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Hügelwilli
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Getreiderechner Überarbeitung

Beitrag von Hügelwilli »

Wir haben die Getreiderechner 1 und 2 überarbeitet.


Es gibt zwei grundsätzliche Änderungen:

1. Ähnlich wie der Obstmaischerechner 2 und der Rumrechner, beziehen sie nun die unvergärbaren Feststoffe in die Rechnung mit ein.

2. Die Maischeffizienz kann eingegeben werden. Diese Prozentzahl, wie viel von der Stärke beim Maischen in Zucker umgewandelt wird. 90% ist voreingestellt. Viel höher schafft man wahrscheinlich nicht.


Diese beiden Rechner funktionieren nur gut zum Berechnen von Getreidemaischen, welche nicht abgeläutert werden. Wir machen vielleicht aber auch noch einen Rechner für abgeläuterte Maischen.

Weitere Infos stehen noch direkt in den beiden Rechnern.



Edit 21.6.21:

Das war ein bisschen ein Schnellschuss. Wir haben die beiden Getreiderechner nochmal überarbeitet.

Bisher war die Berechnung davon ausgegangen, daß bei 100% Maischeffizienz beim Maischen aus 1kg Stärke 1kg Zucker wird. Das ist aber falsch, da auch Wasser miteingebaut wird. Also aus 1kg Stärke wird etwas mehr als 1kg Zucker. Und das Wasser wird etwas weniger. Wenn man das durchrechnet, erreicht man bei gleichbleibender Maischeffizienz etwas höhere vol%. Da diese vol% aber dann etwas unrealistisch sind, haben wir das Preset der Maischeffizienz von 90 auf 85% reduziert.

Dann war noch der Fehler, daß der Rechner den Zucker als Saccharose, also Haushaltszucker, rechnet und aber Saccharose eigentlich gar nicht groß vorkommt in Getreidemaischen.
Wir haben von der Dichte von Lösungen der anderen Zuckerarten wahrscheinlich ähnlich gute Datenreihen wie von Saccharose. Also gibt es keinen Grund, diese Datenreihen nicht zu verwenden. Aber welche Zuckerart soll man nehmen? Maltose ist bei Stärke, welche nur mit Malz umgewandelt wurden, die bei weitem häufigste Zuckerart. Bei mit zugegebenen Enzymen umgewandelter Stärke ist allerdings Glucose am häufigsten. Aber macht das was aus? Das durchzurechnen war ganz interessant: Eine Maische aus Glucose hat bei gleicher Rezeptur und gleicher Maischeffizienz, also bei gleichem potentiellen Alkoholgehalt, 2 - 2.5 Oechsle mehr als eine aus Maltose. Das bedeutet, wenn man mit zugegebenen Enzymen mehr Oechsle erreicht als ohne, bedeutet das nicht, daß man vergleichbar mehr Alkohol bekommen wird. Der Erfolg von Enzymzugaben ist also niedriger als man aufgrund der Messung denkt.
Wir haben es mit einem Schieberegler einstellbar gemacht, ob man eher Maltose oder eher Glucose maischt. Das Preset ist 80% Maltose, also eine Maische, die nur mit Malzenzymen umgewandelt wird. Es ist nicht besonders relevant für die Praxis, aber interessant.
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Volumen von Behältern

Beitrag von Hügelwilli »

Ein neuer Rechner ist da: Volumen von Behältern

Das ist diesmal etwas ganz anderes als sonst. Der Rechner berechnet den Inhalt von teilweise oder ganz gefüllten Behältern.

Wenn man also den ganzen Tag Kirschen gepflückt hat, diese dann zermatscht im Gärfass liegen, und man nun wissen will, wie viele Liter das sind, kann man es hier berechnen. Man muss nur die Grundabmessungen des Fasses und die Füllhöhe mit einem Meterstab abmessen.
Oder wenn man 20l Maische in die Destille geben will, da sie bei 21l vielleicht überschäumt, kann man hier berechnen, bis zu welchen Zentimetern Füllhöhe man dafür einfüllen muss.

