Mein erster Rum - nach derwo

Alkohol aus Zuckerrohrmelasse, Rohrzucker oder Zuckerrohrsaft
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Mein erster Rum - nach derwo

Beitrag von azeotrop » 1. Jul 2019, 16:58

Hallo Forum

Ich habs gewagt und nach diesem Rezept hier https://hobbybrennen.ch/viewtopic.php?f=23&t=32#p81
meinen ersten Rumversuch gestartet.
Ich bin exakt dem Rezept gefolgt, hab aber zusätzlich pro 10 l eine Vitamin B1 Complex Pille reingeschmissen.

Schon beim Anfüttern hat die Frischhefe vom Aldi angefangen freudig zu blubbern.
Nach dem Einrühren in die Maische war kurz Pause, aber dann hat die Gärung fleißig weitergemacht.
Das Wetter scheint ja heiss genug zu sein für Rum.

Ich habe 2 x 10 l Maische in zwei 25l Behältern zubereitet. Da sollte genug Platz sein.
Ich arbeite ohne Gärspund. Die Deckel sind nicht verschraubt, sondern nur lose aufgelegt.

Drückt mir die Daumen. Ich werde weiter berichten.
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Re: Mein erster Rum - nach derwo

Beitrag von derwo » 1. Jul 2019, 17:46

Hier...
https://draxe.com/blackstrap-molasses/
...steht was von 0.1mg Thiamin (B1) in 100g Zuckerrohrmelasse. Dann wäre in deiner Maische aus 7kg Melasse 7mg Thiamin.
In den Vitamin B-Komplex Tabletten, welche ich zu Hause habe, sind 3.3mg Thiamin drinnen. Also hast du mit deinen beiden Tabletten die Thiaminmenge deiner Maische etwa verdoppelt vielleicht.
Nicht wirklich nötig. Schaden wird es aber nicht.

Wenn du willst, kannst du die beiden Eimer ja zusammenschütten, wenn die Gärung nicht mehr so stürmisch ist.

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Re: Mein erster Rum - nach derwo

Beitrag von azeotrop » 1. Jul 2019, 23:24

Meine Vitaminpille hat sogar 11mg B1 pro Pille
Wird hoffentlich nicht schaden.
Ich bin nicht sicher ob Vitamin B1 und Thiamin 1 zu 1 gezählt wird. Kennst du dich da aus?
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Re: Mein erster Rum - nach derwo

Beitrag von derwo » 2. Jul 2019, 10:54

B1 und Thiamin sind einfach nur zwei verschiedene Wörter für dasselbe.
11mg pro Pille ist extrem viel. Hab ich nicht gewußt, daß es sowas gibt.
Zusammen mit dem B1 aus der Melasse bist du aber immer noch im selben Bereich, wie bei eine Vollkorn-Getreidemaische. Also alles gut.

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Re: Mein erster Rum - nach derwo

Beitrag von azeotrop » 3. Jul 2019, 21:29

Ich habe nun ja erst 7 kg von den 28kg verarbeitet.
Ich würde gerne zumindest noch eine zweite Runde und dritte Runde anmaischen.

Ich würde von den ersten beiden 10l Behältern jeweils 1 Liter im Behälter lassen und wieder nach dem Grundrezept mit 3,5kg Melasse, 2l kochendem Wasser zugeben und mit kaltem Wasser auf fast 10l auffüllen und die angefütterte Hefe zugeben.

Parallel würde der Rauhbrand aus der ersten Runde laufen.
Was kann ich nun sinnvoll mit dem Rest im Kessel machen?
Einen Teil zur zweiten Runde geben? Während der Gärung, vorher oder nacher?
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Re: Mein erster Rum - nach derwo

Beitrag von derwo » 4. Jul 2019, 09:51

Die Hefe mehrmahls zu verwenden, klappt. Hab ich oft bei Getreide gemacht.

