Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Praxis und Theorie der Destillation. Sowohl Fragen zu und Berichte von Destillationen als auch theoretische Erklärungen und Überlegungen
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geschmacksverderber
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Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Beitrag von geschmacksverderber »

Bin gerade dabei meine Pflaumenmaische vom letzten August zu brennen.
Was wäre jetzt die beste alkoholkonzentration nach dem ersten Durchlauf für den zweiten Brand?
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aragones
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Re: Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Beitrag von aragones »

Hallo Geschmacksverderber,
willst du deinem Nick-name gerecht werden? :-)
Die Eingangsstärke für den Feinbrand bei Aroma bzw Obstbränden ist dieselbe wie die Ausgangsstärke beim Raubrand.( meine Meinung- kein Dogma)
Verdünnen mit Wasser als auch Aufspritten mit Neutralem würde eine ( Aroma-)Verdünnung bedeuten.
Verdünnen macht nur Sinn wenn es das Ziel ist möglichst neutralen Alk herzustellen.
Wenn es Dir um zu hohe Prozente im Kessel geht ( Z.B.aus Sicherheitsgründen) ist das was anderes.. dann wären max. ca 40% die Empfehlung.

Ich für meinen Teil habe meine ( hochgradigen) Maischen 2 mal gebrannt und beim 2 Brand auch so ca. 50% im Kessel gehabt.
Gruß Aragones
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derwo
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Re: Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Beitrag von derwo »

Ich würde auch nicht verdünnen. Wie viel Alkohol der Kesselinhalt beim Feinbrand hat, hängt auch von der Alkoholstärke der Maische ab. Du musst schon ein bisschen genauer schreiben. aragones' 50% bei einer hochgradingen Maische klingen gut.
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geschmacksverderber
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Re: Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Beitrag von geschmacksverderber »

der erste brenndurchgang hat ca. 35% ergeben
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aragones
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Re: Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Beitrag von aragones »

.... na dann rein damit und weiter mit dem Feinbrand :+1:
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derwo
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Re: Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Beitrag von derwo »

Sehe ich auch so.
Wie viel liter Maische und wieviel liter Raubrand waren es?
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geschmacksverderber
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Re: Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Beitrag von geschmacksverderber »

280 l Maische.
Der zweite Kessel mit 24 l Maische ist am laufen.
Beim ersten Kessel gab es 10 l mit ca. 35%, gebrannt bis 98,5 Grad
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BenDunker
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Re: Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Beitrag von BenDunker »

Würdet ihr nicht beim ersten Brand weiter runterbrennen? Ich dachte immer man will so bis ca. 25-28% als gesamt Alkoholstärke nach dem ersten Raubrand im Destillat haben. Wenn ihr aber nicht mehr aufsprittet und aber den 2. Brand mit 50% im Kessel startet, heißt dass ja dass ihr dann den ersten Brand auch schon mit einer Gesamt Alkoholstärke von 50% im Destillat beendet habt. Ist das nicht zu früh?
Habt ihr nicht mal an anderer Stelle geschrieben, dass ihr gerne sogar über die 100°C also bis sogar 106°C brennt. So habe ich neulich meine fast vergessene Apfelmaische von letztem Jahr gemacht. Der erste Brand bis ca. 25% Gesamtstärke des Destillates runtergebrannt und dann beim zweiten Brand die Cuts gemacht. Ich glaube ich hatte irgendwo bei 59% den Nachlauf abgetrennt.. bin mir aber nicht mehr sicher.
Die Bitterkeit der schlechten Qualität bleibt lange nach dem Vergessen der Süße des niedrigen Preises bestehen.
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Catweazle
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Re: Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Beitrag von Catweazle »

So hatte ich das auch in Erinnerung.... Menge rauhbrand ca3/4 der Maische im Kessel und bis an die 100 graddestilieren.... oder täuschen Ben und ich uns?
Es ist ein Brauch von alters her:
Wer Sorgen hat, hat auch Likör.

