Welchen Einfluß hat die Destillat-Temperatur

Praxis und Theorie der Destillation. Sowohl Fragen zu und Berichte von Destillationen als auch theoretische Erklärungen und Überlegungen
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Alk52
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Welchen Einfluß hat die Destillat-Temperatur

Beitrag von Alk52 »

Das Thema hat mich schon öfter umgetrieben. Mit meiner
Wasser-Luft-Kühlung habe ich es mir direkt in die Anlage geholt.

Wo hat auch angedeutet, dass dort leider etwas sein könnte.
derwo hat geschrieben: 18. Nov 2021, 16:01 Ok. Ja, es ist halt nicht zu ändern: dein Destillat wird leider 35-40°C haben. Da ist mir der höhere Wasserverbrauch lieber. Oder ein Kompromiss: Der PK wird mit frischem Leitungswasser gespeist, der RK aus dem Fass.
Aber was soll es sein, wenn Whisky-Brenner behaupten, dass ihr Produkt besser sei, weil es eine Destillattemperatur von 15°C und nicht irgendetwas über 20°C hat.
Für mich -als Physiker- ist es erst mal eqal, ob das Destillat beim herabtropfen kalt ist oder erst, etwas langsamer, im Sammelgefäß abkühlt.
Nichts ist ohne Grund.
geHeimBrenner
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Re: Welchen Einfluß hat die Destillat-Temperatur

Beitrag von geHeimBrenner »

Meiner Meinung nach kann das nur mit der Flüchtigkeit bestimmter Stoffe bei niedrigen Temperaturen zu tun haben.
Dem kondensierten Alkohol an sich wird es egal sein, ob er 15, 20, 30 oder 40 Grad hat. Die mit gelösten Inhaltsstoffe und Aroma-Verbindungen könnten das anders sehen.
Gibt es irgendwo Aufstellungen über die Zusammensetzung eines "Standard-Whisky" was die einzelnen Inhaltsstoffe betrifft? Da könnte man eventeull nach deren Flüchtigkeit und Temperatur-Abhängigkeiten weitersuchen.
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derwo
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Re: Welchen Einfluß hat die Destillat-Temperatur

Beitrag von derwo »

Ich denke fast das gleiche. Es verdunstet einfach viel mehr bei hoher Temperatur.
Man hat da eine Flüssigkeitsoberfläche, die mehrere Stunden offen steht. Noch dazu ist sie bewegt, da dauernd weitere Flüssigkeit nachtropft.
Wenn ich destilliere, riecht man es. Und das liegt (denke ich) vor allem an dem offenen Destillatsbehälter. Wenn das Destillat warm ist, steigt die Verdunstung stark an. Du kannst ja mal zwei identische Gläser mit Alkohol vorbereiten und eines davon auf die Heizung stellen.

Was da verdunstet wird ziemlich genau das sein, was auch beim erneuten Destillieren anfangs verdampfen würde. Also das, was bei einem erneuten Vorlaufabtrennen verloren gehen würde. Aber erstens hast du den Vorlauf ja vielleicht schon abgetrennt, dann verlierst du was, was du eigentlich behalten wolltest. Und zweitens sind die Bedingungen zum Vorlaufabtrennen mittels offenem Glas vielleicht nicht die besten, also irgendwo bei der Herstellung gibt es bessere Momente (normalerweise am Anfang des Feinbrands). Und außerdem hat ja so das erste Destillat ja viel mehr Zeit, nochmal zu verdampfen als das späte Destillat. Das erste Destillat hat einerseits am meisten Restvorlauf andererseits auch die Aromen, die sich schon beim Einschenken des Glases im Raum verteilen.
Aber am Ende, wer weiß, es kommt auf den Einzelfall an, vielleicht tut es dem Aroma ja sogar gut, wenn nochmal Vorlauf verdampft wird.

Der physikalische Zusammenhang ist glaube ich der Dampfdruck. Ethanol hat bei 40°C den dreifachen Dampfdruck wie bei 20°C.