Nachlauf brennen

Die Herstellung von möglichst neutralem Alkohol
Bimpelhubi
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Nachlauf brennen

Beitrag von Bimpelhubi »

Hallo zusammen,

ich bin auch ein Neueinsteiger und habe konnte nun schon den einen oder anderen Liter aus der Maische rausquetschen :D
In diesem Zusammenhang ist natürlich auch einiges an Nachlauf* (im Mittel ca 35% Alk.) entstanden.
Genau diesen Nachlauf habe ich spaßhalber in einem weiteren Vorgang nochmals destilliert und bin dann auf 56% Alk gekommen. Beim Brennen dieses *Nachlaufes habe ich bei 82°-90° aufgefangen.

Was meint ihr, kann man damit ein Geist herstellen oder sind da immer noch zu viele ungenießbare Nebenprodukte enthalten?

Viele Grüße
Bimpelhubi
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derwo
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Re: Nachlauf brennen

Beitrag von derwo »

Vergleiche den Brand mal mit einem geklauften Vodka oder Korn. Wenn deiner unsauberer schmeckt, wird man es auch im Geist schmecken.

Deine Zahlen passen nicht zusammen. Außer du brennst bei irgendwas wie 2000 Höhenmetern. Wenn nicht, dann ist entweder die Thermometermessung oder die Alkoholmessung falsch. Oder beides.
DerOberfranke
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Re: Nachlauf brennen

Beitrag von DerOberfranke »

hehe die gleiche Frage kam bei mir erst letzte Woche auf und ich kann mich deshalb dem Fragesteller anschließen.

Ich habe ca. an die 10 Liter Nachlauf mit 35 %. Mit welchen Tricks kann man mit einer Potstill eine möglichst brauchbare Geistgrundlage gewinnen?
Ist es sinnvoll diesen mit Wasser auf ca. 20 % zu verdünnen, dann fast bis 0 % herunterzubrennen, so dass ich bei meiner Destille (Rektifikation ca. 0.2) bei ca. 48 % lande. Dann im Anschluss z. B. auf 30 % mit Wasser verdünnen und dann bei ca. 35 % Dampfalkohol destillieren. Dann hätte ich ein Geistdestillat mit ca. 68 % mit einer Alkoholausbeute von 90 %. Selbst wenn am Ende noch etwas Nachlauf mit dabei ist, sollte dieser ja beim Geisten durch saubere Abtrennung zurückbleiben.
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azeotrop
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Re: Nachlauf brennen

Beitrag von azeotrop »

Ich habe heute 5 L 35%vol 7,5 L mit 23 %vol Nachlauf gebrannt und 1,35 L brauchbar sauberes Destillat erhalten.
Habs nicht gemesssen, der letze Tropfen der verwendet wurde hatte noch 56%vol.
Danach begann der typ. Nachlaufgeruch. Den Rest hab ich weggegossen.
Das Destillat werde ich zum nochmaligen Destillieren weiterverwenden, wenn ich was ohne Geschmack brennen werde.
Es grüßt Azeotrop
"Doubt not, therefore, sir, but that distilling is an art, and an art worth your learning."
(Nixon & McCaw)
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derwo
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Re: Nachlauf brennen

Beitrag von derwo »

Den ersten zufriedenstellenden Geist habe ich mit gekauftem Vodka hinbekommen. Davor war alles (Geiste mit Potstill-Neutralalkohol) irgendwo noch muffelig.
Mit der Potstill wirst du bei jedem Brand Alkohol verlieren müssen. Denn du musst aufhören mit dem Mittellauf, wenn noch Alkohol kommt. Sonst trennst du den Nachlauf nicht gut ab. Und beim Vorlauf schleppst du mit einer Potstill halt ebenfalls sehr viel Alkohol mit, den du dann verlierst.

Ohne große Investitionen in eine Refluxdestille oder Aktivkohlesäule würde ich dir empfehlen:
10g/l Aktivkohle-Pellets rein, paar mal schütteln und dann absetzen lassen (eine Woche?). Dann vom Bodensatz abziehen. 1g/l Ätznatron oder 5g/lt Soda dazu und dann brennen. Den Nachlauf nicht zu spät beginnen, ihn aber ruhig wieder sammeln fürs nächste mal.

Oder mit mehr Aufwand:
Auf 20% verdünnen. 10g/l Aktivkohle-Pellets rein, paar mal schütteln und dann absetzen lassen (eine Woche?). Dann vom Bodensatz abziehen. 1g/l Ätznatron oder 5g/lt Soda dazu und dann brennen. Aus 10l so 3.5-4l sammeln. Die auf 40vol% verdünnen, dann wieder Ätznatron oder Soda dazu und nochmal brennen. Bei beiden Bränden Vorlauf abtrennen.
Die Empfehlungen 20vol% bzw 40vol%, musst du nicht genau einhalten. Kannst es ruhig so anpassen, daß es gut zu deiner Destillengröße passt.

