Wie teste ich eine Reflux Destille?

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azeotrop
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Re: Wie teste ich eine Reflux Destille?

Beitrag von azeotrop » 29. Aug 2019, 11:33

Erster kleiner Erfolg.
Nun treten die Druckstöße viel weniger auf.
Unter 70%vol läuft alles problemlos, man kann aber hören dass die Maische stärker aufwallt je stärker der Alkohol ist den man einfüllt.
Mit reinem Spiritus treten Druckstösse auf, es spritzt aber nichts aus dem Schlauch. Man sieht aber Flüssigkeit im Schlauch hochsteigen (ca. 10cm über dem Deckel). Die Flüssigkeitshöhe schwankt im 2 sek. Rhythmus, solange Spiritus eingefüllt wird.
Zwischen Schlauch und Durchführungsrohr steigt Maische hoch und läuft auf den Deckel. Ich habe den Alkoholgehalt bestimmt, es ist nur die 10%ige Maische die es hochdrückt. Ca. 15 Sek. nach Beendigung der Spiritus Zufuhr hört die Erscheinung auf.

Ich werde versuchen die Temperaturisolierung weiter zu verbessern und dann berichten.

P.S. Eine ähnliche Erscheinung habe ich bemerkt nach dem Abstellen der Heizung.
Es läuft ja dann die Kolonne leer und kurz bevor sie leer wird, fangen die Druckstöße an. Es tritt also auch auf wenn der hochprozentige Alkohol von ganz oben in der Maische ankommt. Man hört deutliches Aufwallen der Maische und in meinem Schlauch pendelt der Wasserstand.
Nach kurzer Zeit ist der Spuk vorbei.
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Re: Wie teste ich eine Reflux Destille?

Beitrag von azeotrop » 6. Sep 2019, 11:12

Ich habe wieder viel dazu gelernt.
Wenn man mit null Erfahrung mit einer Boka startet, hat man halt keine Ahnung.

Ich weiß nun dass die Druckstöße davon kommen wenn die Kolonne anfängt zu fluten.
Das passiert wenn ich mit der Heizleistung zu hoch gehe, aber auch wenn ich das Destillat unverdünnt unverdünnt zurückführe.
Wenn die Kolonne kurz vor dem Fluten steht und ich hochprozentiges Destillat in den Kessel gebe, fängt die ganze Sache an sich aufzuschaukeln.

Ich habe dann einen Mechanismus gebastelt der das Destillat tropfenweise mit Wasser mischt bevor es in den Kessel zurückfließt.
An der Durchführung in den Kessel hab ich noch ein T-Stück mit einem senkrechten Schlauch angebracht.
Wenn die Kolonne flutet entsteht im Kessel ein Überdruck und der Kesselinhalt wird durch Schlauch nach oben gedrückt.
Über die Höhe des Flüssigkeitstandes über dem Spiegel im Kessel kann ich den Druck im Kessel ermitteln.
1 cm Wassersäule ist ungefähr 1mbar.
Wenn die Kolonne ohne Flutung stabil läuft habe ich im Kessel ca. 4 mbar Überdruck.
Wenn die Kolonne anfängt zu fluten steigt die Flüssigkeit im Schlauch auf ca. 25 cm über die Oberfläche an, das sind etwa 25 mbar.
Mein Schlauch ist also ein einfaches Wasser-Manometer.

Das verdünnte Rückführungsdestillat verursacht nun keinen Geysir mehr, und ich kann mit der Leistung spielen. Ich sehe ja den Druckanstieg kommen, schon bevor die Kolonne richtig flutet.

Damit muss ich mich noch ausführlich beschäftigen. Vorher fahre ich erstmal eine Woche in Urlaub.
Hier habe ich noch Fotos vom derzeitigen Aufbau.

