Neue Destille gesucht: wo anfangen?

Häufig fängt ein Thema damit an, daß sich jemand eine Destille kaufen möchte, aber im Laufe der Diskussion wandelt sich der Plan in Richtung Selbstbau.
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Alex_69
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Neue Destille gesucht: wo anfangen?

Beitrag von Alex_69 »

Liebe Brennmeister,

ich arbeite nun seit wenigen Jahren am Brennen von Gin und Obstbränden und benutze ein 2 Liter Coppergarden Destille, wie zB https://www.destillatio.eu/coppergarden ... 11104_3162. Nun sehe ich, dass Gin gut damit geht, aber Obstbrände, wie Williams Birne, oder Pflaume schwer tu trennen ist. ich hab immer erst mal ein Raunrand gemacht, also alles rüber gezogen,. es Ergebnis sich 35%ige Raubrände. Dann habe ich einmal fein destilliert.
Also ich habe Probleme den Vorlauf sauber abzutrennen, d.h. zuviel Vorlauf geht verloren und ich habe zu Früh schon Nachlauf. Ich habe versucht das Steigrohr doppelt so hoch zu machen, hab dazu rassig Ringe getan um eine bessere Trennung zu bekommen. Ich befürchte aber, dass ich aparativ an Grenzen komme.
Nun bastle ich gerne, aber ich will mich nicht wirklich ganz in ein neues Fachgebiet einarbeiten, also Metallkunde. Ich habe von derwo seine Gegenüberstellung der Refluxsystemen gelesen viewtopic.php?p=16279&hilit=liquid#p16279, und frage mich jetzt, ob ein solches LM-Systeme das geeignete wäre, um schöne Obstbrände zu machen?

Doch gibt es solche Systeme käuflich in Klein, also nicht 50 liter, sondern < 20 Liter, besser 2-5 Liter?
Oder kann ich besser sowas bauen, aber mit einfachen Mitteln? Wie gesagt, ich brenne gerne (bin ja auch mal Chemielaborant gewesen), doch wirklich von Anfang an alles selbst basteln, ist nicht mein Traum.
Kann mir jemand dazu helfen? Also fertige Anlagen, oder Bauanleitungen für nicht Klempner, Kupfer-Spengler und andere Profis des Metallbaus?

Herzlichst,

Alex_69
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azeotrop
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Re: Neue Destille gesucht: wo anfangen?

Beitrag von azeotrop »

Alex
Du brauchst für Brände die aromatisch schmecken sollen keine Kolonne und keine Packung.
Eine normale Potstill ist prima geeignet wenn man zweimal oder dreimal brennt.
Ich mach sehr oft Dreifachbrände aber nie, nie Einfachbrände.
Die Abtrennung macht man nur beim letzten Brand, nicht beim Rauhbrand.
Lies mal das hier: viewtopic.php?t=190&start=50
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derwo
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Re: Neue Destille gesucht: wo anfangen?

Beitrag von derwo »

Ich denke auch, daß man mit einer Potstill im doppelt oder dreifachbrennen am besten unterwegs ist, um aromastarke Destillate zu erhalten. Ungeeignet ist die Potstill nur, wenn man guten Neutralalkohol selber herstellen möchte.
Ich habe meine Potstill um eine kleine CM erweitert, um den Vorlauf schärfer abtrennen zu können. Den Bau habe ich hier beschrieben: viewtopic.php?t=569
Ich bin bei diesem System geblieben. Aber daß man ohne diesen CM-Zusatz unzufrieden und mit diesem dann zufrieden ist, so viel macht das nicht aus.

Ich empfehle dir, wenn du was neues willst, eine größere Potstill zu nehmen. Oder du probierst noch ein bisschen mit deiner kleinen rum. Du machst ja immer Doppelbrände. Probier mal einen Einfachbrand. Wenn das den Geschmack in die Richtung verschlimmert, die dich auch beim Doppelbrand stört, dann probiere mal einen Dreifachbrand. Die Ausbeute wird allerdings dadurch kaum steigen. Nur der Geschmack wird sauberer.

LMs gibt es kaum welche zu kaufen. Nur welche, die auf das optimiert sind, was sie gut können: Neutralalkohol. Also es gibt welche mit sehr kleinen Produkt-Nadelventilen, meist dann auch ganz ohne Produktkühler (also das Destillat wird einfach heiß gesammelt). Und alle halt richtig groß. Googel mal AAbratek, dann findest du Anbieter zB aus Polen.
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azeotrop
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Re: Neue Destille gesucht: wo anfangen?

