Meine VM- Edelstahl Destille

Der Selbstbau von Destillen
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T-500
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Meine VM- Edelstahl Destille

Beitrag von T-500 »

Dass meine T-500 Refluxkolonne keinen echten Neutralen erzeugen kann, hatte ich bei meinem ersten (Apfel) Brand gemerkt. Angeregt durch das Buch The complete distiller sowie die Beiträge von Azeotrop und Umwandler, entschied ich mich für einen Eigenbau. Sinnvoll erschien mir ein Edelstahlbaukasten auf Basis von 2“ Tri Clamp Verbindungen. Hier wurden ja schon verschiedene Kombinationsmöglichkeiten präsentiert, die ich als Anregung gern einbezog. Das Geniale dabei ist, dass man weder Löten noch Schweißen muss und die Teile gut verfügbar sind.
Wichtig ist mir, dass ich alles Equipment nach Nutzung abbauen und gut verbergen kann. Es muss ja im Haus nichts Offensichtliches herumstehen, zumal wir zur Miete wohnen. Alles lässt sich gut in einer Kiste verstauen.
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Hier die Bauteile einmal geordnet.
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Die Kolonne selbst ist 1,15m hoch, hinzu kommen gut 10cm vom Schauglas, sodass ich 1,25m Packungshöhe plus Halte-Schrubber erreiche.
Hier nun der Aufbau
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Ich richte die Kolonne mit einer Wasserwaage aus, damit der Reflux gerade herunterläuft und nicht an der Wandung abrinnt. Zum Stützen verwende ich einen mobilen Kleiderständer.
Oben ins Schauglas habe ich einen kleinen Trichter eingeklemmt, damit der Reflux etwas zentriert wird.
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Zum Fixieren des Schrubbers habe ich einen 5cm Triclamp Lochfilter , den ich aber noch zusätzlich aufgesägt habe, um noch weniger Widerstand zu haben
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Das SPP und die Edelstahlspirale hab ich in Polen gekauft. Beim ersten Test hatte ich gemerkt, dass der beschleunigte Dampf fast ungebremst oben durch das Belüftungsloch pfiff. Etwas vom Edelstahlschrubber in die Öffnung der Spirale löste dieses Phänomen dauerhaft.
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Das Herzstück ist ein 1“ Edelstahl T-Stück, wo ich oben und unten einen 2“ Tri Clamp Adapter mit 1“ Außengewinde schraubte. An der Seite dann ein 1“ Schieber Hahn, gefolgt von einem 1“ Edelstahl Ellebogen. Dann eine 1“ Verlängerung mit Reduzierstück auf 1/2“ Außengewinde. Da kommt dann der Liebigkondenser mit 1/2“ Muffe dran. Ins T-Stück hatte ich seitlich noch einen Thermometerport eingebaut, genau in die Seite, wo kein Reflux drauf dropft.
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Nach dem Brennen koche ich das SPP im heißen Wasser und trockne es im Backofen.
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Es hat eine Weile gedauert, bis ich mit den Ergebnissen zufrieden war. Entscheidend waren die Beiträge über Fluten- oder Nicht-Fluten der SPP Kolonne. Erst als ich das SPP durch kräftiges Aufstoßen der Kolonne gut verdichte und beim Brennen nahe einer Teil-Flutung fahre, hab ich die erhofften 96% Vol erreicht. Der Lernprozess ist noch nicht vorbei. Mit dem letzten Versuch war ich jedoch zu 100% zufrieden. Ein effizienter Workflow ink. Auf- und Abbau habe ich etabliert.
Ich bin froh auf dieses Forum gestoßen zu sein und danke den erfahrenen Brennern, dass ihr euer tiefgründiges Wissen teilt.
Mit besten Grüßen
T-500 :)
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azeotrop
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Re: Meine VM- Edelstahl Destille

Beitrag von azeotrop »

Es macht einfach Freude mitzubekommen wie interessiert du Informationen aufnimmst, bewertest und umsetzst.
Das sieht alles gut aus - gut gemacht.

