Einfach vs. doppelt brennen Praxistest

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Seleni
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Einfach vs. doppelt brennen Praxistest

Beitrag von Seleni » 10. Mai 2019, 10:40

Liebe Leute,

ich habe noch hochgradige Fruchtmaischen herumstehen, und ich würde für mich mal testen, ob ich hier Unterschiede zwischen einmal und zweimal brennen feststellen kann. Nachdem hier bereits gesagten würde ich folgendermaßen vorgehen. Maischen gut verrühren damit sie relativ gleichwertig sind:

Hollundermaische, ca. 18%, 6 Liter, Potstill, 2 Liter

3 Liter Einfachbrennen: ein Brennvorgang mit 1,5 Liter, 30 Tropfen Vorlaufabtrennung, bis 55%alc (Tropfen - das was aus dem Kühler kommt)
3 Liter Zweifachbrennen: Erste Brennvorgänge mit 1,5 Liter 30 Tropfen Vorlauf, soweit wie möglich (ich sag mal bis 10%alc im Tropfen) runterbrennen. Raubrände sammeln und ein Feinbrand bis 55%alc im Tropfen
Danach beide verdünnen auf 43%alc und vergleichen

Ich denke der Versuchsaufbau passt so?

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derwo
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Re: Einfach vs. doppelt brennen Praxistest

Beitrag von derwo » 10. Mai 2019, 14:23

Schönes Experiment.

Dadurch daß du beim zweiten Brand des Doppelbrands viel mehr Alkohol im Kessel hast als beim Einfachbrand, ist es leider sehr unwahrscheinlich, daß es für beide Versionen am besten ist, bei der gleichen Alkoholstärke abzutrennen. Ganz allgemein gilt: Je mehr % im Kessel, desto höher werden die % sein, wann man abtrennt.
Ich würde eher versuchen, aus beiden Versionen das beste rauzuholen. Also den Nachlauf nach Geschmack abzutrennen.
Beim Vorlauf dagegen wird es nicht so viel Unterschied machen. Da ist die pauschale Abtrennung (30 Tropfen) meiner Meinung nach ok.

Bei einem Raubrand mit so viel Alkohol im Kessel solltest du ca die Hälfte an Menge rausholen, also aus 1.5l dann 750ml. Du bist da schon längst dann bei 0%. Das Destillat hat dann insgesamt 36% (wenn die 18% stimmen). Aufpassen, daß nichts anbrennt. Immer Auffanggläser wechseln, damit nicht das ganze Destillat versaut ist, wenn plötzlich Rauch bzw gelbes Destillat aus dem Kühler kommt.

Schreib bitte auch die Mengen auf. Nicht nur die %.

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Re: Einfach vs. doppelt brennen Praxistest

Beitrag von Seleni » 14. Mai 2019, 07:41

Morgen, ich habe gestern meine ersten zwei Teilchargen gebrannt. Messungen mit meinem €20 Refraktometer.
Maische: 5,5 l Holler + 2 l Wasser + 2,8 kg Zucker. Angesetzt 24. August, Maische sauer aber gefühlt Restzucker vorhanden.
  • I: Rauhbrand: Mit wenig Leistung konnte ich lange bis 97°C (Protokoll 94°C) brennen, habe dann Leistung erhöht und es ist mir angebrannt. Halb so schlimm, es schmeckte eh immer fahler (ärger war das Reinigen...).
    Ergebnis: ca. 640 ml mit 27%alc, milchig
  • II: Einfachbrand: Ich habe bis 91°C (Protokoll 88°C) gebrannt. Magere Ausbeute von 140 ml. Rest kam in den Nachlaufbehälter. Ich habe dann gleich verdünnt auf 43% und es wurde mir auch leicht trüb (vielleicht hat die Temperatur von Destillat und Mischwasser nicht gepasst)
Protokoll:
Brand_Holler_1.jpg
Da ich das Ganze nochmals durchführen muss, kann ich noch was messen. Der wo, meintest du die Mengen beim Feinbrand, oder sollte ich schon beim Rauhbrand auch genau dokumentieren? Das kann ich noch genauer machen.