Beitrag von azeotrop »

Alex
Die Größe deiner Potstill solltest du von der Menge Maische abhängig machen die du auf einmal herstellst.
Ich meine es wäre vernünftig die gesamte Menge in 3 Rauhbränden brennen zu können.
Dann folgen vielleicht zwei zweite Brände und ein dritter Brand.
Es kann sein dass deine 2 Liter für dich passen, es kann sein dass 15 Liter besser wäre.
Wenn du nur eine Füllung für den Rauhbrand einmaischt, hast du beim dritten Brand kaum mehr was im Kessel. Für solche Fälle ist ein zweiter, kleiner Kessel hilfreich.

Ich kenne mich mit fertigen Potstills nicht aus weil ich ein Selbstbauer bin. Wenn du dich für die passende Größe entschieden hast, kannst du ja gezielt nach einer Kaufempfehlung fragen. Es findet sich bestimmt jemand im Forum der was dazu sagen kann.

Eines ist aber sicher. Man kann mit einer Potstill beim dritten Brand problemlos den Vorlauf abtrennen und die Vorlaufmenge wird klein sein.
Wenn das anders ist, liegt es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht an der Potstill.
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Alex_69
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Re: Neue Destille gesucht: wo anfangen?

Beitrag von Alex_69 »

Hallo azeotrop,

danke dir. OK, meine Apparatur ist ok :-). keine Packung machen, ok. Macht es sinn den Steigrohr zu verlängern, damit die Dämpfe alt. Nachlauf mittragen? Ich arbeite ja gerade an der Birne viewtopic.php?t=1228, wo ich von Euch viele Tipps bekomme.
Hier die Frage: Raubrand, all inn, dann 1. Feinbrand: was davon abtrennen? Vorlauf+Nachlauf? 2. Feinbrand: wieder Vorlauf, Nachlauf abtrennen?

Hallo derwo, ja eine größere Postille ist bestimmt sinnvoller, doch wie bekommet man sowas legal? Ich arbeite ja unter dem radar...und spiele nur rum für mich. Größere Geräte fertig zu kaufen geht m.W. nicht ohne dass es auffällig wird. :-(

Herzlichst,

Alexander
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azeotrop
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Re: Neue Destille gesucht: wo anfangen?

Beitrag von azeotrop »

Alex_69 hat geschrieben: 1. Jan 2024, 14:04 Macht es sinn den Steigrohr zu verlängern, damit die Dämpfe alt. Nachlauf mittragen?
Den Satz verstehe ich nicht
Alex_69 hat geschrieben: 1. Jan 2024, 14:04 Hier die Frage: Raubrand, all inn, dann 1. Feinbrand: was davon abtrennen? Vorlauf+Nachlauf? 2. Feinbrand: wieder Vorlauf, Nachlauf abtrennen?
Abtrennen nur beim letzten finalen Brand mit der höchsten Alkoholstärke im Kessel. Bei den vorherigen Bränden ruterbrennen bis nur noch Wasser kommt und komplett für den nächsten Brand in den Kessel kippen.
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derwo
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Re: Neue Destille gesucht: wo anfangen?

Beitrag von derwo »

Einzelkomponenten kann man gut legal kaufen.
Klempnerbedarf natürlich auch.
Und komplette Destillen, ich habe nicht den Eindruck, daß da überhaupt irgendwas kontrolliert wird. Zumindest, wenn es nicht danach ausschaut, daß man Mengen produziert, die auf ein Verkaufen und somit auch Steuernhinterziehen schließen lassen.
Ich mein, gib bei ebay "Destille" ein und du findest sehr vieles recht großes, oder? Das meiste dort ist aber halt nicht besonders gut.
Selbstbau oder zumindest selber Komponenten zusammenstellen (stilldragon oder ähnliches auf aliexpress) ist halt schon besser. Und manche Sachen gibt es gar nicht zu kaufen für Hobbydestillen, zB Rührwerke.
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Re: Neue Destille gesucht: wo anfangen?

