Erster Eigenbau einer Destille

Schnäpslä
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Erster Eigenbau einer Destille

Beitrag von Schnäpslä » 25. Mär 2020, 15:25

Hallo zusammen
Ich bin ganz neu auf dem ganzen Gebiet, möchte mir dann im Sommer gerne meine erste Maische ansetzen und diese dann auch selber brennen.
Seit also bitte etwas gnädig mit mir ;)

Bei der Planung stehe ich bereits bei der Wahl des Behälters für die Brennblase an. Ich habe einen Doppelwandigen Thermobehälter gesehen (wie im angehängten Bild zu sehen), die bereits einen super verschliessbaren Deckel hätte, da müsste man also schon mal nicht mehr gross herumbasteln. Die wären auch in verschiedensten Grössen erhältlich. Ich bin mir nun aber überhaupt nicht sicher, ob dies mit der Doppelwandigkeit ein Problem ist oder gegebenenfalls sogar ein Vorteil (betreffend Anbrennen)?

Kann mir da evtl. jemand weiterhelfen?

Vielen Dank Euch.
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Doppelwandiger Thermobehälter.jpg

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geschmacksverderber
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Re: Erster Eigenbau einer Destille

Beitrag von geschmacksverderber » 25. Mär 2020, 15:46

Hallo schnäpslä,
Herzlich willkommen.
Wie wird dein doppelwandiger Behälter beheizt?,
Mit was ist der Zwischenraum zwischen den zwei Behältern gefüllt?
VG vom Geschmacksverderber
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derwo
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Re: Erster Eigenbau einer Destille

Beitrag von derwo » 25. Mär 2020, 16:39

Hallo schnäpslä,

ich denke, meine Bedenken sind dieselben wie die von geschmacksverderber. Der Topf ist nur zum Warmhalten gedacht. Wenn er auch am Boden doppelwandig ist, kannst du ihn nicht beheizen, wenn dort nur einwandig, dann wäre zumindest Gasflamme möglich. Zumindest wenn zwischen den Wänden nur Luft ist. Ist der Deckel auch doppelwandig? Dann wird die Deckeldurchführung auch nicht ganz normal ablaufen. Und selbst wenn das alles passt, hättest du nur eine Isolierung, keine bessere Wärmeverteilung wie bei einer Destille mit Dampfmantel zum Beispiel. Und die Gummidichtung muss eh ersetzt werden.

Also ein bisschen viele Fragezeichen, nur um den Deckel schön dranklipsen zu können (wenn das dann mit einer anderen Lösung als der Gummidichtung dann überhaupt dicht ist ohne weitere Clips dranzuschweißen). Und den Deckel dicht draufzubekommen, ist kein großes Problem, wenn man die richtigen Sachen kauft.
Daher empfehle ich dir einen ganz normalen Edelstahltopf mit Edelstahldeckel. Viel Teflonband und rundherum und mit Binderclips zusammengedrückt.
ZB hier:
viewtopic.php?f=24&t=45
Auch andere hier haben das inzwischen erfolgreich umgesetzt. Seleni zum Beispiel hier: viewtopic.php?f=24&t=160

Schnäpslä
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Re: Erster Eigenbau einer Destille

Beitrag von Schnäpslä » 25. Mär 2020, 17:55

Hallo zusammen
Erstmal vielen Dank für eure Antworten.
Dann wird es also doch ein ganz gewöhnlicher Kochtopf. :)

Was denkt Ihr denn über die Grösse? Ich dachte mir, wenn ich schon eine Destille baue, dann auch gleich eine anständig grosse. Also sprich mit einem 50 oder 70 Liter Topf. Ist das übertrieben? Hat eine zu grosse Brennblase dann riesen Nachteile? Also sollte man darauf achten, dass die Brennblase immer zu mindestens einem gewissen %-Satz gefüllt ist? Oder kann mann auch mal nur 1/3 der Kapazität reinpacken und brennen?
Ich denke, ich würde das ganze dann mit Gas erhitzen, nur so falls dies von Interesse ist.

Vielen Dank für eure Hilfe.

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derwo
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Re: Erster Eigenbau einer Destille

Beitrag von derwo » 25. Mär 2020, 18:57

Die Frage nach der Größe ist am Anfang eine der schwierigsten. Hier habe ich mal versucht, eine Hilfestellung zu geben:
viewtopic.php?f=7&t=21

Man kann dieses Hobby mit einer sehr kleinen oder sehr großen Brennblase betreiben. Mit 50 oder 70 liter hättest du hier jedenfalls eine der größten.