Weitere Infos, zum Beispiel über die berechenbaren Behälterformen, sind in der Anmerkung unter dem Rechner zu finden.
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Likörrechner

Beitrag von Hügelwilli »

Wir haben einen neuen Rechner, den Likörrechner

Mit ihm kann man sich aus verschiedenen Zutaten einen Likör oder Cocktail zusammenmischen und bekommt das Endergebnis berechnet. Also zum Beispiel die Gesamtmenge, die vol% Alkohol und die kcal.

Das besondere an diesem Rechner ist, daß er die Kontraktion von Ethanol, Zucker und Wasser berechnet. Das kann unseres Wissens nach kein anderer Rechner, da die dafür nötigen Messungen der Dichte wahrscheinlich bisher nie gemacht wurden.
Messungen und somit Daten und Formeln gibt es nur von Ethanol-Wasser- und Zucker-Wasser-Mischungen, aber nicht von einer Mischung aller drei Stoffe gemeinsam. Wir haben etwa 40 Messungen gemacht und dabei festgestellt, daß man die Dichte der Dreiermischungen nicht einfach so von der Dichte der beiden Zweiermischungen ableiten kann. Wenn man das versucht, verrechnet man sich bei zum Beispiel 40vol% Alkohol und 10% Zucker um etwa 6 g/lt. Ethanol und Zucker sind ja miteinander unlöslich und scheinen sich daher in der Dreiermischung abzustoßen. Dadurch steigt das Volumen bzw. sinkt die Dichte. So kann man sich das zumindest erklären.
Wir werden sicher noch mehr Messungen machen, um die Daten zu verbessern. Aber so wie es jetzt ist, ist es zumindest näher an der Wahrheit als mit einfachen Rechenmethoden.

Die Berechnung berücksichtigt neben Ethanol, Wasser und Zucker auch andere Kohlenhydrate, Ballaststoffe, Eiweiß, Fett, organische Säuren und Mineralstoffe. Die presets der einzelnen Zutaten können teilweise abgeändert werden. Und es gibt eine Blankozutat "Sonstiges", bei der alles einzeln eingestellt werden kann.

Weitere Infos gibt es in der Anmerkung unter dem Rechner.

Wer eine wichtige Zutat in der Liste vermisst, kann mir das gerne per PN schreiben. Nicht einfügen aber werde wir zum Beispiel Zimtstangen, denn die werden nach einer Mazeration wieder rausgenommen, Bittermandelextrakt, denn der wird nur in geringsten Mengen verwendet, und wahrscheinlich auch nicht andere Früchte und Fruchtsäfte, denn das ist in der Liste mit anderen Früchten und Säften genug abgedeckt. Aber ich kann mir schon vorstellen, daß jemandem eine sinnvolle Ergänzung einfällt.
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Potstill- und Thumpersimulator

Beitrag von Hügelwilli »

Unser Riesenbaby ist endlich fertig, der Potstill- und Thumpersimulator

Wer unseren Destillationssimulator 2 kennt, wird damit auch schnell zurechtkommen. Der neue Rechner ist viel praxisnäher, da er die Wärmeverluste nach außen, die Temperaturen der Destillenwände und die Wärmeausbreitung in der Destille und von den Destillenwänden mitberechnet. Dadurch haben wir realistischere Destillatmengen und realistische Aufheiz- und Abkühlzeiten. Außerdem wird der passive Reflux berechnet und daraus wird zusammen mit den abgeschätzten reellen Böden der Destille die passive Rektifikation berechnet. In diesen Rechner werden also die theoretischen Böden nicht wie bei den anderen Rechnern eingegeben, sondern der Rechner versucht sie zu berechnen.

Und man kann ein oder zwei Thumper mitberechnen. Da steckt aber eigentlich nicht viel zusätzliches drinnen außer programmieren. Wenn man eine Potstill mit Wärmeverlusten berechnen kann, kann man auch eine Thumperdestille berechnen, da keine zusätzlich zu berücksichtigende Physik dazukommt.