Beitrag von Alex_69 »

Hallo Azeotrop,

ich meine, ob ich die Steigrohre über dem Topf mit der Maische möglichst lang machen soll bis zum Gesitrohr, damit aufsteigende Dämpfe, die Wasser mitreissen, wieder "runterfallen" können... war so mein Gedanken, den ich bei derwo gelesen habe, als es um Skalierung von Anlagen ging. Die kinetische Energien der Teilchen und somit die Flugweiten sind ja die gleichen, egal, ob ich eine echte grosse Destille nehme, die eine Bauhöhe von >2 m hat, oder eine mini-Destille, wie meine. In einer großem Destille ist der Abstand Sumpf zu Geistrohr im Meterbereich, bei mir 20-40 cm. Wenn ich dieses Steigrohr verlängere, war mein Gedanken, kann ich die Prozesse, die ich von der Wasserdampfdestillation kenne, vermeiden.
Abtrennen nur beim letzten finalen Brand mit der höchsten Alkoholstärke im Kessel. Bei den vorherigen Bränden ruterbrennen bis nur noch Wasser kommt und komplett für den nächsten Brand in den Kessel kippen.
Ok, ich danke dir. Muss ich den Feinbrand auf eine bestimmte Stärke verdünnen, oder kann ich mit den 70 Vol% direkt abtrennen?? Das Wasser, das du a meinst kommt in den nächsten Raubrand, richtig?

Hallo Derwo,
ok, ich danke dir. Ist schon wichtig, Impuls edu bekommen. Ich gehe davon aus, dass hier im Forum viele gute Ansätze für solche Destillen gibt; hast du ein Rat, welcher ein guter "Einsteiger" wäre? Ich kann bei mir am Institut bestimmt einzelne Teile schweissen lassen, das sollte ich geregelt bekommen ...

ich danke Euch beiden sehr, und wünsche Euch und allen anderen ein gesundes und schönes neues Jahr!!
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azeotrop
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Re: Neue Destille gesucht: wo anfangen?

Beitrag von azeotrop »

Alex_69 hat geschrieben: 1. Jan 2024, 18:32 damit aufsteigende Dämpfe, die Wasser mitreissen, wieder "runterfallen" können...
Dieses Bild kann ich nicht nachvollziehen. Längere leere Steigrohre haben eine etwas höhere passive Rektifikation als kurze. Ich denke nicht dass man große Destillen auf kleine Destillen skalieren kann.
Ich würde die Länge so wählen dass es mechanisch zusammen passt. dass der Liebig gut mit einem vernünftigen Gefälle dran passt usw.
Alex_69 hat geschrieben: 1. Jan 2024, 18:32 Muss ich den Feinbrand auf eine bestimmte Stärke verdünnen
Nein, nicht verdünnen. Man brennt die Brände vor dem Feinbrand immer soweit runter dass kein Alkohol mehr im Kessel ist und nur noch Wasser kommt. Der Rauhbrand landet dann zwischen 25% und 30% und auch der zweite Brand erreicht niemals 70%.
In amerikanischen Foren wird davor gewarnt mehr als 40% im Kessel zu haben. Ich teile diese Bedenken nicht, stelle aber hohe Anforderungen an die Stabilität und Dichtheit beiner Destillen.
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Re: Neue Destille gesucht: wo anfangen?

Beitrag von Alex_69 »

Hallo Azeotrop,
komisch, Skalierungsansätze sind doch sinnvoll, oder?
Soll ich wirklich bis nur Wasser kommt den Raubrand abbrennen? Im Pischl und Tanner/Brunner habe ich von 2-3 Vol% gelesen, wo man abbrechen soll.
Welche Alkoholstärke der Raubrand hat hängt bestimmt auch vom Alkohol-Gehalt der Maische ab. Ich habe zB meine Williams.Birne abgebrannt, s. https://hobbybrennen.ch/viewtopic.php?t=1228 und habe ca. 33-35 Vol% als Raubrand erhalten. Der Feinbrand ergab ca 72-75 Vol%. Das könnte ich jetzt wieder das zweite Mal brennen…
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azeotrop
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Re: Neue Destille gesucht: wo anfangen?

Beitrag von azeotrop »

Alex_69 hat geschrieben: 1. Jan 2024, 20:37 komisch, Skalierungsansätze sind doch sinnvoll, oder?
Ich weiß nicht was daran komisch ist. Betrachte mal das interne Verhältnis von Volumen zu Oberfläche und prüfe of das linear skaliert.
Alex_69 hat geschrieben: 1. Jan 2024, 20:37 Soll ich wirklich bis nur Wasser kommt den Raubrand abbrennen?
Du hattest gefragt ob du vor dem Feinbrand verdünnen sollst und die 70% erwähnt. Ich habe dir erklärt was zu tun ist damit das nicht auftritt.

