[Erfahrungsbericht] 25 Liter arabische Destille (Premium)

Selbstbau und Kauf von Destillen. Diskussionen über Bauweisen und Materialien
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[Erfahrungsbericht] 25 Liter arabische Destille (Premium)

Beitrag von DerOberfranke » 21. Mai 2020, 02:50

Hallo zusammen!

Nachdem ich mich für den Kauf einer 25 Liter großen arabischen Destille entschieden habe, möchte ich hier meine Erfahrungen mit euch teilen. Die Destille ist seit ca. 4 Wochen in meinem Besitz und ich habe bereits 2 Brände damit machen können. Es handelt sich um das folgende Modell aus der lifetime Supreme Serie der CopperGarden® Schmiede.
https://destillen-aus-ungarn.de/de/arab ... er-premium

Vorab möchte ich erwähnen, dass ich Einsteiger im Bereich des praktischen Schnapsbrennens bin und natürlich keine Vergleiche mit anderen gekauften oder selbstgebauten Destillen machen kann. Bis jetzt habe ich nur die ein oder andere Brennerei besichtigen dürfen und hatte Obstmaische aus dem eigenen Garten angesetzt und brennen lassen. Die Corona-Pandemie hat mir auf jeden Fall etwas Zeit verschafft, um mich mit der Theorie des Schnapsbrennens befassen zu können.

1. Allgemeiner Ersteindruck der Destille (Unboxing)

Die 834 € teure Destille wurde fein säuberlichst verpackt geliefert und besteht aus 4 einzelnen Teilen: Die 25 l große Brennblase, den arabischen Brennhut, den Kühler und ein Kupplungsstück für das Geistrohr.
IMG_20200421_111405.jpg
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Der optische Ersteindruck der Destille war positiv. Man sieht auf jeden Fall, dass hier sehr viel Handarbeit dahinter steckt. Die Brennblase besteht aus drei vernieteten Teilstücken, während die Standartversion lediglich verlötet ist. Des Weiteren wurde bei der Premiumversion doppelt so viel Kupfer verarbeitet (ca. 18 kg) als bei der Standartversion (ca. 8 kg). Dies war mir auf jeden Fall für eine bessere allgemeine Stabilität wichtig und damit sich die Wärme des Gasbrenners besser verteilt bzw. dadurch die Maische homogener erwärmt werden kann. Die Geistrohrkupplung wird durch ein Messinggewinde verbunden, welches sich (zumindest jetzt noch) butterweich verschrauben lässt. Ich habe alle Lötstellen genau betrachtet und konnte keine Undichtigkeiten feststellen. Für den großen arabischen Brennhut möchte ich mir später noch einen Aromakorb basteln, damit ich den ein oder anderen Geist herstellen kann. Das Thermometer musste extra bestellt werden, wurde allerdings bereits vom Shop korrekt platziert, sodass die Fühlerspitze auf Höhe der Geistrohr-Oberkannte misst. Einziges Manko das ich feststellen konnte, war eine kleine Delle an der Brennblase (0,5 cm tief, 5 cm Durchmesser), die allerdings verschmerzbar ist. Dann weiß ich wenigstens mit welcher Seite die Destille zur Wand stehen soll. Der Destillenboden ist absolut plan, sodass man diese auch auf einer großen Herdplatte betreiben könnte (30 cm Bodendurchmesser).

Da ich auch ungefilterte Obstmasichen mit der Destille brennen möchte habe ich mir noch das passende Maischesieb als Anbrennschutz für
58 € mitliefern lassen.
IMG_20200521_015035.jpg
Hier hätte ich für das Geld allerdings etwas mehr Material erwartet. Des Weitern schützt es nur vor dem Anbrennen direkt oberhalb des Bodens und nicht am unteren Rand der Brennblase, wo der Gasbrenner auch ordentlich Hitze erzeugen kann. Das hätte man mit relativ geringem Aufwand kostengünstiger und besser selbst machen können. Die Praxistauglichkeit wird sich noch zeigen.