Quelle: Wilhelm Busch, Bildergeschichten. Die fromme Helene,1872
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derwo
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Re: Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Beitrag von derwo »

Es soll glaube ich ein Doppelbrand aus einer Turbomaische werden. Schätzungsweise hat sie so 17% Alkohol. Damit nach einem Brand bei 25-28% zu landen, dafür müsste er deutlich mehr als die Hälfte der Flüssigkeit abdestillieren. Müsste man bei einem Dreifachbrand machen, bei einem Doppelbrand aber nicht. Könnte man zwar, muss man aber nicht. Ich finde es ok, so wie er es macht. Bei einem nicht-Turbo-Raubrand mit so 10% würde man vielleicht bei 25% landen, bei 5% vielleicht bei 18% (dann noch zweimal brennen), bei 17% eben bei 35%.
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BenDunker
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Re: Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Beitrag von BenDunker »

Bei den dicken Fruchtmaischen ist es ja oft eher Schätzung wieviel % man so erwarten kann, geht ihr eher beim Raubrand nach den Litern und brennt dann auf jeden Fall die Hälfte der Liter aus dem Kessel raus? Daran sieht man ja dann wo man landet... ob bei 10l im Kessel und 5l rausgebrannt dann der Alkoholgehalt eher bei 25% oder bei 18% landet. Und dann würde man entscheiden ob man besser zweimal oder dreimal brennt?

Ich hab bis jetzt nur einmal eine hochgradige Obstmaische gemacht und stehen gelassen, aber auch hier hab ich nicht versucht zu messen vorher. Ich weiss nur dass ich genug Zucker dazu gegeben habe (und dass sie trocken vergärt hat), dass ich sie auch länger lagern konnte. Ich habe die dann auch bis 25% runtergebrannt und war locker eine Zeitlang bei über 100°C.

Gibt es da eine gewisse Regel? Literzahl auf jeden Fall halbieren oder einfach nach der Temperatur gehen?
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geschmacksverderber
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Re: Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Beitrag von geschmacksverderber »

Sagt mir bitte wie ihr es Schaft die Temperatur der Maische auf über 100 Grad zu bringen. Meines Wissens nach verdampft Alkohol ab ca. 80 Grad und Wasser bei 100 Grad. Ohne überdruck im Kessel werdet ihr nicht über 100 Grad kommen.
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azeotrop
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Re: Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Beitrag von azeotrop »

Gegen Ende kommen die Säuren. Das ist Grund.
Über 100Grad kommt man natürlich nur, wenn man auf Meereshöhe wohnt.
Woanders kocht das Wasser z.B. bei 99,2 Grad und mit viel Säure kommt man ein halbes Grad höher.
Es grüßt Azeotrop
"Doubt not, therefore, sir, but that distilling is an art, and an art worth your learning."
(Nixon & McCaw)
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geschmacksverderber
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Re: Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Beitrag von geschmacksverderber »

ach,
danke das wusste ich nicht.
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derwo
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Re: Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Beitrag von derwo »

BenDunker hat geschrieben: 29. Feb 2020, 11:33 Bei den dicken Fruchtmaischen ist es ja oft eher Schätzung wieviel % man so erwarten kann, geht ihr eher beim Raubrand nach den Litern und brennt dann auf jeden Fall die Hälfte der Liter aus dem Kessel raus? Daran sieht man ja dann wo man landet... ob bei 10l im Kessel und 5l rausgebrannt dann der Alkoholgehalt eher bei 25% oder bei 18% landet. Und dann würde man entscheiden ob man besser zweimal oder dreimal brennt?

Ich hab bis jetzt nur einmal eine hochgradige Obstmaische gemacht und stehen gelassen, aber auch hier hab ich nicht versucht zu messen vorher. Ich weiss nur dass ich genug Zucker dazu gegeben habe (und dass sie trocken vergärt hat), dass ich sie auch länger lagern konnte. Ich habe die dann auch bis 25% runtergebrannt und war locker eine Zeitlang bei über 100°C.

Gibt es da eine gewisse Regel? Literzahl auf jeden Fall halbieren oder einfach nach der Temperatur gehen?
Es gibt keine Regeln. Man findet auch kaum Daten, da ja meist bei Obst Kolonenneinfachbrände gemacht werden. Gute Daten gibt es von schottischen Whisky-Potstills: http://wormtub.com/ Zumindest von den Islay-Brennereinen findet man da gute Daten. Da kommt dann aber das Wiederverwerten der Feints dazu, welches dem recht frühen Nachlaufschnitt entgegensteht. Also man trennt früh ab, schmeißt aber nichts weg. Also ist der meiste doppeltgebrannte Malt Whisky im Schnitt eigentlich eher dreifach gebrannt. Die einzigen Dreifachbranddaten, die ich kenne, sind von Woodford Reserve, also Bourbon: 20vol% nach der ersten Destillation (Maischestärke aber leider nicht bekannt), 55% nach der zweiten, Mittellauf nach der dritten 79vol%. Der meiste Bourbon dort wird aber ebenfalls kolonnendestilliert übrigens.
Wirklich vergleichende Experimente habe ich nicht gemacht. Es ergibt sich in gewisser Weise von selbst, daß bei 7% in der Maische der Raubrand dann weniger % hat als bei 14% in der Maische. Ich brenne aber immer den ganzen Alkohol heraus. Dadurch gehe ich dann eher nach der Menge, also dem Mengenverhältnis Destillat/Maische. Wenn man nicht weiß, wie stark die Maische ist, ist es sinnvoll, sie während des Raubrands zu messen.
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BenDunker
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Re: Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Beitrag von BenDunker »