Der "Destillatverdünnungstropfer"
IMG_5117.jpeg
IMG_5116.jpeg

Das "Wasser-Manometer"
IMG_5119.jpeg
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Re: Wie teste ich eine Reflux Destille?

Beitrag von derwo » 7. Sep 2019, 11:45

Daß du Wasser zufügst (wenn auch nur minmal), ist halt etwas schade, ist ja ein Kompromiss und verfälscht das Ergebnis.
Ließe es sich nicht dadurch vermeiden, daß du Veränderungen am Produktventil nur ganz langsam machst? Daß also, wenn du mit 100% Reflux aufhörst, erstmal nur so 1 Tropfen pro Sekunde zurückleitest, bis sich die Destille "daran gewöhnt hat"? Es ist ja so: Der direkte Rückfluss des hochprozentigen Alks erniedrigt den Siedepunkt des Kesselinhalts. Er wäre also dann heißer als sein Siedepunkt. Das geht natürlich nicht. Diese zusätzliche Energie wird also schlagartig in Verdampfung umgesetzt. Dadurch wird die Flüssigkeit in der Kolonne vom starken Dampfstrom hochgedrückt, sie fließt nicht mehr zurück, die Kolonne flutet. Auch wenn sie nicht ganz flutet, ihre Performance wird auf jeden Fall beeinträchtigt. (Was aber übrigens interessante Einblicke bringen könnte, ob deine Kolonne perfekt ausgelastet ist, also die Packung mit der richtigen Leistung gefüttert wird.).
Das sollte sich aber durch nur langsames Verändern des Rückflusses verhindern lassen. Dann dauert die Stabilisierung nicht lange. Stabilisierung meint, daß der Alkoholgehalt im Kessel stabil ist. Daß also die Mengen an Wasser und Alkohol, die verdampfen, den entsprechen, welche von der Kolonne plus deinem zusätzlichen Rückfluss zurückkommen.

Und dann könntest du den Liebig auch direkt mit einem Schlauch an den Deckelduchgang montieren, nicht den Umweg über die Vorlage nehmen. Wäre die sauberste Lösung.

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Re: Wie teste ich eine Reflux Destille?

Beitrag von azeotrop » 18. Okt 2019, 21:47

Ich habe in der Zwischenzeit einige Umbauten vorgenommen um ein stabileres Arbeiten zu gewährleisten.

Mir ist aufgefallen dass die Temperaturmessung an meiner Boka nicht völlig stabil ist.
Bei Änderung der Kühlwassermenge des Refluxkondensators ändert sich die angezeigte Temperatur um 0,2 Grad.
In der Nähe des Azeotrops sind das Welten.
Das hat damit zu tun dass da Thermometer zwar geschützt unter der untersten schrägen Platte steckt, aber doch von Änderungen der Blechtemperatur beeinflusst wird.
Ich habe in anderen Beiträgen gelesen dass der Einbau einer externen Rückflussleitung die Situation verbessern soll.
Gleichzeitig soll dieser Umbau dafür sorgen dass der Reflux schöner zentriert auf die Mitte der Packung trifft, statt herumzuspritzen und die Wände zu benetzen.
Damit ich das sehen kann, habe ich mir ein Glasrohr gebaut und den Boka Head draufgesteckt.
Von oben lasse ich Leitungswasser drauf laufen, um den Kondensatstrom des Reflux Kondensators nachzubilden.

Hier ist ein Video des Tests:

Ich meine alleine durch die bessere Reflux Zentrierung hat sich der Umbau schon gelohnt.
Wenn ich nochmal eine Boka neu baue, werde ich natürlich viel kürzer bauen können. Aber als nachträgliche Änderung scheint mir meine Lösung sehr einfach zu sein.
Ob das Thermometer Problem behoben ist, werde ich als nächstes testen.

Hier sind noch ein paar Fotos.
IMG_5248.jpeg
IMG_5251.jpeg
IMG_5250.jpeg
Zuletzt geändert von azeotrop am 19. Okt 2019, 00:09, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wie teste ich eine Reflux Destille?