Insgesamt war der Ersteindruck auf jeden Fall positiv!
Hier mache ich dann erstmal einen Cut und in den nächsten Tagen habe ich noch vor folgende Dinge zu ergänzen:

2. Brennaufbau/Equipment

Die Destille wird mit einem klassischen 7,5 kW Hockerkocher betrieben, der fast in jedem Laden erhältlich ist. Gründe für den Gasbetrieb waren eine ausreichende Heizleistung bei dieser Destillengröße, gute Regelbarkeit und eine gleichmäßige Erwärmung der Brennblase. Neben der Destille ist ein Wasseranschluss vorhanden wodurch ein Kühlwasserpumpe entfällt. Hier ein Bild vom Aufbau.
IMG_20200521_004609.jpg
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3. Erstreinigung/Thermometertest

Die Destille habe ich zuerst an den zugänglichen Stellen mit dem Lappen und Isopropanol gereinigt. Im Anschluss habe ich ca. 3 l Essigwasser mit 2 % Säuregehalt durchdestilliert. Das war keine so duftende Angelegenheit. Die Destille hatte danach trotz Trockenreiben noch etwas nach Essig gerochen.
In einem weiteren Schritt habe ich dann Wasser durchdestilliert. Am Anfang schmeckte das Destillat noch etwas nach Essig, aber mit zunehmender Destillatmenge wurde es immer immer neutraler. Nach 2-3 Litern war das Destillat nahezu geschmacksneutral. Das Thermometer zeigte knapp unter 100 °C an. Ich bin der Meinung dass es ca. 0,5 - 1,0 °C zu viel anzeigt. Das liegt aber wohl noch im Rahmen. Die Skalierung könnte allerdings etwas feiner sein. 0,5 °C-Schritte sind aber noch ablesbar.
IMG_20200430_163814.jpg
4. Brennbericht 17 % Zuckermaische

Für den ersten Brand habe ich eine Zuckermaische mit der Prestige Turbo Pure angesetzt. Insgesamt wurden es dann 17 Liter Maische mit 17 % Alkoholgehalt. Der Gaskocher lief beim ersten Brennvorgang auf halber Leistung und bis zum ersten Tropfen erhöhte sich die Maische-Temperatur um ca. 1,1 °C pro Minute.
Bereits bei 54 °C kamen die ersten Tropfen Vorlauf aus dem Kühler, die eindeutig nach Uhu gerochen haben. Das erste Schnapsglas war definitiv ungenießbar. Nach ca. 60 ml war der Uhu-Geruch nur noch sehr leicht erkennbar. Vorsichtshalber haben wir aber 100 ml Vorlauf abgetrennt. Der frühe Mittellauf lief dann mit ca. 68 % vol aus der Destille.
Den Nachlauf haben wir leider etwas zu spät abgetrennt (96 °C, 35 % Alkohol). Der Grund hierfür war ein leichter Schwips, der durch häufiges Kosten des Destillats, ob es schon muffig/sauer schmeckt, entstanden ist. Irgendwie hatten wir dann während der Diskussion über Mittellauf oder Nachlauf 5 Minuten Zeit verloren und gefühlt 200 ml Nachlauf zu viel mitgenommen. Hier noch ein paar Daten des Brennprotokolls.
Brenndaten.PNG
Brennverlauf.PNG

Dennoch waren wir vom ersten Ergebnis positiv überrascht. Der einfache Zuckerbrand schmeckte geschmacksneutraler als erwartet und findet mit Sicherheit noch Verwendung für weitere Brände.

weiteres folgt...
Zuletzt geändert von DerOberfranke am 21. Mai 2020, 23:31, insgesamt 3-mal geändert.

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Re: [Erfahrungsbericht] 25 Liter arabische Destille (Premium)

Beitrag von geschmacksverderber » 21. Mai 2020, 10:29

Optisch gesehen finde ich die destille in Ordnung. Nur von dem schlangenkühler bin ich nicht überzeugt. Ich weiß nicht ob der genügend kühlleistung bringt. Ja und wehe dem dir kocht die Maische über und kommt in den kühler, das wird ein Spaß.
Aber der Preis ist schon ordentlich finde ich. Soviel habe ich für meinen selbstbau bei weitem nicht ausgegeben und da bewege ich mich in de 30L klasse.
100€ für einen Edelstahl einkocher, 30€ für eine doppelte bierzapfanlage zum permanenten kühlen des Kühlwassers für den liebigkühler ( als umlaufkühler gebaut, somit komme ich mit insgesamt 10l Wasser aus), ein paar Euro für kupferrohr und fittings, eine kupferblechtafel vom Schrott als innenverkeldung im Edelstahl einkocher und eine große kupferschüssel vom Schrott als brennhut. Alles in allem vielleicht 200€ plus ein bisschen Lötzinn
mit Bacon schmeckt alles besser, nur der Whisky nicht

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Re: [Erfahrungsbericht] 25 Liter arabische Destille (Premium)

Beitrag von derwo » 21. Mai 2020, 15:07

18kg, wow.
Sag mal, ist in dem Hut eigentlich irgendwas drinnen? Also irgendeine Führung für den Reflux zum Beispiel?
Und wie ist der Übergang zum Geistrohr gestaltet? Ganz Plan oder steckt es in den Kopf etwas hinein? Wenn ja, wieviel cm? Oder kannst du ein Foto in den Helm hinein machen?

