Erstreinigung einer neuen Destille

Selbstbau und Kauf von Destillen. Diskussionen über Bauweisen und Materialien
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derwo
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Erstreinigung einer neuen Destille

Beitrag von derwo »

Hierbei spielt es keine Rolle, ob man die Destille gekauft oder selber gebaut hat.

Wenn man selber aus Kupferinstallationsrohren baut, sollte man schon vor dem Löten die innen aufgetragene Oxidschicht entfernen. Nach dem Löten geht auch, ist aber oft schwerer. Ein Reinigungsvlies zur Reinigung von Kupfer vor dem Löten ist dafür ideal. Um einen Stock gewickelt und mit Gummiband festgehalten, in Salz und Zitronensäure oder Essig getaucht, dann kann man damit sehr gut das Innere ds Rohrs saubermachen. Danach sofort gut abspülen, sonst wird das Kupfer grün anlaufen.

Wenn die Destille fertig ist:
Als erstes sollte man schauen, ob man zB Flußmittelrückstände oder irgendwelche Fette mechanisch entfernen kann. Dazu eignen sich zB die Reinigungsvliese mit Seifenwasser oder bei Fetten auch Lösungsmitteln.

Dann legt man alle Teile in Zitronensäure oder Essig oder wischt sie damit ab. Auch innen, wieder mit dem Stock. Das Kupfer soll danach hellrosa sein. Vielleicht entfernt man auf diese Weise auch Anlauffarben am Edelstahl. Danach wieder gut abspülen.

Falls die Destille ein Ventil hat, eine VM ein Absperrventil, eine LM ein Nadelventil zB, sollte man dieses mal komplett auseinandernehmen und jegliche Öle und Fette wegwischen. Das Ventil mag danach etwas schwergängiger gehen, aber für unsere primitiven Anforderungen sind diese Ventile allgemein sowieso viel zu gut.


Nun macht man zwei Reinigungsbrände:

1. Essigbrand:
Essig wird 1:1 verdünnt destilliert. Dabei auch mal das Kühlwasser ausschalten, da der Dampf viel besser reinigt. Fenster vorher aufmachen. Essigdampf stinkt natürlich. Das Thermometer wird einen ähnlichen Wert wie bei Wasserdestillation anzeigen. Also 100°C auf Meereshöhe.
Danach sofort alles gut durchspülen. Den restlichen Kesselinhalt und das Destillat kann man aufheben und beim nächsten Reinigungsbrand wiederverwenden.

2. Alkoholbrand:
Hierfür bietet sich Tetrapak-Wein an. Man brennt so lange, bis kaum noch Alkohol mehr kommt. Aus 10l Wein vielleicht 2-2.5l. Auch hier empfiehlt es sich, die Kühlung kurzzeitig mal auszuschalten. Das Destillat hebt man für weitere Reinigungszwecke auf.
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PuhBär
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Re: Erstreinigung einer neuen Destille

Beitrag von PuhBär »

Zitronensäure
Essig
Alkohol
So habe ich es bisher auch gemacht, irgendwann tauchte dabei die frage auf,
Wer von denn dreien ist eigentlich wofür zuständig? oder, wer macht "was" weg?
Ist das bekannt?

Oben könnte man vielleicht noch hinzufügen, das Zitronensäure besser wirkt je
heißer sie ist.
Ich weiß, PuhBär klingt Gefährlich, mir fiel aber nichts anderes ein
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derwo
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Re: Erstreinigung einer neuen Destille

Beitrag von derwo »

Alle chemischen Reaktionen laufen schneller ab, je höher die Temperatur ist. Aber stimmt, guter Tip.

Wann Zitronensäure, wann Essig?
Essig stinkt, daher nehme ich lieber Zitronensäure. Allerdings ist Zitronensäure nicht flüchtig. Das heißt, zumindest beim Reinigungsbrand braucht man Essig, sonst wird nur der Kessel sauber.

Säuren entfernen die Oxidschicht/Patina. Das Kupfer wird quasi auf 0 resettet.

Alkohol ist ein Lösungsmittel, reinigt also zB noch Spuren von Flußmittel oder Maschinenöle. Im Endeffekt wird das, was unter realen Bedingungen lösbar ist, gelöst und landet dann nicht im ersten Schnaps. Bei der ersten Schnapsdestillation sind diese Sachen dann weg, die Destille quasi "eingefahren".
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azeotrop
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Re: Erstreinigung einer neuen Destille

Beitrag von azeotrop »

Jetzt komme ich wieder ins Schleudern.
Essigsäure hat einen Siedepunkt von 118 Grad. Ich konnte aber nichts finden wo der bei einer Lösung in Wasser liegt.
Vermutlich niedrig genug. Weißt du das?
Es grüßt Azeotrop
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derwo
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Re: Erstreinigung einer neuen Destille

Beitrag von derwo »

Normaler Branntweinessig hat ja nur 5% Essigsäure. 1:1 haben wir dann 2.5%. Und dieser geringe Anteil hat halt nur einen geringen Effekt auf den Siedepunkt. Und 100°C und 118°C ist ja auch nicht so weit auseinander wie zB die Siedepunkte von Wasser und Ethanol.
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azeotrop
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Re: Erstreinigung einer neuen Destille

Beitrag von azeotrop »

derwo

Hier behauptet einer dass eine 3% Essig/Wassermischung einen Siedepunkt bei 76.5°C haben soll.
http://www.chemieonline.de/forum/archiv ... 35620.html
Rätsel Rätsel. Tante Google findet aber auch nicht viel dazu.
Es grüßt Azeotrop
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PuhBär
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Re: Erstreinigung einer neuen Destille

Beitrag von PuhBär »

Also macht ein Zitronenbrannd keinen Sinn, weil es nicht Flüchtig ist, Interessant.

Warum so eine niedriege Essigkonzentration? nur weil es nicht auszuhalten ist? also Geruch?
Ich weiß, PuhBär klingt Gefährlich, mir fiel aber nichts anderes ein
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derwo
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Re: Erstreinigung einer neuen Destille

Beitrag von derwo »

azeotrop hat geschrieben: 26. Nov 2018, 10:59Hier behauptet einer dass eine 3% Essig/Wassermischung einen Siedepunkt bei 76.5°C haben soll.
Kommt mir sehr unglaubwürdig vor. Nicht nur, weil mein Thermometer gut 100°C anzeigt, sondern auch, weil ich so ein extremes azeotropisches Verhalten sonst nicht kenne.
Du wirst es bei deinem Reinigungsbrand ja sehen.

PuhBär hat geschrieben: 26. Nov 2018, 13:01 Also macht ein Zitronenbrannd keinen Sinn, weil es nicht Flüchtig ist, Interessant.

Warum so eine niedriege Essigkonzentration? nur weil es nicht auszuhalten ist? also Geruch?
Genau.
Wie du schon sagtest, mit Hitze sind die Säuren viel agressiver. Und wenn du eine 50l-Destille hast, möchtest du halt schon lieber nur 15 statt 30l Essig kaufen.
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PuhBär
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Re: Erstreinigung einer neuen Destille

Beitrag von PuhBär »

[/quote]
Genau.
Wie du schon sagtest, mit Hitze sind die Säuren viel agressiver. Und wenn du eine 50l-Destille hast, möchtest du halt schon lieber nur 15 statt 30l Essig kaufen.
[/quote]

Das ist wohl wahr :D
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