Zur Bedienung steht alles weitere unter dem Rechner selbst.
Hier aber noch ein paar Anmerkungen, zuerst über physikalische Details und dann drüber, was für praktische Konsequenzen das alles für das Destillieren mit Thumpern hat:

Grundsätzlich berechnet man der Wärmeverlust folgendermaßen:
Wärmeverlust = Temperaturunterschied x Fläche x htc
Der htc (heat transfer coefficient) ist aber leider keine Konstante. Wie viel er schwankt, ist schwer vorhersehbar. Manchmal ist es vernachlässigbar, oft aber nicht.
Wir mussten also unter anderem aufgrund von Messergebnissen Vermutungen anstellen, wie sich der htc verändert. Und auch warum. Denn der Rechner soll ja für alle Destillen funktionieren, es müssen also Formeln oder Regeln für die htcs aufgestellt werden, die auch irgendwie eine physikalische Logik haben.
Es ist aber dann immer mehr deutlich geworden, daß nicht nur der htc variabel ist, sondern auch die Umgebungstemperatur (klingt unlogisch, dazu schreibe ich weiter unten mehr) und die Effizienz der Herdplatte:
  • Den htc durch das Metall haben wir als Konstante belassen, auch wenn es bei Kupfer und Edelstahl unterschiedlich ist. Aber es ist ein eher unwichtiges Detail. Die Wandstärke der Destillenteile haben wir in diesem Zusammenhang auf 1mm eingestellt.
  • Den htc des Metalls nach außen haben wir als Konstante genommen. Hier kommt aber die variable Umgebungstemperatur ins Spiel. (Siehe später)
  • der htc für die Konvektion des Kesselinhalts nach oben wird vom durchschnittlichen Abstand der Kesselinhaltoberfläche zu den Destillenflächen oberhalb beeinflusst.
  • Für eine noch realistischere Darstellung hätten wir die Destille und auch die Thumper in übereinanderliegende Scheibchen mit jeweils eigener Temperatur aufteilen müssen. Dann könnte man beobachten, wie beim Aufheizen die Wärme nach oben kriecht. Wir haben die Destille bezüglich ihrer Wandtemperatur aber nur in folgende Bereiche aufgeteilt:
    • der Boden, beziehungsweise der Boden und die Herdplatte als eine Einheit. Diesen Bereich einzeln zu nehmen, ist bei Verwendung einer Herdplatte wichtig, welche im Betrieb ja weitaus die höchste Temperatur der Destille hat.
    • der flüssigkeitsgefüllte Bereich.
    • der dampfgefüllte Bereich inklusive Deckel und Steigrohr. Flüssigkeits- und dampfgefüllte Bereiche zu unterscheiden, ist wichtig, da Dämpfe Wärme besser an Wände übertragen als Flüssigkeiten.
    • die Temperatur des Geistrohrs in den Thumper. Das ist nicht so wichtig. Es sorgt aber wahrscheinlich für realistischere Veränderungen der Füllhöhe des Thumpers. Hierbei nimmt der Rechner für das Geistrohr denselben Durchmesser und dieselbe Isolierung an, wie es das davorliegende Steigrohr hat, und die Höhe, die es braucht, damit alle Behälter auf derselben Ebene stehen.
  • der htc vom Dampf zum Metall ist konstant und sehr hoch.
  • der htc vom flüssigen Kesselinhalt zum Metall haben wir in Abhängigkeit zur Temperatur und dem Siedepunkt der Flüssigkeit gesetzt. Je höher die Temperatur, desto stärker der Wärmeübergang (höherer htc).
  • Die Herdplatte gibt bei hohen Watt pro cm² sehr viel Wärme nach unten ab, verliert also Effizienz. Diese Effizienz der Herdplatte haben wir in Abhängigkeit von den Watt und dem Kessel- oder Thumperdurchmesser gesetzt. Davon ausgehend, daß der Herdplattendurchmesser bei einer Destille mit großem Durchmesser auch tendenziell größer ist als bei einer kleinen Destille. Also große Destille = große Herdplatte.
    Unsere Beobachtung war aber, daß die Effizienz immer extremer sinkt bei steigenden Watt pro cm². Wenn man das in eine Formel packt, gibt es irgendwo dann eine Effizienz unter 0, was natürlich nicht sein kann. Irgendwo muss die Tendenz wieder umdrehen. Wo, wissen wir aber nicht. Deswegen sind im Vergleich zur Bodenfläche extrem hohe Leistungen bei Verwendung einer Herdplatte im Rechner ausgeschlossen. Und zwar mehr als 10 Watt/cm². Bei einer für uns typischen Topfgröße mit 28cm Durchmesser ist dieser Punkt bei ca 6150 Watt erreicht. Gibt man mehr ein, erscheint eine Warnung. Solch extrem hohe Leistungen haben wir natürlich nicht ausprobiert. Die berechnete Effizienz der Kochplatte in diesem Wattbereich ist also spekulativ.
  • Induktionsplatten haben anscheinend eine etwas geringere Effizienz als herkömmliche Platten. Das müssen wir aber noch weiter beobachten.
  • Die Umgebungstemperatur ist natürlich eigentlich unabhängig von der Destille. Allerdings spürt man ja die Wärme der Destille, wenn man seine Hand in die Nähe der Destillenwand bringt. Und das hängt auch von der Größe des Destillenbauteils ab. Also 10cm neben einem dünnen Steigrohr bemerkt man die Wärme nicht, 10cm neben dem großen Kessel aber schon. Also haben wir die Umgebungstemperatur in Abhängigkeit von der Temperaturdifferenz und des Durchmessers des Destillenteils erhöht. Nur so waren die gemessenen überproportional starken Wärmeverluste bei hohen Steigrohren zu erklären.