Beitrag von derwo » 18. Okt 2019, 21:55

Aaaah, schönes Video!
Hast du mal ausprobiert, wie sich die Anlage nun verhält, wenn du das Ventil ganz aufdrehst? Also ohne Reflux? Ist der Destilatfluß stabil? Kommt doch hin und wieder ein Schwall oder Tropfen durch den Return zurück in die Kolonne?

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Re: Wie teste ich eine Reflux Destille?

Beitrag von azeotrop » 18. Okt 2019, 22:18

Mit meiner Wasserleitung funktioniert das problemlos.
Allerdings würde ich gerne noch das Ganze bei einer echten Destillation sehen wollen.
Ethanol ist ein zähflüssiges Zeugs im Vergleich zu Wasser.
Ich werde berichten. Dann weiß ich auch was das Thermometer macht.
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Re: Wie teste ich eine Reflux Destille?

Beitrag von BenDunker » 19. Okt 2019, 11:20

Sehr schönes Video, danke dafür! Gute Motivation für meinen Bau und eine tolle Bestätigung wofür das alles gut ist!
Die Bitterkeit der schlechten Qualität bleibt lange nach dem Vergessen der Süße des niedrigen Preises bestehen.
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Re: Wie teste ich eine Reflux Destille?

Beitrag von azeotrop » 19. Okt 2019, 19:38

Heute habe ich das ganze mal bei einer Wasserdestillation getestet.

Das Thermometer steht seit dem Umbau auf externen Reflux wie eine eins.
Die Abhängigkeit von Kühlwassermenge und Heizleistung ist völlig verschwunden.

Danach habe ich den Reflux beobachtet, so wie er wirklich vom Kondensator durch den Boka Head läuft.
Wie schon auf meinem Video zu sehen ist der Auslauf ein schöner zentrierter Strahl wenn er auf die Packung trifft.

Bei bestimmten Refluxmengen fing der Strahl an sich im Sekundenrythmus periodisch ein und auszuschalten.
Auf der schrägen Platte stieg der Pegel minimal an während nichts ablief, und dann lief alles schlagartig auf einmal ab. So wie abgesaugt.

Ich nehme an das kommt davon dass ich das 8mm Röhrchen innen nach dem Knick einige cm vertikal nach unten eingebaut hatte.
Wenn in dem Röhrchen eine gewisse Menge Flüssigkeit angekommen war und in den senkrechten Teil eintrat, lief es sehr schnell nach unten ab und erzeugte einen Unterdruck der das Rohr bis zur Platte leersaugte.

Mit etwas mehr oder weniger Flüssigkeitsmenge verschwand die Erscheinung.

Ich bohrte dann mit einem langen 3 mm Bohrer von unten in das 8 mm Röhrchen so dass oben am Knick ein Loch entstand.
Dieses Loch sollte den Unterdruck verhindern.
Es hat auch prima geklappt. Die Oszillation ist komplett verschwunden und der Strahl läuft völlig gleichmässig von null Reflux bis maximalem Reflux.
IMG_5262.JPG
Ich habe auch getestet ob mit völlig offenem Nadelventil noch ein Rest an Flüssigkeit auf die Packung läuft.
Beim ersten Versuch sah ich dass unabhängig von der Heizleistung das Glas über der Packung leicht mit Flüssigkeitsschlieren überzogen blieb.
Das lag daran dass der Boka Head nicht isoliert war und leichte Zugluft den Dampf am Kupferrohr unterhalb der schrägen Platten kondensieren liess.
Als ich den Boka Head in Handtücher eingewickelt hatte, lief an der Glaswandung kein Tropfen mehr herunter, wenn das Ventil völlig offen war.
In einem weiteren Test (ohne Heizung) habe ich den Refluxkühler abgenommen und von oben kontrolliert Wasser einlaufen lassen.
Bis zu einer Menge von 350ml pro min lief alles aus dem Nadelventil und nichts auf die Packung.
Eine solche Menge werde ich bei einer 54mm Destille nie im Betrieb erleben.