Du hast in diesem Forum sehr überzeugend geschrieben, dass mehrfache Potstill-Einzelbrände dem Kolonneneinfachbrand gerade bei Obstbränden viele Vorteile hat und qualitativ definitiv zu bevorzugen ist. Vielleicht reißt es mich irgendwann mal dahin eine kurze Packungskolonne mit 4-5 theoretischen Böden zu bauen und dann einen großen Topf Maische einmal so und einmal so zu brennen. Vielleicht einfach nur um zu sehen, wie theoretisch meine Maische/Das Destillat nach einer "professionellen" Destillierung schmecken würde. Andererseits warum eigentlich!? Du hast sehr recht, dass es ein wirklicher Vorteil ist, dass man den Kessel zwischen den Bränden leert und somit Dinge loswird, die sich beim Einfachbrand immer wieder bis ins Destillat schleichen können.
Dadurch gehe ich dann eher nach der Menge, also dem Mengenverhältnis Destillat/Maische.
kannst du darauf noch einmal näher eingehen oder hast du das hier an anderer Stelle schon mal erklärt?
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derwo
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Re: Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Beitrag von derwo »

Ich mache mir vor einem Projekt immer einen Plan. Der geht vor allem von einem vernünftigen Füllstand der Destille beim Feinbrand aus. Und beim Dreifachbrand auch von einem vernünftigen Füllstand bei den wahrscheinlich zwei Mittelbränden. Dann rechne ich rückwärts bis zum Maischevolumen und zur Maischestärke bzw dann zu den nötigen Mengen an Obst oder Getreide zB. Also habe ich mich eigentlich immer vorher entschieden, wie lange ich etwa brennen werde. Und das in litern. Ich versuche bei sehr niedrigen Maische% nach der ersten Destillation mindestens ein haltbares Destillat zu haben, also mindestens so 17%, und bei sehr hoch%igen Sachen dagegen nicht zu weit hochzukommen, da ich trotz der hohen % ja mehrmals brennen möchte. Da ich immer so gut wie den ganzen Alkhol rausbekomme, ist das eine sehr leichte Rechnung. Am Ende stehe ich dann zB noch vor der Wahl, kaufe ich 15kg oder 20kg Getreide. Dann rechne ich es nochmal vorwärts durch und schaue, was für eine Spanne möglich wäre, ohne daß zB dann beim letzten Brand der Kessel zu leer oder zu voll ist. Denn es kommt ja doch immer ein bisschen anders, als man denkt.
ZB:
12l 50vol% Feinbrand
2x10l Mittelbrände: 50% / 20l x 12l = 30%
5x12l Raubrände: 30% / 60l x 20l = 10%
Und für 60l mit 10% brauche ich 18kg Mais zB.
Bei Obst muss man vorwärts rechnen und schaun, wo man rauskommen könnte, da man die % der Maische sich nicht aussuchen kann. Das wird dann sehr spekulativ, da man sich nicht sicher sein kann, wie viel % die Maische haben wird. Da hilft dann Oechslemessen, also die % der Maische besser vorhersagen zu können, und eventuell den Plan während der Gärung zu ändern, also zB bei niedrigeren % als erwartet Obst in die Maische nachzulegen, die Maischemenge also zu vergrößern, einen Raubrand mehr zu machen, alle Raubrände etwas kürzer, damit der Plan bei den Mittelbränden wieder klappt.