Wenn du Wasser durch Dunder ersetzt, erhöhst du das spezifische Gewicht. Und dieses Rezept ist da eh schon an der oberen Grenze. Du müsstest dann also weniger Melasse nehmen. Das bedeutet weniger Alkohol und öfter brennen, bis die 28kg aufgebraucht sind.
Daher bietet sich an, den Dunder in den Raubrand zu mischen. Dann spätestens ist aber meiner Meinung nach ein Dreifachbrandverfahren fällig. Daß du also noch einen Brand ohne Zusätze machst.
Den Dunder nach der Gärung mit in den Kessel zu nehmen, ist auch möglich. Es sind aber dann ähnliche Zustände, wie beim Brand davor. Ähnliche vol%. Also werden die Sachen, die es damals nicht ins Destillat gechafft haben, es auch diesmal eher nicht schaffen.

Damit Dunder wirklich was bringt, musst du ihn bakteriell weiterentwickeln. ZB:
Mit dem Dunder des ersten Raubrands befüllst du mehrere kleine Eimer (je 2l oder so), in denen du den Dunder zuerst verdünnst. Ich empfehle, das, was du rausgebrannt hast, durch Wasser zu ersetzen. Also wenn du 5 liter Destillat geholt hast, verdünne den Dunder mit 5l Wasser.
Ich würde auch eine kleine Menge Melasse dazutun. So für 1% Alkohol. Dann erhöhe den pH auf etwa 5.5 (mit Calciumhydroxid), das mögen die Bakterien. Leider braucht man ein elektronisches pH-Messgerät, da Melasse zu dunkel ist, um mit Stäbchen zu messen. Man kann ein billiges aus ebay China nehmen, kann es dann aber auch nach einem oder zwei großen Projekten wegwerfen.

Dann impfe die Eimer mit verschiedenen Bakterienquellen:
- Erde, eine Hand voll für 10l. Für Buttersäurebakterien (Clostridien). Das ist das typische für Rum. Es bildet sich eine wirklich gruselige Schicht ("Pellicle"). Anfangs noch weiß, irgendwann dann blau-grün.
- Hefe und lebendiger Essig (gibts im Supermarkt). Dieser Eimer sollte Melasse für 4% Alkohol haben und häufig belüftet werden. Ein Pellicle dabei zerstört werden.
- geraspelter Emmentaler (Propionbakterien). Die auch enthaltenen Milchsäurebakterien werden wahrscheinlich nicht viel zu essen finden (die mögen Stärke). Früher oder später wird dieser Eimer ähnlich wie der erste sein.
- Man könnte auch Bananenschalen oder so mal ausprobieren. Hampden verwendet sowas anscheinend.

Nun muss der pH zwischen 5 und 5.8 gehalten werden. Also immer wieder mit Calciumhydroxid angehoben werden. Zu tief, dann pausieren die Bakterien und deren Säuren veflüchtigen sich. Zu hoch, und der Eimer beginnt nach totem Tier zu stinken. Mindestens 1 Monat sollte es laufen.

Um den Erfolg zu testen, fülle ein Gläschen mit 10ml Raubrand, 5ml Dunder und 1 Tropfen Schwefelsäure, verschließ es, schüttele es, warte 1h und dann riech daran. Es sollten Fruchtnoten sein, die deinem Rum bisher fehlen.
Somit hast du dann die Auswahl, welchen und wie viel Dunder du verwenden möchtest, und welchen nicht.

Wenn du ihn dann verwendest, filter ihn direkt davor grob ab (das Pellicle muss nicht mitgebrannt werden) und gib Schwefelsäure dazu:
Über die Gefährlichkeit von Schwefelsäure muss ich glaub ich nichts sagen. Nie was auf die Säure kippen, sondern immer die Säure zu was anderem kippen. Es zischt dabei und da sie relativ schwer ist, fällt sie die Flüssigkeit herab. Bisschen wie beim Bleigießen. Handschuhe und Brille tragen. Lange Klamotten, nicht in Sandalen.
Und Calciumhydroxid ist ein sehr feines etwas schmieriges Pulver. Es hinterlässt übrigens auf geölten Holzmöbeln (Küchenarbeitsplatte) ganz schnell hässliche Flecken...
Und den infizierten Dunder sollte man natürlich nicht verkosten. Die Bakterien produzieren ja auch giftige Toxine.
Man sollte nicht mehr Schwefelsäure nehmen, als nötig. Die Schwefelsäure verbindet sich mit dem Calciumhydroxid zu Gips, welcher ausfällt und zu Boden schwebt. Solange das passiert, ist noch Calcium drinnen. Darüber hinaus sollte möglichst wenig Schwefelsäure reinkommen. Es gibt eine bei Rum verwendete Methode mit Calciumchlorid, um überschüssige Schwefelsäure aufzuspüren. Hab ich aber noch nicht ausprobiert:
H.H.Cousins hat geschrieben:Before filtration of the treated wines, it is desirable to test whether the right amount of Sulphuric Acid has been used. Draw off a clear sample or filter a cloudy one through blotting paper and put a in a test tube.
Add 2 drops of Calcium Chloride Solution, if no precipitate insufficient acid has been added and a little more Sulphuric Acid should be introduced into the wines.
Also mit Calciumchlorid fällt Gips wohl schön sichtbar aus, wenn Schwefelsäure anwesend ist. Warum das Chlorid und nicht einfach wieder das Hydroxid? Ich denke, weil das Chlorid wesentlich löslicher ist.

