Vergiftungs-Gefahr?

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Schnäpslä
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Vergiftungs-Gefahr?

Beitrag von Schnäpslä »

Diese Frage liegt mir schon seit geraumer Zeit auf dem Magen.
Nach ersten Einlesungen in das ganze Thema des Schnapsbrennens, als beim Vor- und Nachlauf von enthaltenen Inhaltsstoffen wie beispielsweise Methanol, Aceton, Acetaldehyd, Propanol, Butanol, Hexanol, Isoamylalkohol, Isobutylalkohol, ect., ect. :o gesprochen wurde, fragte ich mich immer, ob man solche Stoffe, oder einfach einen zu hohen Anteil solcher Stoffe schlussendlich auch im Schnaps haben und somit sich oder seinen Mitmenschen beim Verzehr etwas antun könnte.
Klar, der Vor- & Nachlauf wird abgetrennt, aber dennoch könnte doch die Gefahr bestehen, dass man solche Stoffe dann im Schnaps hat und diese nicht unbedingt herausschmeckt? Oder kann das nicht sein? Kann man da Grundlegend etwas falsch machen? Oder könnte man den Schnaps nach der Fertigstellung irgendwie Testen (ausser im Labor)?
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azeotrop
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Re: Vergiftungs-Gefahr?

Beitrag von azeotrop »

Ein ganz gefährlicher Inhaltsstoff ist der Alkohol. Er hat unzählig viele Menschen auf dem Gewissen. Obwohl dieser Stoff eindeutig giftig ist, wird er doch in den Destillaten geduldet. Über welchen Begleitstoff genau machst du dir Sorgen. Wenn du genauer fragst, kann man sicher besser antworten.
Es grüßt Azeotrop
"Doubt not, therefore, sir, but that distilling is an art, and an art worth your learning."
(Nixon & McCaw)
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derwo
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Re: Vergiftungs-Gefahr?

Beitrag von derwo »

azeotrop hat geschrieben: 13. Aug 2020, 12:09Obwohl dieser Stoff eindeutig giftig ist, wird er doch in den Destillaten geduldet.
Aber doch nur als Konservierungsmittel, oder?


Schnäpslä,

Methanolwerte weit über den Grenzwerten sind nur möglich, wenn extrem pektinhaltige Sachen vergärt werden. ZB vielleicht Orangen mit Schalen zu vergären oder Marmelade (mit Pektin als Geliermittel). Bei den üblichen Sachen, kann es schon sein, daß man zB mit Quitten oder Apfeltrester mal über Grenzwerte für Methanol kommt. Methanolwerte über den Grenzwerten bedeuten aber nicht, daß man sich sofort vergiftet, sondern daß das eventuell auf lange Sicht negative Auswirkungen auf den Körper hat. Die Konsequenz daraus wäre, daß man keinen Verflüssiger nehmen sollte, der nämlich die Pektinase abbaut und damit den Methanolgehalt erhöht. Aber gerade die harten, schlecht zu maischenden Früchte haben halt viel Pektin und daher Veflüssigung halt nötig... Also muss man anstelle Pektinase vielleicht etwas mehr Wasser zugeben. Das hat dann alles Folgen. Und ein Rührwerk wird nochmal etwas interessanter.

Wenn man von Methanolvergiftungen liest, sind das immer kriminelle Panschereien. Also Schnaps wurde mit billigem Methanol gestreckt.

Methanol ist nicht schmeckbar, es ist zu ähnlich zu Ethanol. Ganz im Unterschied zu den anderen in relativ hohen Mengen auftretenden Stoffen wie Acetaldehyd, Ethylacetat höhere Alkohole und Essigsäure. Also ein Schnaps mit damit sehr hohen Werten ist kaum trinkbar. Das sind aber alle auch Aromastoffe. Also ohne diese haben wir dann Vodka. Das ist dann meinetwegen die gesündeste Möglichkeit, Hochprozentigen zu sich zu nehmen. Eine halbe Flasche Vodka fühlt sich am nächsten morgen besser an als eine halbe Flasche Grappa.
Viele Stoffe lassen sich durch großzügiges Vor- und Nachlaufentfernen reduzieren (Methanol aber kaum). Aber auf Kosten des Aromas mehr abtrennen als es geschmacklich am besten wäre?

Es gibt den Vorlauftest nach Pieper, welcher Acetaldehyd misst. Und wenn man viel Acetaldehyd hat, sind auch die anderen Vorlaufstoffe in großen Mengen da. Aber, wie gesagt, das ist auch alles riechbar. Ein Schnaps, der nach Uhu riecht, hat viel Vorlauf, da braucht es keinen Test eigentlich.