Die % Reflux lassen sich genau berechnen, wenn man weiß, wo die Destille wie viel Wärme verliert. Aber wie viel Rektifikation das bewirkt, hängt von den reellen Böden der Destille ab. Und da eine Potstill ja keine wirklichen Böden hat, mussten wir das aus ein paar Messungen und logischem Denken abschätzen. Nun werden die reellen Böden berechnet aus:
  • der Refluxfläche, je mehr Fläche, desto mehr Interaktionsfläche mit dem Dampf.
  • dem Refluxstrom (also ml/min Reflux), je langsamer der Reflux fließt, desto mehr Zeit für Interaktion mit dem Dampf. Ohne die Berücksichtigung des Refluxstroms würde langsam Destillieren weniger Rektifikation verursachen als von uns gemessen.
  • und vom durchschnittlichen Abstand der Refluxflächen vom Kesselinhalt. Denn je höher die Destille ist, desto größer ist der Weg des Reflux nach unten, desto mehr Zeit für Interaktion mit dem Dampf. Ohne diese Berücksichtigung des Abstands würde die Erhöhung der reellen Böden, wenn man ein langes Steigrohr hinzumontiert, zu gering berechnet werden.

In einen Thumper kann man ja normalerweise nicht hineinschauen. Es stellt sich daher während der Destillation mit einem Thumper oft die Frage, ob er Gefahr läuft, überzulaufen, oder ob der Hauptkessel oder ein beheizter Thumper trockenläuft und dann der letzte Rest in ihm anbrennt. Natürlich haben sich da aus der großen praktischen Erfahrung, die vor allem amerikanische und australische Hobbybrenner mit Thumpern haben, mit der Zeit ein paar Regeln herauskristallisiert, die hier auch gar nicht widerlegt werden. Mit der Simulation kann man aber nun etwas mehr ins Detail schauen.
Auch die Fragen, inwiefern ein Thumper eine ganze zweite Destillationsstufe oder nur ein Bruchteil davon bildet, wovon das abhängt und warum das so ist, können beantwortet werden:
  • In welchen Fällen läuft der Thumper über?
    Während der noch kalte Thumperinhalt durch den einströmenden Dampf erhitzt wird, füllt sich der Thumper weiter. Je langsamer man destilliert, umso länger dauert diese Phase und umso mehr füllt sich der Thumper, da ein großer Teil des Wärmeverlust pauschal ist, also nicht von der Heizleistung abhängt. Etwas mehr füllt er sich außerdem, wenn er nicht isoliert ist. Schon beim Aufheizen ist also eine große Gefahr, daß es überläuft. Sobald der Thumper ebenfalls Dampf produziert, hängt es von zwei Punkten ab, ob der Thumper sich weiter füllt oder ob er sich leert:
    • Die unterschiedlichen Alkoholgehalte im Kessel und im Thumper:
      Sobald der Thumper Dampf produziert, leert er sich in den meisten praktischen Fällen erstmal langsam. Nur wenn der Alkoholgehalt im Hauptkessel wesentlich höher ist als im Thumper, füllt sich der Thumper weiter. Normalerweise hat man aber im Thumper eine höhere Alkoholstärke als im Hauptkessel. Die Ausnahme ist, wenn man eine Wasserdampfdestillation macht, zum Beispiel um Anbrennen zu verhindern, also zum Beispiel man in den Hauptkessel Wasser und in den Thumper Maismaische mit 10vol% gibt. Dann füllt sich der Thumper in geringem Ausmaß weiter. Ein wirklich schnelles Ansteigen des Pegels bekommt man aber nur, wenn man in den Kessel zum Beispiel 90vol% gibt und in den Thumper Wasser. Das macht man in der Praxis aber ja nicht.
    • Die Heizleistung:
      Wie schon beim Aufheizen sorgt eine hohe Heizleistung dafür, daß man relativ gesehen weniger Wärmeverluste hat, wodurch sich der Thumper dann eher leert als füllt.