Kurz zum Setting: ich hatte eine Küchenrolle in das Sieb als Anbrennschutz gegeben. Die Maische wollte sich aber nicht so einfach filtern lassen.
Wegen der Trübungen: die Trübung beim Rauhbrand geht ja sicher weg, beim Einmalbrand will ich die beiden Brände dann erstmal einen Tag stehen lassen, bevor ich sie zusammengebe. Oder meint ihr soll ich gestriges Ergebnis filtern?

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Re: Einfach vs. doppelt brennen Praxistest

Beitrag von derwo » 14. Mai 2019, 09:46

- Wenn du mit 2.8kg Zucker 6l Maische hergestellt hast, hast du einen theoretischen Alkoholgehalt von 27.5%. Das gärt dann höchstens, wenn du den Zucker gestaffelt zugibst. Und bei der letzten oder vorletzten Zuckerzugabe hört die Gärung dann auf. Aber 5.5l Beeren + 2l Wasser + 2.8kg Zucker müssten 9.2l Maische mit 18% ergeben. Das würde dann passen. Kannst du das aufklären?

- Im Kessel war jeweils 1.5l Maische?

- eine Oechslespindel hast du nicht, oder? Wenn doch, tauche sie mal in die Maische und schreib uns das Messergebnis.

Mir fällt noch mehr dazu ein, zu den Brenndaten natürlich auch, aber ich möchte erstmal schauen, ob wir den Alkoholgehalt der Maische rausbekommen.

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Re: Einfach vs. doppelt brennen Praxistest

Beitrag von Seleni » 14. Mai 2019, 11:00

Schwiegervater hat ein Zuckerrefraktometer (war Weinbauer). Ich mess nach. Ja Maische enthielt 2 Liter Wasser.
Ich habe 7 Liter x 400g/Liter Zucker gerechnet, Zucker auf 3mal (1 kg, 0,9 und 0,9 kg) zugesetzt. Letzte Gabe wurde vermutlich nicht mehr ganz umgesetzt. Das war eine meine ersten Maischen, da können Zuckeverluste dabei sein.

Ja ich hatte ca. 1,5 Liter Maische im Topf, so genau kann ich das auch nicht sagen. Wäre dir das für nächsten Brennvorgänge interessant?

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Re: Einfach vs. doppelt brennen Praxistest

Beitrag von derwo » 14. Mai 2019, 11:32

Mit einem Refraktometer, also einer Messung der Lichtbrechnung, kann man diesen Rechner leider nicht verwenden. Nur mit einer Spindel, also mit einer Messung der Dichte. Also du brauchst nicht messen.

Das Gesamtvolumen bräuchte ich. Sind es am Ende wirklich 6l Maische gewesen?
Wenn ja, dann hast du wahrscheinlich wesentlich weniger als 18% Alkohol.
Das erkennt man auch gut am Ergebnis des Raubrands: Wenn du aus 1.5l Maische 640ml Destillat geholt hast, war kaum noch Alkohol im Kessel. 27 : 1500 x 640 = 11.52. Also so 12% hat deine Maische vermutlich.
Schuld daran ist die dritte Zuckerzugabe. Schon die zweite war an der Grenze zum zu viel. Hättest du dann nichts mehr zugegeben, wäre die Maische denke ich auf wenigstens 17% hochgegangen. Du hast denke ich auch generell zu früh nachgezuckert. Also bevor der Zucker aufgebraucht war.
Aber wenn es doch zB 9 liter sind, dann muss es einen anderen Grund haben, warum die Maische so schwach geworden ist.

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Re: Einfach vs. doppelt brennen Praxistest

Beitrag von Seleni » 14. Mai 2019, 11:39

Die Ausbeute ist mir jetzt eh nicht so wichtig. Da weiß ich dass ich hier behutsamer mit der Zuckerzugabe umgehen muss.

Soll ich die nächsten Brände so wie gestern durchführen, oder soll ich noch was beachten? Bevor es zum Feinbrand kommt, würde ich das eh gerne vorab nochmals mit dir durchsprechen.

