Maiwipferl Schnaps

Brände aus Maischen, welche weder Obstbränden, Getreidebränden oder Rum zuzuordnen sind.
Catweazle
Beiträge: 158
Registriert: 24. Nov 2018, 10:16

Maiwipferl Schnaps

Beitrag von Catweazle » 9. Mai 2020, 22:05

Hallo Kollegen, hat wer ne Idee? Fichtennadeln einfach ansetzen und dann brennen? Im Korb als geistgut? Oder beides?
Schöne Grüße an euch
Es ist ein Brauch von alters her:
Wer Sorgen hat, hat auch Likör.

Quelle: Wilhelm Busch, Bildergeschichten. Die fromme Helene,1872

Troy
Beiträge: 21
Registriert: 2. Nov 2018, 15:55

Re: Maiwipferl Schnaps

Beitrag von Troy » 9. Mai 2020, 22:46

Habe gelesen, als Geist soll es ein sehr aromatischer Brand sein. Bin vorgestern auch unterwegs gewesen und habe ein Kilo gepflückt, werde das als meinen ersten Geist mal ausprobieren... Aromakorb mit knapp 975g und 10l 10%igen Alk als Basis. Ich berichte dann!

Ich habe aber auch 1,7l Doppelkorn mit ca. 200g Fichtentrieben angesetzt und ca. 250g braunen Kandis dazugegeben. 6 Wochen soll der jetzt lagern, denke das wird auch ein ganz leckerer Likör!

Benutzeravatar
geschmacksverderber
Beiträge: 159
Registriert: 7. Nov 2018, 22:06
Wohnort: wo selbstbrennen verboten ist

Re: Maiwipferl Schnaps

Beitrag von geschmacksverderber » 10. Mai 2020, 14:25

Ich habe das auch mal probiert.
Fand es total eklig, hab gerochen wie Omas fichtennadelbadeschaum. Hatte bestimmt zu viel vom den Spitzen. Habs nachher für die Scheibenwaschanlage genommen.
mit Bacon schmeckt alles besser, nur der Whisky nicht

Troy
Beiträge: 21
Registriert: 2. Nov 2018, 15:55

Re: Maiwipferl Schnaps

Beitrag von Troy » 10. Mai 2020, 19:21

Habe heute gebrannt, spannende Sache. Ist mein erster Brand mit Geistkorb gewesen und mit meiner "neuen" alten Anlage.

Aroma war überraschend waldig, richtig stark nach Fichte. Habe knapp 800g auf meinen Dünsteinsatz bekommen und mit ca. 10,5l 10%igem Doppelkorn gebrannt, Ergebnis waren 2,5l mit 40%. Diese habe ich danach in meiner kleinen Alembic nochmal gebrannt und als Ergebnis jetzt 1,15l mit 73%. Es sind noch einige Gläschen Nachlauf für morgen aufm Tisch, die dann noch dazu kommen oder zum Reinigungsalkohol werden.

Mal ne allgemeine Frage dazu: Auf wie viel vol% soll ich den am besten verdünnen? Habt ihr Erfahrungen? Ich habe nur einen Fichtensprossen Geist von Manufactum gefunden, der hat 42%vol.. Ich finde das aber fast schon bisschen viel, tendiere mittlerweile eigentlich eher in Richtung 40/38%vol. Was denkt ihr? Der Geschmack entwickelt sich ja mit der Zeit, und wenn 42% dann zuviel sind.. kann man dann noch verdünnen?

Vom Geruch bin ich auch noch nicht so ganz überzeugt, hatte erwartet dass es mehr Richtung Zitrusaroma geht, aber ich warte mal das verdünnte und gelagerte Aroma ab. Wenn es nicht ganz so überzeugt, würde ich den Brand wohl nochmal nutzen und mit Zitronen/Orangenschalen im Geistkorb brennen, eventuell sagt es dann mehr zu.

Was sagt ihr ungefähr zu den Zahlen? Passt die Ausbeute so?

