Kupferwolle

Diskussionen über geeignete oder ungeeignete Materialien für Destillen
Schnäpslä
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Kupferwolle

Beitrag von Schnäpslä »

Hallo zusammen

Hat jemand von Euch Erfahrung mit Kupferwolle?
Da bei meiner Eigenbau "Destille" alles nur aus Edelstahl besteht, gäbe es ja die Möglichkeit, diese Kupferwolle in das Steigrohr zu packen, um den gewünschten "Kupferfilter" für gewisse Nebenprodukte zu erhalten. Funktioniert das auch wirklich? Und wenn ja, wieviel von der Wolle ist Sinnvoll?
Und wie würde man die Wolle anschliessend am besten reinigen, um diese wiederverwenden zu können? Kann man die überhaupt wiederverwenden?
Kennt Ihr eine gute Bezugsquelle? Hier bei uns in der Schweiz verlangen die Destillen-shops horrende Preise dafür :evil:

Vielen Dank schon mal für eure Antworten
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azeotrop
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Re: Kupferwolle

Beitrag von azeotrop »

Ich verwende es wegen der schwierigen bis unmöglichen Reinigung nicht.
In der Literatur findet man dass das Kupfer im Kessel die stärkste Wirkung hat.
Ich rate dir etwas Kupfersulfat zu kaufen und eine Messerspitze davon vor dem Brand in den Kessel zu geben.
Dann hast du dein Kupfer und es ist nicht teuer.
Es grüßt Azeotrop
"Doubt not, therefore, sir, but that distilling is an art, and an art worth your learning."
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Schnäpslä
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Re: Kupferwolle

Beitrag von Schnäpslä »

Genau das waren eben auch meine Bedenken betreffend der Reinigung. Vielen Dank für den Tipp, gut habe ich gefragt :)

Kupfersulfat ist dieses blaue, ätzende Pulver? Oder gibt es da verschiedene Formen, Reinheiten oder Stärken?

Und soll ich das beim Rau- als auch beim Feinbrand verwenden? Oder nur beim Raubrand?

Vielen Dank nochmals für die Hilfe!
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azeotrop
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Re: Kupferwolle

Beitrag von azeotrop »

Ich verwende es nur beim Rauhbrand. Aber ich nehme das Thema Kupfer sowieso nicht so ernst wie manch anderer.
Vielleicht schreibt ja noch jemand was.
Es grüßt Azeotrop
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Alk52
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Re: Kupferwolle

Beitrag von Alk52 »

Oft gehört, gern geglaubt.
Vielleicht von Wodka abgesehen, schwören doch alle "Großen" von massig Kupfer, trotz des Preises.
Wenn ich mir klassische Großdestillen ansehe, ist da nur Kupfer im Spiel.
Sicherlich wg. der sehr guten Wärmeleitung, aber im Text oft, wg. der katalytischer Wirkung.
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derwo
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Re: Kupferwolle

Beitrag von derwo »

Das mit dem Kupfer oder den Kupferverbindungen im Kessel gilt zumindest so lange, bis einer mal ein gutes Vergleichsexperiment auf die Beine stellt, und Kupfer im Dampfweg dann geschmacklich besser findet.
Also ich persönlich meine auch, daß Kupfer im Kessel die gleiche Wirkung hat, aber sicher bin ich mir nicht.
Ich gebe in meine Maischen immer etwas Kupferstaub. Früher auch einfach oxidierte Kupferrohre.
Kupfersulfat wird immer mal wieder schlechtgeredet, weil man ja Schwefelverbindungen entfernen will, nicht zusätzlichen Schwefel hinzufügen will. Das ist aber Quatsch, da durch das Kupfersulfat Sulfat hinzugefügt wird und nicht Sulfid. Und darum geht es: Sulfide entfernen, nicht um Sulfate. Aber eben deswegen wird gerne Kupfercitrat verwendet.
Ich wundere mich etwas, warum nicht Kupferoxid verwendet wird. Das löst sich zumindest in saurem Milieu sofort auf und fügt der Maische außer Kupferionen nur Sauerstoff zu.

Bei der Kupferwolle muss man etwas aufpassen: Selbst in einem Destillenshop werden Kupfertücher verkauft, die mit Nylon! zusammengewebt sind. Auch -das habe ich aber nur gelesen- gibt es wohl welche aus verkupfertem Stahl. Die Kupferschicht ist dan ratzfatz weg. Mit google "Redecker Kupofertopfreiniger" findet man aber gute Schwämme. Die passen auch gut in 28-54mm-Kupferrohr hinein. Bei 54mm ist ein so ein Schwamm ca 3cm hoch. Bei 28mm schätze ich muss man ihn auf eine Länge von mindestens 10cm langziehen. Eine Alternative, wenn man es auch auf möglichst gute Rektifikation abzielt, ist SPP aus Kupfer.
Das Reinigen finde ich nicht so schlimm. Einfach mit Spülmittel und etwas Soda in einen Topf und 15min offen kochen. Dann abgießen und mit Zitronensäure die Patina und den Schleier vom Soda entfernen. Muss man nicht dauern machen.
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Alk52
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Re: Kupferwolle