Da du die 70% nun eben schon hast ist es dafür zu spät. Ich habe das bei Aromabränden noch nie gemacht und kann nur mutmaßen.
Ich würde lieber die 70% unverdünnt nochmal brennen.
Bei Testbränden - um das Verhalten von Destillen zu studieren - habe ich aber schon häufig so hohe Alkoholstärken im Kessel gehabt.
Eine Potstill ohne zusätzliche Rektifikation erzeugt in den ersten Minuten aus 60% ein Destillat von ca. 83% und bei 70% werden daraus 86%.
Kein weltbewegender Unterschied, oder?
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Re: Neue Destille gesucht: wo anfangen?

Beitrag von Alex_69 »

Ok, ich danke dir. Werde es unverdünnt probieren.
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derwo
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Re: Neue Destille gesucht: wo anfangen?

Beitrag von derwo »

Alex_69 hat geschrieben: 1. Jan 2024, 20:37Soll ich wirklich bis nur Wasser kommt den Raubrand abbrennen? Im Pischl und Tanner/Brunner habe ich von 2-3 Vol% gelesen, wo man abbrechen soll.
Das kann man auch so machen. Dann wird aber je nach Alkoholstärke der Maische ein Dreifachbrand sehr hochprozentig werden. Wodurch er dann vielleicht weniger Körper hat, auch wenn er schön sauber ist. Es hat natürlich kienen Sinn, Destillat zu sammeln, welches nur grauslich ist. Der späte Nachlauf ist grauslich, aber vielleicht nicht nur grauslich, dann kann man ihn nehmen. Das Problem ist, daß man das während des Brennens nicht wirklich beurteilen kann. Ob man aus 10lt 3lt Raubrand oder 4lt Raubrand sammelt, hat einen Impact, aber runieren tut man einen Brand nicht mit der weniger guten Entscheidung. Beim Dreifaxchbrennen muss man jedenfalls die ersten beiden Brände weiter runterbrennen als beim Raubrand eines Doppelbrands.
Alex_69 hat geschrieben: 1. Jan 2024, 18:32ich meine, ob ich die Steigrohre über dem Topf mit der Maische möglichst lang machen soll bis zum Gesitrohr, damit aufsteigende Dämpfe, die Wasser mitreissen, wieder "runterfallen" können...
Damit meine ich "entrainment". Der Dampf reißt Flüssigkeitströpfchen mit. Also auch Stoffe, welche erst später im Nachlauf oder sogar gar nicht ins Destillat gehen müssten. Das ist glaube ich der Hauptgrund, warum man mit Minidestillen nicht mehrfach schneller die Destillation abwickeln kann wie mit eine großen Destille.
azeotrop hat geschrieben: 1. Jan 2024, 21:04Eine Potstill ohne zusätzliche Rektifikation erzeugt in den ersten Minuten aus 60% ein Destillat von ca. 83% und bei 70% werden daraus 86%.
Kein weltbewegender Unterschied, oder?
Aber im Lauf der Destillation macht es dann doch einen Unterschied. Denn mit anfangs 70% im Kessel, bleibt die Dampfalkoholstärke länger oben als mit anfangs 60%. Das bedeutet, du erreichst bei anfangs 70% den Nachlauf bei einer deutlich höheren Alkoholstärke als bei anfangs 60%.
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azeotrop
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Re: Neue Destille gesucht: wo anfangen?

Beitrag von azeotrop »

derwo hat geschrieben: 1. Jan 2024, 22:33 Das bedeutet, du erreichst bei anfangs 70% den Nachlauf bei einer deutlich höheren Alkoholstärke als bei anfangs 60%.
Meinst du dass Verdünnen sinnvoll gewesen wäre?
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derwo
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Re: Neue Destille gesucht: wo anfangen?

Beitrag von derwo »

Keine Ahnung. Auf 70% muss man halt aber auch erstmal kommen. Das schafft man mit zwei Bränden nur, indem man entweder etwas extrem Zuckerhaltiges brennt, also wahrscheinlich stark aufgezuckert, oder indem man viel Alkohol im Kessel zurücklässt. Beides ist schlecht. Keine Ahnung, ob dann besser ist zu verdünnen oder nicht. Dreifachbrand unverdünnt bei Turbomaischen, ich glaube sowieso nicht, daß das eine so tolle Methode ist.