Ich habe dann den Kondensator wieder aufgesetzt und nochmal kräftig geheizt. Die Verteilung zwischen Refluxmenge und Produktentnahme erfolgt völlig gleichmäßig und präzise. Der Reflux läuft immer als sauberer dünner Strahl in der Mitte auf die Packung. Bei starker Entnahme und geringer Refluxmenge wird der Strahl natürlich dünner und unruhiger. Aber es läuft nichts am Rohr selbst entlang hinunter.

Als Letztes habe ich noch (ohne Heizung und mit abgezogenem Kondensator die Poolmenge bestimmt.
Dafür habe ich bei geschlossenem Ventil Wasser von oben eingegossen so dass alles überlief.
Dann habe ich gewartet bis alles abgetropft war und dann das Ventil geöffnet. Es liefen 6 ml raus.

Als Vergleich habe ich den externen Reflux verstopft und den Versuch wiederholt. Nun stand natürlich der Pegel auf der Platte höher, dafür bildete meine externe Refluxleitung keinen Zusatzpool mehr. Es liefen 9,5 ml raus.

Mein Umbau hat zwar den Pool leicht reduziert, aber nicht dramatisch.
Wenn man eine Boka neu baut, wird man den externen Reflux natürlich auf einem viel kürzeren Weg wieder zur Packung leiten.
Ich bin sicher dass man dadurch den Pool auf wenige ml verkleinern kann.
Bei meiner fertigen Boka wollte ich nicht mehr so nahe an den Platten löten und musste auf die längere Leitungsführung ausweichen.

Ich bin zufrieden dass meine Probleme nun weg sind, ich ich mich wieder auf die Testerei der gesamten Destille stürzen kann.
Ich habe schon einiges gemacht und werde bald berichten.
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Re: Wie teste ich eine Reflux Destille?

Beitrag von derwo » 19. Okt 2019, 21:39

azeotrop hat geschrieben:
19. Okt 2019, 19:38
Das Thermometer steht seit dem Umbau auf externen Reflux wie eine eins.
Die Abhängigkeit von Kühlwassermenge und Heizleistung ist völlig verschwunden. Die Abhängigkeit von der Heizleistung kann mit Alkohol aber wieder kommen. Aber dann weißt du, daß wenn die Temperatur sinkt, arbeitet die Kolonne effektiver.

Bei bestimmten Refluxmengen fing der Strahl an sich im Sekundenrythmus periodisch ein und auszuschalten.
Auf der schrägen Platte stieg der Pegel minimal an während nichts ablief, und dann lief alles schlagartig auf einmal ab. So wie abgesaugt. Eine Luftblase verstopft den Abfluß. Dann steigt der Druck und schubst sie unten raus. Dann reicht die Destillatmenge nicht mehr aus, komplett die Röhrchen zu füllen, Luft tritt ein, verstopft alles, der Druck steigt, schubst sie wieder raus usw...

Ich nehme an das kommt davon dass ich das 8mm Röhrchen innen nach dem Knick einige cm vertikal nach unten eingebaut hatte. Dieses Rohr zu kürzen, würde was verändern. In welche Richtung genau, wage ich aber nicht vorherzusagen. Vielleicht schnellere und damit weniger störende Intervalle, und diese Probleme in einem anderen Strömungsmengenbereich.

Mit etwas mehr oder weniger Flüssigkeitsmenge verschwand die Erscheinung. Bei weniger Leistung gibt es freie Bahn für die Luft, bei mehr Leistung ist alles komplett mit Destillat gefüllt. Die Probleme treten nur in dem Leistungsbereich auf, wo das Destillat Raum lässt, aber nicht genug für frei strömende Luft bzw Dämpfe. Was dann genau passiert, kann man nur schwer vorhersagen.

