Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Praxis und Theorie der Destillation. Sowohl Fragen zu und Berichte von Destillationen als auch theoretische Erklärungen und Überlegungen
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derwo
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Re: Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Beitrag von derwo »

Wenn du bei einem Doppelbrand 65% beim Abtrennen gut wäre, wäre das beim Dreifachbrand zu spät. Ich weiß jetzt nicht ganz genau, wie du auf deine Zahlen kommst, aber ich denke, du bekommst eher nur 5l raus, da du früher als bei 65% abtrennen wirst. Die Ausbeute ist trotzdem höher als beim Doppelbrand und natürlich braucht man dann noch etwas mehr Wasser.
Oder du hättest bei den Raubränden weiter runtergebrannt. Dann wären die % im Kessel niedriger und dann auch der Schnittpunkt und schlussendlich brauchst du weniger Wasser, und die Ausbeute nähert sich ein Stück weiter der Ausbeute beim Doppelbrand an.
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BenDunker
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Re: Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Beitrag von BenDunker »

Ahha... also kommt es mehr oder weniger auf fast dasselbe hinaus und am Ende zählt dann doch wieder (nur) wie man seinen Brand gestalten möchte. Vielen Dank dafür!

Ich habe mich entschieden heute direkt den Feinbrand aus den Pflaumen zu machen, also nur doppelt zu brennen, da ich andere Pflaumensorten auch in den letzen Tagen/Wochen so gemacht habe und sie irgendwann alle miteinander vergleichen möchte. Dazu kommt, dass hier in NZ eigentlich keiner Schnäpse bzw. Edelbrände aus Obst ect. kennt. Das heißt, es hilft mir eher Begeisterung und Interesse bei Neuseeländern mit sehr vollaromatischen Bränden zu wecken als mit sehr schlanken eleganten Destillaten, die einen schönen Geruch haben aber ein wenig zurückhaltend im Geschmack bleiben.

Sagt mal.. was haltet ihr von der Variante, einen Raubrand mit der Potstill zu machen und anschließend einen Potstill Feinbrand mit einem oder sogar zwei Böden im Dampfweg. Damit hätte man dann allen Alkohol ausgelöst und einen Feinbrand wie ein Doppelbrand aber mit ein wenig Reflux.. Das würde in die Richtung einer normalen Abfindungsbrennerei gehen, nur dass man zuerst den Alkohol komplett von der Maische strippt. Ich erhoffe mir dadurch irgendwo zwischen dem Ergebnis eines Doppel- und Dreifachbrandes zu landen, sauberer und feiner als ein klassischer Doppelbrand und aber eventuell mehr Zunge als bei einem getrennten Dreifachbrand.
Die Bitterkeit der schlechten Qualität bleibt lange nach dem Vergessen der Süße des niedrigen Preises bestehen.
- Benjamin Franklin
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Grog
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Re: Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Beitrag von Grog »

Wenn 1 oder 2 Böden in der Destille sind ist es keine Potstill mehr :P
Jedenfalls dein Brennvorgang passt doch so wie geplant? Einen dritten Brennvorgang kannst du ja immer noch durchführen, sammle beim Feinbrand halt Vor und Nachlauf.
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derwo
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Re: Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Beitrag von derwo »

Ben,
mit den Böden erreichst du dann ähnliche % wie mit Dreifachbrennen, leerst den Kessel aber einmal weniger. Wenn du meinst, daß er beim Dreifachbrand zu schlank wird und aber beim reinen Potstill-Doppelbrand zu grob, dann mache einen Dreifachbrand mit extrem langem Mittelbrand. Also hole aus 10l Raubrand 7-8l Mittelbrand. Das ist aber meine ganz persönliche Empfehlung, die du wahrscheinlich nirgendwo anders findest. Ich bin keineswegs beleidigt, wenn du es, so wie du beschreibst, mit Platten machst. Es ist auch durchaus gut, es erstmal "normal" zu probieren.
Was meinst du mit "allen Alkohol ausgelöst"? Den gesamten Alkohol in den Mittellauf zu bekommen, wird mit keiner Methode klappen, falls du das meinst.
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BenDunker
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Re: Beste Alkoholkonzentration für den zweiten Brand

Beitrag von BenDunker »

Das klingt sehr interessant. Es könnte eine gute Richtung sein, mit einem langen tiefen Lauf bei der zweiten Destillation (von den geplanten Drei) mehr Geschmack und alle schweren Aromen mit rüberzuholen, aber trotzdem den übrigen Teil abtrennt (in deinem Beispiel die letzten 2-3l im Kessel). Der Vorteil dabei ist, dass man zwar viel doch "Nachlauf" bei der zweiten Destillation (Mittellauf) wieder mit ins Destillat schickt, aber man trotzdem den letzten Rest abtrennt (was man bei den Böden eben nicht macht). Der Nachteil ist, dass das finale Endprodukt auch wieder ein bisschen weniger Prozente haben wird als wenn man "normal" dreifach brennen würde, da man die Prozente durch den tiefen Mittellauf ja weiter runter bringt als man es beim klassischen dreimal brennen machen würde.

Mit "allen Alkohol auslösen" meinte ich nur den ersten Raubrand, bei dem man eben nur den Alkohol von der Maische trennt und "allen Alkohol aus der Maische löst" bis wirklich mehr oder weniger kein Alkohol mehr im Kessel ist. Ich meinte dass eher so, dass man diesen Schritt des Raubrennen noch mitnimmt und damit die Schlempe komplett abtrennt, bevor man mit zwei Böden fein brennt anstelle einem Feinbrand nur im Potstill Verfahren (ohne Böden)... Ganz im Gegensatz zum klassischen Einfach-brennen mit Böden, bei dem man gleich aus der Maische das finalen Destillat brennt.

Im Mittellauf bei drei einzelnen Bränden (Dreifach Brand) den ganzen Alkohol raus zu brennen, stelle ich mir auch sehr unmöglich vor.
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