Geschwindigkeit der Verdünnung

Alle Möglichkeiten der Nachbehandlung von Destillaten
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Alchemist
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Geschwindigkeit der Verdünnung

Beitrag von Alchemist »

Hallo,

ich wollte mit euch folgende Diskussion teilen:

Die Kernaussage, übersetzt (hab die Übersetzung nicht kontrolliert):
Ja, es kann in der Tat den endgültigen Geschmack beeinträchtigen und möglicherweise zum Verlust flüchtiger Verbindungen führen.

Das passiert folgendermaßen: Whisky beispielsweise ist ein hochkomplexes Produkt mit einer Vielzahl von Verbindungen, die in ihm herumschwimmen. Wenn man Wasser hinzufügt, zwingt man diese Verbindungen zur Interaktion, was dazu führen kann, dass bestimmte Aromen stärker hervortreten, während andere maskiert werden oder sogar ganz verloren gehen. Fachleute empfehlen, den Verdünnungsprozess über mehrere Tage oder sogar Wochen zu verteilen, um diesen Verbindungen ausreichend Zeit zu geben, sich anzupassen und wieder miteinander in Beziehung zu treten. Wenn Sie sich bei diesem Prozess Zeit lassen, können Sie ein ausgewogeneres und komplexeres Geschmacksprofil erzielen. Dies hängt übrigens mit einem wissenschaftlichen Phänomen zusammen, das als "Ouzo-Effekt" bekannt ist. Dabei geht es darum, wie die Auflösung einer bestimmten Substanz zu einer spontanen Emulsion führen kann. recherchieren Sie ein wenig darüber.

Fazit: Ja, die Zugabe von Wasser auf einmal kann sich auf den Geschmack des Endprodukts auswirken. ich hoffe, dass dies dazu beiträgt, mehr Klarheit in Ihre Destillationspraxis zu bringen.


Auf die Frage hin, ob Alkohol zu Wasser, oder Wasser zu Alkohol gegeben werden soll:
Auf diese Frage gibt es die gleiche Antwort wie auf die erste Frage, und zwar aus dem gleichen Grund. In beiden Fällen geht es darum, zu vermeiden, dass die Spirituose hohen Wasserkonzentrationen ausgesetzt wird. Dies wird erreicht, indem man der Spirituose nur kleine Mengen Wasser hinzufügt, und zwar langsam.
Es gibt Verbindungen in der Spirituose - insbesondere Schmelzöle -, die zwar in Alkohol, nicht aber in Wasser löslich sind. Wenn die Spirituose mit viel Wasser in Berührung kommt, lösen sich diese Verbindungen und bilden Emulsionen, die nur sehr schwer wieder aufgelöst werden können.
Große Wodkafabriken machen sich dieses Verhalten zunutze, indem sie die Fuseln mit viel Wasser mischen. Die Fuseln treten aus der Lösung aus und schwimmen an die Oberfläche, wo sie abgeschöpft werden können. Der Alkohol und das Wasser, die sich darunter befinden, können wieder destilliert werden, da sie nun frei von Fuseln sind.
Fügen Sie also immer Wasser zur Spirituose hinzu und tun Sie es langsam.



Ich frag mich: gibt es etwas, auf das man auch mal nicht achten muss?
Spaß beiseite, aber wie handhabt ihr das? Die paar Flaschen, die ich bis jetzt abgefüllt habe, hab ich recht schnell verdünnt. Also wenige Minuten. Zumindest hab ich darauf geachtet, dass die Temperatur von Alkohol und Wasser gleich sind. Aber dass die Geschwindigkeit auch einen Einfluss hat, hätte ich nicht erwartet. Zumindest war für mich die zweite Frage in diesem Zusammenhang (Alkohol zu Wasser, oder Wasser zu Alkohol) ganz klar, dass das Wasser zum Alkohol muss.
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derwo
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Re: Geschwindigkeit der Verdünnung

Beitrag von derwo »

Klingt aber nicht so, also ob der Antwortgeber auf reddit das selber ausprobiert hat. Eher als ob er nur Gelesenes wiedergibt.

Ich habe Zweifel, daß es wirklich was ausmacht. Als Test müsste man denselben Schnaps mal schnell und mal langsam verdünnen und -vielleicht ganz wichtig- beide danach noch etwas ruhen lassen, vielleicht eine Woche?

In jedem Fall ist es ein marketing claim. Jede Brennerei erzählt ungefragt was von langsam Verdünnen. Was freilich nicht beweist, daß sie Unrecht haben.