Ich bohrte dann mit einem langen 3 mm Bohrer von unten in das 8 mm Röhrchen so dass oben am Knick ein Loch entstand.
Dieses Loch sollte den Unterdruck verhindern.
Es hat auch prima geklappt. Die Oszillation ist komplett verschwunden und der Strahl läuft völlig gleichmässig von null Reflux bis maximalem Reflux. Super Idee. Aber wer weiß, vielleicht ist das Problem dann bei einem anderen Leistungsbereich da. Kann dir aber ja egal sein. Aber vielleicht ist bei Alkohol der Leistungsbereich, der Probleme macht, woanders? Ziemlich sicher sogar, denn pro Watt kommt ja mehr Destillat, je mehr Alkohol dabei ist.

Ich habe auch getestet ob mit völlig offenem Nadelventil noch ein Rest an Flüssigkeit auf die Packung läuft. Bei Ethanol im Kessel wirst du mehr Flüssigkeit haben, es könnte also doch noch passieren.

Bis zu einer Menge von 350ml pro min lief alles aus dem Nadelventil und nichts auf die Packung.
Eine solche Menge werde ich bei einer 54mm Destille nie im Betrieb erleben. Ok. Schaut eher nicht danach aus, daß es bei Alkohol Probleme geben wird.

Ich bin zufrieden dass meine Probleme nun weg sind, ich ich mich wieder auf die Testerei der gesamten Destille stürzen kann.
Ich habe schon einiges gemacht und werde bald berichten. Wir freuen uns drauf.

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Re: Wie teste ich eine Reflux Destille?

Beitrag von BenDunker » 19. Okt 2019, 22:40

Großartig ihr Beiden! Meine Güte! German Engineering, diese Präzision und Verständnis für technische Abläufe selbst im kleinsten Detail muss "uns" / euch erstmal einer Nachmachen. Gratulation, ich ziehe voller Respekt den Hut vor euch beiden!
Das Thermometer steht seit dem Umbau auf externen Reflux wie eine eins.
Die Abhängigkeit von Kühlwassermenge und Heizleistung ist völlig verschwunden. Die Abhängigkeit von der Heizleistung kann mit Alkohol aber wieder kommen. Aber dann weißt du, daß wenn die Temperatur sinkt, arbeitet die Kolonne effektiver.
Wir werden später noch einmal über die richtige Platzieren des oder der Thermometer reden, ich sehe ein neues Thema entstehen. Auch die Idee anstelle drei Sichtgläsern um die Wasser Kondensation verfolgen zu können, mehr als nur ein Thermometer zu verbauen finde ich sehr interessant um den Beginn der Tails präzise bestimmen und über die Kolonne verfolgen zu können. Wie gesagt, ein anderes Thema.
Ich bohrte dann mit einem langen 3 mm Bohrer von unten in das 8 mm Röhrchen so dass oben am Knick ein Loch entstand.
Dieses Loch sollte den Unterdruck verhindern.
Es hat auch prima geklappt. Die Oszillation ist komplett verschwunden und der Strahl läuft völlig gleichmässig von null Reflux bis maximalem Reflux.
Super Idee. Aber wer weiß, vielleicht ist das Problem dann bei einem anderen Leistungsbereich da. Kann dir aber ja egal sein. Aber vielleicht ist bei Alkohol der Leistungsbereich, der Probleme macht, woanders? Ziemlich sicher sogar, denn pro Watt kommt ja mehr Destillat, je mehr Alkohol dabei ist.
Das ist wirklich eine super Idee. Die Frage ist nur würdet ihr das bei einem kompletten Neubau auch so lösen oder kann man bei einer Neu-Konstruktion das Problem von Vornherein besser lösen?