Abgedichtet wird mit Teflonband oder Mehlpampe oder geht es ohne?

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Re: [Erfahrungsbericht] 25 Liter arabische Destille (Premium)

Beitrag von DerOberfranke » 21. Mai 2020, 21:51

geschmacksverderber hat geschrieben:
21. Mai 2020, 10:29
Optisch gesehen finde ich die destille in Ordnung. Nur von dem schlangenkühler bin ich nicht überzeugt. Ich weiß nicht ob der genügend kühlleistung bringt. Ja und wehe dem dir kocht die Maische über und kommt in den kühler, das wird ein Spaß.
Die Kühlleistung ist mehr als ausreichend. Im Kühlfass gehen ca. 18 l Wassser rein. Ich hatte zwecks der Kühlleistung ein paar Experimente gemacht. Bei der Wasserdestillation, die ohnehin am meisten Kühlleistung erfordert, lag die Destillattemperatur nach 10 minütiger Passivkühlung bei ca. 22 °C. Die Starttemperatur im Kühlerwasser lag bei 14 °C. Interessant ist auch dass nur die oberen cm des Kühlwassers sehr heiß werden während die Erwärmung nach unten sehr langsam von statten geht. Der Frischwasseranschluss ist am Kühlerboden und dadurch wird mit minimalen Kühlwasser der Pegel angehoben und lässt den Heißen "Kühlwasserdeckel" über den Ablauf ablfließen. Bei der Alkoholdestillation komme ich mit ca. 10 l Kühlwasser pro Stunde aus und das Destillat liegt bei 18 °C (Kühlwasser 14 °C).

Mit der Reinigung insbesondere beim Überkochen gebe ich dir allerdings Recht. Ich mache es bis jetzt so, dass ich nach dem destillieren mit heißem Wasser durchspüle und im Anschluss mit dem Kompressor eine Minute trocken "föhne" und dann ist alles absolut trocken. Bei groben Dreck muss ich wohl von beiden enden aus mit der Reinigungsspirale rein.

Ich denke der große Nachteil von Schlangenkühlern ist das verschmieren des Vor- und Mittellaufs wie derwo schonmal irgendwo geschrieben hatte. Wenn ich 1 Schnapsglas Vorlauf habe braucht es 1-3 Schnapsgläser um alles wieder sauber zu spülen. Das ist allerdings nur mein Ersteindruck nach 2 Bränden. Bei dieser Destillengröße wird das allerdings wohl nicht ins Gewicht fallen, bei einer deutlich kleineren kann ich mir vorstellen dass man sich dadurch den Edelbrand etwas versauen kann, aber ist nur eine Vermutung.

Aber der Preis ist schon ordentlich finde ich. Soviel habe ich für meinen selbstbau bei weitem nicht ausgegeben und da bewege ich mich in de 30L klasse.
Selbstbau ist natürlich günstiger da hast du Recht, allerdings hatten wir uns bewusst für den Kauf entschieden und Geld hatte bei der gemeinschaftlichen Investition keine so große Rolle gespielt. Das Problem war auch der der Faktor Zeit. Spaß machen würde mir das Bauen definitiv
derwo hat geschrieben:
21. Mai 2020, 15:07
18kg, wow.
Sag mal, ist in dem Hut eigentlich irgendwas drinnen? Also irgendeine Führung für den Reflux zum Beispiel?
Und wie ist der Übergang zum Geistrohr gestaltet? Ganz Plan oder steckt es in den Kopf etwas hinein? Wenn ja, wieviel cm? Oder kannst du ein Foto in den Helm hinein machen?
Das muss ich mir noch mal genauer anschauen. So wie ich es verstanden habe läuft dass am Deckel entstehende Destillat über eine Auffangrinne direkt ins Geistrohr. Ich werde dir ein paar detaillierte Bilder machen, komme nur gerade schlecht an die Destille ran...Dazu braucht es immer zwei starke Männer :D

Abgedichtet wird mit Teflonband oder Mehlpampe oder geht es ohne?
Ohne habe ich es nicht probiert, der Brennhut lässt sich zwar gut in die Brennblase reinkeilen, aber ich kann mir nicht vorstellen dass es 100 % dicht hält. Ich hatte es beim ersten mal mit Mehlpampe probiert und war von der Dichtwirkung so begeistert, dass ich mir kein Teflonband anschaffen werde. Ich habe dazu italienisches Pizzamehl Tipo 00 verwendet (da vorhanden). Das bleibt richtig elastisch und bröckelt nicht ab.