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Re: Einfach vs. doppelt brennen Praxistest

Beitrag von derwo » 14. Mai 2019, 12:27

Bei 27% zu landen war gut. Auch die 640ml aus 1.5l passen. Passen denn 3 x 640 = 1.9l in deine Destille? Wenn nein, solltest du ein bisschen früher aufhören.

Schön wäre es, du würdest das Anbrennen in den Griff bekommen. Werden die weiteren Füllungen dickflüssiger sein? Oder hattest du vor dem Befüllen der Destille alles schön durchgerührt? Nicht daß es dir das nächste mal früher anbrennt. Um die Maische dünner zu bekommen, könntest du reingreifen und ein paar Hände voll Fruchtschalen über dem Eimer händisch auspressen. Je nachdem wie stabil die Fruchtschalen sind, ist das effektiv oder eben nicht. Effektiv im Sinne von, daß viel Flüssiges zurücktropft und also das Abgepresste recht trocken ist. ZB bei Gerstenmalz wäre das sehr effektiv.
Probiere mal ohne Küchenrolle. Oder mit was gröberen als Küchenrolle. Leinenstoff vielleicht. Oder mal ganz ohne Sieb, dafür aber mit Rühren beim Aufheizen.

Du hattest jetzt 30 Tropfen Vorlauf abgetrennt? Da du ja beim Feinbrand nochmal Vorlauf abtrennen kannst und da es jetzt insgesamt weniger Alkohol ist als gedacht, trenne die nächsten Brände nur die Hälfte ab.

Schreib dann mal, ob es schlussendlich 1.9l 27% oder was anderes geworden ist. Und wie das mit dem Anbrennen gelaufen ist. Dann schreib ich noch was zum Feinbrand.

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Re: Einfach vs. doppelt brennen Praxistest

Beitrag von Seleni » 15. Mai 2019, 08:35

So ich bin durch. 4 mal gebrannt, No. IV: 650 ml, 33% alc (hier hatte ich die Maische randvoll in der Destille).
I ... Raubrand 1, II ... Einmalbrand verdünnt, III ... Einmalbrand unverdünnt, IV ... Rauband 2
Holler_2019.jpg
Ich habe jetzt also knapp 1300 ml mit rund 30%alc Raubrand, den ich gut in meine Destille bringe. Wie mache ich da jetzt weiter, Derwo?

Zum Anbrennen: Die Maische war recht homogen und dickflüssig, und so ließ ich sie durch ein Sieb. Die Flüssigkeit gab ich dann unten rein. Nach Ausleeren von No. IV stellte leichte Verkrustungen fest, beim Destillieren war aber kein sonderbaren Geruch erkennbar. Also ich denk das kann ich lassen, muss ich aber weiter im Hinterkopf behalten.

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Re: Einfach vs. doppelt brennen Praxistest

Beitrag von derwo » 15. Mai 2019, 11:01

Ah, ich dachte, du machst drei Raubrände, nicht zwei. Egal.

Beim Feinbrand solltest du nun mit weniger Leistung brennen.

Den Vorlauf trenne ich immer mit Gläschen ab, aber bei deiner Kleinmenge geht das nicht. Also entweder du trennst pauschal nochmal 15 Tropfen ab, oder nach 5 Tropfen lässt du die nächsten mal auf einen Esslöffel laufen, auf dem schon 5 Tropfen Wasser sind, und dann riechst du dran. Wenn ok, dann ist Mittellauf. Es ist nicht so heikel. Wenn dir dann am Tag danach auffällt, daß es bisschen nach Vorlauf riecht, lagerst du den Brand einfach ein oder zwei Wochen ein bisschen geöffnet, dann ist der Vorlauf auch weg.

Bei so hohen % im Kessel wird der Alkohlgehalt im Destillat sehr lange oben sein. Du wirst also eine höhere Mittellaufausbeute als bei den Einfachbränden haben. Die Nachlaufabtrennung wird aber von den aktuellen % her gesehen etwas früher sein. Also so bei aktuell 60% vielleicht. Die gesamte Destillation findet bei höheren % bzw niedrigeren Temperaturen statt. Also entweder du nimmst kleine Gläschen, teilst das Destillat ab 65% auf und entscheidest die Tage nach dem Brennen (beste Methode), oder du lässt immer mal ein paar Tropfen in ein Schnapsglas, träufelst eine ähnliche Menge kühlschrankkaltes Wasser dazu (kalt, weil die Mischung sich erhitzt. Und warmer Schnaps schmeckt nicht) und entscheidest spontan. Nach Geschmack, nicht nur nach Geruch. Der frühe Nachlauf macht sich durch ein Halskratzen bemerkbar. Wenn das Destillat müffelt, bist du schon längst im Nachlauf.

