Metallgeschmack / Verbesserungsvorschläge

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Azumak
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Metallgeschmack / Verbesserungsvorschläge

Beitrag von Azumak »

Hallo zusammen,

ich habe zwar schon recht viel gelesen aber bin noch nicht wirklich schlau geworden. Daher hier meine Situation und meine Fragen:

Ich habe letztes Jahr eine Destille gebaut. Ich möchte damit hauptsächlich Obstbrände herstellen (z.B. Pflaumen).

Meine Destille ist wie folgt aufgebaut:
Schnellkochtopf inkl. Deckle aus Edelstahl (ca. 5l)
Geistrohr, Kupfer 22mm, 30cm Länge
Liebigkühler, Kupfer 10mm, 1m Länge, Kunststoffrohr als äußere Hülle
Anschlussstücke Steckfitiings aus Messing
Anschluss Geistrohr an Topfdeckel mit einem Steckfitting mit Gewinde und einer passenden Mutter (beides Messing)
Temperaturmesser: Bratenthermometer mit Korken im Geistrohr

Die Destillation verlief gut. Nachdem ich den Brand aber mit Wasser auf 40 % verdünnt habe, ist mir ein metallischer Geschmack aufgefallen. Der Schnaps ist ungenießbar.

Jetzt zu meinen Fragen:
1) hat jemand eine Idee wie man den Schnaps noch retten kann?
2) Woher könnte dieser Metallgemschack kommen?
3) Da scheinbar etwas mit meiner Anlage nicht stimmt habe ich vor, die Destille dieses Jahr umzubauen.

Folgendes habe ich mir überlegt und würde gerne wissen was ihr davon haltet:
- neue Silikondichtung für den Schnellkochtopf einsetzen
- Alle Fittings ersetzen durch Kupfer oder Edelstahl Teile
Hier weiß ich aber nicht wie ich den Anschluss an den Deckel herstellen kann. Da es keine Fittings aus Kupfer mit Gewinde gibt. vllt mit einer Flanschverbindung?
Alle anderen Anschlusstücke könnte man mit Pressfittings mit EPDM Dichtung herstellen.
Oder vllt auch löten. Hier weiß ich allerdings nicht welches Lötzinn und welche Lötpaste ich benutzen sollte. Hab was von Silberlöt gelesen...

Was haltet ihr davon?

Freue mich schon auf eure Antworten.
VG
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derwo
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Re: Metallgeschmack / Verbesserungsvorschläge

Beitrag von derwo »

Hallo Azumak,

Metallgeschmack entsteht durch den Kontakt von Metallen zu organischen Stoffen. Diese Stoffe werden verändert und haben dann eben diesen Geruch. Wenn man nach dem Destillieren einer Maische den Kessel öffnet, hat die verbleibende Flüssigkeit einen deutlichen Metallgeruch. Diese Gerüche sind aber eher schwach flüchtig. Das bedeutet, wenn du mehrmals brennst und auf relativ hohe Prozente kommst, ist dieser Geruch nicht im Destillat.
Wie oft hast du gebrannt? Und was war das? Maische? Wie viel lietr? Wie viel vol%? Wie viel Destillat hast du gesammelt?

Oder der Kühler war nicht sauber. Hast du die obligatorischen Reinigungsbrände mit Essig und Wein gemacht? Hats du den Liebig mal durchgeputzt, also zum Beispiel was raues wie ein Kupfer-reinigungsvlies mal durchgedrückt?

Hier zum Löten von Edelstahl:
viewtopic.php?f=24&t=175


Und noch was zum Rest, wonach du nicht gefragt hast:

- ein Steig- und Geistrohr mit 22mm und ein Liebigkühler mit 10mm Durchmesser sind ein Sicherheitsrisiko. Zumindest bei dickflüssigen Maischen solltest du den Kessel maximal mit 3l füllen, sonst verstopft die Destille. Außerdem kann es sein, daß die Destille im Betrieb eher unruhig ist, also hechelt und etwas wackelt. Dann musst du langsamer Destillieren. Auch ein leichtes Überkochen wird durch den höheren Druck in der Destille viel wahrscheinlicher.