@Azeotrop: 10ml ist schon super, 6ml ist großartig. well done!
Zuletzt geändert von BenDunker am 20. Okt 2019, 12:07, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wie teste ich eine Reflux Destille?

Beitrag von azeotrop » 20. Okt 2019, 09:30

Ben

Bei einem Neubau würde ich die Idee von der wo umsetzen.
Leicht zu bauen und ziemlich am Optimum. Das erste Bild aus diesem Beitrag: viewtopic.php?f=29&t=370#p4863
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Re: Wie teste ich eine Reflux Destille?

Beitrag von derwo » 20. Okt 2019, 13:52

BenDunker hat geschrieben:
19. Okt 2019, 22:40
Auch die Idee anstelle drei Sichtgläsern um die Wasser Kondensation verfolgen zu können, mehr als nur ein Thermometer zu verbauen finde ich sehr interessant um den Beginn der Tails präzise bestimmen und über die Kolonne verfolgen zu können.
In der Praxis ist man bei der Abtrennung aber dann doch recht schnell an einem Punkt, wo nur noch Nase und Zunge zählen. Also irgendwo bringen dann weitere Verkomplizierungen nichts mehr.

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Re: Wie teste ich eine Reflux Destille?

Beitrag von azeotrop » 20. Okt 2019, 17:11

Ich habe heute einen echten Destillationslauf gemacht. Auch hier arbeitet alles wie gewünscht.
Ich denke das passt so.

Jetzt mache ich mal weiter meine Destille zu erforschen. Das Spiel mit Heizleistung und Entnahme will ich genau verstehen. Auch ab wann es zu wenig Leistung ist. Ebenso wann die Packung flutet und wie das genau abläuft.

Dafür habe ich mir ja das Stück Glasrohr gebaut um durch Hinschauen was zu lernen.
Im Moment ist alles noch etwas verwirrend.

Leider habe ich durch Dummheit das Rohr auf einer Seite angebrochen und bringe es nicht mehr ganz dicht.
Das ist mir in Verbindung mit dem Gasbrenner doch zu riskant.
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Re: Wie teste ich eine Reflux Destille?

Beitrag von azeotrop » 27. Okt 2019, 20:17

Ich habe mir nun ein neues Schauglas gebaut und konnte etwas ausführlicher testen.

In dem Video sieht man ganz gut wie mit höherer Leistung sich die Flutung andeutet und gegen Ende wie man mit zu starker Produktentnahme das Gleichgewicht zerstört wird und die Destille "abstürzt".

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Re: Wie teste ich eine Reflux Destille?

Beitrag von derwo » 27. Okt 2019, 21:53

Schaut sehr gut aus.
Anscheinend läuft sie mit kleiner Leistung etwas schlechter als mit mittlerer und großer. Die Temperatur ist ja etwas höher bei kleiner Leistung. Das bestätigt meine Erfahrung.
Das Hüpfen der Packung bei großer Leistung zeigt wohl dann die Leistungsgrenze an. Zumindest bei 100% Reflux. Vielleicht war es da ganz gut, daß du oben auf die Packung keinen Schrubber stecken hast. Denn das Hüpfen schafft ja Erleichterung jedesmal. Andererseits, wenn ein SPP in den Produktweg hüpfen oder geschwemmt werden sollte, wäre das ärgerlich. Ist aber wohl sehr unwahrscheinlich.
Die 77.3°C, wenn sie denn genau sind, sind ein tolles Ergebnis. Besser als bei mir. Aber gut, deine Kolonne ist ja auch deutlich länger als meine.
Ob die Destille bei deiner "mittleren Entnahme und mittlere Leistung" die 77.3°C lange aufrechterhält, bin ich ein bisschen skeptisch. Die Packung schaut etwas leer dabei aus. Wenn du solche Mengen abziehst, könntest du die Leistung wieder hochfahren, bis die Packung wieder ähnlich ausschaut wie bei "mittlerer Leistung ohne Entnahme".

