine Boka optimiert für Neutralalkohol.
Mit einer für Aromabrände geeigneten Boka kannst du:
- den Vorlauf extrem gut von den Frucharomen trennen.
- gut die Nachlaufstoffe zurückhalten. Also entweder ganz saubere, schlanke, aber aromatische Brände herstellen. Oder den Mittellauf sehr stark verlängern, was mehr Ausbeute, aber Verdünnung des Aromas bedeutet.

Aber beim Refluxeinfachbrand hast du im Vergleich zum Potstilldoppelbrand den Nachteil einer relativ dreckigen Basis. Das ist im Endprodukt bemerkbar. Deswegen nehme ich auch gerne die Potstill (zum Teil Dreifachbrände). Wenn du vor dem Refluxbrand einen Potstill-Raubrand machst, steigt die Sauberkeit/Qualität. Theoretisch könntest du dann noch mehr Ausbeute herausholen, was aber das Aroma weiter verdünnt.
Du kannst mit einer Reflux alles machen. Aber mehr als in der Maische ist, holst du natürlich auch nicht raus.

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Re: Doppelt Brennen

Beitrag von MonthyBurnz » 9. Nov 2018, 00:05

Ahoi an alle,

@ derwo,

habe deinen Beitrag viewtopic.php?f=3&t=16 durchgelesen zusammen mit dem bisher in dem Thread geschriebenen.

Du hast es nun geschafft, mein bisheriges "Weltbild": "gute Maische = 1x brennen mit Pot Still" gründlich zerstört (im positiven Sinne) :)

Daher für die ganzen Infos, mit denen du uns hier versorgst, ersteinmal vielen Dank.
Eine Frage habe ich nun aber, wenn ich mich auf doppelt brennen einlasse.

Meine sensorischen Fähigkeiten sind bisher gelinde gesagt...beschissen. Ich kann derzeit riechtechnisch keinen Vor von Mittel oder Nachlauf trennen. Daher war meine "Hoffnung" die Temperaturmethode. In deinem Beitrag hattest du das aber eigentlich komplett wiederlegt, also ist reines Thermometer lesen auch nicht zielführend.

So...und nu? Nu bräuchte ich mal Hilfe, wie ich aus dem 1. Brenndurchgang (Rauhbrand) zum einen möglichst viel Destillat bekomme, aber gleichzeitig keins, wo nur noch "Mist" drin ist.

Kann ich mich am Alk Gehalt orientieren? Sprich, Wenn unter % x, dann abtrennen?
Man sieht, ich steh auf dem "Brenn"Schlauch :)

Danke für kleinen Hinweis und Gruß,
Ralf
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Re: Doppelt Brennen

Beitrag von derwo » 9. Nov 2018, 13:34

Es stimmt aber schon, daß das Einfachbrennen am ehesten noch mit einer Turbomaische funktioniert.


Wie lange man den Raubrand macht, hat zwar Einfluß auf die Aromastärke und den Charakter, aber nicht wirklich auf die Qualität. Man kann eigentlich wenig wirklich kaputt machen.

Wie weit ich den Raubrand runterbrenne, hängt davon ab:
- wie viel Alkohol die Maische hat. Je mehr, desto weiter runter.
- ob ich insgesamt zwei oder dreimal brenne. Wenn dreimal, dann weiter runter.
- ob ich den Feinbrand mit der Potstill oder der Reflux mache. Mit Reflux, dann weiter runter.
- ob ich eher ein Aromamonster oder ein Duftpflänzlein haben möchte. Fürs Duftpflänzlein weniger runter.

Um rauszufinden, wie viel Alkohol die Maische hat, musst du anfangs die Oechsle messen. Und dann testen, ob die Hefe den Zucker komplett vergärt hat. Entweder mit der Zunge oder wieder mit der Oechslespindel.

Bei einem Doppelbrand wird beim Feinbrand im Durchschnitt so knapp 30% im Kessel sein. Bei unaufgezuckerten Maischen. Aus 10l Maische hat man dann so 2.5 - 3.3 liter geholt. Falls du aber eine dickflüssige Turboobstmaische hast, wirst du deutlich über 30% landen. Du kannst ja nicht die Hälfte der Flüssigkeit rausbrennen, ohne daß etwas anbrennt. Zumindest ohne Rührwerk.

ZB:
Apfelmaische mit 7% Alk: 2.5l sammeln, hat dann so 28%.
Roggenmaische mit 9%, die lange lagern und aromastark sein soll: 3.3l sammeln, hat dann so 27%.
Turbozwetschgenmaische 18%: Versuche auf insgesamt 40% runterzukommen.

Die meisten scheuen sich zuerst, so weit runterzubrennen.

Für Aromabrände nie zwischen Rau- und Feinbrand verdünnen.