- Messing enthalten normalerweise 2-3% Blei. Bleiverbindungen destillieren zwar nicht über, aber wenn du den Liebigkühler mit so einem Messinganschluss an das Geistrohr befestigst, bekommst du sicher Blei ins Destillat.

- Wenn dein Bratenthermometer ein mechanisches ist, ist es zu ungenau. Dann kannst du es nur verwenden, um halbwegs informiert zu sein, wann die Destille aufgeheizt ist.

- Ist der Korken aus massivem Kork oder sind es zusammengeklebte Korkbrösel? Dieser Leim ist nicht Alkoholbeständig. Außerdem schmeckt Kork nicht besonders gut. Zumindest wenn das Thermometer am höchsten Punkt ist, kann das durchaus ins Destillat gelangen.

- Schnellkochtopfdichtungen sind nicht alkoholdampfbeständig. Ob was davon ins Destillat gelangt, weiß ich auch nicht. Aber ich weiß, daß der einzige Kunstoff, der anscheinend unseren Dämpfen gewachsen ist PTFE/Teflon ist. Deswegen baue ich und viele andere unsere Destillen so, daß alle Dichtstellen mit Teflonband abgedichtet werden können. Also unser Dichtmaterial entscheidet darüber, wie wir die Verbindungsstellen bauen.
uncle_jack
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Re: Metallgeschmack / Verbesserungsvorschläge

Beitrag von uncle_jack »

Azumak hat geschrieben: 3. Mär 2021, 23:28 - Alle Fittings ersetzen durch Kupfer oder Edelstahl Teile
Hier weiß ich aber nicht wie ich den Anschluss an den Deckel herstellen kann. Da es keine Fittings aus Kupfer mit Gewinde gibt. vllt mit einer Flanschverbindung?
Über AliExpress hatte ich mir Lötfittinge mit Gewinde bestellt, diese sind laut Artikelbeschreibung zu 99.9% aus Kupfer. Machen an sich einen recht guten und stabilen Eindruck.

Edit: Für Interessierte hier ein Link: https://m.aliexpress.com/item/4000843801902.html
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derwo
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Re: Metallgeschmack / Verbesserungsvorschläge

Beitrag von derwo »

Das ist neu! Bisher gab es diese Dinger nur mit Inch-Lötanschluss. Daher hätten die nicht zu unseren Kupferrohren gepasst.
Teuer ist es aber, wenn man zB einen 54mm-Deckeldurchgang mit sowas realisieren will. Man braucht ja außerdem noch ein Gegenstück. Aber zB um ein 1"-VM-Ventil anzumontieren, wäre das ideal.

Für den Deckel baut man zB einen Steck-Flansch aus Kupfer, so wie hier zB zu sehen: viewtopic.php?f=24&t=124 bzw download/file.php?id=166&mode=view Entweder wie hier aus einer Kupfer-Endkappe oder aus Kupferrohr und einer Kupferplatte wie hier links im Bild: download/file.php?id=2429&mode=view
Da muss man dann ein bisschen Teflonband einsetzen.

Oder man kauft sich Tri-Clamps. MIt dem Suchwort findest du hier sicher viel.
uncle_jack
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Re: Metallgeschmack / Verbesserungsvorschläge

Beitrag von uncle_jack »

Die "großen" Größen sind tatsächlich nicht ganz billig, da würde ich definitiv auch auf Tri-Clamp setzten.
Hatte mir einige von den Fittingen in kleiner Größe bestellt, um einen Mini-Liebig als Produktkühler an das Nadelventil der LM schrauben zu können.
Alternativ könnte ich mir die auch ganz praktisch als Thermometer-Port für einen Einschraubfühler vorstellen.
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azeotrop
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Re: Metallgeschmack / Verbesserungsvorschläge

Beitrag von azeotrop »

Ich frage mich wie lange ein Gewinde in Kupfer halten wird. Kupfer ist ja ein sehr weicher Werkstoff.
Ich wünsche dir Glück.
Es grüßt Azeotrop
"Doubt not, therefore, sir, but that distilling is an art, and an art worth your learning."
(Nixon & McCaw)
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Alk52
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Re: Metallgeschmack / Verbesserungsvorschläge