Dies wäre eine geeignete Aktivkohle: https://www.dornauer.de/Behandlungsmitt ... ol-GE-1-kg
Ich nehme die immer noch. Trotz Refluxanlage. Also du kannst dir überlegen, ein ganzes kg zu kaufen.



azeotrop,
warum hast du nicht deine Refluxanlage genommen?
DerOberfranke
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Re: Nachlauf brennen

Beitrag von DerOberfranke »

okey, vielen Dank für die ausführliche Antwort. Das mit der Aktivkohle werde ich mal versuchen und Natron habe ich auch zu Hause.
Den Vorlauf sollte man dann aber auch mit Aktivikohle abtrennen, oder verstehe ich das falsch?
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derwo
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Re: Nachlauf brennen

Beitrag von derwo »

Ja, für Neutralalkohol bei jedem Brand Vorlauf abtrennen, egal ob man Aktivkohle oder Natron verwendet. Die Aktivkohle sollte man nicht mitbrennen, die Base aber schon.
Burny
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Re: Nachlauf brennen

Beitrag von Burny »

Moin zusammen,
habe eine Frage zu obigen Thema:
Ich habe Zuckerwasser mit Prestige Turbo vergärt. Gärung verlief recht gut. Anschließend 6 Monate gelagert. Anfang diesen Jahres gebrannt.
Habe jetzt noch 3 Ltr. Mittellauf mit 60 Vol.%. Den Nachlauf habe ich mit Kohle behandelt und nocheinmal gebrannt. Ergebnis 1 Ltr. mit 73 Vol.%.
Den Nachlauf verworfen (war vermutlich falsch ?). Da der Mittellauf aber noch Hefegeschmack enthält würde ich gerne beides nocheinmal brennen.
Wieviel Vol.% im Kessel machen bei einer Pott-Still Sinn ?
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derwo
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Re: Nachlauf brennen

Beitrag von derwo »

Also den Nachlauf des Nachlaufs hast du verworfen? Das war natürlich richtig. Denn der Nachlauf war ja Nachlauf, weil er Nachlauf enthält. :crazy:
Wenn der Mittellauf des Nachlaufs nun Nachlauf enthält, hast du den Nachlauf des Nachlaufs zu spät abgetrennt.

Der typische Fehler hierbei wäre: "Ich habe bei 91°C abgetrennt." Das ist ein Fehler, da beim Nachlaufbrand ja wahrscheinlich viel höhere Prozent im Kessel waren als beim ersten Brand. Und je höher die Prozente im Kessel, desto niedriger wird die Temperatur beim Nachlaufschnitt sein. Das bedeutet, wenn du mit hohen % im Kessel brennst, aber trotzdem bei derselben Temperatur abtrennst wie sonst, trennst du zu spät ab.
Ob das bei dir so wahr, kann ich deinem Post aber natürlich nicht entnehmen.

Verdünnen vor dem letzten Brand ja oder nein, da bin ich mir selber unsicher geworden. Ich dachte immer, Verdünnen wäre besser. Inzwischen bin ich mir nicht mehr sicher. Der Theorie nach sollte das Nachlaufabtrennen weniger verlustreich sein, wenn du nicht verdünnst, allerdings verdünnt sollten sich ein paar Sachen im Vorlauf sammeln, die du sonst nicht loswirst.
Burny
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Re: Nachlauf brennen

Beitrag von Burny »

Hallo,
vielen Dank für die schnelle Antwort. Der behandelte Nachlauf im Kessel hatte ca.35 Vol.%. Abgetrennt habe ich, wie du schreibst, bei ca. 91°C. Der Mittellauf hatte danach 73 Vol.%. Dies passt mit meinem Feinbrand Whisky zusammen (Raubrand 35 Vol.%, destillat Mittellauf 73 Vol.% Alkoholgehalt bei Abtrennung 65 Vol.%). Bin ich da schon im Nachlauf ?
Zur weiteren Behandlung würde ich alles zusammenkippen und noch einmal brennen. Dann hätte ich allerdings ca. 65 Vol.% im Kessel. Der Verlust wäre sehr hoch.
Wie hoch sollten die Vol.% im Kessel sein für gutes Verhältnis zu Verlust (Rest im Kessel) und Ausbeute Mittellauf. Macht es Sinn den Mittellauf mit Kohle zu Behandeln um evtl. Hefegeschmack zu entfernen?

VG
Burny
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derwo
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Re: Nachlauf brennen

Beitrag von derwo »

Wenn du schonmal Kohle eingesetzt hast, wird das ein zweites Mal wahrscheinlich nicht klappen. Die Kohle wird sich wahrscheinlich nicht absetzen. Also behandel nur Sachen mit Kohle, wo du das noch nicht gemacht hast.
Je höher die % im Kessel, desto geringer wird der Verlust beim Brennen sein. Ich weiß nicht, warum du denkst, er wäre größer.

Wenn du einen Whisky-Feinbrand mit 35vol% im Kessel machst und bei 65vol% abtrennst und das gut war, wann glaubst du, wirst du für Neutralalkohol mit 35vol% reinem Nachlauf im Kessel abtrennen müssen? Wesentlich früher, da du erstens ein viel saubereres Produkt haben möchtest und zweitens, da im Ausgangsmaterial wahrscheinlich mehr Nachlauf ist.
Burny
Beiträge: 18
Registriert: 17. Mär 2021, 16:13

Re: Nachlauf brennen

Beitrag von Burny »

Hallo,
Danke noch einmal. Werde alles noch einmal brennnen.
VG
Burny