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Re: [Erfahrungsbericht] 25 Liter arabische Destille (Premium)

Beitrag von derwo » 21. Mai 2020, 22:43

DerOberfranke hat geschrieben:
21. Mai 2020, 21:51
derwo hat geschrieben:
21. Mai 2020, 15:07
18kg, wow.
Sag mal, ist in dem Hut eigentlich irgendwas drinnen? Also irgendeine Führung für den Reflux zum Beispiel?
Und wie ist der Übergang zum Geistrohr gestaltet? Ganz Plan oder steckt es in den Kopf etwas hinein? Wenn ja, wieviel cm? Oder kannst du ein Foto in den Helm hinein machen?
Das muss ich mir noch mal genauer anschauen. So wie ich es verstanden habe läuft dass am Deckel entstehende Destillat über eine Auffangrinne direkt ins Geistrohr. Ich werde dir ein paar detaillierte Bilder machen, komme nur gerade schlecht an die Destille ran...Dazu braucht es immer zwei starke Männer :D
Huch! Das ist eine Überraschung. Dann hat die Destille also einerseits dieses hohe breite Steigrohr, was viel Reflux bedeutet, andereseits wird der Reflux dann zu einem großen Teil oder ganz ins Geistrohr geleitet, also wieder mit dem Dampf zusammengemischt. Seltsam. Da bin ich mal auf die Bilder gespannt.

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Re: [Erfahrungsbericht] 25 Liter arabische Destille (Premium)

Beitrag von DerOberfranke » 21. Mai 2020, 23:28

so ich habe oben einiges aktualisiert.

@derwo stimmt... Das würde natürlich den Refluxvorteil kompensieren :roll: :D Ich gehe dem morgen mal nach wenn ich Bilder mache.

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Re: [Erfahrungsbericht] 25 Liter arabische Destille (Premium)

Beitrag von Grog » 22. Mai 2020, 00:10

Tolles Teil :+1: überteuert aber toll, ist wunderschön anzusehen ;)
Dass die hohe Kolonne nicht mit vielleicht 2-3 Sieben versehen ist und der Kühler halt so gebaut ist wie er ist finde ich aber schon Schade.
Aber es sind Details die du ja vielleicht im Laufe der Zeit nachbessern könntest. Vor allem das Blei im Messing im absteigenden Dampfweg ist suboptimal... umbringen wird's einem aber nicht.
Die Rinne für das sammeln des Kondensat ist auch nichts alltägliches beim Alembik.
Jedenfalls das Teil ist ein Hingucker, viel Spaß :)
Rum must, sugar may, water can...

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derwo
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Re: [Erfahrungsbericht] 25 Liter arabische Destille (Premium)

Beitrag von derwo » 23. Mai 2020, 16:28

Und am nächsten Abend schmeckt der bei 40 oder 35% Einfachgebrannte auch so neutral? Und wie riechen die leeren Gläser, bevor man sie abwäscht?

Den Schlauch, wo das heiße Wasser weggeht, würde ich etwas sichern. Solche Schläuche werden etwas weich bei Wärme und können dann relativ einfach runterflutschen vom Kupferrohr. Eine kleine Rohrschelle oder so.


Edit:
Was ist denn die Materialdicke? Und ist die überall gleich? Wie dick ist der Boden?
Also falls du das irgendwie sehen kannst.

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Re: [Erfahrungsbericht] 25 Liter arabische Destille (Premium)

Beitrag von DerOberfranke » 24. Mai 2020, 00:43

@derwo sorry habe es gestern nicht mehr geschafft nachzuschauen. Das sichern des heiß werdenden Abwasserschlauchs ist wohl sinnvoll, das stimmt.

Es ist tatsächlich so, dass die Destille eine Auffangrinne (ca. 4 mm tief und 10 mm breit) für das Kondensat im Brennhut hat, welches direkt in das Geistrohr geleitet wird. Habe es auch mal mit den Finger ertastet und der tiefste Punkt der Rinne liegt auf dem Niveau des Geistrohrs. Laut der Beschreibung auf der Webseite sollen möglichst viele Aromen mitgenommen werden allerdings würde diese Methodik den höheren Refluxwert dieser Bauform kompensieren. Oder siehst du einen anderen Sinn dahinter?

