aktuelle Infos von Hampden

Alkohol aus Zuckerrohrmelasse, Rohrzucker oder Zuckerrohrsaft
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derwo
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aktuelle Infos von Hampden

Beitrag von derwo »

https://www.velier.it/en/rum/6130-under ... g-kit.html
Informationen direkt von dem Abfüller, der unverfälschte Hampden-Rums verkauft. Vieles ist natürlich schon bekannt. Was die Rum-Marks bedeuten, ist hier ein weiteres Mal erklärt, es ist Werbung für ein Set mit den acht verschiedenen Rum-Marks von Hampden. Aber die Infos gehen recht weit ins Detail.
Ich persönlich finde folgende Details interessant (und habe Screenshots gemacht, damit das nicht irgendwann verlorengeht).

Die Tabellen im unteren Drittel des Beitrags sind toll:
Hampden2.jpg
Hampden3.jpg
Hampden4.jpg
Und zusammen mit den Geschmacksprofilen und anderen Textinfos kann man vielleicht was draus ziehen:

OWH ("Outram W. Hussey")
OWH is one of Hampden’s most recent marks, having been created by the Hussey family in the first decade of the 21st century. It is the lightest mark, but a faithful expression of the Hampden style all the same.
Gemaischt ohne Essig-, Dunder oder Muckbeigabe und vergärt in drei Tagen auf 5vol% (was für Hampden hoch ist). Nur 40-80gr/HLPA (gramm pro Hektoliter Alkohol) Ester, davon nur 2.1% nicht-Ethylacetat. Diese anderen Ester sind vor allem Ehylcaproat (ein recht potentes Fruchtaroma)
Hampden5.jpg

LFCH ("Lawrence Francis Close Hussey")
LFCH is the other more recent mark invented by the Hussey family. Like OWH, it is made with molasses alone, but a longer fermentation enables it to develop a complex equilibrium of many different esters.
Ebenfalls gemaischt ohne Essig-, Dunder oder Muckbeigabe und vergärt einen Tag länger auf ebenfalls 5vol%. Nur 80-120gr/HLPA Ester, davon 2.8% nicht-Ethylacetat. Diese anderen Ester sind nun vor allem Ehylcaprylat und Ethylcaprinat, deutlich potentere Fruchtaromen als Ethylcaproat)
Hampden6.jpg
Diese beiden ersten Marks sind, wie sie selber schreiben, Neuentwicklungen von Hampden. Früher haben sie nicht solche "schwachen" Rums produziert. Allerdings verkauft man heute auch Hampden als Fertigprodukt, nicht zum Mischen mit billigerem Rum. Keine Dunder- und Muckzugaben und diese kurze Gärung bedeuten, daß da Hefe zugesetzt wird. Und das wirft die Frage auf, welche. Hampden ist ja auch für seine Hefe berühmt, eine Schizosaccharomyces pombe, das ist etwas deutlich anderes als unsere normalen Saccharomyces cerevisiae-Hefen für Wein, Bier oder zum Backen. Und die geben diese Spezialhefe nicht direkt in die Maische, sondern sie wird im Muck am Leben gehalten. Also ohne Muckzugabe keine Spezialhefe. Außer diese Hefe wird inzwischen zusätzlich außerhalb des Mucks kultiviert.
Jedenfalls haben diese beiden Rums nur wenig zu tun mit den lustigen Bildern von Hampdens vergammelten Maischen.

LROK ("Light Rum Over Kelly")
LROK is a historic mark, created at the end of the 19th century and dedicated to the Owen-Kelly family, then owners of Hampden Estate. From LROK onwards all five raw materials are used.
Ab nun haben alle Marks Essig, Dunder und Muck. In diesem Fall nur wenig von allen dreien. Und ab jetzt gären alle Maischen nur noch auf 2-4vol%. Fünf Tage Gärung. Bei so niedriger Alkoholstärke und bei hohen Temperaturen denke ich, wird da eine Infektion am Ende schon sichtbar sein (dünner weißer Film auf der ausgegärten Maische). Der niedrigere Alkoholgehalt kommt vor allem davon, daß viel zuckerreiche Melasse durch fast zuckerfreien Dunder ersetzt wurde.
Immerhin 200-400gr/HLPA Ester. Davon aber nur 2.1% nicht-Ethylacetat. Warum nur so wenig? Ein Großteil der zusätzlichen Ester kommt wohl von der Essigzugabe, welche ja fast nur das Ethylacetat erhöht. Durch die Muckzuagbe kommt jetzt viel Buttersäureester ("butyrate") dazu (im Muck sind Buttersäurebakterien). Sonst ist das Esterprofil nicht interessanter als bei den vorigen Marks.
Hampden7.jpg