    Also bei einer normalen Verwendung mit normaler Heizleistung und mit einer Maische im Hauptkessel und mit einer dazu passenden Menge Nachläufe oder Raubrand im unbeheizten Thumper, füllt sich der Thumper beim Aufheizen seines Inhalts. Sobald er Dampf produziert, leert er sich. Und das mit der Zeit immer langsamer, weil sein Alkoholgehalt schneller absinkt als der im Hauptkessel. Abhängig von der Heizleistung und der Isolierung kommt irgendwann ein Punkt, wo sich das umdreht, er sich also wieder befüllt. In vielen Fällen wird man die Destillation hier aber bereits beenden.
  • Mit wie viel litern und mit welcher Alkoholstärke sollte man den Thumper befüllen? Kann es sinnvoll sein, mit leerem Thumper zu beginnen?
    Wenn man den Thumper vor der Destillation gar nicht befüllt, wird zwar jeder Tropfen Destillat am Ende doppelt gebrannt sein, aber es findet außer beim Vorlauf nur eine sehr geringe Erhöhung der Alkoholstärke gegenüber einer einfachen Potstilldestillation statt, weil die sich im Thumper ansammelnde geringe Menge Flüssigkeit permanent stark ausgelaugt wird, sich also außer beim Vorlauf keine hohe Alkoholstärke dort etablieren kann. Der Thumper hilft dann also nur gegen Überschäumen, man bekommt ein sauberes Destillat. Und man bekommt eine stärkere Trennung beim Vorlauf. Um den Mittellauf nicht mit Nachlaufstoffen zu beeinträchtigen, braucht man aber die hohe Alkoholstärke. Besser ist es also normalerweise, den Thumper zu befüllen. Wenn man aber nur Maische hat, also die Maische auf Kessel und Thumper verteilt, kann man zwar eine genug hohe Alkoholstärke für eine gute Mittellaufausbeute bekommen, aber das Destillat ist teilweise nur einfachgebrannt und kann daher Trübungen aufweisen und allgemein trotz des hohen Alkoholgehaltes etwas wie ein Raubrand schmecken.
    Wenn man im Vergleich zum Hauptkessel viel Maische in den Thumper gibt, bekommt man von Anfang an eine nicht besonders hohe Alkoholstärke im Destillat, aber diese sinkt nur langsam. Wenn man im Vergleich zum Hauptkessel wenig Maische in den Thumper gibt, bekommt man anfangs eine hohe Alkoholstärke, welche dann aber sehr schnell sehr weit absinkt.
    Es ist also normalerweise nötig, daß im Thumper eine höhere Alkoholstärke als im Hauptkessel ist. Zum Beispiel ein Raubrand im Thumper und eine Maische im Hauptkessel. Denn erstens ist dann am Ende jeder Tropfen Destillat mindestens doppeltgebrannt und zweitens wird die Alkoholstärke im Destillat über eine lange Zeit hoch genug sein, um einen nachlaufarmen Mittellauf mit guter Ausbeute zu bekommen.
    Anstelle extra für die Thumperfüllung Raubrände zu machen, kann man natürlich aber auch Vor- und Nachläufe von vorherigen ähnlichen Bränden nehmen. Und das ist ja auch die einzige Art und Weise, wie heutzutage Thumper kommerziell eingesetzt werden: "Potstill destillierter Rum" meint meistens eine Potstill mit zwei Thumpern (hier "retorts" genannt), der erste befüllt mit Nachläufen mit 30-50vol%, der zweite mit Vor- und Nachläufen mit 60-80vol%.
    Und diese Brennweise mit schon Gebranntem mit hoher Alkoholstärke im Thumper erscheint eben auch aufgrund des Simulators als die einzige sinnvolle Verwendung von Thumpern.
    Sonst nur die Wasserdampfdestillation, um Anbrennen zu verhindern, anstelle eines Rührwerks. Aber ohne einen weiteren mit hoher Alkoholstärke befüllten Thumper, sind diese Destillate dann eher Raubrände.
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Kühlerdimensionierung