Beitrag von Alk52 »

PS: Hat schon jemand diese SPPs beschafft ?
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derwo
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Re: Kupferwolle

Beitrag von derwo »

Nein, aber es schaut aus wie jedes andere. Die Dimensionierung ist inzwischen standardisiert. 0.4mm-Draht und 4mm Durchmesser. Und die Herstellung ist einfach. In der Anfangszeit von SPP haben viele aus einer Bohrmaschine einem Cutter und einem Bohrmaschinenaufsatz, welcher nicht groß anders als ein Schraubenzieher ausschaut, SPP selbergemacht. Aber bei den günstigen Preisen, lohnt sich das natürlich nicht mehr. Auch ich habe mein Edelstahl-SPP aus Polen bestellt. Kupfer-SPP besitze ich nicht.
Catweazle
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Re: Kupferwolle

Beitrag von Catweazle »

Ich reinige meine kupferschwämme mit ätznatron und danach mit citronensäure. Einfach einlegen, warten und ausspülen. Wichtig ist das trocknen danach. Das mach ich penibel mit einem Fön, sonst sind die Dinger ratzfatz wieder grün.
Und der wo hat recht, oft werden die Schwämme nur verkupfert angeboten und man muss sehr genau hinsehen.
Ich habe meine Schwämme hier:
€ 9,84 10% Rabatt | 100% kupfer Wäscher Destillation Spalte Verpackung Ätherisches Hause Destillieren Kupfer Kolk Pads 20g 10 teile/los
https://a.aliexpress.com/_B1bPHf
Gekauft.
Es ist ein Brauch von alters her:
Wer Sorgen hat, hat auch Likör.

Quelle: Wilhelm Busch, Bildergeschichten. Die fromme Helene,1872
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derwo
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Re: Kupferwolle

Beitrag von derwo »

Ja, Ätznatron ist wahrscheinlich auch besser. Aber das haben die meisten nicht zu Hause.
Wenn du die Schwämme gut abgespült hast nach der Säure, dürften sie auch ohne Fön nicht grün werden. Ich trockne sie immer nur mit einem Küchentuch ab und lasse sie liegen, wo es möglichst warm und trocken ist und vielleicht einen Luftzug hat.
Die Schwämme aus dem link schauen gut aus.
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azeotrop
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Re: Kupferwolle

Beitrag von azeotrop »

Catweazle
Der Preis ist ja super. Pro Stück grob 1 Dollar. :+1:

Ich glaube aber dass die Kupferschwämme viel stabiler sind als die hier angesprochene Kupferwolle. Oder habe ich die Eingangsfrage falsch verstanden?
Wer echtes Kupfer im Dampfweg haben will ist mit Schwämmen oder SPP aus Kupfer gut bedient. Nur die feine Wolle ist unpraktisch.
Sowas hier. https://www.ebay.com/c/1063184688
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Schnäpslä
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Re: Kupferwolle

Beitrag von Schnäpslä »

Die Eingangsfrage war mehr darauf bezogen, ob es gut wäre, überhaupt irgendwo im Dampfweg Kupfer zu haben, da all die Teile meiner Eigenbau Destille nur aus Edelstahl sind.
Die nächste Frage wäre dann, ob das Kupfer dann mehr für die Katalytische Wirkung dienen soll/kann oder ob es dann doch "nur" um den Geschmack geht?
Wenn zweites der Fall ist, würde ich bei meinem ersten Zwetschgenbrand darauf verzichten und dann beim nächsten die Kupferschwämme verwenden, um ein Geschmacksvergleich zu machen.

Wenn durch das Kupfer aber doch noch zusätzlich unerwünschte Nebenstoffe heraus gefiltert werden, möchte ich nur ungern darauf verzichten, obwohl es dann wieder ewig dauern wird bis die Schwämme vom Mr. Ali hier sind.

Die Kupferschwämme schauen jedenfalls sehr gut aus, vielen Dank für den Link Catweazle.
Catweazle
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Re: Kupferwolle

Beitrag von Catweazle »

Und unter 26€ ist es ja auch zolltechnisch kein Problem. Die Lieferung hat sowas um die 3 Wochen gedauert....
Es ist ein Brauch von alters her:
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derwo
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Re: Kupferwolle

Beitrag von derwo »

Ja, diese Wolle wäre natürlich nicht so toll. Sie verstopft den Dampfweg und zerbröckelt wahrscheinlich auch schnell.

Also es geht hauptsächlich um den Geschmack bzw eben unerwünschten Stoffen (Sulfide). Auf Steine im Kessel würde ich sowieso eher verzichten. Dann bist du unabhängig vonder katalytischen Wirkung. Falls du was ausprobieren willst, könntest du eine Hälfte der Maische oder des Raubrands auf Kupfer lagern (oxidierte Kupferrohre zum Beispiel) und die andere Hälfte nicht. Mal sehen, ob du nach ein paar Tagen einen Unterschied des Geruchs bemerkst. Dann aber alles mit Kupfer brennen. Einen Brand von der Frucht bis zum Schnapsglas ganz ohne Kupfer hergestellt, das wäre ein bisschen schade.