Wenn man aus 10l Maische mit 10% nun 3.5 oder 4.5l Raubrand holt, hat das Auswirkungen auf alles folgende und schlussendlich eben vor allem auch, wo man beim Feinbrand den Nachlaufschnitt macht. Aber nicht unbedingt ist das eine dann gut und das andere schlecht. Wenn das Gesamtpaket passt, sind beide Versionen gut. Wahrscheinlich aber deutlich verschieden.
Die Maische ewig weit runterbrennen, aber dann nur doppelt brennen und dann beim Feinbrand ein später Nachlaufschnitt, wäre schlecht. Oder wenn man dreimal brennt und jedesmal recht früh aufhört, dann wird man beim Feinbrand keinen guten Schnitt finden, man wird in den späten Gläschen nichts finden, um das frühe Abtrennen bei den vorigen Bränden auszugleichen.
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Re: Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Beitrag von Newbie »

Die von dir geschilderte Fragestellung ist in der Tat genau die meinige, wobei mir deine dargestellte Berechnung nicht schlüssig ist. Magst du sie mal bitte für bspw. eine Obstmaische mit, sagen wir 70 °Oe exemplarisch detailliert durchrechnen? Dabei ist die Destillengröße mit max. 15 Liter festgelegt, Anzahl der Brände (ob zwei- oder dreifach) würde ich deiner Entscheidung freistellen.
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derwo
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Re: Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Beitrag von derwo »

Hallo Newbie

Aus Obst mit 70 Oechsle bekommst vielleicht du so 10vol% Alkohol.

Als Dreifachbrand:
13l mit 50% beim Feinbrand klingt vernünftig. Das sind also 13x50%=7.5l Alkohol. Nun musst du in zwei Bränden (bzw 5 Raubränden und 2 Mittelbränden) von 75l auf 13l kommen. ZB wenn du von den 15l Maische immer 5l Destillat holst, hast du dann bei den Raubränden insgesamt 25l geholt. Das passt gut für zwei Mittelbrände mit je 12.5l im Kessel. Da du bei einem so langen Raubrand sicher den ganzen Alkohol ins Destillat gebracht hast, haben diese 25l nun 10%x75:25=30vol%. Aus den Mittelbränden holst du dann die anfangs geplanten 13l 50vol% (bzw 2x 6.5l).

Als Doppelbrand:
13l mit 35vol% beim Feinbrand klingt vernünftig. Das sind also 13x35%=4.55l Alkohol. Um 4.55l Alkohol zu bekommen, brauchst du 4.55lx10%=45.5 liter Maische (mit 10% Alkohol). 45.5l, dafür brauchst du 3 Raubrände mit je 15.2l Maische. Bisschen voll der Kessel, also vielleicht machst du lieber ein paar liter weniger Maische. Jedenfalls hier wirst du nur fast den ganzen Alkohol ins Destillat bekommen, also wirst du nicht ganz bei den 35vol% landen, aber weniger als bei 33% jedenfalls nicht (jedenfalls wenn du wirklich 10vol% in der Maische hast). Pass also beim ersten Raubrand gut auf, daß du nicht zu spät aufhörst. Also messe die Alkoholstärke des gesamten Destillats und hör auf, wenn du unter die 35% kommst. Falls sich herausstellt, daß die Maische deutlich schwächer ist, musst du umplanen. Entweder Dreifachbrand, wobei dann die Frage ist, ob du den Kessel beim Feinbrand voll genug bekommst, oder halt einfach etwas Alkohol im Kessel lassen und beim Feinbrand ein paar weniger liter im Kessel haben, anstelle 13l 35% dann vielleicht nur 9l 35%.

Falls du den Bodensatz nicht mitbrennst oder zB auch Steine, musst du natürlich entsprechend mehr Maische machen.
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BenDunker
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Re: Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Beitrag von BenDunker »