Der Dunder muss dann vom Gips abgezogen werden. Die Säuren sind dann wieder befreit. Und etwas überschüssige Schwefelsäure wirkt als Katalysator für die Esterifizierung.
Das gib dann direkt mit in den Kessel (so 9 Teile Raubrand und 1 Teil Dunder) zum zweiten Brand. Oder zum nächsten Raubrand. Dann aber hat er weniger Wirkung, da die vol% niedriger sind.


Es gibt auch andere Wege...
Aber mit der Kombi aus Calciumhydroxid und Schwefelsäure kann man halt mit kleinen Mengen Dunder extrem viel erreichen. Ohne braucht man sehr viel Dunder, um überhaupt was zu bemerken. Und dann hat man Probleme mit dem spezifischen Gewicht.
Man kann auch viel kaputtmachen mit sowas. Die Fehler, welche am leichtesten passieren:
- auf keinen Fall Dunder, der nach totem Tier richt, verwenden.
- die Schwefelsäuremenge am Ende wurde falsch eingeschätzt. Zu viel, dann wir das Destillat sauer sein. Lange Lagerung auf Holz ist dann nötig. Der Rum wird immer ein etwas aggressiver sein. Und einige Aromen werden zerstört. Zu wenig, dann wird der Rum zwar ok, aber die ganze Sache war ziemlich umsonst: Viele der erzeugten Säuren sind als Salze gebunden und bleiben im Kessel. Außerdem ist keine überschüssige Schwefelsäure als Katalysator vorhanden.

Es ist auch gar nichts daran falsch, einfach ohne solche Sachen Rum zu machen.

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Re: Mein erster Rum - nach derwo

Beitrag von azeotrop » 4. Jul 2019, 10:38

Ich bin etwas erschlagen.
Nun werde ich erstmal ohne Dunder arbeiten, ihn aber aufheben und nach deinen Ratschlägen damit spielen.
Wenn der erste simple Rum was geworden ist, kann ich ja eine neue Runde wagen.

Kann ich auch bei kühleren Temperaturen Rum machen?
Wie lange kann ich Dunder aufheben?
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Re: Mein erster Rum - nach derwo

Beitrag von derwo » 4. Jul 2019, 13:40

Mit einem "simple Rum" hast du dann auch was zum Vergleich.

Bei niedriger Gärtemperatur fehlen dann bestimmte typische Aromen. Isoamlacetat (Banane), Diacetyl (Butter). Ist also nicht ideal, gehen tut es aber schon. Im Herbst würde ich eher Obst machen.

Ich hab Dunder nie länger als eine Saison aufbewahrt. Also im Herbst igendwann alles weggeschüttet und gereinigt. Manche sagen so, andere so...