Benutzeravatar
BenDunker
Beiträge: 297
Registriert: 29. Aug 2019, 12:22
Wohnort: Neuseeland

Re: Maiwipferl Schnaps

Beitrag von BenDunker » 11. Mai 2020, 04:00

Das klingt in der Tat nach einer spannenden Sache.
Mein erster Gedanke ist, dass diese Nadeln sicherlich viel Öl beinhalten und auch dass es sehr aromatisch sein wird. Waldig klingt gut, Oma's Badewanne klingt nicht so gut. Ich bin sicher, dass das eine Frage der Intensität ist. Wenn es mehr duftig, eleganter und feiner ist, also mehr Aroma in der Nase, kann der Fichtennadel Geist was sehr Edeles sein. Wenn er zu ölig, harzig und fast Seifig wird und an Badewasser erinnert wird zuviel Geschmack auf der Zunge sein.
Deinem Ansatz, den du im "Wieviel Geistgut und wieviel Alkohol?" (
) beschrieben hast, muss ich Derwo zustimmen, dass der sehr gut klang und auch meiner Linie, wie ich diesen Geist angehen würde.

Dass du einen Raubrand mit viel Geistgut gemacht hast aber ihn dann sehr kurz abgeschnitten hast war meiner Meinung sehr gut, von 10l 10% auf 2.5l 40% runtergebrannt, das heißt du hast nur 1/4 and Flüssigkeit rausgebrannt und somit im Verhältnis mehr flüchtigere Aromen als die später-kommenden eher schweren öligen Aromen rübergeholt. Die leicht Flüchtigen Aromen kommen deshalb am Anfang und sind die die sich eher im Geruch / in der Nase zeigen. Diese Aromen machen den Brand aromatisch und fein. Die späteren schwereren öligen Aromen sind eher Geschmacklich auf der Zunge zu finden.
Auch dass du zweimal gebrannt hast finde ich sehr richtig, aber hier bist du für meine Einschätzung sehr tief runter gegangen. Wenn du aus 2.5l 40% dann 1.15l mit 73% im Gesamt-Destillat herausgeholt hast, bist du damit bis ca. 58% Vol. im aktuellen Destillat runtergegangen. Hier hast du die 2.5l fast halbiert und dass scheint mir zu tief runtergegangen zu sein. Damit hast du dir wieder sehr viel von den späteren Aromen mit reingeholt, die im eventuellen Fall deinen Geist irgendwann harzig und seifig werden lassen kann.

Da du noch einige Gläschen von deinem Nachlauf auf dem Tisch hast, würde ich vielleicht vorschlagen diese zu den 1.15l wieder dazugeben und das ganze nochmal brennen. Ein drittes Mal also, ich bin mir sehr sicher dass Fichtennadeln sehr aroma-stark sind und du nicht gleich einen Eindruck von einem zu schwachen Geist bekommen wirst.
Beim dritten Brennen würde ich persönlich jetzt bis 75% AKTUELLES Destillat als Mittellauf sammeln. Das sind dann ungefähr nur 500-600ml und dann würde ich noch zwei Gläser je 100ml weiter sammeln (dann wärest du bei ca. 65% aktuellem Destillat). Ob du dann noch weitere Gläschen auffangen möchtest bleibt dir überlassen, aber ich glaube da wird nichts schönes mehr kommen.

Dieser dritte Brand wird dir ein viel feineres und aromatisch Wald-Fichtigen Geist verschaffen der mit der Zeit auch nicht zu intensiv nach Harz oder Seife schmecken wird.

Das ist aber nur meine Meinung, wenn du zufrieden bist wie er ist, dann lass ihn so wie er ist. Es ist sicher auch so ein schöner Geist.
Die Bitterkeit der schlechten Qualität bleibt lange nach dem Vergessen der Süße des niedrigen Preises bestehen.
- Benjamin Franklin

Benutzeravatar
BenDunker
Beiträge: 297
Registriert: 29. Aug 2019, 12:22
Wohnort: Neuseeland