Wie sieht das deiner Meinung nach aus, wenn man sich eher von anderen Gegebenheiten leiten lässt und mehr den Fokus auf den qualitativ bestmöglichen Brand legt?
Ich habe das Glück zwei Kessel zur Verfügung zu haben, einen großen mit max. 30l Befüllung in dem ich Mengen von 10l bis 30l brennen kann und einen kleineren der max. 10l fasst in dem ich eine Menge von ca. 2.5l bis 10l brennen kann. Das heißt ich kann mich von anderen Faktoren leiten lassen als den Brenner möglichst effizient zu füllen.
Für mich ist oft eher die Menge and Obst die ich bekommen kann sehr unterschiedlich. Nehmen wir das Beispiel was ich im Moment brenne: Ich durfe vom Nachbars Baum die Pflaumen pflücken und ich habe drei Mal nur die zu der Zeit verfügbaren reifen Pflaumen gepflückt und habe mir Mühe gegeben jeweils meinen Maische-Eimer ganz voll zu bekommen (ca. 25l im 30l Eimer), denn ich kann wenn der Eimer fertig gegärt ist den ganzen Eimer brennen (diesmal ohne Steine). Heute bin ich mit dem Raubrennen des dritten Eimers fertig geworden, jeweils bis mein Thermometer deutlich 106°C angezeigt hat.
Jetzt habe ich drei Ballonflaschen mit folgenden Raubränden fertig:
A) ca.6l 25% ca.1.5l Alkohol, sprich meine Maische hatte ca. 6%
B) ca.7.5l 26% ca.1.95l Alkohol, sprich meine Maische hatte ca. 7.8%
C) ca.5.5l 31% ca.1.70l Alkohol, sprich meine Maische hatte ca. 6.8%

Ich kann jetzt alle drei Raubrände zusammenfügen und die 19l mit 27% brennen....

AN dieser Stelle frage ich mich oft, ob ich einen Doppelbrand oder ein Dreifachbrand machen will!?

Meist mache ich einen Doppelbrand, da ich laut Destillationssimulator (wenn man alle Feinheiten und Cuts außer Acht läßt), jetzt schon auf ca. 6.5l Mittelbrand bis 65% komme.

Unter diesen Umständen, würdet ihr das auch so machen?

In meinem Fall ist die Entscheidung ob Doppelbrand oder Dreifachbrand doch eher eine Entscheidung wie ich den Brand gestalten will, bzw. wie ich die Frucht von Vornherein beurteile und denke "hmmm, diese Frucht (zum Beispiel Quitte) ist so heftig perfümig und ölig im Geschmack und Geruch, da brenne ich sie lieber dreimal und mache das Destillat ein wenig eleganter als wenn es vielleicht mit der Zeit der Lagerung sonst zu muffig und heftig wird... Andere Früchte (wie zum Beispiel diese Pflaume hier oben ) lässt man lieber feiner auf der Nase und stärker auf der Zunge und brennt sie nicht dreimal, oder übersehe ich hier etwas und sollte, wenn ich nur nach der bestmöglichen Qualität der Brände gehen möchte, generell dreifach brennen?

Was ich sagen will: ich lasse mich lieber von der Menge der Früchte und deren Zuckergehalt leiten und versuche danach einen Brand zu machen der Sinn macht. Ich hatte neulich zum Beispiel nur einen halben Eimer eine bestimmten Pflaumensorte bekommen und nach dem Rau- und Feinbrand nur 160ml 65% Mittellauf herausbekommen. Das ging weil ich die 2,8l Raubrand in dem kleiner Brenner fein brennen konnte, aber auch da habe ich gedacht, ob ich hier etwas anders hätte machen können und ob ich den Mittellauf durch dreimal brennen nicht noch erhöhen hätte können... ?
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Re: Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Beitrag von derwo »

Ich passe eigentlich nur die Maischemenge an die Destillengröße an. Mit Qualität hat das noch nichts zu tun.
Mit verschiedenen Kesselgrößen hat man dann mehr Auswahl an vernünftigen Maischemengen, was bei gesammeltem Obst natürlich sehr wertvoll ist.
Mit 27vol% nach einer Destillation hast du durchaus die Wahl zwischen Doppel- und Dreifachdestillation. Du kannst entweder einfach einen Feinbrand machen und hast dann (denke ich zumindest) so 4.5l Mittellauf 70vol% (6.5l 65% klingt für mich nach zu spät abgetrennt), oder du machst einen Mittelbrand, hast dann 10l 51% oder auch 12l 43% (da fällt mir selber die Entscheidung schwer), und machst dann den Feinbrand.
BenDunker hat geschrieben: 4. Mär 2020, 02:22 In meinem Fall ist die Entscheidung ob Doppelbrand oder Dreifachbrand doch eher eine Entscheidung wie ich den Brand gestalten will, bzw. wie ich die Frucht von Vornherein beurteile und denke "hmmm, diese Frucht (zum Beispiel Quitte) ist so heftig perfümig und ölig im Geschmack und Geruch, da brenne ich sie lieber dreimal und mache das Destillat ein wenig eleganter als wenn es vielleicht mit der Zeit der Lagerung sonst zu muffig und heftig wird... Andere Früchte (wie zum Beispiel diese Pflaume hier oben ) lässt man lieber feiner auf der Nase und stärker auf der Zunge und brennt sie nicht dreimal, oder übersehe ich hier etwas und sollte, wenn ich nur nach der bestmöglichen Qualität der Brände gehen möchte, generell dreifach brennen? Genau so sollte man denken. Und genau solche Gedanken sollten es auch sein, welche einen dann dazu bringen, eher länger oder kürzer die Rau- und eventuell Mittelbrände zu machen.