Du könntest den Dunder infizieren und mit Calciumhydroxid puffern. Mit etwas Erfahrung geht das glaub ich auch ohne pH-Messgerät. Sobald der Dunder nach den Säuren riecht, muss gepuffert werden. Dann am Sommerende den Gips ausfällen (in diesem Fall geht das ruhig mit einem Überschuss an Schwefelsäure, das macht es einfacher) und das dann destillieren (also ohne Akohol). Das Destillat (also Wasser plus flüchtige Säuren) entweder einfrieren und irgendwann als Maischewasser nehmen. Oder nach dieser Methode... https://www.bostonapothecary.com/confid ... sins-1906/
...die Säuren des Destillats teilweise wieder mit Calciumhydroxid zu Salzen binden, dann diese Suppe möglichst weit einkochen, ohne daß was anbrennt. Da du das wahrscheinlich nicht wirklich ganz trocken bekommst, bis zur nächsten Saison einfrieren. Wo du das dann einsetzt, kannst du bis dahin dann überlegen. Sowas ähnliches probiere ich übrigens in Maßen bei meinem Bourbon zur Zeit, als Vorübung zum nächsten Rum.

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Re: Mein erster Rum - nach derwo

Beitrag von azeotrop » 4. Jul 2019, 23:38

Da ich auf der Skala der Rum-Freaks noch auf der Ebene "neugierig, aber ohne jede Ahnung" platziert bin, möchte ich vorerst kleine Brötchen backen.
Da die Nächte kühler wurden, habe ich überlegt wie ich meine zwei Babys warm halten könnte.
Tagsüber hab ich sie in die pralle Sonne gestellt. Die Oberfläche der Maische sieht völlig glatt aus.
Wenn ich die Nase in die Tonne stecke beißt mich aber die Kohlensäure noch heftig ins Riechorgan.
Wenn ich schüttle sprudelt es noch wie Mineralwasser.
Es ist also noch nicht vorbei.
Ich habe heute mit einer Aquariumspumpe und einem Schlauch jeweils 10 min Luft in die Maische geblasen.
Soll dem Hefewachstum dienen!??

Heute Nacht habe ich die Beiden in Isolierbeutel für TK-Ware gesteckt. Ich denke dass das ein paar Grad über die Nacht rettet.
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Re: Mein erster Rum - nach derwo

Beitrag von derwo » 5. Jul 2019, 00:15

azeotrop hat geschrieben:
4. Jul 2019, 23:38
Ich habe heute mit einer Aquariumspumpe und einem Schlauch jeweils 10 min Luft in die Maische geblasen.
Soll dem Hefewachstum dienen!??
Es klingt aber eher so, als wenn die Gärung schon am abklingen ist. Dann hilft Sauerstoff nicht mehr. Also die Maische sollte noch süss schmecken, um erfolgreich zu belüften. Koste sie mal. Vielleicht ist sie schon trocken.

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Re: Mein erster Rum - nach derwo

Beitrag von azeotrop » 5. Jul 2019, 11:30

Sie schmeckt heute in der Tat völlig trocken.

Wie würdest du nun beim Rauhbrand vorgehen? Ich nehme eine Potstill mit 60cm Steigrohr.
Soll ich das Steigrohr isolieren, oder die Isolierung abnehmen?

Wie soll ich den Feinbrand durchführen?
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Re: Mein erster Rum - nach derwo

Beitrag von derwo » 5. Jul 2019, 13:23

Nur keine Eile. Die Maische hat einen Alkoholgehalt, wo sich Bakterien schon nicht mehr wirklich wohl fühlen, einen niedrigen pH-Wert, ein hohes spez. Gewicht und ist mit CO² beladen. Die geht so schnell nicht kaputt. Wenn es zeitlich ok ist, würde ich sie noch eine Woche stehen lassen.

Für einen Doppelbrand würde ich pro 10l Maische 3 - 3.3l Destillat rausholen. Ob du das Steigrohr isolierst oder nicht, wird gar nicht so viel ausmachen, da du ja keine Schnitte machst und auch isoliert keinen Alkohol im Kessel zurücklässt. Also empfiehlt es sich wegen der Energieersparnis eher zu isolieren oder auch gar kein Steigrohr zu nehmen.

Beim Feinbrand dagegen würde ich es unisoliert nehmen.
Möglichst kleine Gläschen für den Vorlauf. Lieber zu früh als zu spät mit den Nachlaufgläschen beginnen. Also bei 70% vielleicht schon. Ab 55% kannst du isolieren und mit mehr Leistung den Nachlauf bis 0% rausholen. Je früher du den Mittellauf beendest, desto mehr Mittellauf bekommst du dann halt erst beim nächsten mal.