Beitrag von Hügelwilli »

Ein neuer Rechner ist da: Kühlerdimensionierung

Wir haben schon vor ein paar Jahren versucht, Liebigkühler zu berechnen. Das ist uns nicht gut gelungen und wir habe es deswegen nicht veröffentlicht.
Nun haben wir einen neuen Ansatz gewagt, und es schaut diesmal so aus, als wird es was werden. Wir sind noch lange nicht fertig, aber veröffentlichen diese Vorversion, da immer mal wieder nach Rohrbündelkühlern gefragt wird und dieser Rechner auf jeden dabei Fall hilft, gute Kombinationen aus Innen- und Außenrohrdurchmessern zu finden und die Endstücke zu bauen. Für beide Enden eines Rohrbündelkühlers müssen ja Endstücke zurechtgesägt werden, durch welche die Innenrohre durchpassen. Dafür zeichnet der Rechner Schablonen, die ausgedruckt werden können und dann auf die Metallplatten geklebt werden können:
Rohrbündelkühler Schablone.png

Es wird noch etwas dauern, aber irgendwann wird dieser Rechner auch Empfehlungen zur Kühlerlänge und zur Heizleistung berechnen, auch das je nach Einsatzzweck, also entweder für einen kombinierten Kondensator und Kühler, wie zum Beispiel der einer Potstill, oder für einen Refluxkühler oder für einen reiner Kühler, wie der Produktkühler einer LM.
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Zuckergehalt von Spirituosen

Beitrag von Hügelwilli »

Ein neuer Rechner ist da:
Zuckergehalt von Spirituosen

Bei manchen Spirituosensorten ist es reglementiert, daß kein oder fast kein Zucker zugegeben werden darf, bei anderen nicht. Noch dazu muss normalerweise nicht angegben werden, wie viel Zucker zugesetzt wurde.
Vor allem bei Rum wird sehr viel Zucker eingesetzt und auch andere dem Gaumen schmeichelnde Stoffe, und aber als Kontrast dazu das Produkt oft als besonders ursprünglich verkauft. Deswegen haben sich schon vor längerer Zeit Gegenbewegungen gebildet, sowohl Produzenten, welche Rum ohne Zusätze anbieten, als auch Internetseiten, welche dieses Thema behandeln. Es gab sogar mal eine Onlinepetition mit dem Ziel, Zusätze in Rum auszeichnen zu müssen.
Jemand kam dann auf die Idee, den Zuckergehalt anhand des Unterschieds der aufgedruckten Alkoholstärke und einer Messung mit einer Alkoholspindel zu ermitteln und dann Listen zu erstellen, welche Rums wie viel Zucker enthalten. Zum Beispiel hier: https://thefatrumpirate.com/hydrometer-tests-2
http://www.drecon.dk/
Da man die Dichte von Ethanol-Zucker-Wasser-Mischungen nicht einfach irgendwo nachschlagen kann, waren wir gespannt auf die Formel, welche verwendet wird, um aus dem Messwert und dem angegebenen Wert den Zuckergehalt zu berechnen. Diese steht in dem zweiten link.
Und wie vermutet, wird eine sehr einfache Faustformel verwendet: Jedes gramm/liter Zucker erhöht die Dichte um soundso viel g/lt. Und diese Konstante wurde bestimmt anhand des Wertes, um wie viel 10gew% Zucker die Dichte von reinem Wasser erhöht. So einfach ist es aber nicht. Ethanol und Zucker stoßen sich ab, dadurch steigt das Volumen, wenn man sie mischt, und dadurch wird die Dichte nicht so stark höher wie man vermutet. Und dieser Effekt ist stärker, je größer die Konzentrationen von Ethanol und von Zucker sind. Das haben wir mit eigenen Messungen herausgefunden und diese eigenen Daten finden auch schon Verwendung in einem unserer Rechner, dem Likörrechner.
Daher dachten wir, wir schauen mal, wie weit eigene Berechnungen anhand unserer Daten mit der Faustformel übereinstimmen. Und es hat sich herausgestellt, es gibt erwähnenswerte unterschiedliche Ergebnisse. Wir berechnen merkbar höhere Zuckergehalte. Bei schwach gezuckerten Spirituosen macht es nur unter 5% der Zuckermenge aus, bei stark gesüßten aber über 10%.
Aber ist das wichtig? Wahrscheinlich nicht besonders. Jemand der 30g/lt Zucker einen Skandal findet, bekommt keine andere Meinung über den Schnaps, wenn er nun 27 oder 33g/lt Zucker hat.