Man liest immer mal wieder von "Saponification", welche bei zu schnellem Verdünnen passieren soll. Auf deutsch Verseifung. Und dieser Prozes ist nicht einfach eine Erfindung.
Vielleicht findet ja jemand was, daß man zur gezielten Verseifung von wasauchimmer die Zutaten möglichst schnell ineinanderschütten soll. Ich könnte mir aber vorstellen, daß die Seifenhersteller auch alle eher was von schonend langsamer Herstellung erzählen.
Das ist jetzt aber zugegebenermaßen unsachlich von mir. Wie gesagt, man müsste das ausprobieren und dann blindverkosten. Bei meiner nächsten Verdünnungsaktion probier ich das mal.
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Alchemist
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Re: Geschwindigkeit der Verdünnung

Beitrag von Alchemist »

Dass Brennereien immer Wasser predigen und selber Wein trinken ist ja nichts neues.

Wenn die Firmen dass so schonend machen würden, und die Verdünnung auf Wochen hinstrecken im Gegensatz zu Minuten, dann wäre dieser Alkohol lange Zeit nicht verkaufsbereit. Das wäre ja nicht im Sinne der Wirtschaftlichkeit. Wenn es das Gesetz nicht verlangen würde, würden die den Whiskey auch nicht drei Jahre lang in Holzfässern lagern sondern schon eher veräußern, könnte ich mir vorstellen. Sie wollen halt alles, was man mit dem Wort "schonend" in Verbindung bringen könnte, zu ihrem Besten verwenden.

Was ich in diesem Zusammenhang der Geschwindigkeit noch vermuten würde: dass das langsame verdünnen und die "natürliche Reifung / Veresterung" simultan stattfindet. Vielleicht bildet man sich hier auch etwas ein, dass der langsam verdünnte dann eher "am Ziel" ist als der schnell verdünnte, weil der Alkohol ohnehin währenddessen natürlich nachreift und sanfter wird.


Für mich ist das etwas abstrakt. Wäre spannend, wen du dem etwas auf den Grund gehen könntest. Wie würdest du vorgehen? Den einen sofort auf Trinkstärke bringen und den langsamen täglich um 1% ? 0.5% ? runterbringen?
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derwo
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Re: Geschwindigkeit der Verdünnung

Beitrag von derwo »

An sooo langsam Verdünnen habe ich nicht gedacht.

Ein Beispiel, angenommen der unverdünnte Schnaps hat 70vol% und ich möchte nach dem Verdünnen 40vol% haben. Die Berechnung mache ich mit dem Verdünnungsrechner 1.
Vier Fläschchen, in zwei sind jeweils 100g unverdünnter Schnaps und in den anderen zwei jeweils 87.3g Wasser.
Das erste Wasser kippe ich schnell zum ersten unverdünnte Schnaps. Das zweite Wasser dagegen tröpfel ich verteilt auf einen Tag in den zweiten unverdünnte Schnaps, vielleicht in 10 Etappen. Danach verkoste ich einen kleinen Teil von beiden Schnäpsen. Dann lasse ich beide noch eine Woche stehen und verkoste dann nochmal beide.

Sollte man sowohl mal mit klarem als auch holzgelagertem Schnaps machen.
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azeotrop
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Re: Geschwindigkeit der Verdünnung

Beitrag von azeotrop »

Ich verdünne nur bei Neumond, und das auch nur in Schritten nicht größer als 10%. Da gehen einige Monate ins Land.
Für jeden Verdünnungsvorgang nutze ich ausschließlich belebtes Wasser.
Das Verfahren ist von Fachleuten bestätigt und entspricht neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Bitte selber googeln.
Es grüßt Azeotrop
"Doubt not, therefore, sir, but that distilling is an art, and an art worth your learning."
(Nixon & McCaw)
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derwo
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Re: Geschwindigkeit der Verdünnung

Beitrag von derwo »

Und mit Rosenquarzlöffel rühren. Rechts herum (Südhalbkugel links herum).
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azeotrop
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Re: Geschwindigkeit der Verdünnung

Beitrag von azeotrop »

Lieber Alchemist
Meine böse Übertreibung richtet sich überhaupt nicht gegen dich. Du hast ja nichts behauptet.
Es geht um die, die solchen Mist verzapfen.

Im Übrigen bitte ich darum meine Ansichten fleißig zu verlinken und weiter zu erzählen.
Es grüßt Azeotrop
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Alchemist
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Re: Geschwindigkeit der Verdünnung

Beitrag von Alchemist »

Keine Sorge Azeotrop. Das Internet hat mich schon abgehärtet.
Für mich ist es halt nicht ganz klar, ob da was dran ist. Deswegen wollt ich eure Meinungen dazu hören. Dass du nicht viel davon hältst, weiß ich nun auch :D