Der Rum soll auf Holz? Wenn nicht, sollte an beiden Seiten großzügig abgetrennt werden. Potstillgebrannter weißer Rum ist aber in jedem Fall nicht das, was man vielleicht von Bacardi oder so gewohnt ist.

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Re: Mein erster Rum - nach derwo

Beitrag von azeotrop » 6. Jul 2019, 22:33

Ich könnte auch meinen noch unerprobten Boka-Head verwenden und das 2 Zoll Rohr mit SPP füllen.
Hätte das bei Rum Vorteile?

Über die Reifung habe ich noch nicht tiefer nachgedacht. We will cross that river when we get there.
Ich habe Späne von Jack Daniels Fässern rumliegen, die ich mal für Räucherzwecke gekauft hatte.
Wenn ich die im Backofen antoasten würde - wäre das verwendbar?

Ich entschuldige mich schon mal, dass ich als Greenhorn so ein Projekt gestartet habe ohne bis zum Ende zu planen.
Aber wer keine Ahnung hat, kann halt nicht viel planen.
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Re: Mein erster Rum - nach derwo

Beitrag von derwo » 7. Jul 2019, 13:53

Man kann auch mit der Boka Rum machen. Entweder zuerst mit Potstill oder Ptstillmodus raubrennen, dann mit teilweise Reflux feinbrennen. Oder ohne Raubrand gleich feinbrennen. Schlussendlich bin ich davon abgekommen. Ich brenne nun am liebsten möglichst oft aber mit möglichst wenig Reflux, also alles Potstill aber dreifach gebrannt. Außer Neutralalk natürlich. Und natürlich, wenn man einen möglichst sauberen Rum haben möchte, fast wie einen Vodka, dann wäre die Boka auch gut geeignet.
Mit der Boka sind Aromabrände schwerer als Neutralbrände. Du solltest erstmal die Anlage bei der Herstellung von Neutralem kennenlernen. Außerdem hast du noch keine Reinigungsbrände gemacht, oder?

Chips sind halt sehr klein. Man kann sie nicht abschleifen, um sie erstmal sauber zu bekommen. Oder willst du original Kentucky Lehmboden, Spinnweben und Lack (Beschriftung der Fässer) in den Rum? Und man kann sie auch nicht gut wärmebehandeln, da sie sofort verkohlen oder zumindest austrocknen.
Im Vergleich zum Vergären und Brennen lernen und Destille bauen ist die Herstellung von Sticks ein Klacks. Schau bei ebay mal nach Fassdauben. Nimm eher was angekohltes (Whiskeyfass aus amerikanischer Weißeiche) als was rötliches (Weinfass aus europäischer Eiche), zB:
https://www.ebay.de/itm/WHISKEY-Fasdaub ... Swc-tY35Fn
Und dann hast du hier eine Anleitung:
viewtopic.php?f=25&t=63

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Re: Mein erster Rum - nach derwo

Beitrag von azeotrop » 7. Jul 2019, 15:07

Danke für den Link. Hab ich gleich bestellt. :+1:

Ich werde dann mal mit meiner Potstill dreimal brennen.
Die Boka muss ich sicher erst noch zureiten. Da schreibe ich mal separat drüber.
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Re: Mein erster Rum - nach derwo

Beitrag von derwo » 7. Jul 2019, 15:39

Beim Dreifachbrand solltest du die Raubrände noch etwas länger machen. Also bei 10l Maiche im Kessel so 4 oder 5l sammeln. Wenn die Maische 10vol% hat, haben die dann 20 oder 25vol%.
Beim Mittelbrand dann so 4.5 oder 5l aus 10l. Beim Feinbrand hast du dann je nachdem, wie viel vol% die Maische genau hatte und wie viele liter du jeweils gesammelt hast, zwischen 40 und 60vol% im Kessel. Mit 40 bekommst du am Ende einen eher aromatischen Rum, bei 60% eher einen sauberen. Hängt natürlich aber auch von den Schnitten beim Feinbrand ab.