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Re: Doppelt Brennen

Beitrag von MonthyBurnz » 9. Nov 2018, 14:28

ok,

im konkreten Fall stehen 2x Turbomaischen mit ca 16% zur Verfügung. Diese wurden aufgezuckert (vorher berechnet)
Ich würde also quasi beim Rauhbrand bis grob 40% runterbrennen und diesen Rauhbrand sammeln und nicht vorher verdünnen. Den gesammelten Rauhbrand dann nochmal brennen (auch mit PotStill in Ermangelung einer anderen Destille) und dann versuchen, sinnvoll zu fraktionieren.

Au man, ich seh schon, wo das endet. Ich werde aus guter Maische einen super Haushaltsreiniger machen, weil er anderes nicht zu gebrauchen ist ;).

Gruß,
Monthy
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Re: Doppelt Brennen

Beitrag von derwo » 9. Nov 2018, 18:19

MonthyBurnz hat geschrieben:
9. Nov 2018, 14:28
... mit ca 16% zur Verfügung. Diese wurden aufgezuckert (vorher berechnet)
Ich würde also quasi beim Rauhbrand bis grob 40% runterbrennen und diesen Rauhbrand sammeln und nicht vorher verdünnen...
Schon den Raubrand fraktionieren. Falls dir was anbrennt, kannst du den Rest noch verwenden. Anbrennen erkennst du an kaltem Rauch, der aus dem Kühler kommt und an gelbem Destillat. Und am Geschmack leider auch natürlich... :(

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Re: Doppelt Brennen

Beitrag von aragones » 3. Dez 2018, 15:34

Neue Frage:
hab hochgradig Kirschenmaische gebrannt und nun 2x 5l ca 65% und ca 10 Liter „Nachlauf mit ca. 33...36%. .......( ergibt sich zufällig da ich in 5 Liter Ballons das Destillat auffange bekomme ich bis ca. 91.. grad ca. einen Ballon voll mit 5 lLiter). Ich hab nun noch ca 15 Liter Maische ( den Teil mit Frucht und Kernen ... wobei ich einen Teil der Kerne schon rausgefischt habe. Ziel war 3 Raubrände und einen Feinbrand . Macht es Sinn zu dem 3. Raubrand die 10 Liter „Nachlauf“ zu geben ( dann wäre der Kessel voll) oder besser nur die 15 Liter Maische brennen und dann Erst alles im Feinbrand zu destillieren.
Ich denke Es schadet nix wenn der Nachlauf schon mal „einen Reinigungsbrand“dazwischen Erfahren hat. Frage ist nur ob ich dadurch nicht unnötig Aroma verliere.
Feinbrand steht aber so oder so auf dem Programm.
Gruß Aragones
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Re: Doppelt Brennen

Beitrag von hefezelle » 3. Dez 2018, 19:48

MonthyBurnz hat geschrieben:
9. Nov 2018, 00:05
Meine sensorischen Fähigkeiten sind bisher gelinde gesagt...beschissen. Ich kann derzeit riechtechnisch keinen Vor von Mittel oder Nachlauf trennen. Daher war meine "Hoffnung" die Temperaturmethode. In deinem Beitrag hattest du das aber eigentlich komplett wiederlegt, also ist reines Thermometer lesen auch nicht zielführend.

So...und nu? Nu bräuchte ich mal Hilfe, wie ich aus dem 1. Brenndurchgang (Rauhbrand) zum einen möglichst viel Destillat bekomme, aber gleichzeitig keins, wo nur noch "Mist" drin ist.

Kann ich mich am Alk Gehalt orientieren? Sprich, Wenn unter % x, dann abtrennen?
Ich bin selber erst dabei, diese hohe Kunst zu lernen, wie man frisch aus der Distille tropfend schon die Qualität des Destillats beurteilt. Aber das was mir hilft, darin besser zu werden (hoffe ich halt), ist dass ich alles Destillat in sehr kleinen Fraktionen (alte Marmeladegläser, ca 300ml) auffange, der Reihe nach aufstelle, und dann an dem Zeug rieche. Und zwar direkt wenn's frisch ist, und dann auch nach einem Tag lang atmen lassen, und nach zwei Tagen. Da verändert sich ziemlich viel im Aroma, kommt mir vor.
Ich sammle also alles ein, solange wie ich halt brenne, was im momten heißt, bis ich im Destillat nur noch verwasserten Grind wahrneme, und keinen alkoholischen Geruch mehr. Das Eingesammelte beurteile ich dann einzeln nach Geruch, Konsistenz, Schmierigkeit, und hoffe darauf dass ich im Lauf der Zeit diese Merkmale dann mit der Qualität verbinden kann!

Bei der Gelegenheit: Wie stellt ihr fest, ab wann es sich nicht mehr lohnt noch weiterzubrennen? Mal angenommen man will ziemlich allen Alk rausquetschen, weil man dann den Nachlauf noch filtert. Wie erkennt man in dem sauren, widerlichen, verwasserten tails-Abschnitt, wann kein Alk mehr da ist? Geht das sensorisch, ohne Hydrometer?
Man muß die Dinge so einfach wie möglich machen. Aber nicht einfacher.