Dann könnte man sich theoretisch noch durch die Destille vergiften. Ob zum Beispiel blei- oder cadmiumhaltiges Lot oder altes bleihaltiges Kupfer (aus altem Kupferkessel hergestellter Destillenhut) auf lange Sicht schädigt, weiß ich nicht. Oder Synthetikdichtungen. Ist alles vermeidbar.
Immer mal wieder wird von Übelkeit oder Drchfall berichtet, wenn man die Rückstände vom Löten nicht entfernt. Also das verbrannte Flußmittel. Also wenn man keinen Reinigungsbrand macht. Ich bin mir nicht sicher.
Kupferverbindungen sind im Destillat sichtbar. Also wer seinen Schlangenkühler mit Essig renigt, ihn dann nicht genug durchspült und das nächste Destillat dann blau oder grün ist, der wird doch hoffentlich das nicht trinken wollen.
Schnäpslä
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Re: Vergiftungs-Gefahr?

Beitrag von Schnäpslä »

Ein ganz gefährlicher Inhaltsstoff ist der Alkohol. Er hat unzählig viele Menschen auf dem Gewissen. Obwohl dieser Stoff eindeutig giftig ist, wird er doch in den Destillaten geduldet. Über welchen Begleitstoff genau machst du dir Sorgen. Wenn du genauer fragst, kann man sicher besser antworten.
Schon klar, alles ist in gewisser Weise/Menge giftig/schädlich/tödlich, selbst Wasser. Ich mache mir auch nicht über einen speziellen Begleitstoff Sorgen, eher generell etwas falsch zu machen und dann unbeabsichtigt eben einer oder mehrerer dieser oben genannten ungewollten Inhaltsstoff im Destillat zu haben.


derwo,

Danke Dir, also solange mein Destillat nicht nach Uhu riecht und in der Nacht nicht von alleine hellgrün leuchtet, sollte alles nicht so tragisch sein. :+1:
Da meine Destille nur aus Edelstahl besteht (was nicht nur Vorteile hat, ich weiss), ist das mit dem Lot, Flussmittel & Kupfer nicht das Problem.


Ich denke, ich sollte meinen ersten Versuch zu destillieren einfach mal angehen und mir nicht mehr allzu viele Gedanken/Sorgen darüber machen. :dontknow: :crazy:
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BenDunker
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Re: Vergiftungs-Gefahr?

Beitrag von BenDunker »

Dem kann ich mich nur anschließen und noch hinzufügen was oft in all der übereifrigen Diskussion vergessen wird (aber so wundervoll ironisch von Azeotrop schon erwähnt wurde!):
Wenn jemand tatsächlich durch Nebenstoffe im Selbstgebrannten gesundheitliche Beeinträchtigungen bekommt, hat ein viel größeres Trinkproblem.

Selbst wenn du in deinem Orangen- (!)[*], Apfel- oder Quittenbrand erhöhte Methanol-Werte hast, frage ich dich wie oft und wie viel du denn davon in der Regel so trinkst. Wenn ich einmal die Woche, abends nach dem Essen ein oder vielleicht auch zwei lecker Gläschen Quittenbrand zu mir nehme, dann sind das 8-10cl 40%iges Destillat. Das heißt das sind dann 3.2-4 cl reiner Alkohol und darin sind dann soundsoviel gramm Methanol. Ich glaube das ist ziemlich sicher. Wir trinken solche Destillate ja nicht täglich und schon gar nicht Literweise.

Diese ganze Angst vor Methanol und anderen giftigen Stoffen kommt noch aus der Prohibitions-Zeit in den USA, in der die damalige US-Regierung eine riesen-Kampagne gestartet hat wie giftig, tödlich und gefährlich der Alkoholkonsum ist. Es gibt viele Berichte in denen angeblich sogar US-Agenten selbst Methanol-gepanschten Whiskey ect. in Umlauf gebracht haben um deren Aktionismus um den Feind Alkohol Wahrheit zu verleihen und die Menschen zu überzeugen. Ob das jetzt wirklich so wahr ist weiss ich nicht, aber Fakt ist, dass bis heute diese Angst vor Nebenstoffen in Destillaten besteht und besonders beim Thema "Selbstgebrannten" noch immer als gern genommenes abschreckendes Argument verwendet wird, damit die meisten Leute einfach zu große Angst haben etwas falsch zu machen und gar nicht erst heimlich dieses Hobby anfangen. Arbeite sauber, arbeite sicher, bleib immer bei der Destille wenn sie läuft, achte drauf, dass sich nirgendwo ein Vakuum bilden kann und mach dir nicht allzu viel Sorgen um Methanol und Co. Meist ist deine sauber vergärte Maische und liebevoll zwei bis dreimal gebranntes Destillat viel weicher und "sauberer" als ein gekauftes Produkt sein wird. happy distilling.

[*]wir machen doch sehr selten einen Orangenbrand besonders einen mit Schalen im Gäreimer!! Orangen geisten wir doch viel lieber.
Die Bitterkeit der schlechten Qualität bleibt lange nach dem Vergessen der Süße des niedrigen Preises bestehen.
- Benjamin Franklin
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Kareltje
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Re: Vergiftungs-Gefahr?

Beitrag von Kareltje »

Sehe zum Beispiel: https://www.academia.edu/30717255/Carci ... _an_update

Viele Menschen habe sich diese Frage gestellt, also Wissenschafler und einigen haben auch Antworten gefunden.
Wenn man nicht absichtlich Giften zufugt, ist Ethanol das grösste Gefahr.