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Re: Mein erster Rum - nach derwo

Beitrag von azeotrop » 7. Jul 2019, 18:36

Ich habe 20l Maische etwa 10% und einen 12 l Kessel.
Mein Plan:
Rauhbrand 3 Kesselfüllungen á 6,66 l, pro Brand ca. 2,83l mit 20% also 8,5l ges.Produkt
Mittelbrand 1 Kesselfüllung á 8,5l, ca. 3,8l 42% Produkt
Feinbrand 1 Kesselfüllung á 3,8l, ca. 2,1l 76% Produkt

Kommt das ungefähr hin ?

Nachlaufabtrennung erst beim Feinbrand oder auch schon beim Mittelbrand?
Ab welchen MomentanVol% würdest du jeweils anfangen Nachlauf zwecks Verkostung in Gläschen aufzunehmen?

Vorlauf pro Rauhbrand 10 ml, insges. 30ml, beim Mittelbrand 10ml und beim Feinbrand 6 ml wegkippen?
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Re: Mein erster Rum - nach derwo

Beitrag von derwo » 7. Jul 2019, 21:38

Ja schade, daß deine Maischemenge und Kesselgröße nicht zusammenpassen.
Perfekt wäre zB, beim Feinbrand 9l 50vol% zu haben. Dafür brauchst du 45l Maische bzw 11.25l Melasse. Also mt deinen 20l Melasse wären zwei Feinbrände eine gute Lösung. Und 4 Mittelbrände und 9 Raubrände.

Ein zu leerer Kessel überhitzt Anhaftungen über der Maische. Es kann passieren, daß was kleben bleibt am Maischepegelrand. Dann leert sich der Kessel mit der Zeit, und das, was festgeklebt ist, verkokelt langsam. Also diese Gefahr ist natürlich primär beim Raubrand gegeben. Aber du hast da ja am Ende nur noch 3l im Kessel. Da ist die Oberfläche dann "Luftlinie" nicht weit von der Flamme. Und beim Feinbrand hast du nach dem Nachlauf nur noch 1l im Kessel. ich glaube nicht, daß das gut geht.

Bis zur Kante hat dein Kessel 12l Volumen?
Dann würde ich zwei Raubrände mit je 8l machen und die restliche Maische dazu verwenden, die nächste Maische zu starten.

Ich persönlich trenne bewußt bei Rum und Whisky erst beim letzten Brand ab. Es gibt aber auch andere Meinungen. Und ich würde beim Feinbrand nie mehr als 0.5% des Alkohols pauschal ohne sensorische Prüfung als Vorlauf abtrennen. Und ich hebe alles auf. Der allererste Vorlauf wird nur weggeschüttet, wenn ich mir sicher bin, daß ich aus den Resten nur Neutralalkohol machen möchte.
Bei einem Feinbrand mit so 50vol% im Kessel beginnen bei mir spätetstens ab 70vol% aktuellem Alkoholgehalt die Gläschen.

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Re: Mein erster Rum - nach derwo

Beitrag von azeotrop » 7. Jul 2019, 22:07

OK, ich hab ja keine Eile.
Ich brenne mit Rührwerk, aber mit dem Rand oben hast du recht.

Ich werde jetzt 2 x 8l Maische als Rauhbrand brennen. Wird ja nicht schlecht.
Mit den restlichen 4 Litern Maische starte ich nochmal insgesamt 16 Liter Maische.
Ich nehme dann neue Hefe und Nahrung für 16 Liter dazu, oder?
Das gibt dann nochmal 2 Rauhbrände á 8l.

Dann sollte ich mit 2 Mittelbränden und einem Feinbrand hinkommen, oder?

Ich werde auch erst beim Feinbrand abtrennen und mit dem Vorlauf auch genauer hinschauen und schmecken.
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Re: Mein erster Rum - nach derwo

Beitrag von derwo » 7. Jul 2019, 23:38

Oder mache jetzt noch 3x8l Maische. Also insgesamt dann 5 + 2 + 1 Brände. Dann kannst du beim nächsten Rum die restliche Melasse komplett aufbrauchen UND die Feints vom ersten Rum einschleusen, ohne ein Platzproblem zu bekommen.

Auf jeden Fall neuer Dünger, Kalk und Butter. Neue Hefe nur, wenn die Gärung nicht wieder startet. Kein Stress dann, falls das passiert. So schnell vergammelt eine Maische mit so hohem spez.Gewicht nicht. Die neue Hefe dann gut anfüttern, also auf den schon anwesenden Alkohol vorbereiten.