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Re: Wie teste ich eine Reflux Destille?

Beitrag von azeotrop » 27. Okt 2019, 22:11

Für mich ist das Alles ja Neuland.
Ich bin sehr froh über mein Schauglas.
Das hilft mir sehr die Abläufe zu beobachten.
Ich glaube ich brauche noch viele Fahrstunden auf dem Gerät.
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Re: Wie teste ich eine Reflux Destille?

Beitrag von derwo » 28. Okt 2019, 00:09

Aber keine reine "Trainigsläufe".
Was ausprobieren und munter am Ventil und der Heizleistung drehen, ok. Aber das kannst du prima mit der Produktion von Neutralalk verbinden.

Und dann probier mal einen Geist im Einmalbrennverfahren. Und dabei, die Temperatur auf so 87°C steigen zu lassen und dann dort zu halten.

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Re: Wie teste ich eine Reflux Destille?

Beitrag von azeotrop » 28. Okt 2019, 08:42

Wie halte ich die Temperatur auf 87 Grad?
Leistung oder Produkt?

EDIT: Eigenes Denken hilft. Das entspricht ja einer normalen Potstill mit etwas Rektifikation.
Also, Ventil voll auf und die Destillatmenge über die Heizleistung steuern. Wenn die Temperatur wegen des abnehmenden Alkoholgehalts im Kessel steigen will, das Ventil langsam schliessen um die Rektifikation etwas zu erhöhen Oder? :dontknow:
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Re: Wie teste ich eine Reflux Destille?

Beitrag von derwo » 28. Okt 2019, 11:22

Ich habe hier gerade eine Anleitung zum Geisten mit LM geschrieben. Ins Forum "Geiste/Gin" passt es besser hin als hier.

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Re: Wie teste ich eine Reflux Destille?

Beitrag von azeotrop » 28. Okt 2019, 11:49

Danke :+1:
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Re: Wie teste ich eine Reflux Destille?

Beitrag von aragones » 28. Okt 2019, 15:48

Hallo Azeotrop,
erst mal Glückwunsch zu der gelungen Destille und der Kolonne mit dem Glasrohr. ..Du siehst mich vor Neid erblasst.
Falls Du den Wunsch hegen solltest Details , speziell zu dem Glasrohr und zu der Abdichtung etc.zu teilen wäre ich und ich denke viel andere auch Dir sehr verbunden.

Vielen Dank auch für die Berichte und vor allem die Videos- die helfen wirklich nach all der vielen Theorie hier zu verstehen und sich vorzustellen was da wirklich so in der Kolonne so abgeht!

Hut ab und weiter so !

Gruß Aragones.
Habe die Ehre Herr Geheimbrannt!

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Re: Wie teste ich eine Reflux Destille?

Beitrag von azeotrop » 28. Okt 2019, 17:59

Aragones
Danke für die netten Worte.
Ich schreibe gerne einen separaten Beitrag über das Glasrohr. Ich freue mich wenn sowas jemand interessiert.
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Re: Wie teste ich eine Reflux Destille?

Beitrag von BenDunker » 29. Okt 2019, 04:13

ich kann mich nur an Aragones anschließen, glücklicherweise habe ich in diesem Thema auch eine Frage formuliert und nun werde ich an neue Beiträgen in diesem Thema erinnert. Was für eine Bereicherung. Wie ihr ja wisst stehe ich noch sehr in den Anfängen und warte auf ein bisschen Hobby-Geld um meine Teile zu bestellen, aber in der Lage zu sein deine Videos zu sehen und euere Erfahrungen zu lesen, ist für mich nicht nur unglaublich spannend sondern ich freue mich jedes Mal über einen neuen Beitrag. Also nur weiter so, ich habe in all meinen Englisch sprachigen Foren nicht annähernd so eine Ingenieur-Präzision finden können. Vielen vielen Dank für alles was ihr mit uns teilt!
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