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Re: Einfach vs. doppelt brennen Praxistest

Beitrag von Seleni » 17. Mai 2019, 21:21

Feinbrand: ca. 1270 ml mit 30% ergaben ca. 350 ml mit 70%. Ich habe auch die ml dazu geschrieben
Holler_Feinbrand.jpg
Fraktionen 72,73° 74/75° bzw. 84°und 85° habe ich noch nicht entschieden, was ich damit mache.
Erstaunlich ist die Ausbeute, ist höher als bei Einfachbrand. Geruchsmäßig habe ich schon gerochen, Doppelbrand riecht nicht schlechter 8-) , aber das kann auch an den höheren % liegen. Das möchte ich blindverkosten nach der Verdünnung.

Ich glaube dass mein Thermometer wirklich um rund 5 °C zu wenig anzeigt. 3 ° Unterschied zum Wasser und ich bin ca. 2 cm unter dem höchsten Punkt. Das nur so nebenbei.

Was mich interessiert, ob die 1, 4 ml tatsächlich Mittellauf sind? Die Maische lag 8 Monate und habe beim Raubrand sicher die doppelte Menge von 30 Tropfen weggegeben.

Auf alle Fälle sehr lehrreich. Derwo, kann ich dieses Verfahren generell anwenden?

Geruchsmäßig erinnert mich der Holler an Ribisel und Josta, oder?

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Re: Einfach vs. doppelt brennen Praxistest

Beitrag von derwo » 18. Mai 2019, 10:29

Daß die Ausbeute höher ist, war zu erwarten. Mit dem Einfachbrennen bekommt man nur eine gute Ausbeute, wenn man eine hohe Alkoholstärke erreicht hat. Und das hast du ja leider nicht.

Wenn 1 und 4 verdünnt nicht nach Klebstoff riechen, ist es kein Vorlauf. Wenn sie verdünnt aber irgendwie anderweitig unpassend riechen, würde ich sie auch wegtun. Aber ich denke sie sind ok und es ist nicht so wichtig.

Überhaupt wird alles verdünnt dann viel stärker riechen.

Die 84 und 85°C sorgen entweder dafür, daß der Schnaps mehr Körper hat, oder dafür, daß er muffig und kratzig ist.

Zum Teil liegt dein Thermometer sogar 8°C daneben.

Die Methode kannst du immer anwenden. Der Temperaturverlauf wird aber je nach Alkoholstärke im Kessel jedes Mal anders sein.

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Re: Einfach vs. doppelt brennen Praxistest

Beitrag von Seleni » 18. Mai 2019, 10:49

Danke.
Darf ich noch eine Frage zur Trübung stellen? Ich würde verdünnen auf Trinkstärke und wenn es trüb wird, dann stark kühlen und anschließend mit Kaffeefiltern filtern!? Also übliche Vorgehensweise - oder gibt es da auch Tricks?

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Re: Einfach vs. doppelt brennen Praxistest

Beitrag von derwo » 19. Mai 2019, 12:16

So mache ich es auch immer.
Wenn das nicht reichen sollte (aber es reicht eigentlich immer), empfehle ich Filtrierpulver wie Dicalite. Google: Filtrierpulver, Schnaps. Dieses Pulver bildet eine gallertartige, aber durchlässige Schicht an der Innenwand des Filters (Faltenfilter oder Kaffeefilter), wodurch die Trübstoffe dann nicht so schnell das Filterpapier verstopfen. Der Schnaps wird nicht nur klar, sondern die Filtration geht auch viel schneller.