Wenn du bei einem Feinbrand sagen wir mal 30vol% im Kessel hast und ihn nur 1/3 befüllst, wirst du am Ende des Feinbrands nur noch 1/6 Füllung haben. Bei einem Raubrand hängt es sehr davon ab, was du erreichen willst. Da hast du danach noch so 1/4 - 1/5 drinnen. Zumindest bei Gas kann es dann sogar oberhalb der Maische anbrennen. Also am langsam sinkenden Füllstand pappt am Topf was fest und wird langsam dunkler und dunkler.
Also du solltest schon normalerweise den Kessel zu 2/3 oder 3/4 füllen. Das klappt in der Praxis, wo man normalerweise mehrfach brennt, entweder mit mehreren Kesseln (zB einen großen für Raubrände und einen kleineren für Feinbrände) oder indem man die Raubrände aufteilt (also zB drei Raubrände und einen Feinbrand. Oder fünf Raubrände, zwei Mittelbrände und einen Feinbrand). Das sollte mit deinen Maischemengen zusammenpassen bzw mit deinen Gärbehältern. Das sind schwere Entscheidungen, ich weiß. Ich habe einen 17l -Topf, den ich bei Raubränden mit so 12l befülle. Da ich oft dreifach brenne, vergäre ich meist in dem Bereich 60l.

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Re: Erster Eigenbau einer Destille

Beitrag von geschmacksverderber » 25. Mär 2020, 19:12

Wenn du absoluter Neuling bist würde ich nicht mit einem 50liter topf anfangen.
10 maximal 15 Liter Topf finde ich für einen Anfänger absolut ausreichend. Wenn alles so funktioniert wie du es dir wünschst dann kannst du in die nächste klasse aufsteigen. Den "kleinen" topf aber trotzdem behalten für die kleinen maischemengen oder testmaischen.
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Re: Erster Eigenbau einer Destille

Beitrag von Schnäpslä » 25. Mär 2020, 19:23

:problem: :crazy: :eh:
Ok, ich danke euch. Ich dachte ich hätte eigentlich schon viel über das ganze Thema gelesen, aber wenn ich jetzt so eure Antworten lese bin ich mir nicht mehr sicher ob ich das brennen wirklich hinkriege :dontknow:

Aber mal schauen, vielleicht verstehe ich es besser wenn ich mich hier noch mehr durch das Forum durchlese.

Nochmals vielen Dank für eure Antworten. Ich wünschte, ich hätte euer Wissen :mrgreen:

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Re: Erster Eigenbau einer Destille

Beitrag von Catweazle » 25. Mär 2020, 19:49

Hallo schnäpsla, ich hab einen 50 Liter Kessel und der ist oft zu groß. Deswegen hab ich noch passend dazu einen 15 Liter und einen 7,5 Liter Topf. Es passt immer der gleiche Brennhut auf die Töpfe.
Es ist ein Brauch von alters her:
Wer Sorgen hat, hat auch Likör.

Quelle: Wilhelm Busch, Bildergeschichten. Die fromme Helene,1872

Schnäpslä
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Re: Erster Eigenbau einer Destille

Beitrag von Schnäpslä » 25. Mär 2020, 20:00

Hallo Catweazle
Ja ich hab deinen Beitrag zu deinen allround Destillen gelesen :) Das ist natürlich die Luxusvariante ;)
Aber danke für den Hinweis. Ich werde definitiv mit einem kleineren Topf anfangen, halt ohne so einen super Brennhut und nur mit dem normalen Deckel, aber ich muss das ganze zuerst mal ausprobieren und verstehen :)
Anschliessend kann ich mir dann immer noch eine bessere Destille bauen.

Danke für die Tipps.

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Re: Erster Eigenbau einer Destille

Beitrag von geschmacksverderber » 25. Mär 2020, 21:10

Wenn du gerne auf Flohmärkte gehst schau mal nach einen kupfertopf, am besten einer so in der Art wie auf dem Jahrmarkt wo die gebrannten mandeln drin gemacht werden. Vielleicht findest du ja was passendes in kleiner Größe.
Ich habe so etwas, habe den Topf mit einem großen Gasbrenner (für Dachpappe) weich geglüht, den umgebördelten Rand zurück gebördelt damit ich eine relativ plane auflagefläche habe. Ich dichte immer noch den Deckel mit der guten alten mehlpampe zum Topf am. Damit das ganze richtig zusammenhält ziehe ich durch die Griffe vom Topf und über den Kupferhut noch ein ratschenspannband drüber und dann hält das ganze bombenfest.

Ach und wenn du meinst du schaffst das mit dem brennen nicht, wir haben alle klein angefangen und aus den Fehlern gelernt oder uns in Foren ganz viel wissen angelesen um dann doch Fehler zu machen.

Und wenn mal was schiefgeht, Alkohol für die Scheibenwaschanlage kann man im Winter immer gebrauchen.
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Re: Erster Eigenbau einer Destille

Beitrag von Seleni » 26. Mär 2020, 08:50

Hallo Schnäpsle

ich habe eine 15 Liter Anlage. Die reicht mir vollkommen.

Was hast du für Ansprüche, was und wieviel willst verarbeiten?