Auf der anderen Seite ermöglich mir die Destille dadurch eine weitere Stellschraube, um den Destillationsprozess zu beeinflussen. Mit wenig Aufwand könnte ich dafür sorgen, dass mir der Rinneninhalt vollständig oder nur teilweise zurückfließt. Wäre auf jeden Fall mal interessant 2 mal unter gleichen Bedingungen mit gleicher Heizleistung und identischer Maische/Maischemenge zu brennen und den Einfluss des Rückflusses zu ermitteln. Da man auf den Bildern nicht viel erkannt hat habe ich dir auch ein Video gemacht.

IMG_20200523_220818.jpg
und zur Materialdicke. Das kann ich beim nächsten Destillenbesuch mal genau rausmessen, habe deinen Edit leider zu spät gesehen. Geschätzt wird hier mindestens 2 mm Materialstärke verbaut.
derwo hat geschrieben:
23. Mai 2020, 16:28
Und am nächsten Abend schmeckt der bei 40 oder 35% Einfachgebrannte auch so neutral? Und wie riechen die leeren Gläser, bevor man sie abwäscht?
Die Geruchsprobe mit der leeren Gläser hatten wir tatsächlich immer während des Brennvorgangs gemacht und unter 45 % würde ich behaupten riecht man schon leicht den säuerlichen Nachlaufgeruch. Unter 35 % wird es dann schon richtig deutlich und unter 30 % riecht es dann ekelhaft. Ich habe vorhin den Mittelbrand der Zuckermaische noch mal verkostet. Der Geschmack ist dennoch gar nicht so übel, aber man merkt dann schon im Abgang die leichte Säuerlichkeit. Verglichen mit den Gammelobstmaischen die mein Opa damals brennen lassen hatte ist es aber noch sehr milde :D Dem Brenner tat damals immer das Herz weh als er die Fehlgärungen meines Opas trotz optimalen Brennvorgangs nicht mehr retten konnte :D Die waren durchweg sauer im Abgang. Aber was erwartet man von zusammengerechneten Fallobst und einer Gärung in Fässern die nie 100 % dicht waren.
Zuletzt geändert von DerOberfranke am 24. Mai 2020, 01:47, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: [Erfahrungsbericht] 25 Liter arabische Destille (Premium)

Beitrag von DerOberfranke » 24. Mai 2020, 01:45

Ich sehe gerade dass ich meinen ersten Beitrag des Threads nicht mehr edieren kann. Ich schreibe meinen 2. Brennbericht dann hier weiter.

5. Brennbericht Dornfelder Trocken 12 %

Für das Sammeln weiterer Brennerfahrungen haben wir 11 Flaschen Dornfelder Trocken (rot, 0,75 l) mit 12 % Alkoholgehalt gebrannt. Dadurch wurde die Brennblase mit 8,25 Litern nur zu einem knappen Drittel gefüllt. Dementsprechend haben wir die Heizleistung des Brenners im Vergleich zum ersten Brand reduziert. Die Ergebnisse des Brennvorgangs sind in den nachfolgenden Bildern zusammengefasst.
Brenndaten_Weinbrand.PNG
Brennverlauf_Weinbrand.PNG
Das Ergebnis hat uns etwas überrascht, dass sich der niedrige Füllstand so deutlich auf die Rektifikation ausgewirkt hat. Mit der 12 % Maische haben wir einen Spitzenalkoholgehalt von 64 % erreicht. Abgetrennt haben wir diesmal bei 40 % und haben dadurch 1,4 Liter Mittellauf mit 53 % Alkohol erreicht.
Die Mittellaufausbeute liegt damit bei exakt 75 %. Den Mittelbrand habe ich auf 44 % verdünnt und lager diesen erstmal ein paar Wochen offen mit Watte im Flaschenhals. Verglichen mit dem ersten Brand ging der Brennvorgang wirklich schnell durch und der Vorlauf kam diesmal 10 °C später.

Geschmacklich schmeckt es zu Beginn dezent nach fruchtiger Traube, allerdings nur sehr schwach. Im Mittelteil kommt ein deutlicher Trester/Grappageschmack zum Vorschein, der sich ohne sauren Abgang auflöst. Verglichen mit der Zuckermaische würde ich als Anfänger behaupten, dass der Mittelbrand relativ nachlauffrei ist. Dennoch ist es kein wertvoller Edelbrand geworden, da einfach das Aroma recht unspektakulär ist. Das war aber auch nicht Ziel des Ganzen, sondern diente lediglich zum Erfahrungen sammeln.