Mit "Edelstahlspirale" meinst du den Refluxkondensator, oder?
Ich habe Kupferspiralen mit Edelstahlspiralen verglichen und getestet. Die Kupferspiralen sind deutlich überlegen. Da würde ich dir zu einem Selbstbau raten. Dann tritt auch das beschriebene Problem nicht auf weil du die Wicklungen besser verteilen kannst. Das ist nur ein Tipp wenn es dir mal langweilig werden sollte. :lol:
Es grüßt Azeotrop
"Doubt not, therefore, sir, but that distilling is an art, and an art worth your learning."
(Nixon & McCaw)
Umwandler
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Re: Meine VM- Edelstahl Destille

Beitrag von Umwandler »

Auch ich kann nur sagen : :bravo: :bravo:

Gut ist auch das du das Lochblech weiter aufgeschnitten hast. Du hast viel gelesen und berücksichtig. :+1:

Die Füllung muss recht dicht gepackt sein, ich klopfe die Kolonne immer leicht auf ein Holzbrett. Dann passt nach der Reinigung auch alles wieder rein.

Das mit dem "Duchpfeifen" hatte ich auch schon beim ersten Test, es kam teils Flüssiger Alkohol durch die Belüftung.
Das lag aber eher an der Heizleistung, die hatte ich nicht schnell genug zurück genommen :doh:

Eine Kupferspule ist recht leicht, mit etwas Übung, zu wickeln. Meine klappte beim ersten Mal.
Ich würde sie beim nächsten Mal aber länger machen.

Ich habe auch etwas Kupferwolle in die Spule gestopft, unten etwas spitz auslaufen lassen damit das Destilat zentrisch abtropft.
Ich bilde mir auch ein das die Kühlleistung etwas besser ist. :dontknow:

Ich denke du hast die Spule gekauft, oder?

Und nimm mehr Kupfer in der Packung, der Wo hat mir da die Augen geöffnet.
Kupfernetz gibt es recht günstig bei Amazon.

Die Position Thermoports könnte schlecht gewählt sein, vom Bild her.

Aber sonst sieht das ganze gut aus.

Mit wieviel Leistung fährst du das ganze?
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T-500
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Re: Meine VM- Edelstahl Destille

Beitrag von T-500 »

Vielen Dank für eueren Zuspruch, das freut mich. Die Edelstahlspule ist gekauft und funktioniert mit dem Schrubber tadellos bei geringem Wasserverbrauch. Alledings verlangt sie ein 30cm Rohr, so lang ist sie. Ich hab mir vor ein paar Monaten erfolgreich eine Kupferspule aus 2m 6mm Kupfereohr gewickelt. Die hatte ich auch schon probiert, allerdings ist sie keine 10cm lang. Derwo hatte aus 2m Kupereohr auch mal eine gewickelt, erinnere ich mich. Mit gut Wasserdurchlauf schafft sie auch die 2,2KW Leistung zu kondensieren, aber halt nicht effizient. Beim Wickeln hatte ich feines Salz eingefüllt, das funktionierte 1A!
Mit der Position des Thermometerports bin ich zufrieden. Die Temperatur steht über Stunden ohne zu schwanken.
Ich habe noch viel zu probieren und noch einiges vor. 😁
Mit besten Grüßen
T-500 :)
Umwandler
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Re: Meine VM- Edelstahl Destille

Beitrag von Umwandler »

Meine Refluxspule ist Kupferrohr (weich) 6x1mm / 5m Doppelt gewickelt.
Zum wickeln mit Wasser gefüllt und eingefroren.

Nach dem Bauen ist vor dem Bauen. ;)
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Alchemist
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Re: Meine VM- Edelstahl Destille

Beitrag von Alchemist »

Auch von meiner Seite: glückwunsch, man sieht, dass dir das Hobby im Blut liegt. Ich freue mich schon auf deine künftigen Beiträge.
Umwandler hat geschrieben: 9. Jun 2024, 21:24 Die Position Thermoports könnte schlecht gewählt sein, vom Bild her.
Wo hättest du ihn platziert?
Umwandler
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Re: Meine VM- Edelstahl Destille

Beitrag von Umwandler »