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Re: Erster Eigenbau einer Destille

Beitrag von Schnäpslä » 26. Mär 2020, 12:43

Hallo Seleni
Ja deinen Beitrag habe ich gelesen und sehr viel nützliches daraus nehmen können. Vorallem auch wegen dem Liebigkühler. Leider hab ich bis jetzt "nur" max. 28mm Kupferrohre gefunden, aber ich denke das sollte auch reichen. Vielen Dank für deinen Beitrag erstmal!
Ich werde als erstes mal einen Zwetschgenbrand probieren. Viel mehr weiss ich im Moment noch nicht oder kann ich noch nicht sagen, das ist das erste mal dass ich mich mit dem ganzen versuche. Auch die Menge kann ich noch nicht sagen, kommt drauf an was unser Zwetschgenbaum dann her gibt im Sommer.
Ich denke aber es wird auch ein Topf von 15-20 Liter werden.

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Re: Erster Eigenbau einer Destille

Beitrag von Schnäpslä » 26. Mär 2020, 15:54

Was haltet Ihr eigentlich davon, das ganze dann mit einem Holzherd zu betreiben? Darüber hab ich im Forum hier leider noch nichts gelesen. Viele benutzen ja eine Elektro-platte/-herd, da ich das ganze aber eher draussen machen möchte, wollte ich eigentlich mit Gas und Brenne arbeiten, aber jetzt kam mir die Idee mit dem Holzherd, was denke ich auch etwas kosten-effizienter wäre...

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Re: Erster Eigenbau einer Destille

Beitrag von derwo » 26. Mär 2020, 17:27

Dagegen spricht nur, daß die kleineren und größeren Schwierigkeiten am Anfang dich noch etwas mehr treffen werden. Denn du kannst die Heizleistung nicht so schnell anpassen. Das bedeutet:
- Überschäumen
- Anbrennen
- Zu schnelle Vorlaufabtrennung
- Zeitverlust durch übervorsichtiges Aufheizen
- Durch den Holzfeuergeruch noch schlechtere Einschätzung der Fraktionen während des Brennens.

Mit Erfahrung bleibt dann von den Problemen nur übrig, daß du relativ langsam Aufheizen musst, da du die Energie ja nicht mal eben ausschalten kannst, wenn die ersten Tropfen kommen. Bzw mit einem kleinen Eimer Wasser lässt sich das schon machen.
Und du wirst halt alle Entscheidungen erst nach dem Brennen treffen können, also den Brand nacheinander in kleine Gläschen aufteilen. Aber das sollte man ja eigentlich eh machen, auch mit Herdplatte.

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Re: Erster Eigenbau einer Destille

Beitrag von geschmacksverderber » 26. Mär 2020, 17:30

Denk daran das du mit hochentzündlichem Alkohol und bei Undichtigkeiten noch hochentzündlicher alkoholdampf arbeitest. Einen Gasbrenner kann man relativ schnell ausschalten, mit dem Holzofen wird das problematischer.
Außerdem dürfte die temperaturregelung auf dem direkten Holzfeuer nicht so einfach sein.
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Re: Erster Eigenbau einer Destille

Beitrag von geschmacksverderber » 26. Mär 2020, 17:33

Und bevor du im Herbst mit Pflaume anfängst und du eine Bruchlandung hinlegst Probier doch zuerst mal wie wir alle am Anfang die ganz einfache zuckermaische um neutralalkohol herzustellen.
Zuletzt geändert von geschmacksverderber am 26. Mär 2020, 18:05, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Erster Eigenbau einer Destille

Beitrag von derwo » 26. Mär 2020, 17:38

Stimmt, die Feuergefahr. Dafür kann man aber draußen löschen, ohne die Wohnung danach renovieren zu müssen.

Ein Hinweis noch: Alkoholflammen sind bei Tageslicht vollkommen unsichtbar. Ein Brand wird meistens erst dann bemerkt, wenn zB eine Isolierung oder das Plastikgehäuse vom Thermometer schmilzt.
Sehr sinnvoll ist eine Kapselung des Kessels, welche die Hitze beim unteren Teil des Topfes hält. Also wenigstens ein paar Backsteine oder vielleicht sogar was aus Metall.

Und auch da hat geschmacksverderber recht. Mache erstmal Zuckermaische.

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Re: Erster Eigenbau einer Destille

Beitrag von Schnäpslä » 26. Mär 2020, 18:54

:shock: ojjee, Fragen über Fragen...

Ja das mit der Feuergefahr hab ich mir jetzt nicht so schlimm vorgestellt, da der Ofen ja meist zu ist und der Alkohol durch das ableiten durch den Liebigkühler doch etwas weg vom Ofen ist. Aber wie schlimm das mit den Alkoholdämpfen ist weiss ich jetzt halt nicht :dontknow:

Danke für den Tip mit dem Neutralalkohol. Das hatte ich mir auch überlegt, dachte auch das sollte ja super einfach sein, aber als ich dann die Anleitung dazu, sprich das Rezept gelesen hatte, wurde ich ein weiteres mal eines besseren belehrt :crazy:

Mal schauen, ob ich nicht trotzdem halt mit einem Elektro-Herd arbeiten werde. Mit dem Holzherd wäre halt schon "cool" gewesen :relaxed:

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Re: Erster Eigenbau einer Destille

Beitrag von derwo » 26. Mär 2020, 20:22

Die Feuergefahr ist ja auch nicht hoch. Aber klar, ohne offene Flamme natürlich weniger.