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Re: Einfach vs. doppelt brennen Praxistest

Beitrag von aragones » 20. Mai 2019, 07:51

Hallo Selini,

zu deinem Thermometer ....
schau dir mal den Thread an.. ich glaube das hilft dir deine Temperaturabweichungen zu lösen.
viewtopic.php?f=7&t=261&p=2952&hilit=ei ... iefe#p2952

zum Trübungen....
manchmal hilft auch nur eine Weile stehen lassen - mein Orangengeist war richtig milchig , nach ein paar Wochen wurde er richtig schön klar, im Flaschenhals hatten sich denn ca. 5 ml äthereisches Öl abgesetzt das ich dann mit einer Einwegspritze abgezogen habe ..

siehe viewtopic.php?f=20&t=298
Habe die Ehre Herr Geheimbrannt!

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Re: Einfach vs. doppelt brennen Praxistest

Beitrag von Seleni » 21. Mai 2019, 10:31

Danke für den Link. Da ist auch noch Forschnung nötig :lol:
Ich habe gestern verdünnt. Beide sind erstmal trüb, ich lasse sie so ein Zeit lang stehen und dann ggf. filtrieren.
Ausbeute (bei 43%alc): Einfachbrand: 350 ml, Doppelbrand 600 ml

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Re: Einfach vs. doppelt brennen Praxistest

Beitrag von azeotrop » 21. Mai 2019, 12:15

Seleni
Bei meinem Apfel-Wacholder Brand hatte ich auch eine Trübung. Selbst nach 14 Tagen war sie noch nicht verschwunden.
Ganz enttäuscht hatte ich die Flaschen in die Ecke gestellt.
Nach 2 Monaten mal wieder in die Hand genommen: Ganz von selbst schön klar geworden.
Es hatte sich im Flaschenhals auch keine sichtbare Ölschicht gebildet.
Viel Spass bei unserem Hobby Schnapsbrennen
Es grüßt Azeotrop

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Re: Einfach vs. doppelt brennen Praxistest

Beitrag von derwo » 21. Mai 2019, 21:39

Daß auch der Doppeltgebrannte trüb ist, macht mich etwas stutzig, ob dein Refraktometer nicht etwa zu hohe Werte anzeigt. Zumindest in dem Bereich, wo du den Nachlauf abgetrennt hast. Hast du es mal mit gekauftem Schnaps überprüft? Und du hast demineralisiertes oder zumindest weiches Verdünnungswasser genommen?

Trübungen können sich so und so verhalten. Es stimmt, oft verschwinden sie nach einiger Zeit. Aber verschwinden meint ja eher, daß sie sich lösen. Also man kann es auch so sehen: Wenn man wartet, bis die Trübungen von alleine weggehen, verpasst man die Chance, sie abzufiltern.
Nur als Denkanregung. Ich habe selber zu wenig ausprobiert, um sagen zu können, was öfter besser schmeckt, gefiltert oder nicht. Ich sehe nur immer wieder, wie ungefiltert den Vorzug bekommt, einfach nur weil es dem Zeitgeist entspricht, nicht weil es ausprobiert wurde.

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Re: Einfach vs. doppelt brennen Praxistest

Beitrag von Seleni » 22. Mai 2019, 15:45

Ergebnis Degustation:
Familie und Arbeitskollegen haben einen ersten Vergleich durchgeführt. Das Ergebnis:
Doppelbrand schmeckt besser: süß, harmonisch, fruchtig, feminin, wie frischzerdrückte Beeren
Einfachbrand wird als maskulin, echter, astringierend, milder gesehen.
Unglaublich auch, wie sich der Duft im leeren Glas hält: wie frische Hollerbeeren.

Danke Derwo für die Denkanstöße (an anderer Stelle) sowie die Hilfe bei der Durchführung. Speziell bei dünnflüssigeren Maischen werde ich wieder doppelbrennen, geschmacklich aber auch weil die Ausbeute bei meinen Kleinstmengen besser wird. Und Vergleichen werde ich wieder.

Holler gibt einen guten Geschmack, kann ich euch weiterempfehlen und gibt es auch nicht überall (für 0,35 l werden € 60,-- verlangt).

Zu den Temperaturen: ich werde mal Wasser in der Destille erhitzen und dabei die Temperaturen verfolgen, ich glaub das ist eine gute Idee.

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