Edit: Ich hatte meistens 42-48vol% im Kessel bei Dreifachbrand-Feinbränden. Bei Kirsch und Zwetschge sogar nur so 25vol%. Das höchste war Bourbon mit 52vol% im Kessel. Also 70vol% ist wirklich sehr hoch.
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azeotrop
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Re: Neue Destille gesucht: wo anfangen?

Beitrag von azeotrop »

Die Frage war ja: verdünnen oder nicht. Teufel oder Belzebub.
Ich war auch noch nie in soch einer Situation.
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Alex_69
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Re: Neue Destille gesucht: wo anfangen?

Beitrag von Alex_69 »

Hallo derwo und Azeotrop,

es ist schon müssig 12 Liter Maische 8 mal brennen zu müssen... ich habe mich umgesehen und denke an einer Potstill von stilldragon nach. Nur der Topf ist zu groß und sowieso nicht mehr erhältlich. Wenn ich einen Topf wählen soll, zB 20 oder 25 Liter, worauf soll ich achten?
Ich will gerne eine Herdplatte nehmen, oder Induktionsplatte. Man findet viele Töpfe, die auch zum Destillieren "geeignet" sind, aber nicht für E-her/Induktion gut, also kein Sandwichboden. Ich habe zwar bei Aliexpress interessante Dest.-Töpfe gesehen, diese kommen aber aus China und werden vermutlich durch den Zoll gehen, was ich vermeiden will. Man sieht dann deutlich, worum es geht...

Ich hab auch schöne Profi-Töpfe gesehen, also zum Kochen mit schönen stabilen Deckeln und ordentlichem Boden; diese lassen sich aber nicht verschliessen (klar!). Den Deckel könnte ich am Institut ausschneiden lassen, sodass ich den 2" Adapter zum Postill anbringen könnte. Aber wie verschliessen? Muss ich bei der Verbind Topf-Deckel eine Dichtung einbringen?
Bei Mengen um 15 Liter muss auch ein Rührwerkzeug rein. Doch rührt man schnell, oder langsam, und wie? Wenn in der Maische noch Kerne drin sind, sollten diese nicht zermahlen werden...
Viele Fragen...
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Alchemist
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Re: Neue Destille gesucht: wo anfangen?

Beitrag von Alchemist »

Ich hab mir einen 25 L Topf besorgt. Da bringt man schon einiges unter. Du könntest dir noch überlegen, ob du nicht einen großen (Raubrände) und einen kleinen Topf für die Feinbrände kaufen solltest. Die Größe sollte man aber abstimmen, dass man dann den jeweiligen Topf nicht halb-leer betreibt. Der Topf sollte auch eine Auflagefläche besitzen, also einen Schüttrand. Sonst wird später das abdichten schwierig.

Mach dir mal Gedanken, welche Größe dein Topf letztlich haben soll. Das entscheidet dann vieles. Berücksichtige dabei auch, dass du den Topf niemals voll befüllen wirst. Aus 20 L Volumen werden dann eher 15-16 L, die du reinfüllen wirst.
Überleg dir auch, welche Heizleistung du aufbringen kannst. Normale Cerankochfeld-Platten bzw. Induktionsfelder sind ungeeignet, weil sie ständig pulsen (ein-/ausschalten). Die Destille wird dadurch unruhig.

Die Heizleistung entscheidet dann, wie schnell du destillieren wirst, und welchen Durchmesser deine Rohre haben müssen. Es gibt fertige Kochplatten mit ca. 1500 Watt. Es gibt Eigenbauten mit 2600 Watt, falls du dir das zutraust. Manche befeuern die Destille auch mit Gas. Da bist du dann gleich mal bei 4000 Watt.

Die Dichtungen sind ein eigenes Thema. Da ist eigentlich nur PTFE unbedenklich. Viele Klemmen den Helm mit Klammern auf den Topf auf diesen Schüttrand. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten.


Schau dich mal im Forum um. Es gibt eigene Bereiche, die die Beheizung, den Bau und die Materialien für Destillen betreffen.
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azeotrop
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Re: Neue Destille gesucht: wo anfangen?

Beitrag von azeotrop »

TriClamp Anschluss für einen Deckel ohne Schweissen oder Löten.
2 "Tri Clamp x 1-1/4" Außengewinde (bsp) Sanitär adapter 1/2 Edelstahl rohr verschraubung für Homebrew
https://a.aliexpress.com/_EyZyWf7

Variante mit Mutter bestellen. Als Dichtung kann man eine dicke Wurst aus Teflonband formen oder passende Teflon-Flachdichtungen nehmen.