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Re: [Erfahrungsbericht] 25 Liter arabische Destille (Premium)

Beitrag von derwo » 24. Mai 2020, 15:33

Danke für das Video. Der Dampf, der über der Rinne kondensiert, landet also komplett im Geistrohr. Ja, was soll man davon halten? Das reduziert halt die Rektifizierung. Jetzt kann man aber sagen, die Rektifizierung wird reduziert, aber es bleibt doch diese große Kupferoberfläche mit ihren positiven Eigenschaften auf das Destillat. Na gut, aber wenn der Dampf am Kupfer kondensiert und dann das Kupfer wirkt, bedeutet das doch, das Kupfer wirkt auf den flüssigen Schnaps, nicht auf den gasförmigen. Aber dann bedarf es ja eigentlich gar kein Kupfer im Dampfraum, wenn es auch dem flüssigen Schnaps hilft. Dann reicht ja das Kupfer im Kessel.
Außer man ist der Meinung, daß es gar nicht genug Kupfer sein kann. Dazu eine kleine Rechnung:
Sagen wir zur Vereinfachung, eine kleine Destille hat eine Kugelform und einen Radius von 10cm. Das bedeutet ihr Volumen ist 4.2l und ihre Oberfläche ist 0.126m². Also 0.03m² Kupferoberfläche pro liter.
Eine große Destille hat einen Radius von 1m. Das bedeutet das Volumen ist 4200l und die Oberfläche ist 12.6m². Also 0.003m² Kupferoberfläche pro liter.
Die große Destille hat also nur 1/10 der Kupferoberfläche. Ogottogott müssen Destillate aus großen professionellen Destillen schlecht schmecken bei der geringen Kupfermenge. :thinking:

Da der Kupferkontakt bei deiner Destille zu einem großen Teil ja im absteigenden Ast ist, also der Helm, die Rinne, das Geistrohr und der Schlangenkühler, könnte man aber nun überlegen, ob da nicht -auch die allgemein große Oberfläche bei Kleindestillen berücksichtigend- dann doch langam etwas viel Kupfer ins Destillat gespült wird. Gesund soll das ja nicht sein. Vor viel Kupfer im absteigenden Ast wird immer mal wieder gewarnt. Ich persönlich glaube, die Angst ist übertrieben. Aber beweisen kann ich es nicht.


Die Gruchstprobe an den leeren Gläsern hättet ihr am nächsten Tag machen müssen. Sorry, hab ich nicht erwähnt. Allgemein ist es schlecht, die Schnitte während dem Brennen zu machen. Die Brenngerüche sorgen dafür, daß die Nase an Nachlauf gewöhnt ist. Also macht man den Nachlaufschnitt dann zu spät.
Und allgemein ist ein Einfachbrennen, vor allem mit nur 12vol% im Kessel, mit einer Potstill normalerweise qualitativ ungenügend. Der Brenner von deinem Opa hatte entweder eine Kolonne oder hat mehrfach gebrannt.
Also wenn ich mir deine Zahlen so anschaue, denke ich, das ist eher ein Raubrand als ein Feinbrand.

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Re: [Erfahrungsbericht] 25 Liter arabische Destille (Premium)

Beitrag von DerOberfranke » 24. Mai 2020, 16:18

interessante Argumentation mit der Kupferoberfläche bezogen auf die Maischemenge. Ich denke da wird man nur schwer eine korrekte Antwort finden. Da Schnaps ja kein alltägliches Lebensmittel sein soll sehe ich dass mit der Kupferbelastung im Destillat eher unkritisch, da wird wohl der Alkohol der Leber und dem Hirn mehr Schaden.

Meine Geruchs und Geschmacksanalyse hatte ich schon auf den Tag danach bezogen als ich von beiden Bränden noch mal gekostet habe. Zumindest der Weinbrand war auch heute nach dem Mittagessen geschmacklich noch ganz okay. Die Gewöhnung am Nachlaufgeruch während der Destillation war tatsächlich auch beim ersten Brand ein unterschätztes Problem. Die Schnitte wurden immer gleich während des Brandes gemacht. Wir haben zwar in verschiedenen durchnummerierten Messbechern das Destillat aufgefangen aber dann gleich in 3 Fraktionen zusammengemischt...

Für die ersten Testbrände war ich allerdings wirklich zufrieden. Es ging ja in erster Linie darum ein Gefühl vom Brennverlauf zu bekommen.