Beitrag von Alk52 »

Ich habe mal die folgenden Vorschläge gemacht:
Alk52 hat geschrieben: 29. Nov 2020, 13:18 Schau Dir bitte mal Hüses: Mein Eigenbau von A-Z an.
Wenn Du Dir einen Selbstbau nicht zutraust, dann kannst Du fertige 2" Komponenten in China bestellen und Deine Anlage konfigurieren und nach und nach ausbauen... (Edelstahlbaukasten)

Bezüglich AliExpress schau mal in die Dunkle Ecke (wg. Zoll...)
Nichts ist ohne Grund.
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derwo
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Re: Metallgeschmack / Verbesserungsvorschläge

Beitrag von derwo »

uncle_jack hat geschrieben: 4. Mär 2021, 11:57 Hatte mir einige von den Fittingen in kleiner Größe bestellt, um einen Mini-Liebig als Produktkühler an das Nadelventil der LM schrauben zu können.
azeotrop hat geschrieben: 4. Mär 2021, 12:21 Ich frage mich wie lange ein Gewinde in Kupfer halten wird. Kupfer ist ja ein sehr weicher Werkstoff.
Ich weiß auch nicht, ob es für häufiges Auseinander- und wieder Zuschrauben geeignet ist.
Aber auf dem LM-Kühler ist ja gar kein Druck. Etwas Teflonband um das Gewinde und dann nur ganz leicht zudrehen, das müsste es doch hoffentlich aushalten.

uncle_jack,
kommen irgendwann Fotos von der Anlage? :)
uncle_jack
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Re: Metallgeschmack / Verbesserungsvorschläge

Beitrag von uncle_jack »

azeotrop hat geschrieben: 4. Mär 2021, 12:21 Ich frage mich wie lange ein Gewinde in Kupfer halten wird. Kupfer ist ja ein sehr weicher Werkstoff.
Ich wünsche dir Glück.
Bin auch gespannt. Da das Ganze aber nur sehr selten auseinander geschraubt wird bin ich ganz guter Hoffnung. Habe mir auch schon Tri-Clamp auf Gewinde Adapter geordert, sodass der Liebig in der finalen Lösung "geclampt" werden kann und das Gewinde nie entschraubt werden muss.
derwo hat geschrieben: 4. Mär 2021, 13:38 uncle_jack,
kommen irgendwann Fotos von der Anlage? :)
Bald! Habe aktuell sehr viele andere Sachen um die Ohren, hoffe aber zeitnah wieder zum Brennen kommen zu können. Es wartet noch ein Sugarhead-Whisky Raubrand a la UJSSM auf Fertigstellung.
uncle_jack
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Re: Metallgeschmack / Verbesserungsvorschläge

Beitrag von uncle_jack »

Hier schon mal ein Bild von meinem 3" Eigenbau Dephlegmator, vielleicht hilft es dem ein oder anderen beim Selbstbauen. Die Lötstellen könnten schöner sein, aber er ist dicht.
Polish_20210304_194217594.jpg
Edit: Der Dephlegmator wird natürlich nicht in Kombination mit der LM betrieben.
Azumak
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Re: Metallgeschmack / Verbesserungsvorschläge

Beitrag von Azumak »

Vielen Dank für die vielen Antworten!

Ist alles gar nicht so einfach... Ich werde mich aber nach und nach rantasten..

Ich habe eine Maische aus Pflaumen destilliert. Ich hab zweimal gebrannt. Beim ersten mal so dass das Destillat raus fließt. Und beim zweiten mal dass es nur raustropft.

Ich fülle den Topf ca. zur Hälfte. Da ich in der Wohnung brenne bin ich da lieber etwas vorsichtiger.
Ich reinige alles mit einer Soda Lösung und vor jedem Brennen einmal mit Wasser (zum kochen bringen und durchlaufen lassen).
Die ersten zwei mal habe ich Tetrapack Wein gebrannt.
Ich hab gelesen, dass sich bei Ostbränden aufgrund der Säure Grünspan an den Kupferteilen bildet. Daher werden die Kupferteile vorher noch gebürstet.
Damit im Topf nichts anbrennt habe ich die Maische vorher gefiltert.