Wir konnten recht einfach noch eine Temperaturkorrektur einbauen, welche ebenfalls nicht auf einer Faustformel beruht.
Das macht auch an dieser Stelle das Ergebnis genauer und es vereinfacht die Messung.

Seit Mai 2021 gibt es übrigens eine neue Spirituosenverordnung, welche EU-weit einen Maximal-Zuckergehalt von 20g/lt bei Rum vorsieht. Wer das nicht einhält, darf sein Produkt nicht mehr Rum nennen. Bei einem der bekanntesten süßen Rums, dem Don Papa Rum, wurde daraufhin wirklich seinen Zuckergehalt von knapp 30g/lt auf diese 20 reduziert. Bei anderen Rums steht einfach nicht mehr drauf, daß es Rum ist, sondern als Beispiel beim A.H.Riise Non Plus Ultra very rare steht "Superior spirit drink made from premium matured Rum". Und damit man auch ohne das zu lesen sehen kann, daß es ein Rum und kein Whisky oder Cognac sein soll, sind Palmen mitabgebildet.

Es muss natürlich nicht unbedingt darum gehen, böse gezuckerte Rums zu identifizieren. Auch Obstler und Geiste werden oft gezuckert.
Und es ist auch nicht grundlegend falsch, wenn einem das schmeckt. Aber gerade als Brenner sollte man wissen, warum einem was schmeckt. Vor allem wenn man meint, nicht dieselbe Weichheit hinzubekommen wie die Lieblingsschnäpse, könnte man diese ja mal auf Zucker hin überprüfen.
ram2
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Re: Rechner

Beitrag von ram2 »

Hallo Hügelwilli!

Ich bin auf den hier veröffentlichten Alkoholmeter Temperaturkorrektur Rechner durch Suche im Internet gestossen. Konkret interessierte mich die Alkohol Volumenprozente Bestimmung und Temperaturkorrektur ausgehend von der gemessenen Dichte des Alkohol-Wassergemisches. Ich habe mich an zwei ebenfalls im Internet gefundenen Tabellen orientiert:

https://digital.library.unt.edu/ark:/67 ... 32/m1/100/
https://digital.library.unt.edu/ark:/67 ... 32/m1/101/

Als ich nun die Resultate vom Rechner mit den Tabellen verglichen habe musste ich feststellen dass es unverzeiliche Unterschiede gibt. Muss ich daraus die Schlussfolgerung ziehen dass die Tabellen nicht korrekt sind?