Alchemist hat geschrieben: 10. Jun 2024, 08:45
Umwandler hat geschrieben: 9. Jun 2024, 21:24 Die Position Thermoports könnte schlecht gewählt sein, vom Bild her.
Wo hättest du ihn platziert?
Mein Thermometer sitzt senkrecht und weiter hinten. Es ist auch in Strömungsrichtung abgeschirmt.
VM Kopf
VM Kopf
Abschirmung
Abschirmung
Thermometer eingesteckt
Thermometer eingesteckt
Sensorkopf
Sensorkopf
Durch den Externen Rückfluss hätte ich mir das auch wahrscheinlich sparen können aber es läuft bei mir auch an der Schauglaswand was runter.
Sicher ist sicher. :thinking:
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derwo
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Re: Meine VM- Edelstahl Destille

Beitrag von derwo »

Hätte ich nicht gedacht, daß du bei dieser 30cm langen Spule Probleme hast, alles zu kondensieren.
Und auch, daß es so einen großen Unterschied gibt bei Refluxkondensatoren zwischen Edelstahl und Kupfer, wie azeotrop das erfahren hat, überrascht mich.

Eine gute Abschirmung des Thermometers vom Reflux ist nur wichtig, wenn man deutlich unterhalb des Azeotrops destilliert, also Aromabrände macht. Denn beim Azeotrop gibt es keinen Temperaturunterschied zwischen Dampf und Reflux. Und in der Nähe des Azeotrops ist er nur sehr klein.
Ich habe da auch mal lange rumgeknobelt, aber da ging es um eine LM für Einfach-Aromabrände. Deine VM nimmst du ja wahrscheinlich nur für Vodka und Neutralalkohol.
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T-500
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Re: Meine VM- Edelstahl Destille

Beitrag von T-500 »

Ich verwende die VM nur für Neutralen/ Wodka. Bei der Edelstahlspule ist der freie Raum im Inneren sehr groß, sodass der Dampf wie in einem Schornstein ungebremst hindurchfegen kann, wenn man den Weg nicht einengt. Seitdem ich den Schrubber reingestopft habe, gibt es garkeine Probleme. Die Spule könnte auch viel mehr Leistung stemmen. Klar ist natürlich auch, dass Kupfer ein wesentlich besserer Wärmeleiter ist und daher neben der frei wählbaren Form noch eine etwass bessere Effizienz hinzukommt. Am Ende ist der Preis für die fertige Edelstahlspule günstiger/ gleichwertig als 4m Kupferrohr. Man könnte ggf. Noch zusätzliche 10cm Packungshöhe gewinnen, wenn man selbst wickelt. 2024 ist ja noch lang 😀
Mit besten Grüßen
T-500 :)
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T-500
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Re: Meine VM- Edelstahl Destille

Beitrag von T-500 »

Azeotrop hatte bei seiner VM den Kühler schräg gestellt, weil die Deckenhöhe sonst zu niedrig ist um auf eine hohe Packungssäule zu kommen. Da ich mit meiner Konstruktion „nur“ auf max. 1,28m komme, hab ich überlegt, wie ich das mit dem „Edelstahlbaukasten“ lösen könnte.
Hier das maximal mögliche in meinem Raum.
SPP Höhe 1,40m. Habs noch nicht durchgetestet, weil ich zusätzliches SPP brauche 8-) Die Schrägstellung reicht aus, damit das Kondensat abfließen kann.
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Mit besten Grüßen
T-500 :)
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Alchemist
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Re: Meine VM- Edelstahl Destille

Beitrag von Alchemist »

Ein schönes Labor hast du.

Nach dem 90° Bogen, hast du da noch ein Gefälle oder? Du schreibst zwar, es kann abfließen, aber das schaut mir am Foto ziemlich eben aus. Du hast das ja auf cm ausgemessen. 8-)
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T-500
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Re: Meine VM- Edelstahl Destille

Beitrag von T-500 »

Alchemist hat geschrieben: 13. Jun 2024, 20:26 Du schreibst zwar, es kann abfließen, aber das schaut mir am Foto ziemlich eben aus
Moin Alchemist, ja, das ist das absolute Maximum, was ich da rausgequetscht habe. Das mit dem Rückfluss hatte ich schon getestet, es funktioniert. :lol:
Mit besten Grüßen
T-500 :)