Was für ein Thermometer könnt ihr empfehlen? Ich hab bisher einen Induktionsherd genutzt. (Da kann ich die Temperatur zumindest grob schonmal einstellen). Und einen Bratenthermometer (Mechanisch).

Ich baue erstmal meine Destille um und werde den Schnaps vom letzten Jahr nochmal brennen. Mal sehen ob ich den Metallgeschmack raus bekomme.

Den Steck-Flansch finde ich gut. So mache ich das auch. Für mein 22mm Kupferrohr würde ja im Prinzig auch eine Schlauchtülle aus Edelstahl reichen auf die ich dann das Rohr draufsetzen kann.

Welches Lötzinn und welche Lötpaste könnt ihr empfehlen für das Löten von den Kupferrohren?
uncle_jack
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Re: Metallgeschmack / Verbesserungsvorschläge

Beitrag von uncle_jack »

Azumak hat geschrieben: 5. Mär 2021, 16:22 Welches Lötzinn und welche Lötpaste könnt ihr empfehlen für das Löten von den Kupferrohren?
Für Kupfer/Kupfer Verbindungen kannst du normales Fittingslot (Sn97Cu3 oder Sn97Ag3) und passende Lötpaste aus der Sanitäterabteilung des lokalen Baumarkts verwenden. Ich verwende aktuell ein Sn97Ag3-Lot mit La-Co Regular Flux Paste als Flussmittel.

Für Edelstahl/Kupfer solltest du ein spezielles Flussmittel verwenden (z.B. Lötöl ST von Felder, vielleicht haben andere hier noch weitere Empfehlungen?) und ggf. auch ein anderes Lot. Oft findet man hier Empfehlungen für Lote mit höherem Silberanteil (z.B. das Staybrite #8 Lot von Harris mit 6% Silber; in der EU aber faktisch nicht zu bekommen). Kritischer ist hier meiner Meinung nach aber eindeutig das Flussmittel und gut gereinigte Werkstücke.

Edit: Ergänzung zum Lot: Mir persönlich gefällt Lötdraht mit 2mm Durchmesser besser wie die üblichen 3mm aus dem Baumarkt, da er sich besser dosieren lässt. Ist aber vermutlich Geschmackssache.
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derwo
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Re: Metallgeschmack / Verbesserungsvorschläge

Beitrag von derwo »

Du solltest vor einem Feinbrand (bzw besser direkt nach dem letzten Raubrand vor einem Feinbrand) den Kühler und das Geistrohr heiß durchspülen. Meinetwegen auch mit Soda. Mehr würde ich nicht machen. Vielleicht noch ein Taschentuch mit einem Stock durchpressen.

Zumindest beim Vorlauf und Mittellauf ist die Patina des Kupfers sehr stabil. Ich glaube ein vorher Abbürsten ist kontraproduktiv. Und wenn du den Kupferstaub nicht wegspülst, ist es ja vielleicht wirklich Metall, was du schmeckst. Es gab mal einen Fall bei schnapsbrennen.at, wo einer immer sichtbare Kupferpartikel im Destillat hatte. Kupferstaub hatte sich durchs Putzen in den Ritzen der Lötstellen angesammelt.

Du brauchst ein elektronisches Thermometer mit einer Kommastelle. Einen relativ genauen Sensor hat das TFA 30.1040. Aber es gibt auch andere. Eigentlich kannst du jedes nehmen. Wenn man es mit der Temperaturmessung ernst nimmt, kommt man eh nicht um Testmessungen herum.

Wie uncle_jack schreibt, für Edelstahllötungen ist das Flußmittel entscheidend. Als Lot kannst du auch das Standard-Kupferrohrlot mit 3% Kupfer (Sn97Cu3) nehmen. Und vergiss natürlich nicht die Reinigungsvliese. Edelstahllötungen sind aber trotzdem deutlich unangenehmer als Kupferlötungen.

Ein Einstellen der Temperatur ist der falsche Weg. Ideal ist eine Leistungseinstellung, also etwas, wo du die Watt Heizleistung einstellst.

Es wäre gut, wenn du einen neues Thema unter Destillenbau eröffnest, wenn du zum Neubau Fragen hast.