HLCF ("Hampden Light Continental Flavoured")
HLCF can be viewed as the threshold for the higher ester profiles and this too has deep roots in the history of Hampden Estate’s reputation as a high-ester but balanced rum.
Von so einen hatte ich mir einmal eine Flasche gegönnt. Das ist schon sehr sehr aromstark. Normale Menschen, die hier und da mal einen Schnaps trinken, die finden sowas untrinkbar.
400-600gr/HLPA Ester. Und aber nur 1.7% davon nicht-Ethylacetat. Die Maische ist so gemacht wie die davor, aber hat zwei Tage länger gegärt. Die Folge davon ist mehr Buttesäureester und mehr wertvolles Ethylcaprylat. Die hohe Menge Buttersäureester bedeutet ein starkes Ananasaroma.
Hampden8.jpg

<>H ("Hampden")
The <>H mark expresses a high percentage of the intense flavors produced by ethyl butyrate, such as ripe bananas and pineapple, which are highly characteristic of the Hampden style. This mark is certainly the starting point for highly concentrated profiles.
900-1000gr/HLPA Ester. Mehr Essig, Duder und Muck und 10 Tage Gärung auf nur 2-4vol%, ich denke, diese Maische schaut am Ende der Gärung schon ziemlich übel aus.
Ich denke, ab hier ist der Rum eine wirklich sehr seltsame Spezialität, welche ursprünglich nur zum Mischen oder als Aromastoff gedacht war.
Stolze 5.5% der Ester sind nun nicht-Ethylacetat. Allerdings ist das fast nur noch Buttersäureester, also im Wesentlichen ein Ananasaroma. Ethylbuttersäureester ist eigentlich nicht so interessant wie manche Ester, die in den vorigen Rums zu finden waren. Ob sie geschmacklich trotzdem auch hier noch durchkommen, weiß ich nicht. Ethylbuttersäureester hat konzentriert einen sehr stechenden scharfen künstlichen Obstgeruch.
Hampden9.jpg

HGML ("Hampden George MacFarquhar Lawson")
With its high aromatic concentration levels and greater intensity, HGML was originally used for export market blending. It predominates with ethyl butyrate esters.
Der Untererschied zum vorigen ist die höhere Essigzugabe und fünf Tage längere Gärung. 1000-1100gr/HLPA Ester, also nur ein bisschen mehr, aber viel weniger nicht-Ethylacatat, nur 2.0%. Das ist die Folge der höheren Essigmenge. Und das bedeutet, daß der Rum viel stärker nach Lösungsmittel/Kleber riecht. Sonst dominiert hier wieder der Buttersäureester. Und etwas Milchsäureester kommt dazu, was den Geschmack wahrscheinlich etwas abmildert.
Hampden10.jpg

C<>H ("Continental Hampden")
Its extreme intensity makes C<>H a rare mark. Its production process is similar to HGML’s and its aroma profile is similar but its ester levels are even higher.
Der Unterschied zum vorigen ist der höhere Einsatz von Dunder und Muck und die nochmal fünf Tage längere Gärung (insgesamt 20 Tage). 1300-1400gr/HLPA Ester, davon 2.8% nicht-Ethylacetat. Anteilig etwas weniger Buttersäureester hilft wahrscheinlich der Komplexität.
Hampden11.jpg