Ich würde zwei solche Flansche einbauen. Einen in der Mitte für ein Rührwerk, eines näher am Rand für das eigentliche Steigrohr oder eine Kolonne.
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Re: Neue Destille gesucht: wo anfangen?

Beitrag von derwo »

Aber das Rührwerk müsstest du selber bauen...

Es gibt schon auch noch Mitteldinger zwischen 2 und 25lt. Das sind schwere Entscheidungen. Wir haben fast alle nicht nur einmal gebaut. We baut, kann auch umbauen. Wer kauft, ist da wesentlich unflexibler.

Einen Sandwichboden solltest du unbedingt nehmen. Hier Infos zu den Topfdeckeln: viewtopic.php?t=45
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Re: Neue Destille gesucht: wo anfangen?

Beitrag von azeotrop »

Ein Topf muss auch nicht hoch gefüllt sein. Er darf nur nicht trocken gebrannt werden. Ein paar cm Flüssigkeit müssen nach dem Brand noch im Kessel sein. Wer nicht sparen muss kauft hochwertige Töpfe mit gleichem Durchmesser, aber unterschiedlicher Höhe die den gleichen Deckel verwenden.
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Re: Neue Destille gesucht: wo anfangen?

Beitrag von Alex_69 »

Ok, danke euch.
Also, Ich habe nun Topf, Deckel Kombis gefunden, wie zB: https://www.ebay.de/itm/324090245708?ha ... R_Dws_eZYw.
Wenn das Steigrohr nicht zentrisch ist, muss ich aufpassen, dass der Deckel dann flach ist... oder gibt es Möglichkeiten den 2" Triclamp auch auf schiefen Ebenen zu justieren?
Welche Platten sind dann geeignet, die also nicht pulsieren?
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Re: Neue Destille gesucht: wo anfangen?

Beitrag von derwo »

Diese Töpfe schauen jedenfalls gut aus.

Das mit der Krümmung des Deckels, das hast du gut beobachtet. Ich denke, da muss man dann schweißen. Oder du kaufst dir eine runde Edelstahl- oder Kupferplatte anstelle eines Deckels. Es gibt auch Angebote ohne Deckel etwas günstiger, wenn du Glück hast.

Die Herdplatte, das kannst du auch erstmal verschieben. Es wird auch erstmal mit einer schaltenden Platte oder dem Küchenherd gehen. Sollte halt schon mindestens 1.5kW haben für 10-20lt-Kesselfüllungen.
Nicht-pulsierende Platten gibt es kaum, aber man kann die meisten umbauen. Am besten eignen sich dafür die alten Platten mit Stufenschaltern. Bei denen muss man höchstens einen Thermoschutzschalter überbrücken.

Und das Rührwerk, da du ja glaube ich eher Obst machst, wäre das eine feine Sache, erfordert aber schon recht viel Bastelei. Das kannst du auch verschieben. Die Frage ist dann nur, ob du bei deinem Deckel das von Anfang an einplanen willst. Du könntest es auch weglassen und dann dir irgendwann einen zweiten Deckel zulegen, wo das Rührwerk dann drankommt. Wer weiß, vielleicht triffst du mit der Destillengröße nun eine Entscheidung, die dir später nicht mehr gefällt. Und dann bist du froh, daß du nicht schon so viel investiert hast.

Und dann kaufst du dir einen Potstillaufsatz mit Shotgunkühler von Stilldaragon? Also sowas: https://www.stilldragon.eu/de/pot-still ... imple.html
Ist halt teuer...
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Re: Neue Destille gesucht: wo anfangen?

Beitrag von Alex_69 »

Hallo derwo,

ja, man sollte Schritt für Schritt gehen... das mit dem Rührwerk werde ich bestimmt mit meinen Kollegen am Institut lösen ;-), die haben viel mehr Ahnung als ich von Steuerung und Schaltung von Motoren.
Ja so eine Potstill, nur dachte ich an die senkrecht nach unten laufende Version, https://www.stilldragon.eu/de/pot-still ... basic.html (platzsparender). oder, ist der schiefe Abfluss günstiger, da ich dann besser kühlen kann, da Fluid/Gas langsamer strömt?
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azeotrop
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Re: Neue Destille gesucht: wo anfangen?

Beitrag von azeotrop »

Als Anschweissstutzen hibt es sowas. Damit klappt es. Kann man auch Hartlöten oder Weichlöten. Wenn es mal Gewicht tragen soll ist Weichlöten nicht so belastbar.
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