Re: Maiwipferl Schnaps

Beitrag von BenDunker » 11. Mai 2020, 04:05

ach und zum verdünnen:
es könnte sein, dass du durch das "lange" Runterbrennen beim zweiten Brand soviel Öl mit im Geist hast, dass er (ich vermute) schon vor den 42% milchig trüber werden wird. Auch hierfür ist der dritte Brand hilfreich, da du dann weniger Öl im Geist hast und eventuell auch wie von dir gewünscht eine tiefere Trinkstärke erreichen wirst.
Ich habe einen Grapefruit-Geist gemacht, den ich nur bis ca. 45% herabsetzen kann ohne dass er trübe wird, wenn es im Winter etwas kühler im Haus wird sehe ich dass auch in der Grapefruit-Geist-Flasche. Er ist trotzdem wunderbar sanft und schön zutrinken.
Die Bitterkeit der schlechten Qualität bleibt lange nach dem Vergessen der Süße des niedrigen Preises bestehen.
- Benjamin Franklin

Benutzeravatar
derwo
Beiträge: 1124
Registriert: 20. Okt 2018, 21:35

Re: Maiwipferl Schnaps

Beitrag von derwo » 11. Mai 2020, 10:37

Frisch waren die Nadeln, gell?
Nadelgeiste sind schon auch was spezielles, was nicht jedem schmeckt. Ich kann geschmacksverderber da schon auch verstehen. Genauo kann man aber auch zB Gin generell als Opas Rasierwasser und torfigen Whisky als Onkel Alfreds zugerauchten Lederfurzsessel empfinden. Also eventuell muss man sich beim Nadelgeist auch darauf einlassen irgendwie.
Nadeln, und Zitrusschalen übrigens auch, tendieren dazu, als Geist etwas muffiger bzw weniger spritzig zu sein, als man erwartet. Da helfen drei Dinge:
- höher brennen, also mehrmals oder mit Refluxkolonne.
- den Mittellauf früh beenden.
- den Geist von vornherein etwas schwächer anlegen, also nicht zu viel Nadeln nehem, oder ihn nach dem Brennen mit Neutralalk zu strecken. Gin würde mit vierfacher Botanicalsmenge wahrscheinlich auch muffig schmecken.

Troy,
du hast 84% des Alkohols als Mittellauf genommen. Das ist viel. Also überlege dir, wie Ben empfiehlt, alles inkl Nachlauf nochmal zusammenzuschütten und nochmal zu brennen. In diesem Fall könntest du auch vor dem Brennen wieder auf 40% verdünnen. Denn mangelndes Aroma ist ja nicht das Problem hier.
Die Trinkstärke mache einfach so, wie es dir schmeckt. Die Gefahr, daß es trüb wird, sehe ich nicht so stark wie Ben. Zitrusschalen sind da extremer. Und wenn es trübt, kannst du immer noch kühlfiltern.

Troy
Beiträge: 21
Registriert: 2. Nov 2018, 15:55

Re: Maiwipferl Schnaps

Beitrag von Troy » 11. Mai 2020, 17:27

Ich habe den Mittellauf jetzt mal verdünnt auf 40% und bin eigentlich ganz zufrieden... ich weiß jetzt natürlich nicht wie es nach einem nochmaligen Brennen schmecken könnte, aber so verdünnt wie jetzt schmeckt er eigentlich ganz gut! Hat ein klaren Geruch nach Fichtenwald und schmeckt nicht zu aufdringlich! Ich würde jetzt auch nicht behaupten, dass er muffig riecht, aber da scheiden sich sicher die Geist(er) (höhö) Er ist auch nicht trüb geworden, sieht wunderbar klar im Glas aus :mrgreen: Aber mal wieder denke ich: Schade dass ich hier niemandem was zukommen lassen kann, damit der das mal bewertet :(

Also ich denke ich lasse den jetzt so, habe natürlich kein Vergleich. Außer ich bestelle mir mal ein Probierfläschchen: https://www.manufactum.de/geist-deutsch ... n-a201963/

Gibt natürlich noch andere, dieser hat 42%, einen anderen habe ich mit 38% gefunden... Ich weiß da noch nicht so recht was am besten ist :dontknow:
Frisch waren die Nadeln...
Ich habe sie tatsächlich einmal eingefroren für 2 Tage. Denke das sollte nochmal für intensiveres Aroma gesorgt habe, laut Schmickl jedenfalls.