DOK ("Dermot Owen Kelly-Lawson")
DOK is the highest ester-content rum at Hampden Estate and the whole of Jamaica. A legendary mark, DOK reaches the highest legal ester-content levels for rum. Tasting DOK is an extreme but extremely informative experience.
Das ist der letzte. Er gärt nochmal fünf Tage länger als der vorige, also insgesamt 25 Tage und hat dann 1500-1600gr/HLPA Ester, davon sensationelle 8.5% nicht-Ethylacetat, wobei das aber fast alles Buttersäureester sind.
Hampden12.jpg

Wenn man sich bei den höheren Rum-Marks die Veränderungen der nicht-Ethylacetat-Ester anschaut, ergibt das nicht immer 100% Sinn für mich. Wahrscheinlich liegt es an mir, veilleicht gibt es aber auch große Schwankungen und diese Daten sind etwas dem Zufall unterworfen.

Viele der Graphiken der nicht-Ethylacetat-Ester zeigen, daß Ethyl Lactate, also Milchsäureester, doch oft mengenmäßig einen großen Anteil hat. Dieser Ester wird sonst eher mit Vergärung von stärkehaltigen Maischen, also Whiskymaischen, in Verbindung gebracht.

Ein bisschen Falschinformation gibt es auch: The more substantial esters such as lactic acid and “capr-” can conjure up red fruits, coconut, sweet fruit or creamy and butter notes. But rather than a precise family of esters bringing specific nuances, it is the combination of all of these which generates the eight different identities and profiles. These esters are less volatile and usually do not evaporate, and it is thus in the mouth rather than the nose that we perceive them. Hm, wie sind sie denn ins Destillat gekommen, wenn sie nicht flüchtig sind? Hat sich da vielleicht jemand beirren lassen von den sehr hohen Siedepunkten dieser Substanzen, welche aber ja gar nichts über deren Flüchtigkeit aussagen?
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azeotrop
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Re: aktuelle Infos von Hampden

Beitrag von azeotrop »

Ich finde das auch sehr interessant. Danke dafür.
Bei den beiden Varianten mit extrem hohen Esterwerten sollte man im Auge behalten dass die als Rohstoff für
Dinge wie deutschen Rumverschnitt hergestellt wurden um die extrem hohen Zölle für Rum zu umgehen. Das war so um 1910. https://www.rumundco.de/magazin/rum-verschnitt/
Zum Trinken als Original Rum waren die nicht gedacht und vermutlich auch kein Vergnügen.

Weiss jemand was heutzutage mit den High Ester Bomben gemacht wird?

Frage:
Ganz unten zitierst du
esters such as lactic acid and “capr-”
Das sind doch Säuren und keine Ester, oder?
Es grüßt Azeotrop
"Doubt not, therefore, sir, but that distilling is an art, and an art worth your learning."
(Nixon & McCaw)
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derwo
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Re: aktuelle Infos von Hampden

Beitrag von derwo »

"esters such as lactic acid" meint halt lactic acid esters denke ich, also Milchsäureester. In den Tortenschnittgraphiken ist es eindeutiger, da steht "lactate" bzw "lactate esters". Also zB ethyl lactate.

Ich lese öfters, daß Hampden viel an die Lebensmittel- und Parfümindustrie verkauft. Also "Rumaroma". Große Märkte, wenngleich natürlich in den Produkten nur geringe Mengen verwendet werden:
Our rums are used extensively in the blending of other rums throughout the world. Our highest ester rums are prized by the food, flavoring and perfume industries. Currently, all rums are manufactured to order, however, Hampden does set aside certain Marks for aging. Das soll ein Zitat von der Hampden-Website sein, welches aber nicht mehr zu finden ist. War mal auf hd gepostet.

It’s one of Jamaica’s oldest rum distilleries, yet one of the newest rums on the market. Or is it? Hampden Estate has been producing rum in the quiet hills of Trelawny since the 1750s, but is not widely known in the market because it was largely sold in bulk to other distilleries both in Jamaica and internationally. You’d have to be an industry insider to know that Hampden Estate contributes to the world-renowned perfume scents of Chanel and the sensational Rum and Raisin ice cream flavor from Häagen-Dazs. It is also an ingredient in popular rums and spirits marketed around the world.
von https://www.visitjamaica.com/discover-j ... state-rum/

Ähnliche Infos: https://www.jamaicaobserver.com/busines ... um-demand/