Aktivkohle aus Feuerwehrfiltern?

Alle Möglichkeiten der Nachbehandlung von Destillaten
Schloßgeist
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Aktivkohle aus Feuerwehrfiltern?

Beitrag von Schloßgeist »

Servus zusammen,

evtl. bin ich gerade mit bunten Murmeln im Kopf unterwegs...
Ich habe immer wieder hobby-bedingt abgelaufene "Universalfilter" von der Feuerwehr (nicht benutzt), die ungefähr zur Hälfte mit Aktivkohle-Granulat gefüllt sind. Hat jemand damit Erfahrung ob das zum Geschmack neutralisieren geeignet ist?
Falls ich Link setzen darf, das wäre von der Art her so ein Filter:
https://www.gfd-katalog.com/master/medi ... 7_zoom.jpg

Ich hab mal mit einer kleinen Menge von der Aktivkohle was gefiltert und der originale Geschmack war zwar ziemlich raus aber dafür war das Resultat etwas trüb und hatte ein "blödes Mundgefühl". Leider kann ich das nicht genauer spezifieren, ich hab irgendwie nicht die richtigen Beschreibungsworte dafür...
Außerdem hat das beim nasswerden zuerst mal etwas geschäumt. Ist das normal?

Ich bild mir ein, dass ich "irgendwo" mal gelesen habe, dass teilweise die Aktivkohle noch beschichtet wird, um die Adsorptionsfähigkeit zu erhöhen. Falls das wirklich der Fall wäre möchte ich das Resultat vermutlich nicht unbedingt trinken. :?

Würde mich über evtl. Erfahrungswerte freuen. Auch falls das "blöde Mundgefühl" bei frisch gefilterten Durchläufen "normal" ist.

Schönen Gruß
Schloßgeist
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azeotrop
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Re: Aktivkohle aus Feuerwehrfiltern?

Beitrag von azeotrop »

Ich würde mal vermuten dass da Stoffe drin sind die die Besiedelung mit ungesunden Lebewesen verhindern, hab aber keine echten Infos.
Eine Anfrage beim Hersteller wäre hilfreich. Aber die sollen sicher nicht wissen dass du die Entsorgung übernommen hast.
Ein höheres Tier bei der Feuerwehr könnte das für dich evtl. anfragen.
Es grüßt Azeotrop
"Doubt not, therefore, sir, but that distilling is an art, and an art worth your learning."
(Nixon & McCaw)
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geschmacksverderber
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Re: Aktivkohle aus Feuerwehrfiltern?

Beitrag von geschmacksverderber »

Ich würde vielleicht mal versuchen die aktivkohle auszubrennen.
Würdest dann zumindest die leichteren flüchtigen Stoffe rausbrennen
mit Bacon schmeckt alles besser, nur der Whisky nicht
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derwo
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Re: Aktivkohle aus Feuerwehrfiltern?

Beitrag von derwo »

Aktivkohle ist grundsätzlich in zwei Formen erhältlich:
1. Staub. Dieser ist aber oft zu kleinen Pellets zusammengepresst.
2. Granulat. Also scharfkantiger grober schwarzer recht stabiler Sand.

In deinem Fall sind es wahrscheinlich Pellets, welche sich sofort auflösen. Dabei schäumt es und die Flüssigkeit erwärmt sich auch ein bisschen. Das muss sich erst komplett abgesetzt haben, dann kann man den Schnaps auch ohne mehliges Mundgefühl bekommen. Meist setzt sich Aktivkohle sehr gut ab, wenn sie gewirkt hat, also zB bei einem Raubrand, und schlecht, wenn es nicht viel zu tun gibt für sie, also nach einem Feinbrand. Also zwischen zwei Tagen und zwei Monaten ist alles möglich. Normal wäre eine Woche, bis man nichts mehr sieht. Generell ist die Aktivkohlebehandlung mit Staub oder Pellets eher geeignt, wenn man danach nochmal destilliert. Also zwischen Rau- und Feinbrand.

Das Granulat dagegen eignet sich sehr gut, um den fertigen Schnaps zu filtern. Es löst sich nicht auf und es kann mehrmals verwendet, regeneriert werden. Sollte aber immer ausgewaschen werden vor der Verwendung. Meist wird das Granulat in eine senkrechtes Rohr gegeben (Aktivkohlesäule genannt) und der Alkohol oben reingegossen.

Ich habe immer mal wieder gelesen, daß die Aktivkohle für Alkohol eine mit besonderer Porengröße ist. Keine Ahnung, ob das stimmt. In jedem Fall würde ich kein Produkt nach der letzten Destillation verwenden, welches nicht für Lebensmittel gedacht ist.

Falls du das noch nicht gelesen hast:
viewtopic.php?f=25&t=198