Was ich sagen will: ich lasse mich lieber von der Menge der Früchte und deren Zuckergehalt leiten vom Zuckergehalt lasse ich mich auch leiten. Und bei der Obstmenge habe ich auch nicht immer eine Wahl.und versuche danach einen Brand zu machen der Sinn macht. Ich hatte neulich zum Beispiel nur einen halben Eimer eine bestimmten Pflaumensorte bekommen und nach dem Rau- und Feinbrand nur 160ml 65% Mittellauf herausbekommen. Das ging weil ich die 2,8l Raubrand in dem kleiner Brenner fein brennen konnte, aber auch da habe ich gedacht, ob ich hier etwas anders hätte machen können und ob ich den Mittellauf durch dreimal brennen nicht noch erhöhen hätte können... ? Höchstwahrscheinlich schon. Aber dann hättest du nach dem Raubrand bis nächstes Jahr warten müssen, bis du vielleicht wieder einen Eimer bekommst... 65% Mittellauf klingt auch wieder recht schwach, also recht spät abgetrennt.
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Re: Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Beitrag von BenDunker »

ehrlich? 65% ist schon zu spät abgetrennt?? Ich dachte immer dass ich da noch ganz sicher im Mittellauf bin und der dann irgendwo zwischen 65% bis 55% (ab 65% in kleinen Gläser sammeln) aufhört.. 65% ist schon zu spät? Puhh da bleibt dann ja wirklich kaum noch was übrig!

Ich habe mich neulich mal gewundert, dass einige meiner Brände so einen bitteren Ton haben, ist dass ein Zeichen, dass ich vielleicht immer zu tief abgetrennt habe?

Könnte ich denn den Mittellauf beim dreifach brennen etwas mehr erhöhen?
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Re: Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Beitrag von BenDunker »

Ich rede hier von % im Aktuellen Destillat, nicht von der Gesamtstärke des Destillates.
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Re: Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Beitrag von derwo »

Dann habe ich dich falsch verstanden, sorry. 65% aktueller Alkoholgehalt kann sehr gut sein.
Wenn dir der Brand zu bitter ist, hast du entweder zu spät abgetrennt oder er braucht halt noch etwas Lagerzeit. Kühlfiltern ist auch eine gute Idee manchmal.
Dreifachbrennen bringt in der Praxis eine höhere Ausbeute. Aber wenn man es übertreibt, verdünnt man die frühen Aromen. Also was einem in die Nase steigt und was auch beim Destillieren als erstes nach dem Vorlauf kam. Je niedriger die % der Maische desto mehr lohnt sich Dreifchbrennen auch von der Ausbeute.
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Re: Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Beitrag von BenDunker »

ich hab das mal durchgerechnet.

bei einem Doppelbrand hätte ich so 4.5l Mittellauf 70% raus.
Das ergibt nach Vermählung mit 3l Wasser ca. 7.5l 41% trinkfertiger Brand.

bei einem Dreifachbrand hätte ich ca. 5.6l Mittellauf mit 78% raus.
Das ergibt dann nach Vermählung mit 5.25 l Wasser ca. 10.7l 41% trinkfertigen Brand.

Zwar ergibt das Dreifachbrennen mehr Mittellauf und deutlich mehr Ausbeute am Ende, aber er braucht auch sehr viel mehr Wasser um auf Trinkstärke zu kommen und das wo der Dreifachbrand charakterlich eh schon sehr viel feiner/ eleganter und weniger deutlich wird. Hmmm. ich bin jetzt sehr hingerissen ob ich das bei der schönen Pflaume machen sollte oder ob ich ihr das volle Aroma lassen sollte, irgendwann weniger Wasser zugeben muss und aber auch weniger Ausbeute habe. Im Grunde ist das alles nicht wichtig. Wichtig ist nur, ob die Pflaume besser wird mit mehr auf der Zunge oder eher schlanker werden soll.
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