Demnächst werde ich mich auch mal einen Doppelbrand machen und dann vergleichen. Es soll letztendlich auch etwas feines dabei rauskommen.

Angenommen ich trenne den Nachlauf bereits unter 45-50 % ab, kann ich dann einen Edelbrand erhalten? Ist der einzige Nachteil der Ausbeuteverlust, oder gibt es weitere Nachteile?

Aus Sicht der Nachrichtentechnik ist ein einfacher Brand wohl wie eine 3-Wege-Frequenzweiche (VL, ML, NL) die eine sehr flache Steigung hat und alle Fraktionen nur verwaschen voneinander trennt ? :lol:

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Re: [Erfahrungsbericht] 25 Liter arabische Destille (Premium)

Beitrag von derwo » 24. Mai 2020, 22:31

DerOberfranke hat geschrieben:
24. Mai 2020, 16:18
Angenommen ich trenne den Nachlauf bereits unter 45-50 % ab, kann ich dann einen Edelbrand erhalten? Du meinst über 45-50%, oder? Kommt drauf an. Wenn die Maische nur 7% oder so hat, vielleicht bekomst du 1/10 des Alks als wirklich hochwertigen Mittellauf heraus. Bei 12% bekommst du auch vielleicht sogar 2/10 des Alks hochwertig heaus. Aber eher dann so bis 55-60%. Ist der einzige Nachteil der Ausbeuteverlust, oder gibt es weitere Nachteile? Die Ausbeute ist vollkommen unhinnehmbar meiner Meinung nach. Jedenfalls, wenn man streng ist. Grundsätzlich steigt die Flüchtigkeit der Nachlaufsäuren unter 60% halt sehr schnell an.

Aus Sicht der Nachrichtentechnik ist ein einfacher Brand wohl wie eine 3-Wege-Frequenzweiche (VL, ML, NL) die eine sehr flache Steigung hat und alle Fraktionen nur verwaschen voneinander trennt ? :lol: Die vom Vorlauf ist nicht besonders flach. Die vom Nachlauf dagegen sehr.

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Re: [Erfahrungsbericht] 25 Liter arabische Destille (Premium)

Beitrag von DerOberfranke » 24. Mai 2020, 23:24

okey du trennst den NL also bei weitem kritischer ab als Schmickl in seinem Buch. Laut seiner Tabelle über die Mengenangaben der 3 Fraktionen in Abhängigkeit von der Maischestärke kann ich folgende Werte für die Mitellaufausbeute ableiten:

20 % Maische: 70 % - 81 % Ausbeute
16 % Maische: 67 % - 74 % Ausbeute
12 % Maische: 63 % - 72 % Ausbeute
5 % Maische: 52 % - 73 % Ausbeute

Das ist natürlich schon ein krasser Unterschied zu deinen Empfehlungen und Schmickl definiert Faktor 3 - 5 mehr Destillat als Edelbrand als du. Wie bewertest du diese Zahlen? Vielleicht habe ich gerade auch einen groben Denkfehler/Rechenfehler.

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Re: [Erfahrungsbericht] 25 Liter arabische Destille (Premium)

Beitrag von derwo » 24. Mai 2020, 23:45

Das ist Wunschdenken bzw hat das Ziel, hobbymäßiges Schnapsbrennen attraktiver zu machen. Also daß eine kleine Destille und wenig Maische reicht, um doch recht viel Schnaps zu bekommen.
Es gibt keine Brände aus Maische zu kaufen, welche ohne Kolonne nur einmal gebrannt werden. Außer peruanischem Pisco. Und wer weiß, irgendwo in Entwicklungsländern halt auch noch.

Meine Zahlen, also 1/10 bzw 2/10 sind allerdings zugegeben spekulativ. Denn ich würde nie auf die Idee kommen, das auszuprobieren. Schmickl schreibt selber, daß es keinen Sinn macht, herkömmliche Maischen nur einmal zu brennen. An der Stelle im Buch, die du meinst, schaut es ein bisschen anders aus, da hast du recht.
Den Schmickelschen Weg bin ich allerdings gegangen. Also auch ich habe lange aufgezuckerte Maischen mit Turbohefe gemacht. Der nächste Schritt war, diese Maischen mit geringem Reflux zu brennen. Danach bin ich dazu übergegangen, nicht mehr aufzuzuckern und weiterhin mit der Reflux zu brennen. Inzwischen nehme ich wieder die Potstill, aber brenne meistens dreifach, allerdings auf nicht viel höhere Prozente, als man bei einem Zweifachbrand kommt (ich brenne also den ersten und zweiten Brand extrem weit herunter).
Du siehst, man kann auch komplizierte Wege gehen.
Und niemand verbietet dir hier, deinen eigenen Weg zu suchen.