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Re: Mein erster Rum - nach derwo

Beitrag von azeotrop » 8. Jul 2019, 08:04

Ok
So mache ich das.
Da werde ich etwas zuheizen müssen bei den derzeitigen Temperaturen.
Vom Kalk hattest du im Rezept nichts geschrieben. Wieviel Gartenkalk pro 5l soll ich nehmen?
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Re: Mein erster Rum - nach derwo

Beitrag von derwo » 8. Jul 2019, 09:37

Ja sorry, kein Kalk... Als ich das Rezept gepostet habe, hab ich etwas überlegt, ob bei weichem Wasser vielleicht Kalk angebracht wäre. Ich selber hab hartes Wasser. Bin dann aber zu dem Schluß gekommen, daß es nicht nötig ist, das Rezept nur verkompliziert. Hatte vergessen, daß ich mich so entschieden hatte.

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Re: Mein erster Rum - nach derwo

Beitrag von azeotrop » 8. Jul 2019, 14:42

Ich habe sowieso sehr hartes Wasser. :+1:

Die zwei Rauhbrände sind durch. Ich hab gebrannt bis im Kessel so gut wie kein Alk mehr war (Destillat 5%vol).
Ich habe nichts abgetrennt. Während der ersten Tropfen konnte ich keinen Uhu riechen. Neue Nase kaufen?

Portion 1: 8l Maische ergab 2,75 l Produkt mit 30%vol
Portion 2: 8l Maische ergab 2,95 l Produkt mit 34 %vol

Daraus schließe ich dass Portion 1 ca. 10,3 %vol hatte und Portion 2 ca. 12,5%
Kann das hinkommen? :dontknow:

Die nächste Maische setze ich heute Abend an. Die Kesselrest habe ich gesammelt um Dunder zu basteln.

Mal sehen wie es weiter gehen wird.
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Re: Mein erster Rum - nach derwo

Beitrag von derwo » 8. Jul 2019, 17:57

Dann hatte die Melasse mehr Zucker als gedacht. Oder war das Destillat vom zweiten Lauf wärmer und du hast den vol%-Messwert nicht korrigiert? 12.5% für Backhefe durchgären bei dem hohen spez. Gewicht einer Melassemaische ist schon eine hohe Leistung. Und das auch noch sehr schnell. Zwei so unterschiedliche Ergebnisse sind aber schon seltsam. Ich frag mch da, wo der Fehler ist. (Mehr im Kessel gewesen? Doch weniger Destillat? Alkohlmeter ungenau? Keine Temperaturkorrektur gemacht?)

Jedenfalls bei 30 bzw 34% hättest du noch die Möglichkeit, doppelt brennen auszuprobieren. Wenn du beim Dreifachbrand bleibst, versuche die nächsten Läufe noch etwas weiter runterzubrennen. 10l kannst du beim Mittel- und Feinbrand ruhig im Kessel haben.

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Re: Mein erster Rum - nach derwo

Beitrag von azeotrop » 8. Jul 2019, 19:30

Gute Frage.

Den Alkoholwert habe ich nicht temperaturkorrigiert um auf der sicheren Seite zu liegen.
In beiden Fällen hatte das Destillat 21,3 °C, das hätte dann ja noch mehr Prozente ergeben, oder?

Bei der Kesselfüllung kann ich einen Fehler von bis zu einem halben Liter nicht ausschließen.
Damit würden die 12,5% schon mal auf 11,8% runterkommen.

Die Destillatmenge war sicher auf 100 ml genau. Das würde kaum was ausmachen.

Meine Spindel ist zwar mit gekauftem Alkohol überprüft, aber zusammen mit einem Ablesefehler kann ich sicher von einem Prozentpunkt Fehler ausgehen. Ich habe auch mit einer zweiten Spindel gegen geprüft.

Damit wären die 34% nur noch 33% und die 12,5% nur noch 11,45%.
Die anderen 10,3% sind ja auch nicht in Stein gemeisselt und könnten unter diesem Blickwinkel durchaus auch 11,45% sein.

Ob die Melasse viel Zucker hat kann ich nicht vergleichen.
Kannst du mit den Daten was anfangen?
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