Gruss,
ram2
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Hügelwilli
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Re: Rechner

Beitrag von Hügelwilli »

Die von dir verlinkten Tabellen beziehen sich auf "alcohol by weight" anstelle "by volume", also Gewichtsprozent (gew%) anstelle Volumenprozent (vol%).
Ein Beispiel: 50gew% hat laut dieser Tabelle bei 10°C eine Dichte von 0.92162kg/lt.
Wenn ich in unseren Rechner Alkoholmeter Temperaturkorrektur nun 0.92162kg/lt und 10°C eingebe, berechnet er 57.9vol%. Und das ist laut Ethanol-Wasser-Mischungen eben 50gew%. Die Tabelle passt also anscheinend zu unseren Rechnern.

Hier sind die Formeln, auf denen unsere Berechnung beruht: https://extern.hobbybrennen.ch/files/R022-e75-3.pdf
ram2
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Re: Rechner

Beitrag von ram2 »

Danke für die Aufklärung. Dass in den von mir gefundenen Tabellen von der Gewichtskonzentration die Rede ist habe ich glatt übersehen!
Danke auch für den Link!
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Hügelwilli
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Re: Rechner

Beitrag von Hügelwilli »

Die Vorstellung eines eigenen Rechnerprojektes eines Mitglieds habe ich hierhin verschoben:
viewtopic.php?t=1120
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Hügelwilli
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Übersetzung der Rechner ins Englische

Beitrag von Hügelwilli »

Wir übersetzen die Rechner zur Zeit ins Englische. Ein paar Übersetzungen sind auch schon hochgeladen. Von den deutschsprachigen Versionen gibt es einen link zu den englischsprachigen und umgekehrt. Mit der Zeit sollen alle Rechner übersetzt sein.

Da die Rechnervorstellungen und -erklärungen hier ja auf deutsch sind und das Forum ja auch deutschsprachig bleiben soll, habe ich einige grundlegende Informationen in Themen zusammengefasst wie "Contraction" zum Beispiel. Diese englischsprachigen Seiten gibt es aber auch auf deutsch.
Hier der link zu den englischsprachigen Rechnern:
Calculators
Ganz unten sind die Informationsseiten aufgelistet.
Auf deutsch findet man sie auch unter der deutschsprachigen Rechnerliste, wie gewohnt hier: Rechner

Die Gründe dafür:
- Vielleicht gibt es durch die größere Reichweite neue Ideen.
- Es gibt einen Bedarf, da es zu vielen unserer Rechnerthemen (Begleitstoffe zum Beispiel) gar keine oder nur sehr wenig anschauliche englischsprachige Rechner gibt.
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Hügelwilli
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McCabe-Thiele

Beitrag von Hügelwilli »

McCabe-Thiele
Dort sind jetzt auch ausführliche Erklärungen über das McCabe-Thiele-Verfahren zu finden. Also über den rechnerischen Zusammenhang zwischen den Alkoholstärken im Kessel und im Destillat, der Anzahl der Böden und der Refluxmenge.


...und hier zwei andere neue Infoseiten:
Pyknometer
Refraktometer
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Ablenker
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Re: Rechner

Beitrag von Ablenker »

Danke sehr!
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Typische Rohrabmessungen

Beitrag von Hügelwilli »

Unser Rechner Kühlerdimensionierung hat jetzt tabellarische Infos zu den Abmessungen von üblichen Rohren in der Anmerkung. Da sind auch genauere Infos über typische Rohre aus Ländern mit imperialem System, also inch bzw. Zoll anstelle cm.
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azeotrop
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Re: Rechner

Beitrag von azeotrop »

Gut gemacht. Sehr hilfreich.
Es grüßt Azeotrop
"Doubt not, therefore, sir, but that distilling is an art, and an art worth your learning."
(Nixon & McCaw)
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Hügelwilli
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Re: Rechner

Beitrag von Hügelwilli »

Wir haben einen neuen Rechner: Teilkondensation

Es geht um die Frage, wieviel Rektifikation ein Teilkondensator wie in einer CM bewirkt. Also inwiefern er eher Wasser als Alkohol kondensiert und dadurch hochprozentigeren Dampf übriglässt. Dazu gab es neulich diese Diskussion:
CM, selektive Kondensierung
Der Rechner hat eher theoretischen als praktischen Wert. Unter dem Rechner ist eine ausführliche Erklärung zu diesem Thema.