Edit: 2l 5% werden bei ihm120-170ml 43%iger Edelbrand. Allerdings hat der Edelbrand einer 5%igen Maische eine Tabelle weiter unten nur 20-30vol%. :eh: Hä??? Und der Nachlauf beginnt immer bei 91°C. Allerdings ist der Siedepunkt von 5% bei 96-97°C, bei 91° und 5% im Kessel dürfte also noch gar kein Destillat kommen. :problem:

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Re: [Erfahrungsbericht] 25 Liter arabische Destille (Premium)

Beitrag von DerOberfranke » 25. Mai 2020, 00:22

derwo hat geschrieben:
24. Mai 2020, 23:45
Das ist Wunschdenken bzw hat das Ziel, hobbymäßiges Schnapsbrennen attraktiver zu machen. Also daß eine kleine Destille und wenig Maische reicht, um doch recht viel Schnaps zu bekommen.
Es gibt keine Brände aus Maische zu kaufen, welche ohne Kolonne nur einmal gebrannt werden. Außer peruanischem Pisco. Und wer weiß, irgendwo in Entwicklungsländern halt auch noch.
das ist eigentlich schon fast traurig wie der Neuling des Schnapsbrennens mit süßen Zucker gelockt wird und dannach in den sauren Nachlaufapfel beißen muss...eine andere Formulierung viel mir dazu gerade nicht ein.

Meine Zahlen, also 1/10 bzw 2/10 sind allerdings zugegeben spekulativ. Denn ich würde nie auf die Idee kommen, das auszuprobieren. Schmickl schreibt selber, daß es keinen Sinn macht, herkömmliche Maischen nur einmal zu brennen. An der Stelle im Buch, die du meinst, schaut es ein bisschen anders aus, da hast du recht.
Den Schmickelschen Weg bin ich allerdings gegangen. Also auch ich habe lange aufgezuckerte Maischen mit Turbohefe gemacht. Der nächste Schritt war, diese Maischen mit geringem Reflux zu brennen. Danach bin ich dazu übergegangen, nicht mehr aufzuzuckern und weiterhin mit der Reflux zu brennen. Inzwischen nehme ich wieder die Potstill, aber brenne meistens dreifach, allerdings auf nicht viel höhere Prozente, als man bei einem Zweifachbrand kommt (ich brenne also den ersten und zweiten Brand extrem weit herunter).
Du siehst, man kann auch komplizierte Wege gehen.
Und niemand verbietet dir hier, deinen eigenen Weg zu suchen.
ist auf jeden Fall gut zu wissen dass du diesen Weg schon gegangen bist und nicht dabei geblieben bist. 2 mal weit runter brennen kostet natürlich schon ordentlich Energie. Was für ne Ausbeute hast du dann gemittelt 70 - 80 %? Ich merke schon der einfache Traum vom schnellen und einfachen Edelbrand nach dem Feierabend schmilzt dahin.

Edit: 2l 5% werden bei ihm120-170ml 43%iger Edelbrand. Allerdings hat der Edelbrand einer 5%igen Maische eine Tabelle weiter unten nur 20-30vol%. :eh: Hä??? Und der Nachlauf beginnt immer bei 91°C. Allerdings ist der Siedepunkt von 5% bei 96-97°C, bei 91° und 5% im Kessel dürfte also noch gar kein Destillat kommen. :problem:
ohje...das sieht nach groben Fehlern aus und ist mir noch nicht aufgefallen. Bei 91°C lag mein Destillat noch bei über 60 %...Eventuell beziehen sich die Werte von 120 - 170 ml Edelbrand mit 43 % vol auf einen notwendigen Zweifachbrand, hätte aber dann erwähnt werden müssen. Wenn nicht war wohl ein geheimer Alkoholtransformator im Einsatz :lol:

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derwo
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Re: [Erfahrungsbericht] 25 Liter arabische Destille (Premium)

Beitrag von derwo » 25. Mai 2020, 11:15

Ja, das weit herunterbrennen kostet viel Energie.
Meine Ausbeuten sind so zwischen 65 und 75%. Es ist aber viel Geschmacksfrage. Und den Vor- und Nachlauf kann man weiterverwenden. Entweder, wenn man nochmal dasselbe macht, oder man macht Neutralalkohol draus.