Danke für eure Anregungen!!

Benutzeravatar
derwo
Beiträge: 1124
Registriert: 20. Okt 2018, 21:35

Re: Maiwipferl Schnaps

Beitrag von derwo » 11. Mai 2020, 19:06

Troy hat geschrieben:
11. Mai 2020, 17:27
https://www.manufactum.de/geist-deutsch ... n-a201963/
Überraschenderweise liefern die ganz interessante Infos mit:
Für diesen Geist wurden die jungen, hellgrünen Fichtentriebe, die auch „Maiwipferl“ genannt werden und nicht länger als ein Glied des kleinen Fingers sein dürfen ... Durch die Ernte der Sprossen kurz nach dem Austreiben ist der Anteil des oxidierten Monoterpenesters Bornylacetat mit seinen sehr kräftigen Fichtenaromen noch nicht so ausgeprägt und es treten die Noten nichtoxidierter Monoterpene wie u.a. Alpha- und Beta-Pinen und Limonen stärker in den Vordergrund.
Das klingt für mich sehr logisch. Und wenn man mal im Vergleich ganz junge und etwas ältere Sprossen probiert, also sie isst (keine Sorge, die sind nicht giftig), stellt man genau das fest. Die jungen sind zitronig, die alten waldig.
Ich sehe gerade, die haben einen Zitronenverbene-Geist. Das steht bei mir auch schon einige Zeit auf der Agenda. Habe neulich so ein Pflänzchen gekauft.

Frisch waren die Nadeln...
Ich habe sie tatsächlich einmal eingefroren für 2 Tage. Denke das sollte nochmal für intensiveres Aroma gesorgt habe, laut Schmickl jedenfalls.
Bei sowas, wo es nicht um das "mehr" geht, wäre das eigentlich egal. Ich mache bei meinem Wandelröschengeist halt gerade die Erfahrung, daß bei manchen Sachen Einfrieren Aromen auch komplett ruinieren kann.

Troy
Beiträge: 21
Registriert: 2. Nov 2018, 15:55

Re: Maiwipferl Schnaps

Beitrag von Troy » 11. Mai 2020, 19:48

Ich vermute darum schleicht sich bei mir auch eher das waldige in den Vordergrund, meine Wipfel waren alle schon etwas größer und wahrscheinlich eher älter... Nächstes Jahr bin ich schlauer, dann gibts nur die eher kleinen, kurzen Triebe. Muss man aber auch mehr sammeln :lol:

Zitronenverbene.. sehr Spannend! Eher Essenz zum dazugeben in Speisen etc. Muss ich mal bei meinem Botanikerfreund in Auftrag geben :mrgreen:

Benutzeravatar
derwo
Beiträge: 1124
Registriert: 20. Okt 2018, 21:35

Re: Maiwipferl Schnaps

Beitrag von derwo » 11. Mai 2020, 22:28

Ich habe mal etwas ältere Lärchentriebe vergeistet. Ist deutlich "spezieller" geworden als der Geist aus den gleichzeitig gesammelten Fichtentrieben.

Benutzeravatar
BenDunker
Beiträge: 297
Registriert: 29. Aug 2019, 12:22
Wohnort: Neuseeland

Re: Maiwipferl Schnaps

Beitrag von BenDunker » 12. Mai 2020, 01:29

Toll was ihr hier so macht. Ganz große Klasse.
Das mit dem trübe werden war auch nur eine Vermutung von mir, schön, dass er klar geblieben ist, ich hab bislang vergleichbar nur Zitrus vergeistet und da ist mir das so aufgefallen.
Großartig wie du den Geschmack beschreibst, da würde ich jetzt auch nicht nochmal brennen. klingt sehr schön.

Lemon Verbena klingt auch spannend, hat bestimmt eine ähnliche Badewasser-Geschmack / -Intensitäts -Schwierigkeit, aber wenn man das hinbekommt, könnte der sehr schön werden. Ich habe auch letztes Jahr Verbena in den Garten gepflanzt.
Die Bitterkeit der schlechten Qualität bleibt lange nach dem Vergessen der Süße des niedrigen Preises bestehen.
- Benjamin Franklin